mini|Titelseite des Ausstellungskataloges Edouard Manet, 1928 Die Ausstellung Edouard Manet fand vom 6. Februar bis 18. März 1928 in den Räumen der Galerie Matthiesen in der Bellevuestraße 14 in Berlin statt. Die Übersichtsschau zum Werk des französischen Malers Édouard Manet war die bisher größte Einzelausstellung des Künstlers im deutschsprachigen Raum.Galerist Catzenstein formulierte im Vorwort zum Katalog: „die erste große Präsentation dieses Meisters in Deutschland überhaupt“. Auch spätere Ausstellungen im deutschsprachigen Raum erreichten diesen Umfang nicht mehr. Sie umfasste Gemälde, Pastelle, Aquarelle und Zeichnungen. Leihgeber waren Museen im Inland und europäischen Ausland, sowie zahlreiche Privatsammler, von denen viele aus Berlin stammten.
Zur Entstehung der Ausstellung Die erst seit 1923 in Berlin ansässige Galerie Matthiesen hatte sich innerhalb weniger Jahre zu einem bedeutenden Ort für Ausstellungen französischer Kunst etabliert. Hierzu trugen neben den Einzelausstellungen zu Henri de Toulouse-Lautrec 1924 und Honoré Daumier 1926 vor allem die internationalen Beziehungen des Inhabers Franz Catzenstein bei.Angaben zur Galerie Matthiesen auf der Website der staatlichen Museen zu Berlin. Die Manet-Ausstellung 1928 sollte daran anknüpfend „einen Überblick über das Oeuvre dieses großen Anführers der impressionistischen Malerei geben.“, wie es Catzenstein im Katalog zur Ausstellung formulierte.Einleitung zum Katalog der Ausstellung 1928 von F.M.Z (Franz Manes Zatzenstein).
Das Werk Manets war bis dahin – auch international – selten in einer kuratierten Ausstellungen zu sehen.Réunion des Musées Nationaux, Metropolitan Museum of Art: Manet, S. 536–539. Nach Manets Tod zeigte die Académie des Beaux-Arts 1884 in Paris eine große Retrospektive seines Werkes. Danach gab es keine weitere Werkschau in einem ähnlichen Umfang. Eine Auswahl von zwölf seiner Gemälde war in der Ausstellung französischer Malerei im Rahmen der Weltausstellung 1900 in Paris zu sehen.Katalog zur Ausstellung Catalogue officiel illustré de l’exposition centennale de l’art français de 1800 à 1889 im Rahmen der Weltausstellung 1900. Darüber hinaus gab es vor allem Ausstellungen, die dem Verkauf seiner Werke dienten, etwa durch seinen Galeristen Paul Durand-Ruel in dessen Filialen in Paris und New York. Hinzu kamen Ausstellungen, bei denen Werke Manets aus den Sammlungen des Opernsängers Jean-Baptiste FaureRéunion des Musées Nationaux, Metropolitan Museum of Art: Manet, S. 538. und des Margarine-Fabrikanten Auguste Pellerin (1901–1911) angeboten wurden.Josef Kern: Impressionismus im wilhelminischen Deutschland, Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte des Kaiserreichs, S. 83–85. Diese Verkaufsausstellungen 1906–1907 (Faure) und 1910–1911 (Pellerin) waren in Paris, London, Wien, Stuttgart, München und Berlin zu sehen; die Werke der Sammlung Pellerin bildeten zudem den Manet-Teil der Ausstellung Manet and the Post-Impressionists 1910–1911 in London.Réunion des Musées Nationaux, Metropolitan Museum of Art: Manet, S. 538.
Die Berliner Manet-Ausstellung 1928 war nicht als Verkaufsausstellung gedacht, auch wenn Catzenstein einige wenige Bilder aus seinem Galeriebestand beisteuerte, sondern sie sollte durch gezielte Leihgaben von Museen und Privatsammlern einen Überblick auf alle Schaffensphasen Manets geben.Einleitung zum Katalog der Ausstellung 1928 von F.M.Z (Franz Manes Zatzenstein). Berlin bot sich hierfür in besonderem Maße an. Im Oktober 1883 hatte der Galerist Fritz Gurlitt in der deutschen Hauptstadt erstmals Werke Manets zusammen mit Bildern anderer moderner französischen Künstler aus der Berliner Sammlung von Carl und Felicie Bernstein und weiteren Arbeiten aus dem Bestand der Pariser Galerie Durand-Ruel gezeigt.Emily D. Bilski, Viktoria Krieger, Chana Schütz, Evelyn Wöldicke: Berlin. Cosmopolite: Die versunkene Welt von Felicie und Carl Bernstein, S. 36. Zudem hatte Museumsdirektor Hugo von Tschudi 1896 Manets Gemälde Im Wintergarten für die Berliner Nationalgalerie erworben, der erste Ankauf eines Manet-Werkes für ein Museum weltweit. Darüber hinaus waren in Berlin Werke Manets in weiteren Gruppenausstellungen zu sehen, beispielsweise je fünf Werke in der Berliner Secession 1902Katalog zur Ausstellung der Berliner Secession 1902. und 1903Katalog zur Ausstellung der Berliner Secession 1903. sowie zwei Werke an gleicher Stelle 1906.Katalog zur Ausstellung der Berliner Secession 1906. Zudem gab es in Berlin zahlreiche Sammler moderner Kunst, die Werke von Manet besaßenStefan Pucks: Von Manet zu Matisse. Die Sammler der französischen Moderne in Berlin, S. 386–390. und bereit waren, diese für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Dazu gehörten Johanna Arnhold, Otto Gerstenberg, Julius Elias, Marie-Anne von Goldschmidt-Rothschild, Erich Goeritz, Jakob Goldschmidt, Bernhard Koehler, Curt Glaser, Alfred Cassirer, Max Liebermann, Estella und Ludwig Katzenellenbogen sowie Giulietta, Francesco und Eleonora von Mendelssohn.Siehe entsprechende Hinweise im Katalog zur Ausstellung selbst oder im Werkverzeichnis von Rouart/Wildenstein.
Im Vorfeld der Ausstellung gelang es Catzenstein ein internationales Ausstellungskomitee zusammenzustellen, das namhafte Kunsthistoriker und Unterstützer umfasste. Hierzu gehörten der französische Botschafter in Berlin Pierre de Margerie, der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin Wilhelm Waetzoldt, der Kunsthistoriker Max J. Friedländer, der Präsident der Preußischen Akademie der Künste Max Liebermann, der Direktor des Nationalmuseums in Stockholm Axel Gauffin, der Direktor der Nationalgalerie Oslo Jens Thiis, der Vorstandsvorsitzende des Museums Ny Carlsberg Glyptotek und Präsident des Ny Carlsbergfonds in Kopenhagen Helge Jacobsen, der Direktor des Statens Museum for Kunst in Kopenhagen Gustav FalckIm Katalog Falschschreibung „Falk“, Gesamtliste des Komitees zu Begin des Kataloges Galerie Matthiesen: Ausstellung Edouard Manet, 1832–1883, Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, o. S., der Direktor der Staatlichen Kunstbibliothek in Berlin Curt Glaser, der Direktor der Kunsthalle Bremen Emil Waldmann und der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe. Der Katalog zur Ausstellung enthält neben einem Vorwort des Inhabers der Galerie Matthiesen Franz Catzenstein (FMZ) weiterhin drei Essays zu Manet von Mitgliedern des Ausstellungskomitees. So zeigte Emil Waldmann in einer biografischen Skizze die wichtigen Lebensstationen Manets auf, Max J. Friedländer stellte in seinem Text die Malweise Manets vor und Max Liebermann versuchte eine künstlerische Einordnung des Werkes von Manet.Galerie Matthiesen: Ausstellung Edouard Manet, 1832–1883, Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, S. 5–19.
Der Galerist Catzenstein berichtete im Vorwort zum Katalog der Manet-Ausstellung von konkurrierenden Veranstaltungen in zwei weiteren Berliner Galerien, die den Erfolg der von ihm organisierten Schau zu beeinträchtigten drohten. Während die eine Galerie, deren Namen nicht mehr feststellbar ist, ihre Pläne zurückzog, zeigte ein anderer Galerist parallel ebenfalls Werke von Manet. Hierbei handelt es sich um die Berliner Filiale der Galerie M. Goldschmidt & Co. aus Frankfurt am Main, die im Februar–März 1928 die Verkaufsausstellung Impressionisten, Sonderausstellung zeigte, darunter auch vier Werke von Manet.Ausgestellt waren die Werke von Manet Christuskopf (Nr. 22, heute Fine Arts Museums of San Francisco, Kopie eines Jünglingskopfes von Filippo Lippi (Nr. 23, heute Musée d’Orsay, Paris), Die Illustrierte (Nr. 24, heute Art Institute of Chicago) und Le Bal Mabile (Nr. 25, das Werk lässt sich nicht bestimmen, möglicherweise ist es die Arbeit eines Nachahmers). Siehe Galerie M. Goldschmidt & Co. (Hrsg.): Impressionisten Sonderausstellung. Katalog zur Ausstellung Februar–März 1928 in Berlin, S. 25 Digitalisat).
Verzeichnis der ausgestellten Werke Der Katalog zur Ausstellung verzeichnet zunächst chronologisch die ersten 87 Werke der Schau, danach folgen als Nachtrag die Katalognummer 88–96. Die meisten – jedoch nicht alle – Werke der Ausstellung wurden im Katalog mit Schwarz-Weiß-Fotos illustriert. Teilweise ist eine Identifikation der Werke daher nicht möglich. Einige der 1928 ausgestellten Werke gelten heute nicht mehr als Arbeiten Manets; ein entsprechender Hinweis ist in der Liste vermerkt. Die Angaben zu Titel (in alter Rechtschreibung), Datierung, Maße und Material sind dem Katalog von 1928 entnommen. In der neueren Literatur können Titel und andere Angaben abweichen. Bei den privaten Leihgebern ist soweit aus Werkverzeichnissen und späteren Ausstellungskatalogen bekannt, der damalige Besitzer der Bilder vermerkt. Die derzeitigen Besitzer (heutige Bezeichnungen der Museen) finden sich in einer separaten Spalte. Kat.-Nr.Hinweis aufZuschreibung Bild Titel Entstehungsjahr Format in cmMaterial Leihgeber heutiger Besitzer 1 100px Bildnis eines Freundes ca. 1860 62 × 50 cmÖl auf Leinwand Privatbesitz, Berlin(Otto Gerstenberg, Berlin) Kröller-Müller Museum, Otterlo 2 100px Die überraschte Nymphe ca. 1861 35,5 × 46 cmÖl auf Leinwand National-Galerie, Oslo Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design, Oslo 3 100px Jeanne Duval ca. 1861 15,7 × 23 cmAquarell Privatbesitz, Bremen(Clara Heye, Bremen) Kunsthalle Bremen, Bremen 4 100px Der Fischzug ca. 1861 46 × 56 cmÖl auf Leinwand Privatbesitz, Zandvoort(Eduard von der Heydt, Zandvoort) Von der Heydt-Museum, Wuppertal 5 100px Der Fischzug ca. 1861/62 77,3 × 123 cmÖl auf Leinwand Privatbesitz, Paris(Galerie Durand-Ruel) Metropolitan Museum of Art, New York 6 100px Austernstilleben ca. 1861/62 38,5 × 46,5 cmÖl auf Leinwand Schweizer Privatbesitz(Emil Staub Terlinden, Männedorf) National Gallery of Art, Washington, D.C. 7 100px Junge mit Hund ca. 1862 93 × 73 cmÖl auf Leinwand Privatbesitz, Berlin(Marie-Anne von Goldschmidt-Rothschild, Berlin) Privatbesitz 8 100px Der alte Musikant 1862 186 × 247 cmÖl auf Leinwand Sammlung Mr. Hodebert, Paris(Galerie Hodebert, Paris) National Gallery of Art, Washington, D.C.