Albert Pinner (geb. 28. September 1857 in Berlin; gest. 5. Januar 1933 in Dresden) war ein Berliner Rechtsanwalt und Notar aus jüdischer Familie. Er war Vorsitzender der Berliner Anwaltskammer sowie Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltvereins und hat vor allem auf dem Gebiet des Handels- und Aktienrechtes publiziert.
Lebensweg Albert Pinner war Sohn eines Kaufmanns.Jahresbericht über das Berlinische Gymnasium zum grauen Kloster für das Schuljahr Ostern 1874 bis Ostern 1875. Kapitel II. Statistische Nachrichten. Im September 1874 legte er seine Abiturprüfung am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster ab.Jahresbericht über das Berlinische Gymnasium zum grauen Kloster für das Schuljahr Ostern 1874 bis Ostern 1875. Kapitel II. Statistische Nachrichten. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften und wurde Rechtsanwalt; im Jahr 1908 auch Notar.Amtsblatt der königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, Stück 31, 1908, herausgegeben den 31. Juli 1908, S. 404, https://archive.org/details/amtsblattderreg33gergoog/page/n491/mode/2up
Albert Pinner war mit Clara Benjamin (1870–1921) verheiratet. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Heinz (Albert Moritz) Pinner (1893–1986), Rechtsanwalt, Dr. med. Rudolf Max Pinner (1895–?), Gerhard Albert Pinner (1905–1933; er starb bei einem Flugzeugabsturz in der Schweiz)Die Deutsche Nationalbibliothek, Gemeinsame Normdatei (GND), https://d-nb.info/gnd/1045734888
Albert Pinners Sohn Heinz Pinner wurde ebenfalls Rechtsanwalt. Vater und Sohn Pinner bildeten zeitweilig eine Anwaltssozietät; ihre gemeinsame Kanzlei befand sich in der Markgrafenstr. 46.Simone Ladwig-Winters, Anwalt ohne Recht: Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933, be.bra verlag, November 2022, 504 Seiten, S. 374/375 Heinz Pinner heiratete Ilse Ullstein (1892–1988), eine Tochter des Verlegers Hans Ullstein (1859–1935).Juliane Berndt, Die Restitution des Ullstein-Verlags (1945-52), Remigration, Ränke, Rückgabe: Der steinige Weg einer Berliner Traditionsfirma, Europäisch-jüdische Studien, Beiträge, Herausgegeben vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Potsdam, Redaktion: Werner Treß, Band 50, S. 97, Dissertation, vorgelegt an der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam im Jahr 2019. Gutachter: Prof. Dr. Julius H. Schoeps, De Gruyter, 2020, https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/40132/9783110630503.pdf?sequence=1
Albert Pinner bildete zeitweilig auch eine Anwaltssozietät mit dem bekannten Rechtsanwalt und Notar Maximilian Kempner (1854–1927)Juden im deutschen Kulturbereich. Ein Sammelwerk. Herausgegeben von Siegmund Kaznelson, mit einem Geleitwort von Richard Willstätter, dritte Ausgabe mit Ergänzungen und Richtigstellungen, Jüdischer Verlag, Berlin, 1962, S. 797, https://archive.org/details/judenimdeutschen0000unse/page/796/mode/2up, zu der ab 1919 auch der Rechtsanwalt und Notar Dr. Walter Schmidt gehörte, der im Mai 1948 ein Gutachten im I.G.-Farben-Prozess verfasste.U.S. National Archives and Records Administration (NARA), IG Farben Trial Transcripts, 1976, S. 405, https://archive.org/details/IGFarbenTrialTranscripts/roll_64/page/n755/mode/2up
Albert Pinner vertrat offenbar Mileva Marić, verheiratete Einstein, als Rechtsanwalt in ihrem Ehescheidungsverfahren gegen Albert Einstein. Pinners Kanzlei befand sich damals, im April 1916, in der Taubenstr. 46.Princeton University, The Collected Papers of Albert Einstein, Volume 8, Part A: The Berlin Years: Correspondence 1914–1917, Brief Nr. 208, an Mileva Einstein-Marić, Berlin, 1. April 1916, S. 278, https://einsteinpapers.press.princeton.edu/vol8a-doc/350
Pinner war Autor zahlreicher juristischer Beiträge, vorwiegend auf dem Gebiet des Handels- und Aktienrechts.T.K., Kurzbiographien Deutscher Anwaltverein 1931/32, Kurzbiographien des Vorstandes des Deutschen Anwaltvereins, Forum Anwaltsgeschichte, https://www.anwaltsgeschichte.de/fotos-und-dokumente/persoenlichkeiten/vorstand-biographie-deutscher-anwaltvereins-1931-32/ Er war Mit-Autor des von Hermann Staub (1856–1904) begründeten Kommentars zum Handelsgesetzbuch.
Albert Pinner war Mitglied des Aufsichtsrats mehrerer Aktiengesellschaften, darunter: stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bayerischen Motoren-Werke (BMW)Juden im deutschen Kulturbereich. Ein Sammelwerk. Herausgegeben von Siegmund Kaznelson, mit einem Geleitwort von Richard Willstätter, dritte Ausgabe mit Ergänzungen und Richtigstellungen, Jüdischer Verlag, Berlin, 1962, S. 797, https://archive.org/details/judenimdeutschen0000unse/page/796/mode/2up Max Segall A.G. (Strumpfwaren), AufsichtsratsvorsitzenderJahrbuch der Berliner Börse 1900/1901: Ein Nachschlagebuch für Bankiers und Kapitalisten, begründet von J. Neumann, 22. Auflage, Leipzig 1900, S. 612 / S. 613, https://archive.org/details/jahrbuchderberli1900unse/page/612/mode/2up Chemische Fabrik Landshoff & Meyer GrünauJahrbuch der Berliner Börse: Ein Nachschlagebuch für Bankiers und Kapitalisten, begründet von J. Neumann, Leipzig, 1912, S. 900/901, https://archive.org/details/jahrbuchderberli1912unse/page/900/mode/2up bzw. 1914, S. 854/855, https://archive.org/details/jahrbuchderberli1914unse/page/854/mode/2up Aufsichtsratsvorsitzender der Elberfelder Papierfabrik A.G.Der Papier-Fabrikant, 14.1916, Heft 47, S. 693, https://archive.org/details/der-papier-fabrikant-14/page/693/mode/2up Aufsichtsratsvorsitzender der 1920 gegründeten Uco-Film-Gesellschaft, eines Zusammenschlusses des Ullstein-Verlages mit dem Film-Unternehmen Decla-Bioskop A.-G.Der Kinematograph, Düsseldorf, 14. Jahrgang, Nr. 705, 18. Juli 1920, https://archive.org/details/kinematograph-1920-07/page/n73/mode/2up . Siehe auch: Wolfgang Jacobsen, Erich Pommer: ein Produzent macht Filmgeschichte, 1989, S. 46, https://archive.org/details/erichpommereinpr0000jaco/page/46/mode/2up Der erste Aufsichtsrat der Austro-Daimler-Motoren-Aktien-Gesellschaft, Berlin, bestand 1922 aus Bankier Max von Wassermann in Berlin, Generaldirektor Oskar Lasclo in Wien und Justizrat Albert Pinner in Berlin.Der Motorwagen, XXV. Jahrgang 1922, Redaktion R. Conrad, Automobiltechnische Gesellschaft; Automobil- und Flugtechnische Gesellschaft Berlin, Heft 1, 10. Januar 1922, S. 21, Handelsnachrichten, https://archive.org/details/dermotorwagen2519auto/page/n33/mode/2up?q=%22Albert+Pinner%22
Lilly Melchior Roberts (1903–1966), eine der ersten deutschen Rechtsanwältinnen, arbeitete zeitweilig in der Wirtschaftskanzlei Dr. h.c. Albert Pinner, Dres. Walter Schmidt II, Wilhelm Beutner, Friedrich Kempner. Während seines Referendariates war auch der spätere Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht Prag, Helmuth Gabriel (1892–1945), in der Berliner Rechtsanwaltskanzlei von Maximilian Kempner und Albert Pinner tätig.Bundesarchiv, Personalakte Helmuth Gabriel, BA R/3001/56764. S.a.: Anna Hajkova, Maria von der Heydt: „Biedermeier Desk in Seattle: The Veit Simon Children, Class, and the Transnational in Holocaust History“, in: European Review of History, Verlag Taylor and Francis, 2016, https://hcommons.org/deposits/item/hc:11635/ ; https://hcommons.org/deposits/objects/hc:11636/datastreams/CONTENT/content?download=true&usg=AOvVaw25mfubWsuMtgFkYQI0q7l_ Der ehemalige Bundesinnen-, -außen- und -verteidigungsminister Gerhard Schröder (1910–1989) trat als Assessor in die Kanzlei Pinner, Schmidt, Beutner, Kempner ein.„Minister Schröder: Quittung vorhanden“, in: Der Spiegel Nr. 9/1969, 23. Februar 1969, https://www.spiegel.de/politik/quittung-vorhanden-a-68bdf571-0002-0001-0000-000045793918 Der spätere Staatssekretär im Bundesjustizministerium Walter Strauss (1900–1976) war ab 1. Juli 1936 als juristischer Hilfsarbeiter in der Rechtsanwaltskanzlei Dr. W. Schmidt, Dr. Wilh. Beutner, Dr. F. Kempner, Dr. Heinz Pinner, Dr. Joachim Beutner tätig.Friedemann Utz, Preuße, Protestant, Pragmatiker: der Staatssekretär Walter Strauss und sein Staat, Mohr Siebeck, 2003, S. 36, https://books.google.de/books?id=Ouw304CwqZoC&pg=PA36&lpg=PA36
Albert Pinner war Justizrat. Er war Vorsitzender der Berliner Anwaltskammer und Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltsvereins.Simone Ladwig-Winters, Anwalt ohne Recht: Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933, be.bra verlag, November 2022, 504 Seiten, S. 374 Albert Pinner und Albrecht Mendelssohn Bartholdy (1874–1936) waren deutsche Rechtsberater am Ständigen Internationalen Gerichtshof.Fred Skolnik (Editor in Chief) / Michael Berenbaum, (Executive Editor), „Lawyers, Germany“, S. 551, in: Encyclopaedia Judaica, Second Edition, Volume 12, „Kat-Lie“, Macmillan Reference USA, https://archive.org/details/KhaosOdenslandArchiveDocstheMisanthropicMisogynist/EncyclopaediaJudaicaV.12kat-lie/page/n551/mode/2up
1927, anlässlich seines 70. Geburtstages, erhielt Pinner die Ehrendoktorwürde der Berliner Universität.„Geheimrat Albert Pinner gestorben“, in: Das Jüdische Echo, 20. Jahrgang, Nr. 2, München, 13. Januar 1933, S. 12, https://archive.org/details/JudischeEcho/Jg.%2020%2C%20Nr.%2002%20%281933%29?q=%22Albert+Pinner%22 Die Berliner Anwaltschaft stiftete einen „Albert Pinner-Preis“ für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf Pinners Fachgebiet, dem Wirtschaftsrecht.„Geheimrat Albert Pinner gestorben“, in: Das Jüdische Echo, 20. Jahrgang, Nr. 2, München, 13. Januar 1933, S. 12, https://archive.org/details/JudischeEcho/Jg.%2020%2C%20Nr.%2002%20%281933%29
Anlässlich von Pinners 75. Geburtstag im Jahr 1932 erschien eine 680 Seiten starke Festschrift zu seinen Ehren, herausgegeben von Felix Bondi, Rudolf Dix, Richard Graßhoff, Paul Marcuse und Ernst Wolff. Pinner war der letzte jüdische Jurist, der in Deutschland offiziell durch eine Festschrift geehrt wurde.T.K., Kurzbiographien Deutscher Anwaltverein 1931/32, Kurzbiographien des Vorstandes des Deutschen Anwaltvereins, Forum Anwaltsgeschichte, https://www.anwaltsgeschichte.de/fotos-und-dokumente/persoenlichkeiten/vorstand-biographie-deutscher-anwaltvereins-1931-32/
Kurz darauf, am 5. Januar 1933, starb Albert Pinner im Alter von 75 Jahren während eines Erholungsaufenthaltes in DresdenGND: https://d-nb.info/gnd/1045734888 an einem Herzschlag;„Geheimrat Albert Pinner gestorben“, in: Das Jüdische Echo, 20. Jahrgang, Nr. 2, München, 13. Januar 1933, S. 12, https://archive.org/details/JudischeEcho/Jg.%2020%2C%20Nr.%2002%20%281933%29 wenige Tage vor der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933.
Werke Albert Pinners (Auswahl) Das deutsche Aktienrecht. Kommentar zu Buch 2, Abschnitt 3 und 4 des Handelsgesetzbuchs vom 10. Mai 1897, Berlin, C.F. Müller Verlag, 1899 Das Reichsgesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs vom 27. Mai 1896, nebst den ergänzenden Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs, Berlin, Guttentag, 1903 Wucher und Wechsel. Leitfaden zum Schutze gegen Bewucherung, insbesondere für Offiziere. Mit einer Vorbemerkung von Dr. jur. [Anton] Romen. Berlin, Vossische Buchhandlung, 1907 Kommentar zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vom 7. Juni 1909; Textausgabe mit Anmerkungen, Einleitung und Sachregister, herausgegeben von Albert Pinner und Erich Eyck. 2. Auflage, Berlin, Guttentag, 1910 Beiträge zum Aktienrecht, Berlin, Guttentag, 1918 mit Max Apt, Zur Auslegung von Anleihe-Schuldverschreibungen, ausgestellt in Deutscher und Schweizer Währung. Rechtsgutachten, Berlin, O. Liebmann, 1927 Aktiennovelle und Bankenaufsicht: Verordnung vom 19. September 1931; Textausgabe mit Einführung in die Aktiennovelle Staub's Kommentar zum Handelsgesetzbuch / [Begründet von Hermann Staub]. Bearbeitet von Heinrich Koenige, Albert Pinner, Felix Bondi. Berlin [u. a.], Verlag de Gruyter, mehrere Auflagen. Darin vor allem: Buch 1: Handelsstand und Buch 3: Handelsgeschäfte Aktiennovelle und Bankenaufsicht. Verordnung (des Reichspräsidenten über Aktienrecht, Bankenaufsicht und über eine Steueramnestie) vom 19. September 1931. Textausgabe mit Einführung in die Aktiennovelle von Albert Pinner, Berlin, Walter de Gruyter, 1931