mini|hochkant|Daniel Noboa, 2024 Daniel Roy Gilchrist Noboa Azín (* 30. November 1987 in Miami, Florida, USA) ist ein ecuadorianischer Politiker und Unternehmer in der Bananenindustrie. Von 2021 bis 2023 war er Mitglied der Nationalversammlung von Ecuador. Am 15. Oktober 2023 wurde er in einer Stichwahl zum Präsidenten von Ecuador gewählt und übernahm das Amt am 23. November 2023. Bei der Präsidentschafts- und Parlamentswahl 2025 wurde er für eine volle Amtszeit wiedergewählt.
Leben Daniel Roy Gilchrist Noboa Azín wurde am 30. November 1987 im US-amerikanischen Miami geboren, wuchs aber in Guayaquil auf. Er ist der Sohn des Geschäftsmannes und Politikers Álvaro Noboa und der Ärztin Anabella Azín. Die Familie Noboa zählt zu den wohlhabendsten Familien Ecuadors; zum Wirtschaftsimperium Corporación Noboa seines Vaters ist (Stand 2022) einer der drei größten Bananenvermarkter des Landes.https://www.ecuadortimes.net/noboa-trading-the-one-with-the-highest-increase-in-banana-sales-this-year/ Álvaro Noboa war 1998, 2002, 2006, 2009 und 2013 mit einem rechtspopulistischen Programm erfolglos als Präsidentschaftskandidat angetreten. Noboa besuchte die Deutsche Humboldtschule Guayaquil. Nach seinem Studium an der Stern School of Business (New York City) erwarb er 2010 einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre. Später absolvierte er ein Master-Studium in Business Administration an der Kellogg School of Management in Evanston, Illinois. Im Jahr 2020 erlangte er an der Harvard University einen Master-Abschluss in öffentlicher Verwaltung. Anschließend erwarb er 2022 an der George Washington University einen Master-Abschluss in politischer Kommunikation und strategischer Regierung.
Im Alter von 18 Jahren gründete er sein eigenes Unternehmen, die DNA Entertainment Group, die sich der Organisation von Veranstaltungen widmet. Er war Direktor für Logistik und von 2010 bis Juni 2018 Direktor für Handel und Logistik bei der Corporación Noboa.
Noboa ist in zweiter Ehe mit der Influencerin Lavinia Valbonesi verheiratet und hat drei Kinder.
Politische Laufbahn
Einstieg in die Politik mini|Noboa im April 2022Noboa wurde bei den Parlamentswahlen 2021 für die politische Bewegung Ecuatoriano Unido als Vertreter von Santa Elena in die Nationalversammlung gewählt. Er wurde am 14. Mai desselben Jahres in sein Amt eingeführt. Im selbigen Mai wurde er ebenfalls Präsident der Kommission für die Entwicklung von Wirtschaft, Produktion und Kleinstunternehmen. Seine politische Ausrichtung wurde als Mitte und Mitte-rechts beschrieben.
Im März 2023 sprach er sich angesichts der Einreichung und Ablehnung des Investitionsgesetzes der Regierung Guillermo Lasso für die muerte cruzada aus. Dieser in der ecuadorianischen Verfassung von 2008 verankerte Mechanismus sieht im Falle schwerwiegender Verfassungskonflikte vor, dass sich Präsident und Nationalversammlung gegenseitig absetzen können, was zur vorgezogenen Neuwahl beider Staatsorgane führt. Am 17. Mai 2023 rief Lasso die muerte cruzada aus, löste die Nationalversammlung auf und beendete Noboas Amtszeit als Abgeordneter.
Erste Amtszeit hochkant|mini|Das Abschneiden von Noboa im ersten Wahlgang der Wahlen von 2023 Im Mai 2023, nach der Auflösung des Parlaments, stellte er sich als Kandidat der politischen Bewegung Nationale Demokratische Aktion (Acción Democrática Nacional; ADN) für die Präsidentschaftswahlen im selben Jahr zur Verfügung. Als seine Vizepräsidentin benannte er die Ökonomin Verónica Abad. Im Mittelpunkt seiner Kampagne standen die Schaffung von Arbeitsplätzen, Steuererleichterungen für neu gegründete Unternehmen und die Verschärfung der Strafen für Steuerhinterzieher. Er kündigte zudem an, das Justizsystem des Landes angesichts der zunehmenden Gewalt zu verbessern.
Am 20. August erhielt Noboa im ersten Wahlgang 23,47 % der gültigen Stimmen und zog in die für den 15. Oktober 2023 angesetzte Stichwahl gegen Luisa González ein, was viele angesichts seiner niedrigen Umfragewerte in den Tagen vor der Wahl für eine Überraschung hielten. In der Stichwahl wurde er zum nächsten Präsidenten von Ecuador gewählt. Er wurde am 23. November vereidigt und ist damit mit 35 Jahren der jüngste gewählte Präsident in der Geschichte Ecuadors. Bisher war dies Jaime Roldós, der 1979 mit 38 Jahren das Präsidentenamt übernahm. Noch jünger war mit 29 Jahren bei seinem Amtsantritt 1830 Juan José Flores, der allerdings nicht gewählt, sondern ernannt wurde. Die erste Amtszeit Noboas und seines Kabinett Noboa I war nur für 18 Monate angesetzt – bis zum Ende der für Lasso vorgesehenen Amtszeit im Mai 2025.Im Januar 2024 verhängte Noboa einen Ausnahmezustand über das Land, nachdem sich kriminelle Banden, die insgeheim die Gefängnisse des Landes kontrollieren, der Staatsgewalt widersetzten, einen Gangsterboss befreiten und Aufseher als Geiseln genommen hatten. Nach Gefängnisunruhen und der Erstürmung eines Fernsehstudios während einer Livesendung erklärte er zudem einen internen bewaffneten Konflikt, wodurch das Militär zur Kontrolle von Gefängnissen und Straßen eingesetzt werden konnte. Diese Maßnahmen senkten die Gewalt in Städten wie Guayaquil zunächst, der Sicherheitseffekt hielt jedoch nicht dauerhaft an. Im Dezember 2024 verstärkte das Verschwinden von vier Kindern in der Provinz Guayas, die nach einem Fußballspiel in ein militärisches Fahrzeug gezwungen worden sein sollen und später tot aufgefunden wurden, die Kritik am Einsatz des Militärs; ein Richter ordnete die Inhaftierung von 16 beteiligten Militärangehörigen an.
Im April 2024 erklärte Noboa erst die mexikanische Botschafterin zur unerwünschten Person, nachdem der mexikanische Staatspräsident López Obrador angedeutet hatte, dass die Ermordung des Präsidentschaftskandidaten Fernando Villavicencio Noboas Wahlsieg begünstigt habe, ehe Noboa des Weiteren die mexikanische Botschaft von der ecuadorianischen Polizei stürmen ließ, um den dorthin geflüchteten ecuadorianischen Ex-Vizepräsidenten Jorge Glas zu verhaften. Daraufhin ließ López Obrador die diplomatischen Beziehungen zu Ecuador aussetzen. López Obrador verwies darauf, dass Botschaften im völkerrechtlichen Sprachgebrauch unverletzlich seien, und berief sich auf WÜD. Innenpolitisch stützte ein Referendum im April 2024 Noboas harten Sicherheitskurs, indem die Wähler unter anderem eine verstärkte militärische Präsenz und längere Haftstrafen für bestimmte Delikte im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität billigten. Gegner und mehrere Analysten warfen ihm im Zusammenhang mit seiner Sicherheits- und Antikorruptionspolitik eine Überdehnung exekutiver Befugnisse und autoritäre Tendenzen vor, während seine Anhänger darin entschlossene Entscheidungen gegen Gewalt und Korruption sahen.
Zweite Amtszeit Im Wahlkampf zur Präsidentschafts- und Parlamentswahl 2025 setzte Noboa stark auf eine personalisierte Kommunikationsstrategie mit sozialen Medien, viralen Motiven und landesweit verteilten Pappaufstellern seiner Person, während seine konkreten politischen Vorschläge vergleichsweise vage blieben. Ein zentrales Vorhaben seiner Partei war eine Verfassungsänderung zur Aufhebung des seit 2008 bestehenden Verbots ausländischer Militärstützpunkte. Sein Verhältnis zur Vizepräsidentin Verónica Abad hatte sich im Wahlkampf verschlechtert, weil Noboa sich weigerte, ihr wie verfassungsmäßig vorgesehen während seiner Kandidatur die Amtsgeschäfte zu übergeben; der Verfassungsgerichtshof wies seine Rechtsauffassung Anfang Februar 2025 zurück.
Im ersten Wahlgang am 9. Februar 2025 erreichte keiner der Kandidaten die absolute Stimmenmehrheit: Daniel Noboa erhielt 44,2 % und knapp dahinter die nach der Stichwahlniederlage 2023 erneut angetretene Kandidatin des Movimiento Revolución Ciudadana, Luisa González, 44,0 % der Stimmen. Am 13. April 2025 fand die Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten als Neuauflage von 2023 statt. Nach Auszählung von 95 % der Stimmen erhielt Noboa 55,7 % der Stimmen, während Luisa González nur 44,3 % erhielt. Noch am selben Abend weigerte sie sich, das Ergebnis anzuerkennen und prangerte „den groteskesten Wahlbetrug“ an. „Wir werden eine Neuauszählung und die Öffnung der Wahllokale fordern. Wir haben miterlebt, wie der Machtmissbrauch nie nachließ, indem der Nationale Wahlrat für alles Mögliche missbraucht und die Demokratie mit Füßen getreten wurde“, sagte sie von einem Podium vor ihren Anhängern. „Es besteht kein Zweifel, wer die Wahl gewonnen hat“, antwortete Noboa Minuten später.
Seit dem 24. Mai 2025 regiert Daniel Noboa Ecuador mit dem Kabinett Noboa II. Anlässlich des ersten Jahrestags dieser vollen Amtszeit legte Noboa am 24. Mai 2026 vor der Nationalversammlung einen 34 Minuten und 20 Sekunden langen Bericht zur Lage der Nation vor. Politikwissenschaftler Santiago Basabe kritisierte, der Bericht enthalte keinen erkennbaren politischen oder wirtschaftlichen Plan für die restlichen Jahre der Amtszeit, sondern vor allem punktuelle Reaktionen auf aktuelle Probleme. Zum Zeitpunkt des Berichts lag die Mordrate in Ecuador bei 50,1 Tötungsdelikten je 100.000 Einwohnern und damit auf einem historischen Höchststand für das Land. Analysten kritisierten, die Regierung reagiere auf das organisierte Verbrechen vor allem mit Ausgangssperren, Ausnahmezuständen und militärischen Maßnahmen, deren Wirkung regional und zeitlich begrenzt bleibe. In der Wirtschaftspolitik verwies Noboa in dem Bericht auf gesunkene Risikoprämien und mehr Beschäftigung; Faktenprüfungsberichte bewerteten einzelne Angaben zum Beschäftigungszuwachs, zur Kriminalitätsentwicklung und zur Armutsentwicklung jedoch als ungenau oder statistisch nicht hinreichend abgesichert.
Anfang Oktober 2025 kam es zu einem massiven Angriff auf den Konvoi des Präsidenten. Im November 2025 wurde das zur Präsidentschaftswahl angekündigte Referendum über die Stationierung ausländischer Soldaten im Land zusammen mit Abstimmungspunkten zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung, der Abschaffung öffentlicher Parteienfinanzierung und der Verkleinerung der Nationalversammlung abgehalten. Die Wähler lehnten alle vier Vorschläge des Präsidenten mehrheitlich ab und fügten Noboa laut Medienberichten somit eine herbe Niederlage zu.
Seit Anfang 2026 belastete ein Zollstreit die Beziehungen zu Kolumbien. Ecuador hatte seit Januar 2026 schrittweise Zölle auf Importe aus Kolumbien verhängt und dies mit einer unzureichenden Sicherung der gemeinsamen Grenze durch Bogotá begründet; Kolumbien wies den Vorwurf zurück und ergriff wirtschaftliche Gegenmaßnahmen. Einzelne Abgaben erreichten bis zu 100 Prozent, woraufhin die Andengemeinschaft Ecuador zur Rücknahme der sogenannten Sicherheitsabgabe und Kolumbien zum Abbau seiner Gegenzölle aufforderte. Ende Mai 2026 warf das kolumbianische Außenministerium Noboa bewusste Einmischung in die kolumbianische Präsidentschaftswahl vor, nachdem er nach einem Gespräch mit dem rechten Präsidentschaftskandidaten Abelardo de la Espriella die Aufhebung der Zölle ab dem 1. Juni 2026 und eine Zusammenarbeit bei der Übergabe ecuadorianischer Krimineller auf kolumbianischem Gebiet angekündigt hatte.
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