Der Ritterschaftsrat war ein einflussreicher Wahlbeamter eines Ritterschaftlichen Kreditinstituts im ostelbischen Raum.

Zuständigkeiten mini|hochkant|Bernd von Arnim. Gutsherr, Marine-Offizier, Ritterschaftsrat, preußischer Landwirtschaftsminister

Der Zuständigkeitsbereich des Ritterschaftsrates galt für zwei preußische Landkreise, im Einzelfall bis zu drei Verwaltungseinheiten und weiteren Exklaven, zusammengefasst Department genannt. Er war in der Funktion eingebunden in einer gesonderten Verwaltungsstruktur seines Kreditinstituts, mit Rechenschaft gegenüber dem Hauptritterschaftsdirektor, dessen StellungVgl. Struktur, in: H. Lorenz: Rathgeber für Reichs-, Staats u. Kommunalbeamte 13. Auflage. Verlag O. Nahmmacher, Berlin 1901, S. 69. Reprint Fb&c. Limited, London 2018. ISBN 1-391-32856-6.Fritz Martiny: Die Adelsfrage in Preußen vor 1806 als politisches und soziales Problem. Erläuterung an Beispiel des kurmärkischen Adels, Kohlhammer, Stuttgart 1938, S. 109. Zugleich Phil. Diss. Hale a. d. Saale. in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (VSWG). wiederum über der eines LandesdirektorsGeorg Strutz: Die Kommunalverbände in Preußen. Eine Darstellung. Julius Springer, Berlin 1888, S. 267 f. rangierte und dem Königlichen Kommissarius unterstand, in der Person des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1911, R. v. Decker (G. Schenck), Berlin 1910, S. 190 f. Kommissare waren in der Frühzeit der Kreditinstitute u. a. die Minister Friedrich Christoph von Görne, Otto von Voß-Buch und Großkanzler Graf Carmer.

Namhaftester RitterschaftsratK. A. Varnhagen von Ense: Fürst Blücher von Wahlstadt, in: Meyers Volksbücher, 1. Auflage, G. Reimer, Berlin 1826, S. 17.; 2. Auflage, G. Reimer, Berlin 1845, S. 16.; Bibliographisches Institut/BoD, Leipzig/Norderstedt, S. 14. Reprint 2022 (Online-Ressource). ISBN 978-3-368-43960-6.Kalender für das Jahr 1910. Gratisbeilage zur Kreis-Zeitung für den Kreis Regenwalde in Labes i. Pomm., A. Straube & Sohn, Labes 1910, S. 28. war Gebhard Leberecht von Blücher.Heinrich Berghaus: Blücher als Mitglied der Pommerschen Ritterschaft 1777–1817 und beim Preußischen Heere am Rhein 1794. W. Dietze, Anklam 1863, S. 1 ff. Wenig bekannt geworden sind Friedrich Ludwig Baron von Vernezobre-HohenfinowDeutsches Geschlechterbuch, Band 196 (Allgemeiner Band 51), C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1992, S. 390. Siegfried Passow: Ein märkischer Rittersitz. Aus der Orts-und Familienchronik eines Dorfes, Band 1, Verlag Rudolf Schmidt, Eberswalde 1907, S. 198 f. und Bernhard Gottlieb von EnckevortBernhard Gottlieb von Enckevort, in: Projekt Franckes Schulen, in: Archiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle. Bernhard Gottlieb von Enckevort: 1768–1771 Schüler der Franckeschen Stiftungen Halle; 1772 Respondent in Halle; Neumärkischer Ritterschaftsrat. Rudolf von Enckevort: Geschichtliche Nachrichten über die Familie v. Enckevort. C. A. Starke, Görlitz 1908, S. 211–212.

Für die Wahl und damit die Bestimmung eines Ritterschaftsrates zuständig zeichneten die Gutsbesitzer der jeweiligen Region. Neben der Wahl wurden zweimal im Jahr ritterschaftliche Kreisversammlungen abgehalten. Diese unterstanden dem Engeren Ausschuss, zur regelmäßigen Vertretung der zum Kreditwerk verbundenen Gutsbesitzer. Hier lag bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Aufgabe zur Bewilligung der Pfandbriefdarlehen und diente nächstdem der Kontrolle durch die Hauptritterschaftsdirektion. Nachfolgend wurde die Generalversammlung als Instanz eingerichtet, u. a. mit den Depurtierten der Kreise. Neben der Pfandbrief-Ausgabe-und Kündigung oblag es dem regionalen Rat die Einleitung der Zwangsverwaltung eines Gutes. Die Zwangsversteigerung eines Betriebes wurde übergeordnet Sache des Instituts.

Mehrfach haben Vater und Sohn die Aufgabe wahrgenommen und die Wahl zum Rat angenommen, so u. a. bei der Familie von Cranach auf Kraazen, und bei August Freiherr von Rheinbaben-Fritzschendorf und seinem Sohn Wilhelm Freiherr von Rheinbaben.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1942, Teil A (Uradel). Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft, 92. Auflage, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 408 f. Dies betrifft ebenso den in den sächsischen Adelsstand nobilitierten Carl von Berndt-KomptendorfNeues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Hrsg. im Vereine mit mehreren Historikern Ernst Heinrich Kneschke, Band 1, Friedrich Voigt, Leipzig 1859, S. 363. und seinem Sohn Alfred von Berndt-Komptendorf.C. Herrlich: Wochen-Blatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg, Nr. 7, F. Heinicke, in Commission Behr’sche Buchhandlung, Berlin 17. Februar 1869, S. 39. Auch sind Wiederwahlen nach der zumindest in der Kur- und Neumark festgelegten Laufzeit von sechs Jahren konstatierbar. Vereinzelt wurden Departments über eine Wahlperiode durch mehrere Räte vertreten.Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Brandenburg 1914, 2. Auflage, in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. XIX. Anfang des 19. Jahrhunderts betreute der Ritterschaftsrat Ernst Friedrich von Seydlitz auf Wahlsdorf ein Department ohne seinen Heimatkreis Jüterbog-Luckenwalde; er hinterließ eine Kultur-Stiftung,Um ein Stipendium der von Seydlitzschen Stiftung: Der Ritterschaftsrat Herr Ernst Friedrich v. Seydlitz hat in seinem Testamente vom 15. Sept. 1828 den Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes zu seinem Universalerben eingesetzt …, in: Cöln 1909. dessen Wirkung über Jahrzehnte bekannt blieb.Künstlerhaus Berlin: Berliner Kunst-Herold. Officielles Publikations-Organ des Vereins Berliner Künstler sowie des Verbandes deutscher Illustratoren, Hrsg. Hermann Weiss, Selbstverlag, Berlin, den 10. April 1902, S. 53.Ober-Realschule der Stadt Cöln und Realgymnasium (Frankfurter System), mit Vorschule. Bericht über das Schuljahr 1908–1909 erstattet von Dr. Otto E. A. Dieckmann, Schulnachrichten, 1909. Progr. - Nr. 685, Gebrüder Brocker, Cöln 1909, S. 31. Für den Bereich Westpreußen ist zeitgleich ein festes Gehalt des Ritterschaftsrates dokumentiert.Westpreußisches Provinzialrecht, Zweiter Band. Das öffentliche Recht, Hrsg. A. C. Freiherr v. Vegesack, Fr. Sam. Gerhard, Danzig 1845, S. 216.

19. Jahrhundert Einer der wenigen Vertreter des Hochadels als Rat, hier betitelt mit Ritterschaftlicher Commissarius, war um 1830 Heinrich Fürst (Prinz) LX. Reuss auf Klemzig, zugleich Deputierter der neumärkischen Ritterschaft.Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1831, Decker’sche Geheime Ober-Hofbuchhandlung (R. L. Decker), Berlin 1831, S 98.Extra-Blatt zum 20sten Stück des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin 1829, Eigenverlag, Potsdam, den 15. Mai 1829, S. 105. Der Gutsherr und Ritterschaftsrat Karl Gottlob Boguslav von Zychlinsky war zeitgleich General-Direktor der Neumärkischen Land-und Feuer-Socität.Clemens Graf Pinto: Berliner Revue. Social-politische Wochenschrift, Zweites Quartal 1856, F. Heinicke, Berlin 1856, S. 99 f.Nekrolog Karl Gottlob Boguslav von Zychlinsky, in: Hermann Keipp: Berliner Revue. Social-politische Wochenschrift, Neunter Band, Zweites Quartal 1857, F. Heinicke, Berlin 1857, S. 119 f. Der Vetter Johann Carl von Zychlinski-BielskoRitterschafts-Rath Johann Carl von Zychlinski, in: Friedrich von der Goltz: Nachrichten über die Familie der Grafen und Freiherrn von der Goltz. In zwei Abtheilungen, II, Tafel 35, R. Schultz & Comp., Strassburg 1885, S. 228. war zuvor ebenfalls Rat.Gothaisches Genealogischen Taschenbuch der Adeligen Häuser 1933. Teil B (Briefadel). Zugleich Adelsmatrikel der vereinigten deutschen Adelsverbände. 25. (Jubiläums-) Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1932, S. 588 ff. Gustav sen. Freiherr von Gagern war Major und Johanniterritter, er hatte sein Hauptgut als LehensberechtigterGothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1864, Vierzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1863, S. 245. in Frankenthal bei Samtens auf Rügen, wurde dennoch durch seinen neumärkischen Besitz Rehdorf Ritterschaftsrat.Neuer Nekrolog der Deutschen, Zwölfter Jahrgang 1834, Erster Theil, B. Fried. Voigt, Weimar 1836, S. XXVIII. u. S. 125. Der Ritterschaftsrat Constantin von Dewitz wurde Mitbegründer der Preußischen National-Hypotheken-Kreditgesellschaft in Stettin.Constantin von Dewitz-Gienow (1816–1872).

Ab 1860 stieg mit dem Schuldenzuwachs der bepfandbrieften Besitzungen mit Rittergutsqualität die Bedeutung der Räte.René Schiller: Vom Rittergut zum Großgrundbesitz. Ökonomische und soziale Transformationsprozesse der ländlichen Eliten in Brandenburg im 19. Jahrhundert, in: Elitenwandel in der Moderne / Elites and Modernity; 3, Online-Ressource, De Gruyter, Boston/Berlin 2003, S. 96. ISBN 3-05-007745-X.vgl. Felix Hecht: Die Landschaften und landschaftsähnlichen Kreditinstitute in Deutschland, in: Die Organisation des Bodenkredits in Deutschland, Duncker & Humblot, Leipzig 1908, S. 67 ff. Mit Friedrich Pappritz-Radach wurde früh ein bürgerlicher Grundbesitzer Ritterschaftsrat, sein spät nobilitierter Enkel Kurt von Pappritz dann Ritterschaftsdirektor.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1913, Siebenter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1912, S. 616 f. Der Rat und Provinzial-Feuersozietäts-Direktor Adolf von Köhne–Deminski wurde 1841 nobilitiert.Adolf von Köhne – Deminski, Herr auf Rittersberg und Hutten, Kreis Schlochau, Landschaftsdirektor, Ritterschaftsrat des Konitzer Landschaftkreises, Provinzial – Feuersozietäts – Direktor und Ehrenritter des Johanniter – Ordens, in: Ein preußisches Urkundenkonvolut, in: Ordensmuseum, Berlin 2023. Ebenfalls dem jüngeren Briefadel zugehörig war der neumärkische Rat Wilhelm von Pape.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1912, Sechster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1911, S. 707.Karl Freiherr vom und zum Stein: Schriften von und über Stein, Band Register, mit Nachlese, Zusätzen und Berichtigungen, 1. Auflage, Hrsg. (Einleitung) Günther Schmidt, Rütten & Loening, Berlin 1955/57, S. 517. Der Ritterschaftsrat Hans Heinrich Hermann SteinhausenHandbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1881/82. In Commission R. v. Decker (Marquardt & Schenck), Berlin 1881, S. 147.Robert Frank: Der Brandenburger als Reichstagswähler, Band 1., 1867/71 bis 1912/14, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1934, S. 121. Zugleich Berlin, Phil. Diss., 1933. lebte in Berlin, ihm gehörte das kleine Gut Streganz in der Nähe der Großstadt. Im Berliner Vorort Osdorf war der Rat Leopold Baron von Witten, Ritter des St. Johanniter-Ordens, Erb- und Gerichtsherr.Hier ruhet in Frieden der Ritterschafts-Rath Leopold von Witten, geboren den 20. Juni 1781, gestorben den 12. November 1831, in: Jens Leder: Gutsherrengrab war das einzige in Osdorf, in: Märkische Allgemeine Zeitung, MVD (Märkischen Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH), Potsdam 30. März 2019. Vgl. Jens Leder: Osdorf – Ostdorp – Oßtorff. Erinnerung an einen geschleiften Ort (Historische Wege), Hrsg. RIG Regionale Interessengemeinschaft „Der Teltow“, 2. Edition, BoD, Norderstedt 2018, S. 21 f. ISBN 978-3-7528-1569-6.