Der Landkreis Moers oder auch Kreis Moers war von 1857 bis zum 31. Dezember 1974 ein Landkreis am linken Niederrhein im Regierungsbezirk Düsseldorf, zunächst in der preußischen Rheinprovinz und seit 1946 in Nordrhein-Westfalen.
Geographie
Lage Der Kreis umfasste ein Gebiet von Xanten im Norden, dem Rhein im Osten, der Grenze zur Stadt Krefeld im Süden und im Westen der Grenze zum Kreis Kleve. Sitz des Kreises war die Stadt Moers.
Nachbarkreise Der Kreis Moers grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Rees und Dinslaken, an die kreisfreien Städte Duisburg und Krefeld sowie an die Kreise Kempen-Krefeld, Geldern und Kleve.
Geschichte Der Kreis Moers von 1857 bis 1969 1857 wurden aus dem Kreis Geldern das Gebiet, das bis 1823 den Kreis Rheinberg gebildet hatte, herausgelöst und mit der Bürgermeisterei Friemersheim aus dem Kreis Krefeld zum Kreis Moers zusammengeschlossen. Der Kreis Moers besaß zunächst die folgende Verwaltungsstruktur:
Bürgermeisterei Gemeinden Alpen Alpen, Alpsray, Bönninghardt, Drüpt, Huck, Millingen Baerl Baerl Budberg Budberg, Eversael, Vierbaum Büderich Büderich Friemersheim Bliersheim, Friemersheim, Hohenbudberg-Kaldenhausen, Rumeln Hochemmerich Bergheim, Hochemmerich, Oestrum Hoerstgen Hoerstgen Homberg Essenberg, Homberg, Hochheide Kamp Kamp Kapellen Kapellen Labbeck Labbeck Marienbaum Marienbaum, Obermörmter, Vynen Moers Moers (Stadt) Moers-Land Asberg, Hochstraß, Hülsdonk, Schwafheim, Vinn Neukirchen Neukirchen Orsoy Orsoy (Stadt) Orsoy-Land Orsoy-Land Ossenberg Borth, Ossenberg, Wallach Repelen Repelen Rheinberg Rheinberg (Stadt) Rheinberg-Land Winterswick Rheurdt Rayen, Rheurdt, Vluynbusch Schaephuysen Schaephuysen Sonsbeck Hamb, Sonsbeck Veen Birten, Bönning, Menzelen, Veen, Winnenthal Vierquartieren Kamperbruch, Lintfort, Rossenray, Saalhoff Vluyn Vluyn Wardt Wardt Xanten Xanten (Stadt) Nach der Jahrhundertwende kam es zu den ersten Eingemeindungen: Asberg, Hochstraß, Hülsdonk, Schwafheim und Vinn wurden 1906 in die Stadt Moers eingemeindet. Essenberg und Hochheide wurden 1907 nach Homberg eingemeindet. Repelen und Baerl wurden 1910 zur Gemeinde Repelen-Baerl zusammengeschlossen.
In den 1920er Jahren wurde der stark industrialisierte Süden des Kreises neugeordnet: Bliersheim wurde 1920 nach Friemersheim eingemeindet.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1920, S. 240 Bergheim und Oestrum wurden am 1. April 1921 nach Hochemmerich eingemeindet.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1921, S. 147 Die Gemeinden Hochemmerich und Friemersheim wurden am 6. April 1923 zur neuen Gemeinde Rheinhausen zusammengeschlossen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1923, S. 159 Die bisherigen Bürgermeistereien Hochemmerich und Friemersheim wurden im selben Jahr zur Bürgermeisterei Rheinhausen vereinigt, die neben der Gemeinde Rheinhausen die Gemeinden Hohenbudberg-Kaldenhausen und Rumeln umfasste.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1923, S. 299 Der Südteil der Gemeinde Hohenbudberg-Kaldenhausen wurde 1927 in die Stadt Uerdingen im Landkreis Krefeld umgemeindet. Der Rest der Gemeinde Hohenbudberg-Kaldenhausen verblieb als Gemeinde Kaldenhausen in der Bürgermeisterei Rheinhausen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1927, S. 277 Die Landbürgermeistereien wurden seit 1927 als Ämter bezeichnet. Neukirchen und Vluyn wurden 1928 zur Gemeinde Neukirchen-Vluyn zusammengeschlossen.
In den 1930er Jahren wurde die Zahl der Gemeinden weiter reduziert: Rheinhausen erhielt 1934 das Stadtrecht. Gleichzeitig wurde Kaldenhausen nach Rumeln eingemeindet. Das Amt Rheinhausen wurde aufgehoben, wodurch das um Kaldenhausen vergrößerte Rumeln zu einer amtsfreien Gemeinde wurde. Eversael und Vierbaum wurden 1934 nach Budberg eingemeindet. Hörstgen, Kamp, Kamperbruch, Lintfort, Rossenray und Saalhoff wurden 1934 zur Gemeinde Kamp-Lintfort zusammengeschlossen. Obermörmter und Vynen wurden 1934 nach Marienbaum eingemeindet. Alle Einzelgemeindeämter wurden 1934 aufgehoben. Die betreffenden Gemeinden waren seitdem amtsfrei. Alpsray und Winterswick wurden 1934 nach Rheinberg eingemeindet.Stadt Rheinberg: Geschichtlicher Abriss Rayen und Vluynbusch wurden 1935 nach Neukirchen-Vluyn eingemeindet. Schaephuysen wurde 1935 nach Rheurdt eingemeindet. Im selben Jahr wurde aus Neukirchen-Vluyn und Rheurdt das Amt Vluyn gebildet.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf 1935, S. 70 Labbeck trat 1935 zum Amt Sonsbeck.de.genealogy.net: Amt Sonsbeck Bönninghardt, Drüpt, Huck und Millingen wurden 1939 nach Alpen eingemeindet. Winnenthal wurde 1939 nach Birten eingemeindet. Bönning wurde 1939 nach Menzelen eingemeindet. Die Ämter Alpen und Veen wurden 1939 zum Amt Alpen-Veen zusammengeschlossen, das nun die vier Gemeinden Alpen, Birten, Menzelen und Veen umfasste.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es noch zu den folgenden Änderungen: Das Amt Vluyn wurde am 1. April 1950 wieder aufgehoben.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1950, S. 95 Rumeln wurde am 2. August 1950 in Rumeln-Kaldenhausen umbenannt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1950, S. 201 Repelen-Baerl wurde am 18. August 1950 in Rheinkamp umbenannt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1950, S. 203 Ossenberg und Wallach wurden 1951 nach Borth eingemeindet, womit das Amt Ossenberg erlosch.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1951, S. 83 Rheurdt und Schaephuysen wurden 1953 wieder in eigenständige Gemeinden getrennt und bildeten seitdem das Amt Rheurdt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1952, S. 341 Seitdem war der Kreis bis zum Ende der 1960er Jahre in 26 Städte und Gemeinden gegliedert: Amt Gemeinden (1968) amtsfrei Borth, Budberg, Büderich, Homberg, Kamp-Lintfort, Kapellen, Marienbaum, Moers, Neukirchen-Vluyn, Orsoy, Orsoy-Land, Rheinhausen, Rheinberg, Rheinkamp, Rumeln-Kaldenhausen, Wardt, Xanten Alpen-Veen Alpen, Birten, Menzelen, Veen Rheurdt Rheurdt, Schaephuysen Sonsbeck Hamb, Labbeck, Sonsbeck
Der Kreis Moers von 1969 bis 1974
Am 1. Juli 1969 wurden durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Moers in der ersten Phase der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen mehrere Gemeinden neugegliedert: Birten, Marienbaum und Wardt wurden in die Stadt Xanten eingegliedert. Alpen, Menzelen und Veen wurden zur neuen Gemeinde Alpen zusammengeschlossen. Hamb, Labbeck und Sonsbeck wurden zur neuen Gemeinde Sonsbeck zusammengeschlossen. Rheurdt und Schaephuysen wurden zur neuen Gemeinde Rheurdt zusammengeschlossen. Die drei Ämter Alpen-Veen, Rheurdt und Sonsbeck wurden aufgelöst.
Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Moers.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
Am 1. Januar 1972 wurde außerdem die Gemeinde Orsoy-Land in die Stadt Rheinberg eingegliedert.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1971, S. 572 Danach bestand der Kreis Moers noch aus 17 Gemeinden: Alpen Borth Budberg Büderich Homberg Kamp-Lintfort Kapellen Moers Neukirchen-Vluyn Orsoy Rheinberg Rheinhausen Rheinkamp Rheurdt Rumeln-Kaldenhausen Sonsbeck Xanten
Gebietsreform 1975 Am 1. Januar 1975 kam es durch das Ruhrgebiet-Gesetz sowie durch das Niederrhein-Gesetz im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms zu Auflösung des Kreises Moers und weiteren Gemeindeneugliederungen: Homberg, Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen wurden Teil der Stadt Duisburg. Rheinkamp wurde auf die Städte Duisburg und Moers aufgeteilt. Büderich wurde in die Stadt Wesel eingemeindet. Borth, Budberg und Orsoy wurden in die Stadt Rheinberg eingemeindet. Kapellen wurde in die Stadt Moers eingemeindet. Rheurdt kam zum Kreis Kleve. Alpen, Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten kamen zum neuen Kreis Wesel.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1871 58.043 1880 63.596 1890 67.612 1900 82.501 1910 132.013 1925 172.367 1939 191.291 1946 202.518 Volkszählung 1946 1950 235.477 1960 309.400 1961 313.722 1970 349.504 1973 354.000
Politik
Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.
Stimmenanteile der Parteien in Prozent
Jahr SPD CDU FDP DZP KPD 1946 42,2 43,4 3,5 1,9 8,9 1948 41,3 40,8 2,1 6,5 7,5 19521 42,9 32,9 10,9 5,3 4,0 19562 51,1 35,5 8,3 2,5 1961 48,6 42,2 8,1 1964 54,4 38,8 6,8 1969 52,7 41,3 6,0
Fußnoten
1 1952: zusätzlich: DP: 2,1 % 2 1956: zusätzlich: BHE: 2,6 %
Landräte 1857–1865: Adolf Ernst von Ernsthausen 1865–1870: Albert von Pommer Esche 1870–1871: Gustav von Hochwächter (Offizier) auftragsweise 1871–1872: Wilhelm Steinkopf 1872–1882: Gustav von Hochwächter 1882–1895: John Haniel 1895: Hermann Schultz 1895–1919: Paul von Laer 1920: NN. Wellmann 1920–1933: Günther van Endert 1933–1942: Ernst Bollmann 1942–1945: Karl Bubenzer 1945: August Herschel kommissarisch 1945–1946: Heinrich Reintjes 1946: Jakob Schroer 1946–1948: Johannes Egermann 1948–1963: Hugo Simecek 1963–1968: Rolf Soltau 1969–1974: Werner Rosenberg
Oberkreisdirektoren 1946–1954: Heinrich Reintjes 1954–1974: Wilhelm Hübner
Wappen und Siegel Der Landkreis Moers führte bis zu ihrer Eingemeindung ein Wappen und ein Siegel.mini|150px|Wappen des ehemaligen Kreises Moers Wappen Blasonierung: Ein geteilter, unten zweimal gespaltener Schild. Oben in Gold (Gelb) ein schwarzer Balken, unten Feld 1 eine achtstrahlige goldene (gelbe) Lilienhaspel mit silbernem (weißem) Herzschildchen in Rot, Feld 2 ein schwarzes Kreuz in Silber (Weiß), Feld 3 in Blau ein goldener (gelber) Löwe.
Bedeutung: Die alte Grafschaft Moers bildete den größten Teil des Kreises (oberes Feld), die drei unteren Wappenbilder bringen die übrigen Gebietsteile mit deren ehemaliger Zugehörigkeit zum Ausdruck: Feld 1 Herzogtum Kleve, Feld 2 Kurfürsten- und Erzbistum Köln und Feld 3 Herzogtum Geldern.Wappen des Kreises Moers auf ngw.nl
Siegel Das Siegel der Landkreises Moers basiert auf dem Wappen des Kreises und ist mit dem Schriftzug „Landkreis Moers“ umrundet, wobei das Wort „Landkreis“ oben im Siegel steht und das Wort „Moers“ unten. Die beiden Wörter werden hierbei durch zwei heraldische Kreuze beidseitig getrennt.
Verkehr
Den Öffentlichen Personennahverkehr bedienten neben der Staatsbahn, dem Bahnbus und der Kraftpost hauptsächlich die Straßenbahn Moers-Homberg GmbH, die Kreis Moerser Verkehrsbetriebe und die Niederrheinische Automobilgesellschaft mbH (NIAG).
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MO zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1974 ausgegeben. Seit dem 3. Dezember 2012 ist es im Kreis Wesel erhältlich.
Einzelnachweise
Weblinks
Moers Moers Kategorie:Geschichte (Kreis Wesel) Kategorie:Niederrhein Kategorie:Geschichte (Duisburg) Moers Kategorie:Aufgelöst 1975