mini|hochkant=1.5|Der Harz mini|hochkant=1.5|Administrative Gliederung des Harzes Eishockey im Harz hat eine lange Tradition und wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts an einer Vielzahl von Orten in der Region gespielt. Der Harz zählt zu den ersten Wintersportregionen Deutschlands und somit auch zu den ersten Regionen, in denen Eishockey gespielt wurde, in den Oberharzer Wintersportorten Schierke und Braunlage bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Die Entwicklung des Eishockeysports im Gebiet des Harzes weist gemeinsame, aber auch – insbesondere durch die deutsche Teilung 1945 bis 1990 – getrennt voneinander verlaufende Entwicklungen auf.

Geschichte des Eishockeysports im Harz Da der Harz weder kulturräumlich, noch administrativ eine eindeutige Abgrenzung hat, wird die Betrachtung des Eishockeysports im Harz in etwa auf den Bereich bezogen, der durch die vom Harzer Tourismusverband präsentierten Urlaubsorte abgegrenzt wird. Der Betrachtungsraum umfasst somit ein Gebiet, welches von einer gedachten Linie zwischen den Orten Hornburg, Lamspringe, Kalefeld, Duderstadt, Kelbra, Lutherstadt Eisleben, Aschersleben, Seeland, Halberstadt und schließlich wieder Hornburg eingekreist wird. Es erstreckt sich auf Teile der niedersächsischen Landkreise Goslar und Göttingen, den thüringischen Landkreis Nordhausen sowie die sachsen-anhaltischen Landkreise Mansfeld-Südharz, Salzlandkreis und Harz.

Ende des 19. Jahrhunderts bis 1910: Anfänge des Ski- und Eissports im Harz Der Harz gehört aufgrund seiner naturräumlichen Voraussetzungen zu den Wintersportregionen Deutschlands. Der Winter 1883/84 markiert Beginn des Skilaufs im Harz, als sich Oberförster Ulrichs, Braunlage, als erster im Harz Skier anfertigen ließ, die vom Stellmacher Gustav Schlösser in Braunlage hergestellt wurden.Klein, Fr. (1956): Skispuren im Harz. Herausgegeben anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Harzer Skiverbandes 1896–1956, Josef Grütter, Hannover, S. 61Wernigeröder Zeitung vom 12. Februar 1914, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 1

links|rahmenlos|87x87px In Braunlage gründete sich 1892 der erste Skiklub. Im Jahr 1896 wurde auf dem Brocken der Oberharzer Skiklub gegründet, mehrere Ortsgruppen gründeten sich in den Folgejahren (z. B. in Schierke).Klein, Fr. (1956): Skispuren im Harz. Herausgegeben anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Harzer Skiverbandes 1896–1956, Josef Grütter, Hannover, S. 50/51 und S. 58, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 1

Die Skiklubs veranstalteten Harzer Winterfeste in verschiedenen Orten, die jährlich stattfanden, sofern es die Wetterverhältnisse zuließen. Das 1. Harzer Winterfest fand 1896 in Sankt Andreasberg statt.Klein, Fr. (1956): Skispuren im Harz. Herausgegeben anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Harzer Skiverbandes 1896–1956, Josef Grütter, Hannover, S. 58, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 1 Zunächst standen Skiwettbewerbe wie Skilanglauf und Sprunglauf auf dem Programm, später kamen Sport- und Rodelschlittenfahren hinzu, ergänzt um künstlerische und kulturelle Programmpunkte. Neben Sportlern aus Harzorten wie Braunlage, Sankt Andreasberg oder Hahnenklee kamen die Teilnehmer an den Sportwettkämpfen im Rahmen der Winterfeste aus dem gesamten norddeutschen Raum. So verzeichnete das 8. Winterfest 1906 in Sankt Andreasberg Gäste und Teilnehmer aus Hannover, Bremen, Hamburg, Magdeburg und Berlin.Wernigeröder Zeitung vom 1./2. Februar 1914 und vom 14. Februar 1906, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 1

Bereits um die Jahrhundertwende war der Harz somit beliebtes Wintersportgebiet für die Bewohner norddeutscher Großstädte, und in den Tageszeitungen wurde regelmäßig über die Schnee- und Wintersportverhältnisse im Harz berichtet. Zudem wurde von Harzer Gastronomen in den Großstädten auch aktiv Werbung für den Winteraufenthalt im Harz betrieben. So ließ beispielsweise der Schierker Hotelbesitzer Otto Hartmann Fotos vom winterlichen Schierke mit Schlittenpartien anfertigen, die er zu einer im Juli 1906 veranstalteten Fotoausstellung in Berlin sendete und die dort ausgestellt wurden.Wernigeröder Zeitung vom 27. Juni 1906, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke . Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 2

Im Jahr 1910 bestanden im gesamten Harz fünf Wintersportverbände: Oberharzer Skiklub, Harzer Wintersportverband in der Grafschaft Wernigerode, Südharzer Wintersportverband und Wintersportverein Sankt Andreasberg. Bestrebungen im November 1910 zum Zusammenschluss dieser Verbände scheitern jedoch.Wernigeröder Zeitung vom 11. November 1910, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 4–5

Ein solcher Zusammenschluss hätte vor allem solche Sportarten gefördert, die bis dahin wenig beachtet wurden, wie beispielsweise den Eissport, der zu den viel älteren Wintersportarten als der Skilauf gehört. So wurde auf zugefrorenen Teichen schon seit langem Schlittschuh gelaufen. Für Wernigerode finden sich erste Hinweise aus dem Jahr 1800 und bereits 1888 wurde eine künstliche Eisbahn im Kurhaus-Garten angelegt. Für Schierke werden 1909 die großen überschwemmten Schluftwiesen als Schlittschuhbahn angegeben.Wernigeröder Zeitung, Jahrgang 1800, S. 201 und Griebens Reiseführer (1909): Wintersport im Harz, Bd. 118, Berlin, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 4–5 In Braunlage wurde die erste Eisbahn um das Jahr 1910 von der Gemeinde Braunlage errichtet.

1910 bis 1918: Beginn des Eishockeysports im Oberharz Genauere Aufzeichnungen über den Beginn des Eishockeysports im Harz liegen nicht vor. Aufgrund der naturräumlichen Voraussetzungen ist davon auszugehen, dass bereits Ende des 19. Jahrhunderts dem „Hockey auf Eis“ als Freizeitbeschäftigung auf zugefrorenen Teichen nachgeeifert wurde. Gebogene Äste dienten als Schläger, Bälle oder Holzscheiben als Puck und die seit Mitte des 19. Jahrhunderts verfügbaren Stahlkufen zum Umschnallen als Schlittschuhe. Zunächst wurde ab den 1890er-Jahren in Deutschland vor allem Bandy gespielt, bevor es kurz nach der Jahrhundertwende zunehmend vom Eishockey nach kanadischen Regeln abgelöst wurde. Die Kunde von der Spielweise und den Regeln der neuen Mannschaftssportart dürfte die Harzregion über Erzählungen, Berichte in Zeitungen und Illustrierten sowie über die Fachliteraturz. B. L. Voss (1895): Gesundheit und Erziehung, Band 8, 1895, S. 119 und Kurt von Eberbach (1902): Rasenspiele, Band IV.: Hockey – Eishockey – Hurling – Ball-Goal, Verlag von Grethlein u. Co., Leipzig, zitiert nach Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 15. Juni 1902, S. 17. Deutsches Zeitungsportal. zügig erreicht haben.

Bedeutend für den Beginn des Eishockeysports im Harz waren zwei miteinander zusammenhängende Entwicklungen: zum einen der Ausbau der Infrastruktur für den Eissport in den Harzer Wintersportorten und zum anderen die zunehmende Anzahl an Winterurlaubern und Wintersportlern aus den Großstädten, insbesondere aus Berlin, die im Harz selbst Wintersport betrieben oder Wintersport-Wettkämpfen als Zuschauer beiwohnten.

Eine wichtige Rolle für die Verbreitung des Eishockeysports im Harz spielten Berliner Vereine. In Berlin wurde bereits seit 1897 Eishockey gespielt.Horst Eckert (1985): Eishockey Weltgeschichte. Mit Beiträgen von Xaver Unsinn, Erich Kühnhackl und Karel Gut. Copress Verlag, München, 2. Auflage, ISBN 3-7679-0235-4, S. 87. Dort dauerte es nur wenige Jahre, bis die ersten Berliner Stadtmeisterschaften ausgespielt wurden. 1910 nahmen bereits zehn Teams an der Stadtliga teil. Für die Berliner war der Harz die nächstgelegene Wintersportregion, so dass die Durchführung von Wintersportveranstaltungen mit der Beteiligung Berliner Vereine attraktiv erschien.

Im September 1910 wurde auf Initiative des Hoteliers Otto Hartmann mit dem Bau eines großen Eisplatzes auf dem Grundstück des Kurhauses und Hotels Fürstenhöh begonnen. Im November 1910 hatte der kurz zuvor gegründete Eishockey- und Skeleton-Club Schierke den Eisplatz als Clubbahn ernannt. Die Eisfläche wurde mit 40 × 80 Metern Größe so dimensioniert, dass sie die richtige Größe für Eishockeyspiele nach kanadischen Regeln hatte.Wernigeröder Zeitung vom 20. November 1910.

mini|Eishockeymannschaft des Berliner Schlittschuhclubs, (1912): Der BSchC war 1911 am ersten Eishockeyspiel im Harz beteiligt. Zur Einweihung des neuen Eisplatzes lud der Eishockey- und Skeleton-Club zu einem Eis- und Rodelfest für den 29. Januar 1911 ein, musste das Fest jedoch wegen einsetzendem Tauwetter um eine Woche verschieben.Wernigeröder Zeitung vom 20. und 31. Januar 1911, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 5. Am 5. Februar 1911 fand in Schierke das erste Eishockeyspiel im Harz statt. Ausgetragen wurde das Spiel von den beiden Berliner Eishockeymannschaften des Berliner Schlittschuhclubs und des Berliner Fußballklubs Preußen, das vom Schlittschuhclub mit 8:4 gewonnen wurde.Wernigeröder Zeitung vom 8. Februar 1910, zitiert nach Georg von Gynz-Rekowski (1981): Die Anfänge des Wintersports in Schierke. Wernigerode/Harz, 1981. Unveröffentlichtes Manuskript, S. 5–6. Es war die Neuauflage des zweiten Endspiels um die Berliner Eishockeymeisterschaft, bei dem sich der BFC Preußen einige Wochen zuvor am 16. Dezember 1910 gegen den Schlittschuhclub mit 2:1 durchgesetzt hatte.

Im benachbarten Braunlage hatten die Winterfeste bereits eine etwas längere Tradition, wenngleich der Eissport zunächst keine Rolle spielte. Von 1908 bis 1909 wurde auf einem Wiesengelände im Bereich des heutigen Kurparks der Gondelteich angelegt, auf dem im Winter Schlittschuh gelaufen, Eishockey gespielt und Eisstockschießen betrieben wurde.Harzklub, Zweigverein Braunlage und Kurbetriebsgesellschaft: Der Kurparkteich. Infotafel, Braunlage, Kurpark. Berliner Eislaufvereine führten ab dem Jahr 1909 „Kunst- und Schnellauf-Konkurrenzen“ durch. In den Jahren 1911 bis 1913 erfolgte die Anlage einer Eisbahn durch die Gemeinde Braunlage.

mini|Kurteich im Bereich des ehemaligen Gondelteichs: erste Eishockeyspielstätte in Braunlage Der erste Hinweis auf eine geplante Eishockeyveranstaltung in Braunlage ist auf den 2. Februar 1913 datiert, als der Berliner Eislauf-Verein von 1886 in Braunlage die Ausrichtung einer Klubmeisterschaft in den Disziplinen Eisschnelllauf und Eishockey geplant hatte. Aufgrund starken Schneefalls musste die Veranstaltung jedoch abgesagt werden. Auch wenn dieses Spiel nicht stattfand, bleibt festzuhalten, dass es – wie auch in Schierke – Berliner waren, die den Eishockeysport nach Braunlage zu bringen gedachten.