mini|Blick durch die Fettehennenstraße, wohl nach Norden Richtung Alter Markt mini|Einmündung der Fettehennenstraße auf den Alten Markt (rechts des Hauses) Die Fettehennenstraße war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße aufgegeben und überbaut.
Lage und Verlauf Die Straße befand sich in der Magdeburger Altstadt. Sie begann im Süden an der Dreienbrezelstraße gegenüber der Einmündung der Schmiedehofstraße und verlief in nördlicher Richtung, bis sie westlich des Hauses Zum goldenen Greif auf der Südseite des Alten Markts einmündete. Westlich der Straße verlief in geringem Abstand parallel die Lödischehofstraße. In etwas größerer Entfernung, aber ebenfalls weitgehend parallel, lag östlich die Hartstraße.
Die Hausnummerierung verlief von der Nummer 1 nahe am südöstlichen Ende aufwärts entlang der Ostseite bis zur Nummer 5. Auf der Westseite ging es weiter mit der Nummer 6 aufsteigend nach Süden bis zur Nummer 11 nahe der Dreienbrezelstraße. Auf der Ostseite wies die Straße eine kleine Ausbuchtung, die Tasche, auf. Die Länge der Straße betrug etwa 150 Meter.
Heute befindet sich am südlichen Beginn des Bereichs der Fettehennenstraße der nördliche Mittelteil des Allee-Centers. Der Bereich kreuzt dann die Ernst-Reuter-Allee und verläuft durch den dort errichteten Häuserblock bis zum Alten Markt. Am heutigen Gebäude Alter Markt 3 markiert das Hauszeichen Zur fetten Henne in etwa den Bereich der ehemaligen Einmündung der Straße.
Geschichte Der Name der Straße geht auf das in der Straße befindliche Haus Nummer 9, das Haus Zur fetten Henne zurück und war seit 1631 praktisch ausschließlich in Gebrauch. Im 17. Jahrhundert wurde für den Bereich, nicht nur für die konkrete Straße, auch der Name Im Kleinschmieden verwandt. Im Magdeburger Straßenverzeichnis von 1552 finden sich für die Straße die Namen Beienhof und Rohelstraße, die aber anderweitig nicht erwähnt sind. Ein Beienhof ist ein Holzhof, was vermuten lässt, dass sich damals ein solcher in der Straße befand. Möglicherweise war Beien aber auch lediglich ein Familienname. Rohel könnte auf eine Rollstraße, eine mit einem drehbaren Kreuz abgesperrte Straße, hinweisen.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 112 f.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bereich stark zerstört. In der Folge fanden archäologische Untersuchungen statt. Dabei wurde vor dem Grundstück Nummer 4, in der sackartigen Erweiterung der Fettehennenstraße zwei Kalkbrenngruben gefunden, die wohl im 12. Jahrhundert, vermutlich beim Aufbau am Alten Markt zur Zeit von Erzbischof Wichmann, entstanden. Dort wurden auch diverse Scherben und ein zweiseitiger Dreilagenkamm gefunden. Darüber hinaus fand man Reste von Kugelgefäßen aus der Zeit um 1000 bis ins 12. Jahrhundert, die auf eine Verbindung in den niedersächsischen Raum deuten. Weiterhin Reste von mit Wellen verzierten Standbodengefäßen und von slawischen Standbodengefäßen aus der Zeit zwischen 1000 und 1200. Zwischen den Häusern 4 und 9 fand sich eine Abfallgrube aus dem frühen 12. Jahrhundert mit ähnlichen Funden.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 37
In der Zeit der DDR wurde die Straße nicht wieder aufgebaut, sondern war im südlichen Teil unbebaut Teil des Zentralen Platzes. Der mittlere Teil wurde durch die Verkehrsfläche der Wilhelm-Pieck-Allee, der heutigen Ernst-Reuter-Allee, überbaut, der nördliche durch einen neu errichteten Gebäudeblock, der die Südseite des Alten Markts begrenzt. Dort befindet sich am Haus Alter Markt 3 das Hauszeichen Zur fetten Henne. In den 1990er Jahren wurde auf der Fläche des Zentralen Platzes dann das Allee-Center errichtet.
Historische Häuser der Fettehennenstraße