Erwin Deutsch (* 12. April 1917 in Klagenfurt; † 15. Juli 1992 in Wien) war ein österreichischer Hämatologe und Internist. Die Erforschung der Blutgerinnung und die Biochemie der Gerinnungsfaktoren war ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Er war Opfer des Nationalsozialismus.
Leben Deutsch wurde am 12. April 1917 in Klagenfurt geboren. Sein Vater war Julius Deutsch, ein Zentralinspektor bei den Österreichischen Bundesbahnen, und seine Mutter hieß Maria Deutsch. Er studierte ab 1935 Medizin an der Universität Wien. Nach dem „Anschluss Österreichs“ im März 1938 konnte er als Jude sein Studium nur eingeschränkt und bei jederzeitigem Widerruf vorläufig fortsetzen. Zwar konnte er 1940 promovieren, gleichzeitig erhielt er aber Berufsverbot und sein Doktordiplom wurde mit einer Sperrklausel versehen, sodass er zur Ausübung der ärztlichen Praxis im Deutschen Reich nicht berechtigt war. Er musste aus Österreich fliehen und war in verschiedenen Kliniken in Deutschland tätig, so am St. Josefs- und St. Vinzenzkrankenhaus in Neunkirchen-Saar, im Knappschaftskrankenhaus Frankenholz und 1945 in Neustadt a. d. Weinstraße. Er überlebte den Krieg und kehrte 1946 nach Wien zurück, wo er als Arzt arbeitete.
Er starb am 15. Juli 1992 in Wien und ist auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Er war verheiratet und hatte eine Tochter.
Wirken
Ab 1946 war er als Röntgenfacharzt und Internist in der 1. Medizinische Klinik der Universität Wien tätig. Er erwarb unter Ernst Lauda den Facharzt für Innere Medizin, für Laboratoriumsmedizin und Radiologie und habilitierte 1952 mit seiner Erstbeschreibung einer Hemmkörper-Hämophilie. Er war Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft für Blutgerinnungsforschung und 1957 Initiator der Zeitschrift Thrombosis and Haemostasis. Ab 1964 bis zu seiner Emeritierung 1987 leitete er die 1. Medizinischen Klinik. Er führte dort u. a. eine Intensivstation, eine Hämodialysestation, eine Vergiftungsinformation, ein endokrinologisches Labor, ein Hämophiliezentrum sowie eine Lehrkanzel für Chemotherapie ein. Er veröffentlichte über 400 Publikationen. Über mehrere Jahrzehnte hinweg entwickelte er grundlegende neue Konzepte zur Blutgerinnung, zur Funktion der Thrombozyten und zur Fibrinolyse. Diese Arbeiten trugen maßgeblich dazu bei, die Hämostaseologie von einer primär labororientierten Wissenschaft zu einer eigenständigen klinischen Disziplin weiterzuentwickeln.
Er war Präsident nationaler und internationaler Fachgesellschaften und Kongresse, darunter 1974 die DGHO-Jahrestagung in Wien. 1966 gründete er die Österreichische Hämophilie Gesellschaft (ÖHG).
Veröffentlichungen (Auswahl)
Ehrungen (Auswahl) 1968: Preis der Stadt Wien für Naturwissenschaften 1973: Mitglied der Akademie Leopoldina 1974: Goldene Medaille der Stadt Klagenfurt 1977: Ehrendoktorwürde der Universität Gießen 1981: Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1982: Ludwig-Heilmeyer-Medaille in Gold 1987: Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hämatologe Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 1992 Kategorie:Mann