Echtzeitalter ist ein 2023 veröffentlichter Roman des österreichischen Schriftstellers Tonio Schachinger. Wie sein Debütroman Nicht wie ihr (2019) erschien das als Coming-of-Age- und Internatsroman bezeichnete Werk im Rowohlt Verlag. Echtzeitalter kam im September 2023 auf die sechs Titel umfassende Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde im Oktober zum „Roman des Jahres“ gekürt.

Der Roman beschreibt die Schullaufbahn und das Erwachsenwerden des österreichischen Jungen Till Kokorda am elitären Wiener Halbinternat „Marianum“. Während sich der Heranwachsende von seinen aus wohlhabenderen Verhältnissen kommenden Mitschülern entfremdet fühlt und unter der Strenge seines despotischen Klassenleiters leidet, erlebt er in der virtuellen Sphäre Momente der Freiheit: Sein frühes Interesse am Computerspiel Age of Empires 2 entwickelt sich zu einer Leidenschaft und beruflichen Zukunftsperspektive. Zu den weiteren literarischen Motiven gehört die erste Liebe und die Emanzipation nach der Schulzeit, die im Roman mit dem Ausbruch der Corona-Epidemie zusammenfällt. Eingewoben in die Narration sind spöttische Beschreibungen der österreichischen Politik und des Kulturbetriebs.

Eine von Johannes Nussbaum eingelesene elfstündige Hörbuchfassung erschien 2023 im Argon Verlag und wurde in der Kategorie „Bester Interpret“ für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert.

Handlungsorte mini| Vorbild für die Schule im Roman: Das Wiener Theresianum (vom Schulgelände aus gesehene Fassade eines Schulgebäudes) Als Vorbild für die vom Romanhelden besuchte Eliteschule gilt das Theresianum im 4. Bezirk Wiens, das Schachinger selbst besucht hatte. Wie die tatsächlich existierende Schule, wird das Marianum im Roman zwischen Argentinier- und Favoritenstraße und neben dem Theater Akzent verortet. Das von einer zwei bis vier Meter hohen Mauer umgebene Areal enthält neben den Schulgebäuden auch einen Park, Sportplätze und ein Hallenbad. Vom Morgen bis zum Spätnachmittag verbringen Till und seine Mitschüler die Werktage auf dem Gelände des Halbinternats. Der Samstagsunterricht für die Unterstufe wird erst abgeschafft, als Till in die fünfte Klasse kommt. Bis auf kurze, auf Tills E-Sport-Turniere und Ausflüge begrenzten Episoden, beschränkt sich die Handlung auf Lokalitäten in Wien.

Hauptfiguren Till Kokorda, der Hauptprotagonist des Romans, ist ein 2001 geborener, rothaariger Junge, der zu Beginn der Geschichte von der Volksschule auf das Wiener Halbinternat Marianum wechselt. Er ist der einzige Sohn einer Architektin und eines Erfinders. Nach der Scheidung seiner Eltern wohnt er zusammen mit seiner Mutter Helga. Im Verlauf der Geschichte entwickelt Till eine große Leidenschaft für das Echtzeitstrategiespiel Age of Empires 2, das zu einem Ankerpunkt in seinem Leben wird und ihm eine berufliche Perspektive aufzeigt.

Bruno Dolinar ist ein despotischer Deutsch- und Französischlehrer und Tills Klassenvorstand. Er vertritt klassische Bildungswerte und begegnet modernen Entwicklungen mit Skepsis. Freifächer und unverbindliche Übungen (Lehreinheiten ohne Zeugnisnote) verbietet er genauso wie den Kontakt zu anderen Klassen. Bei Tills Eintritt ins Marianum blickt der knollennasige und immer Schwarz tragende Mann auf eine dreißigjährige Lehrzeit.

Felicité Exner-Diouf, genannt Feli, ist die jüngere Tochter wohlhabender Immobilienunternehmer. Die Vorfahren ihrer Mutter gehören zur senegalesischen Volksgruppe der Serer. Sie zeigt herausragendes literarisches Talent und gewinnt mehrere Schreibwettbewerbe. Till lernt das begabte und von der Schulleitung umgarnte Mädchen im „Rauchereck“ des Marianums kennen und freundet sich mit ihr und ihrer Freundin Fina an.

Schosefina, genannt Fina, ist ein „karamellblondes“ Mädchen ukrainischer Herkunft und eine Freundin von Feli. Sie ist Mitglied in einem Frauenboxclub und teilt in geringem Maße Tills Interesse an Videospielen. Bevor sie auf das Marianum wechselte, besuchte sie das Lycée français de Vienne.

Georg ist ein Schüler aus Tills Parallelklasse. Till freundet sich mit ihm im Informatiksaal der Schule an und wird von ihm an das Echtzeitstrategie-Computerspiel Age of Empires 2 herangeführt. Er ist lange Zeit der einzige Freund Tills. Als er auf eine öffentliche Schule wechselt und mit exzessivem Cannabis-Konsum beginnt, entfremden sie sich voneinander.

Inhalt Schuljahr Eins bis Vier Till Kokorda wechselt von der Volksschule auf das elitäre Wiener Halbinternat Marianum und kommt in die von Professor Dolinar geleitete Schulklasse. Während die Dolinar-Klassen für ihre überdurchschnittlich guten Noten am Gymnasium bekannt sind, ist das Klima in seinem Unterricht von Angst geprägt. Fehlverhalten wird streng bestraft und Demütigungen gehören zum Alltag. Auf den veralteten Computern des Informatiksaals beginnt Till regelmäßig Spiele zu spielen und freundet sich mit Georg, einem Schüler der Parallelklasse an. Georg installiert auf einigen Computern des Informatiksaals Age of Empires 2 (im Folgenden auch kurz „Age of Empires“ oder „AoE2“) und weckt Tills Leidenschaft für das Echtzeitstrategiespiel.

Nach der Scheidung seiner Eltern mischt sich Tills Vater vermehrt in das Leben seines Sohnes ein. In den Ferien beginnt Till, gewertete Ranglistenspiele zu spielen und sich stetig zu verbessern. Nach der Krebsdiagnose seines Vaters besucht ihn Till regelmäßig in einer Privatklinik. Till wird zum Streitpunkt der beiden geschiedenen Elternteile und die Meinungsverschiedenheiten eskalieren bis zur Einstellung der Schulgeldzahlungen durch Tills Vater. Nach einer abwertenden Bemerkung seines Vaters über E-Sport gerät Till in Zorn und trennt sich im Streit von ihm. Von seiner Tante überredet, trifft sich Till nach mehreren Monaten wieder mit seinem Vater, um sich mit ihm auszusöhnen. Bei einem späteren Spitalbesuch, sieht er seinen Vater sterben.

Schuljahr Fünf Till belegt als einziger seiner Klasse das Wahlpflichtfach Systemadministration und verbringt jeden Donnerstag zwei Stunden im Informatiksaal, wo er Age of Empires 2 spielt. Georg wechselt auf eine öffentliche Schule. Im Deutschunterricht wird Adalbert Stifters Brigitta besprochen. Till verdrängt die Aufgabe und schaut sich kommentierte AoE2-Streams und spielt. An einem Schultag vergisst er, das Brigitta-Reclamheft mitzubringen. Um den Strafen und Demütigungen Dolinars zu entgehen, beschließen Till und vier weitere Schüler, das Schulgelände in der großen Pause zu verlassen, die Brigittas zu kaufen. Sie klettern über die Mauer, die um das Marianum verläuft, hetzen zur nächsten Buchhandlung – nur um enttäuscht festzustellen, dass es sich um die falsche Ausgabe handelt. Sie kriegen den Ärger Dolinars zu spüren und werden mit Strafaufgaben versorgt.

Als Till beim Videospielen im Informatiksaal erwischt wird, wird er von der Aufsichtspflicht des Informatiksaals entbunden. Zu Hause versucht Till, seine Mutter in die Welt von Age of Empires einzuführen und zeigt ihr eine Spielaufzeichnung. Unter dem Spielernamen Tiiiko hatte ihr Sohn bereits mehrere Turniere absolviert.

Die Reclam-Ausgabe der Brigitta ist eines Schultages nicht mehr in Tills Rucksack. Mit Palffy beschließt er in aller Eile, Ausgaben in einer Morawa-Filiale zu organisieren. Sie klettern über die Schulmauer, fahren mit E-Rollern am Schwarzenbergplatz und am Stadtpark vorbei. Mit den Brigittas fahren sie per U-Bahn zurück. Palffy stürzt beim Vorbeirennen am Portier. Till nimmt einen anderen Weg, überwindet beim Theater Akzent die Mauer und kommt rechtzeitig im Klassenzimmer an. Der verletzte Palffy wird von Dolinar nicht der Schule verwiesen, jedoch von den anderen isoliert. Im Keller des Lokals Einhorn trifft sich Till mit Georg, der inzwischen zum Kiffer geworden ist und andere Freunde gefunden hat. Till stößt mit AoE2 auf Desinteresse bei seinem alten Freund und kann nicht mehr an die alte Freundschaft anknüpfen.

Im August beginnt eine neue Phase in Tills Leben: Auf der Spielemesse gamescom absolviert er seinen ersten öffentlichen Auftritt. Er erreicht das Halbfinale, muss sich jedoch gegen TheViper geschlagen geben. Er lernt den AoE2-Kommentator T90 und andere bekannte Streamer kennen.

Schuljahr Sechs Im sechsten Marianum-Jahr wird Till sechzehn. Er blickt der Veröffentlichung der „Definitive Edition“ von Age of Empires 2 entgegen und hofft auf ein Wiederaufleben der Popularität des Spiels, das ein Nischendasein gegenüber anderen E-Sport-Titeln fristet. Till beginnt das Rauchen, er trifft am „Rauchereck“ der Schule auf neue Menschen und freundet sich mit Feli und Fina an. Till, der seine Wochenenden bis dahin mit dem Spielen von Age of Empires, Turnieren und Turniervorbereitungen verbracht hat, wird bei einer politischen Demonstration von den beiden Mädchen nach Plänen fürs Wochenende gefragt. Zusammen verbringen sie Zeit im Einhorn.

Till verlässt Gregors altes AoE2-Team und tritt den turniererprobten Spielern MvB und Beta bei. Tills AoE2-Team qualifiziert sich für das Finale von Emperor of Africa. Am selben Tag ist Till zur Geburtstagsfeier von Felis Mutter eingeladen. Wegen Serverproblemen kann er das letzte Spiel erst sehr spät abschließen. Er verliert es, eilt zur Feier im Rennweg und verletzt sich auf einer Treppe. Die nächsten zwei Wochen liegt er mit einem gegipsten Bein auf dem heimischen Sofa.

Feli und Fina besuchen ihn nach einer Woche und werden von Tills Mutter begeistert empfangen. Auch Dolinar besucht ihn, übergibt ihm den Schularbeitsstoff der letzten Tage und schwört Till auf die Konsequenzen von weiteren Fehlzeiten ein. Mit einer Schiene kehrt Till in den Unterricht zurück. Für die anstehende Deutsch-Schularbeit muss er Krambambuli von Marie von Ebner-Eschenbach studieren. Mit anderen gehen sie abends zu Freunden der beiden Mädchen. Als Till aus der Küche zurückkommt, sind weder Fina noch Feli anzutreffen: Fina hat sich mit einem anderen Jungen in einem Zimmer eingesperrt und Feli findet er später auf der Schaukel eines Spielplatzes mit einer anderen Bekanntschaft. Till fragt sie nach dem Krambambuli-Reclamheft und fährt nach Hause. Am nächsten Morgen zieht Till hilfreiche Informationen aus einem YouTube-Video über die Autorin, das ihm Feli geschickt hatte. Till schreibt die Schularbeit und erhält zur eigenen Überraschung eine gute Note.

Till geht den beiden Mädchen aus dem Weg. Als sich Feli bei ihm entschuldigt, treffen sie sich wieder im Einhorn. Im Gespräch mit Georg stellt Till fest, dass dieser sich nach wie vor für Age of Empires interessiert, seinen E-Sport-Erfolgen aber nur Missgunst entgegenbringt. Feli kippt betrunken mit ihrem Sessel um und wird nach draußen gebracht. Till bringt sie mit einem Taxi zu ihr nach Hause und erkennt, in welchem Reichtum sie lebt. Sie werden von Felis wütender Mutter entdeckt, die Till zur Rede stellt, da sie vermutet, dass er ihr K.-o.-Tropfen eingeflößt hat.

Schuljahr Sieben Die Stadt Wien ruft einen Schreibwettbewerb auf, doch den Dolinar-Schülern wird die Teilnahme untersagt. Ein Rauchverbot für Menschen unter 18 Jahren wird beschlossen und das „Rauchereck“ geschlossen. Auf einer Party kommen sich Till und Feli näher und liegen Seite an Seite. Feli überredet Till, etwas für den Schreibwettbewerb zu verfassen. Er schreibt einen Text, der die Geschichte von Age of Empires mit seiner Schule verbindet. Feli reicht beide Texte ein, ohne Till zu informieren. Mit einem kritischen Text zur Geschichte des elitären Marianums gewinnt Feli den ersten Preis und auch Tills Text wird in die Sammlung aufgenommen.

In den Sommerferien kann Feli kaum Zeit für ihn erübrigen. Vor seiner Abreise nach Köln teilt sie ihm mit, dass sie nicht die Schule wechselt, sondern ein Jahr überspringt. Nach dem gemeinsamen „Etikette-Essen“ im Speisesaal der Schule kommen sich Khakpour und Fina in der Wohnung von Khakpours Vater näher. Feli küsst Till, aber entschuldigt sich dafür.