Gustav Siber (* 22. November 1864 in Küsnacht; † 14. Juli 1927 in Zürich) war ein Schweizer Bildhauer.

Leben und Werk alternativtext=1912, Brunnenfigur Lindenhöflerin auf dem Lindenhof in Zürich.|mini|1910, Brunnenfigur Lindenhöflerin auf dem Lindenhofbrunnen in Zürich. Gustav Siber war ein Schüler von Richard Kissling. Zudem studierte er in München sowie in Paris bei Henri Chapu. Weitere Studienreisen führten ihn nach Carrara. Wieder in der Schweiz baute er auf dem väterlichen Weingut in Goldbach seine Bildhauerwerkstatt.

Siber gewann in jungen Jahren den Wettbewerb für das Telldenkmal in Altdorf. Jedoch wurde er für die Ausführung als zu jung und unbekannt befunden. Am zweiten Wettbewerb erreichte er den 4. Rang. Dieses Modell ist im Tell-Museum in Bürglen ausgestellt. 1890 erwarb die Eidgenossenschaft die Büste Edelweiss (Fierté). Wahrscheinlich stand Kisslings Tochter Modell.

1893 schuf Siber das Jonas-Furrer-Denkmal in Winterthur. 1897 nahm er mit Helvetia mit Kind am Wettbewerb für ein Wettstein-Denkmal in Basel teil; sein Beitrag erhielt den zweiten Preis. 1901 schuf er sechs Reliefs für den Palais de Justice in Lausanne. Im gleichen Jahr schuf Siber am Mythenquai 2 für die Zürich Versicherung eine riesige Statuengruppe für das Dach direkt über dem Eingang.

1910 schuf er für den Lindenhofbrunnen in Zürich die Brunnenfigur Lindenhöflerin (im Volksmund Hedwig genannt). Zur 500-Jahr-Feier der Zürcher Schmiedezunft gestaltete er eine Skulptur, die einen Schmied an seinem Amboss darstellt. Sibers Schwiegervater Hans Gugolz war in dieser Zeit der Zunftpfleger der Schmiedezunft.

1913 starb Sibers Ehefrau Martha und hinterliess ihm drei Kinder im Alter von acht, sechs und drei Jahren. Wegen andauernden und heftigen Auseinandersetzungen mit seinen Schwiegereltern zog er mit seinen Kindern und Lilly Gull (1886–1942), mit der er sechs Jahre verheiratet war, nach Lugano, um ein neues Leben anzufangen. Zudem verkaufte er sein Landgut und versenkte alle seine Statuen und Modelle bei dem Schiffssteg Goldbach in den Zürichsee. In Lugano renovierte Gustav Siber Häuser.

1922 erbaute er in Goldbach «im Siller» auf einem Stück Land, das noch in seinem Besitz war, eine Villa im italienischen Stil. Dort lebte er mit seinen Kindern bis zu seinem Tod 1927.

Werke

1890/1892: Entwürfe für das Telldenkmal in AltdorfElizabeth Siber: Mein Grossvater Gustav Siber, Bildhauer. In: Küsnachter Jahrheft. 2016, S. 6–17 (PDF). 1890: Edelweiss (Fierté), Marmorbüste, Schweizerische Botschaft, Washington, D.C. (an der ersten Nationalen Kunstausstellung gezeigt)Erste Nationale Kunst-Ausstellung der Schweiz in Bern. 1890, S. 28 (Digitalisat auf Google Books). 1890: Johannes der Täufer als Knabe (an der ersten Nationalen Kunstausstellung gezeigt) 1893–1895: Jonas-Furrer-Denkmal, Winterthur 1897: Helvetia mit Kind, Modellbüste für ein nie ausgeführtes Wettstein-Denkmal in Basel um 1898/1907: Grabmal der Familie von Adolf Grieder, Friedhof Sihlfeld, ZürichRegula Michel: Der Friedhof Sihlfeld in Zürich-Wiedikon (= Schweizerische Kunstführer. Serie 73, Nr. 723/724). GSK, Bern 2002, Nr. 10, S. 24. 1901: sechs Reliefs, Carrara-Marmor, Hauptvestibül des Palais de Justice, Lausanne 1901: Dachgruppe, Gebäude der Zurich Versicherungen, Mythenquai, Zürich 1910: Lindenhöflerin, Bronze, Lindenhofbrunnen, Zürich 1912: Schmied, Auftragsarbeit für die Zunft zur Schmiden, Zürich

Literatur

Elizabeth Siber: Mein Grossvater Gustav Siber, Bildhauer. In: Küsnachter Jahrheft. 2016, S. 6–17 (PDF).

Weblinks

Siber, Gustav in der bibliografischen Datenbank WorldCat

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Schweiz) Kategorie:Person (Küsnacht) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1864 Kategorie:Gestorben 1927 Kategorie:Mann