mini|Thekla Hess, geb. Pauson, 1928 Thekla Hess, geborene Pauson (geboren am 20. April 1884 in Lichtenfels, Oberfranken; gestorben 22. November 1968 in Lewes, East Sussex, Vereinigtes Königreich), auch: Tekla Hess,Thekla Pauson (1884–1968) ist der standesamtlich eingetragene Geburtsname, Tekla wohl eine modernisierend gemeinte Schreibweise, die damit gleichzeitig an die englische Sprache angepasst ist, womit eine verfälschende Aussprache mit „th-Laut“ vermieden wird. Für Thekla Hess nachgewiesen ist die Schreibweise Tekla bereits 1908. Als Tekla Hess hat die Namensträgerin auch selbst unterzeichnet, so beispielsweise ein erhaltenes Schreiben vom 16. August 1936, das sie im oberfränkischen Lichtenfels an den Direktor des Kunsthauses Zürich, Jakob Wilhelm Wartmann, verfasst hat. Die veröffentlichte Verlobungsanzeige des Ehepaars vom März 1906 weist die Schreibweise Thekla Pauson aus; das Exlibris des Ehepaars wurde um 1910 mit Alfred u. Thekla Hess bedruckt. In den jährlichen Geschäftsberichten des Unternehmens M. & L. Hess Schuhfabrik Akt.-Ges. wurde sie im Aufsichtsrat als Thekla Hess aufgeführt. – Zitiert nach: Verlobungsanzeige Thekla Pauson und Alfred Hess. In: Erfurter Allgemeiner Anzeiger, 57. Jahrgang, Nr. 66, 1. Beiblatt vom Donnerstag, 8. März 1906, unnummerierte Seiten [S. 6 der Ausgabe; S. 2 des 1. Beiblatts], Spalte 3–4. – Zitiert nach: Geburtsanzeige für Hans Hess (1908–1975) durch seine Eltern Alfred Hess und Tekla, geb. Pauson. In: Erfurter Allgemeiner Anzeiger, 59. Jahrgang, Nr. 89, Sonntag, 29. März 1908. – Zitiert nach: Geschäftsberichte der M. & L. Hess Schuhfabrik Akt.-Ges. In: Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv), auf: zbw.eu – Zitiert nach: Schreiben [größtenteils maschinenschriftlich] der Tekla Hess an Direktor Wartmann nach Zürich, datiert auf den 16. August 1936 [Lichtenfels den 16. maschinenschriftlich; Aug. 1936 handschriftlich hinzugesetzt], unterzeichnet durch Tekla Hess. war eine deutsch-britische Kunstsammlerin,Hess, Thekla. In: Deutsche Nationalbibliothek, auf: d-nb.info die sich während der Zeit des Nationalsozialismus um die sichere Einlagerung ihrer bedeutenden familiären Kunstsammlung und einen teilweisen Verkauf sowie nach dem Zweiten Weltkrieg um die Restitution von NS-Raubkunst bemühte.Hess, Thekla. In: Proveana – Datenbank Provenienzforschung, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, auf: proveana.de

Familie mini|hochkant|Thekla Hess, geb. Pauson (Mitte), mit ihrem Ehemann Alfred (rechts) und ihrem 20-jährigen Sohn Hans (links), Sommer 1928 Thekla Pauson war das erste Kind und die einzige Tochter des (jüdischen) Korbwarenfabrikanten Pankraz Pauson (geboren 1852 in Redwitz an der Rodach; gestorben am 10. Dezember 1910 in Lichtenfels, Oberfranken) und dessen Ehefrau Rosa Fechheimer (geboren am 16. Mai 1864 in Mitwitz, Oberfranken, Königreich Bayern; gestorben 1949 im Vereinigten Königreich).Rosa Pauson, Home Office, Reference: HO 396/67/160. In: The National Archives, Kew, Richmond, auf: nationalarchives.gov.ukRosa Pauson, Home Office, Reference: HO 396/67/161. In: The National Archives, Kew, Richmond, auf: nationalarchives.gov.ukRosa Pauson. In: Stadt Lichtenfels, auf: lichtenfels.de Sie hatte zwei jüngere Brüder, Stefan Pauson (1887–1964) und Robert Pauson (1897–1960),Stefan Pauson, nach Emigration ins Vereinigte Königreich: Stephen Pauson, in erster Ehe verheiratet mit Anna Maria „Annemarie“ Mathilde Bing (1897–1920), in zweiter Ehe mit Helene Dorothea Herzfelder (1895–1989), verstarb im Alter von 77 Jahren am 25. Juli 1964 in Glasgow, Schottland. – Zitiert nach: Standesamt Bamberg, Heiratsurkunde Nr. 84 vom 24. Februar 1919 für den Korbfabrikanten Stefan Pauson, mosaischer Religion, geboren am 23. März 1887 in Lichtenfels, Sohn des verlebten [verstorbenen] Korbwarenfabrikanten Pankraz Pauson und dessen Ehefrau Rosa, geborene Fechheimer, wohnhaft in Lichtenfels sowie für Anna Maria Mathilde Bing, ohne Beruf, mosaischer Religion, geboren am 4. Juni 1897 in Bamberg, Tochter des Seidenwarenfabrikanten Edmund Bing (geboren am 1. März 1866 in Gunzenhausen, Mittelfranken, Königreich Bayern; gestorben am 11. Dezember 1936 in Bamberg, Oberfranken, Bayern) und dessen Ehefrau Grete „Gretchen“, geborene Heßlein (geboren am 20. Dezember 1872 in Bamberg; gestorben am 14. November 1938 ebda.), beide wohnhaft in Bamberg. – Zitiert nach: Faksimile Extract of an Entry in a Register of Deaths, kept under the Registration of Births, Deaths and Marriages (Scotland) Act 1965, B 0375 [Paginierstempel], No. 5/652 Stephen Pauson, died 1964, July Twenty-fifth, Glasgow, extracted from the Register of Deaths for the District of Glasgow North in the Burgh of Glasgow this 11th. day of November 1970. R. Macauley, Registrar, Glasgow District.Pauson, Robert. In: Proveana – Datenbank Provenienzforschung, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, auf: proveana.deBastian Girschke: Flucht vor den Nazis aus Lichtenfels. In: Obermain-Tagblatt, 26. Juni 2020, auf: obermain.deAlfred Thieret: Das Schicksal der Lichtenfelser Juden. In: Obermain-Tagblatt, 6. April 2021, auf: obermain.de beide geboren in Lichtenfels.

Die 22-jährige Thekla Pauson heiratete im Jahr 1906 den in Erfurt ansässigen 27-jährigen Alfred Hess, den sie während des Besuchs einer Kunstausstellung kennengelernt hatte.Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Alfred (1879–1931) and Tekla (1884–1968) Hess, Hans Hess (1908–1975), Erfurt. In: Melissa Müller, Monika Tatzkow: Lost lives, lost art. Jewish collectors, Nazi art theft, and the quest for justice. The Vendome Press, New York 2010, S. 44–59 (Zitatstelle: S. 44).Alexandra Mangel: Geschichten von Bildern und Sammlern. In: Deutschlandfunk, 27. Januar 2009, auf: deutschlandfunkkultur.de Er war ein Sohn des (jüdischen) Schuhfabrikanten Maier Hess (1849–1915) und dessen Ehefrau Amalie Hess, geb. Nordheimer (1851–1927). Aus der Ehe von Alfred und Thekla Hess ging im Jahr 1908 ein Kind hervor, der spätere Kunsthistoriker und Museumskurator Hans Hess.

Wirken mini|hochkant|Verlobungsanzeige, veröffentlicht am 8. März 1906 mini|hochkant|Geburtsanzeige, veröffentlicht am 29. März 1908 mini|hochkant|Exlibris des Alfred und der Thekla Hess, um 1910 mini|hochkant|Villa Hess, vom Tennisplatz des Anwesens aus gesehen, 1930 mini|hochkant|Zur Hohenzollernstraße (heute: Alfred-Hess-Straße) ausgerichtet: der Tennisplatz der Villa Hess mit Pavillon, 1930 Thekla Pauson kam aus einem bestens situierten Fabrikanten-Haushalt, als sie den ebenfalls wohlhabenden Alfred Hess heiratete. Als im März 1908 ihr erstes und einziges Kind Hans geboren wurde, widmete sie sich ihrem Sohn insbesondere während der Jahre inklusive des Ersten Weltkrieges. Das Ehepaar ließ sich nach der Geburt seines Kindes durch den Architekten Max Brockert in der Richard-Breslau-Straße 14 an der Ecke zur Hohenzollernstraße (heute: Alfred-Hess-Straße) in Erfurt-Brühlervorstadt im Jahr 1912 eine zweigeschossige Villa errichten,Charakterisierung des Baudenkmals Ehem. Wohnhaus des Erfurter Fabrikanten und Kunstmäzens Alfred Heß, übermittelt durch Dr.-Ing. Mark Escherich, Bauamt, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Erfurt, 11. Oktober 2023.Heß, Alfr., Fabrikant, F 2400 Richard=Breslau=Straße 14. In: Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1930, 72. Ausgabe, Teil V, S. 526, Spalte 2. die heute unter Denkmalschutz steht.Die Villa des Industriellen, Kunstsammlers und -mäzens Alfred Hess und seiner Ehefrau Thekla, geborene Pauson, in Erfurts Richard-Breslau-Straße 14, Ecke Alfred-Hess-Straße (zeitgenössisch Hohenzollernstraße, während der DDR-Zeit Straße der Einheit, seit 1992 unter der heutigen Bezeichnung als Alfred-Hess-Straße) wurde sowohl als Einzeldenkmal gemäß §2 (1) ThürDSchG als auch als Bestandteil des Denkmalensembles Villenviertel Brühlervorstadt gemäß §2 (2) ThürDSchG unter Denkmalschutz gestellt. – Schriftliche Auskunft vom 6. Januar 2022 durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege.Denkmalliste Stadt Erfurt, Bauamt, Untere Denkmalschutzbehörde, Stand: 4. November 2022 (PDF-Datei; 2,9 MB), PDF-Seite 9, auf: erfurt.deDas Alfred Hess-Haus. In: Gemeinde- und Städtebund Thüringen e. V., auf: gstb-thueringen.de Bis dahin hatte es eine in zeitgenössischen Inseraten als „hochherrschaftlich“ charakterisierte Etagenwohnung in Erfurts Arnstädter Straße 1II. an der Ecke zur Bismarckstraße bewohnt.Wohnungsangebot Arnstädter Straße 1, Ecke Bismarckstraße. In: Erfurter Allgemeiner Anzeiger, Nr. 178, 29. Juni 1907, 3. Beiblatt, unnummerierte Seiten [digitalisiert, S. 3054], Spalte 2–3.Erfurter Adressbuch 1907 mit dem Einwohner-Verzeichnis der Ortschaften des Landkreises Erfurt und der Nachbarorte. Bearbeitet und herausgegeben von Beamten des Erfurter Einwohner-Meldeamts. Im Selbstverlage der Herausgeber. Druck von A. Stenger. II. Abteilung. Verzeichnis der Straßen und Plätze mit Angabe der Eigentümer und Bewohner. Arnstädter Straße 1: [Bewohner] Heß, Kaufm. u. Prokurist [1907 erstmals unter dieser Anschrift verzeichnet], S. 94, Spalte 2. In: Stadtarchiv Erfurt, Signatur 4-0/VIII 128.Adressbuch der Stadt Erfurt 1910 mit Ilversgehofen und Hochheim, Einwohner-Meldeamt Erfurt, Selbstverlag, Druck A. Stenger, S. 424, Spalte 1.

Ihr Ehemann hatte sich im August 1914 wie so viele patriotisch denkende Deutsche als Kriegsfreiwilliger gemeldet. Das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges politisch linksliberal orientierte Ehepaar entschied sich,Thomas Lackmann: Irrfahrt einer Paradiesszene. In: Jüdische Allgemeine, 7. Dezember 2006, auf: juedische-allgemeine.de seinen Sohn nach dem Besuch der Volksschule in ein reformpädagogisches Landerziehungsheim zu schicken,Hans Hess besuchte nacheinander die Odenwaldschule im südhessischen Ober-Hambach, von 1923 bis 1925 die Freie Schulgemeinde in Wickersdorf bei Saalfeld im Thüringer Wald und von 1925 bis 1926 die Schule am Meer auf der ostfriesischen Nordseeinsel Juist. – Zitiert nach: Schülerverzeichnis der Freien Schulgemeinde in Wickersdorf. In: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, Hessen. – Zitiert nach: Schülerbuch der Schule am Meer, Juist, Blatt 11 (Hans Hess, Konfession: mosaisch, Staatsangehörigkeit: preußisch). In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur: Cb 37. abseits des staatlichen Schulwesens, weil es dort ein weitaus geringeres Niveau möglicher antisemitischer Diskriminierung vermutete. Der Leitsatz des Gründers der Odenwaldschule, Paul Geheeb, lautete: „Werde, der du bist“ (), zitiert nach dem griechischen Dichter Pindar.Bewahrt vor den Übeln der Zivilisation. In: Frankfurter Rundschau, 3. Februar 2019, auf: fr.deElke Suhr: Werde, der du bist. In: Deutschlandfunk – Hörspiel und Feature, 11. April 2008, auf: hoerspielundfeature.de Damit ließen sich Eltern ansprechen, die für ihre Kinder keinen vorbestimmten Lebensweg geplant hatten. Für den einzigen Sohn eines Industriellen war so viel Freiraum, der zur Selbstfindung dienen konnte, zu dieser Zeit eher selten und daher ungewöhnlich, so dass man davon ausgehen darf, dass die Liberalität und Aufgeschlossenheit seiner Eltern in einem besonderen Maß ausgeprägt war.