Skinamarink ist ein kanadischer Indie-Horrorfilm des Filmemachers Kyle Edward Ball aus dem Jahr 2022. Der in einer visuellen Ästhetik der 1970er-Jahre inszenierte Experimentalfilm ohne musikalische Begleitung handelt von zwei Kleinkindern, die eines Nachts in ihrem Zuhause erwachen und ihren Vater nicht finden können, während eine böse Präsenz in der Dunkelheit zu lauern scheint.

Regisseur Kyle Edward Ball verfilmte zuvor von Zuschauern eingereichte Albträume auf seinem YouTube-Kanal „Bitesized Nightmares“ und inszenierte im Jahr 2020 den Kurzfilm Heck als Proof of Concept. Mit einem durch Crowdfunding finanzierten Budget in Höhe von rund 15.000 US-Dollar drehte er Skinamarink in seinem eigenen Elternhaus in Edmonton innerhalb von einer Woche.

Die Weltpremiere erfolgte im Juli 2022 auf dem FanTasia Film Festival, bevor Skinamarink im Herbst 2022 ins Internet geleakt wurde und ein viraler Hype entstand. Am 13. Januar 2023 erfolgte der US-amerikanischen Kinostart, ehe der Film im Folgemonat auch ins Programm des Streamingdienstes Shudder aufgenommen wurde und am 7. September 2023 in den deutschen Kinos erschien.

Nach der Veröffentlichung war Skinamarink aufgrund seines Mikrobudgets mit Einnahmen von über zwei Millionen US-Dollar ein finanzieller Erfolg an den Kinokassen. Von Kritikern wurde der Film überwiegend positiv aufgenommen und insbesondere für seinen experimentellen Charakter gelobt, während sich die Publikumsreaktionen zwischen Extremen wie „absolut langweilig“ und „zutiefst beängstigend“ bewegten.

Skinamarink wurde mit Genreklassikern wie Blair Witch Project, Poltergeist oder Paranormal Activity verglichen. Die undurchsichtige Handlung rief dabei vielerlei Interpretationen hervor, wobei kindliche Urängste vor dem Verlassenwerden und der Dunkelheit allgemein als zentrale Themen ausgemacht wurden. Vereinzelt wurde das mysteriöse Monster auch als Metapher für einen übergriffigen Elternteil gesehen.

Handlung Im Jahr 1995 lebt der vierjährige Kevin gemeinsam mit der um wenige Jahre älteren Schwester Kaylee und seinem Vater in einem mehrstöckigen Haus. Der Vater erzählt in einem Telefonat davon, wie Kevin während des Schlafwandelns die Treppe heruntergefallen sei, sich aber nicht ernsthaft verletzt hätte. Als die beiden Kinder eines Nachts aufwachen, stellen sie fest, dass ihr Vater verschwunden ist und dass die Fenster, Türen und anderen Gegenstände in ihrem Haus nach und nach verschwinden. Da Kontaktversuche zur Außenwelt fehlschlagen, wollen beide auf die Rückkehr ihres Vaters warten. Sie beziehen das Wohnzimmer im Erdgeschoss und wollen vor dem Fernseher mit Cartoons einschlafen.

Mehrere Objekte beginnen, sich merkwürdig zu verhalten. So hängen ein Stuhl und eine Puppe an der Decke, die Toilette ist verschwunden und seltsame Geräusche kommen aus dem Obergeschoss. Während Kevin schläft, hört Kaylee eine Stimme, die sie dazu auffordert, nach oben zu gehen. Sie folgt den Anweisungen und trifft im elterlichen Schlafzimmer scheinbar auf ihren Vater, der möchte, dass sie unter dem Bett nachschaut. Auch ihre Mutter erscheint und spricht von einer anwesenden Präsenz, ehe sie von Kaylee fordert, die Augen zu schließen.

Als Kevin erwacht, hört auch er die Stimme, die ihn in den Keller leitet. Dort trifft er auf seine Schwester, der die Stimme die Augen und den Mund genommen hat, weil sie den Anweisungen nicht folgte. Kevin ist verängstigt, doch die Stimme flüstert ihm zu, dass sie nur spielen wolle und er schlafen gehen könne. Als die Stimme wenig später von ihm fordert, sich mit einem Messer ins Auge zu stechen, folgt Kevin den Anweisungen. Verletzt ruft der Vierjährige den Notruf und schildert seine Situation. Als sich das Telefon in ein Spielzeug verwandelt, erkennt Kevin, dass er die ganze Zeit mit der Stimme geredet hat. Die mysteriöse Präsenz erklärt, dass sie alles tun könne, und lotst den Jungen ins Obergeschoss, wo sich „unten“ und „oben“ vertauscht zu haben scheinen.

Eine Einblendung mit „572 Tage“ erscheint, während sich die Cartoons im Fernsehen immer wiederholen und auf den Familienfotos die Gesichter der Personen verschwinden. Als Kevin in der Dunkelheit ein Gesicht erkennt und nach dem Namen der Stimme fragt, antwortet die Präsenz, dass er nun schlafen gehen könne.

Produktion Entstehung Beim experimentellen Horrorfilm Skinamarink handelt es sich um das Regiedebüt des kanadischen Filmemachers Kyle Edward Ball, der auch für das Drehbuch verantwortlich war und als Produzent fungierte.Skinamarink im Programm des FanTasia Film Festivals, abgerufen am 20. Oktober 2023. Ball verfilmte zuvor auf seinem YouTube-Kanal „Bitesized Nightmares“ von Zuschauern eingereichte Albträume, wobei Skinamarink aus der verbreiteten Horrorvorstellung entstand, als Kind nachts aufzuwachen und allein einer Bedrohung ausgesetzt zu sein. Als Proof of Concept setzte Ball im Jahr 2020 zunächst den 30-minütigen Kurzfilm Heck um. Für die Arbeit am in einigen Aspekten leicht abgeänderten Spielfilm Skinamarink unterbrach er im Anschluss seinen regulären Job in einem Kamerageschäft in Edmonton.

Der Titel bezieht sich auf einen Kinderreim aus dem Broadway-Musical The Echo (1910), dessen Texte größtenteils nichtsaussagend sind. Zunächst nur als Arbeitstitel eingeplant, erwies sich „Skinamarink“ im Laufe der Produktion allerdings als passend und wurde beibehalten. Als Vorlage für die beiden kindlichen Protagonisten dienten Ball selbst und seine Schwester. Weitere kreative Inspirationsquellen waren experimentelle Filmemacher wie Chantal Akerman, Stan Brakhage oder Maya Deren, aber auch Mainstream-Vertreter wie David Lynch oder Stanley Kubrick.

Dreharbeiten Da Skinamarink keine staatliche Filmförderung erhielt, war die Produktion finanziell extrem limitiert. Regisseur Kyle Edward Ball konnte per Crowdfunding ein Budget in Höhe von rund 15.000 US-Dollar auftreiben und Filmequipment von der Film and Video Arts Society of Alberta ausleihen, einer gemeinnützigen Organisation zur Unterstützung unabhängiger Filmemacher. Um die Kosten dennoch niedrig zu halten, erfolgten die siebentägigen Filmaufnahmen mit Kameramann Jamie McRae im August 2021 in Balls eigenem Elternhaus in Edmonton. Obwohl der Film mit einer Digitalkamera von Sony gedreht wurde, sollte Skinamarink eine 1970er-Jahre-Ästhetik haben. Dafür minimierte Ball die Anzahl bewegter Aufnahmen, verzichtete auf externe Lichtquellen und verwendete keine wackelfreien Steadicams in POV-Einstellungen. Vermeintlich mit Nachtsichtkameras gedrehte Aufnahmen entstanden tatsächlich unter schwacher Beleuchtung mit einem Blaulichtfilter, wobei die verwendete Kamera eine Lichtempfindlichkeit mit ISO-Werten zwischen 51.000 und 102.000 hatte. Als visuelle Vorlage dienten Ball Werke wie der Kurzfilm Wavelength (1967) von Regisseur Michael Snow, die Schlussszene aus Solaris (1972) und der Horrorfilm Jessy – Die Treppe in den Tod (1974).

Zu den mitwirkenden Darstellern zählten Jaime Hill, Ross Paul, dessen Sohn Lucas Paul und Balls Patentochter Dali Rose Tetreault. Ihre Dialoge wurden dabei nicht direkt am Filmset aufgenommen, sondern erst später mittels ADR hinzugefügt. Dieses Vorgehen erleichterte die Arbeit mit den beiden Kinderdarstellern am Set und verkürzte so auch die Drehzeit. Für den Filmschnitt benötigte Ball eine Zeitspanne von vier Monaten, da er auf seinem privaten Laptop jede Szene einzeln auf alt trimmen musste. Die künstlich schlechte Bildqualität verzieh dabei visuelle Effekte, in denen sich der Filmemacher zum Teil selbst aus dem Bild photoshoppte. Beim Sounddesign griff Ball unter anderem auf archivierte Tonaufnahmen der 1940er bis 1960er Jahre zurück. Dem Regieassistenten Joshua Bookhalter, der während der Postproduktion verstarb, wurde Skinamarink postum gewidmet.

Veröffentlichung Die Weltpremiere erfolgte am 25. Juli 2022 auf dem FanTasia Film Festival in Montreal, wo der Film überwiegend positiv aufgenommen wurde. Trotzdem zeigte kein kanadisches Filmstudio Interesse an Skinamarink, ehe sich der Filmverleih IFC Films die US-amerikanischen Vertriebsrechte sicherte. Im Anschluss erfolgten Vorführungen auf fünf weiteren Genrefestivals, bei denen Skinamarink zum Teil auch digital zur Verfügung gestellt wurde. Dabei wurde eine Raubkopie des Films ins Internet geleakt, mit dessen Verbreitung ein viraler Hype um den unkonventionellen Experimentalfilm entstand, der zahlreiche Reaktionen auf Online-Plattformen wie Reddit, Letterboxd oder TikTok nach sich zog.

Als unmittelbare Folge des Leaks musste der für Halloween 2023 anvisierte Kinostart auf den 13. Januar 2023 vorgezogen werden. Zunächst erhielt Skinamarink dabei nur eine limitierte Veröffentlichung in 692 US-Kinos, ehe diese Zahl bereits am zweiten Wochenende aufgrund der großen Nachfrage auf über 800 erhöht wurde. Auch in Kanada wurde Skinamarink nicht nur in Indie-Kinos vorgeführt, sondern ebenso ins Programm großer Kinoketten wie Cineplex aufgenommen. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 7. September 2023 durch Capelight.

Am 2. Februar 2023 wurde Skinamarink exklusiv ins Programm des zu AMC gehörenden Streamingdienstes Shudder aufgenommen. Eine Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray erfolgte in den Vereinigten Staaten am 20. Juni 2023, ehe der Film ab dem 15. Juli auch in einer limitierten VHS-Version erhältlich war.Post von Lunchmeat VHS auf Twitter am 14. Juli 2023, abgerufen am 23. Oktober 2023. Der deutsche Heimkinostart erfolgte am 13. Oktober 2023.

Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Ulrich Johannson bei Think Global Media.

Rolle Darsteller Synchronsprecher Kevin Lucas Paul Joel Vinet Kaylee Dali Rose Tetreault Harley Rose Münzner Vater Ross Paul Timo Weisschnur Mutter Jaime Hill Isabella Vinet Stimme Kyle Edward Ball Tino Kießling

Filmanalyse Genre und Tonalität Skinamarink wird dem Filmgenre des experimentellen Analog-Horrorfilms zugeordnet, der sich mehr auf die Atmosphäre und das Sounddesign als auf eine dichte Erzählung konzentriert und so mit den Genrekonventionen und Regeln des Filmemachens bricht. Vereinzelt wurde der Film daher auch als Pastiche und „postnarratives Genreexperiment“ bezeichnet, bei dem der Zuschauer dazu gezwungen wird, die Art des Sehens zu hinterfragen. In inszenatorischer Hinsicht folgten Vergleiche mit Genreklassikern wie Blair Witch Project, Poltergeist und Paranormal Activity, bei denen atmosphärischer Horror mit gruseligem Found Footage und der Lo-Fi-Ästhetik von David Lynch vermischt wird.

Bei Skinamarink handelt es sich nicht um ein „ausgefeiltes Erzählabenteuer“, sondern als immersive Slow-burn-Geschichte um ein Gegenstück zur immer kurzweiligeren Social-Media-Welt. Der Zuschauer muss dabei das langsame Erzähltempo und die Trägheit akzeptieren, da der um sensorische und atmosphärische Trick herum konzipierte Schrecken mehr auf dem eigenen Empfinden und weniger auf der expliziten Darstellung eines gruseligen Monsters beruht. Dieser gewollte Minimalismus führt zu einer filmischen Erinnerung an die kindlichen Urängste und macht Skinamarink eher beängstigend als gruselig. Dadurch wird der Film dem „gehobenen Horror“ zugeordnet und in eine Reihe mit Vertretern wie The Witch, Midsommar und Get Out gestellt. Die innovative und sich gleichzeitig auf die Grundelemente des Kinos fokussierende Art wurde zum Teil aber auch als schleppend empfunden.

Audiovisueller Stil