Żary [], (, ),„Soravia“ ist die übliche Verlagsortbezeichnung der zahlreichen dort gedruckten Bücher in lateinischer Sprache. ist eine Stadt im Powiat Żarski der Woiwodschaft Lebus in Polen. Sie ist zugleich Sitz der sie umgebenden Landgemeinde Żary.
Mit knapp 40.000 Einwohnern ist Żary nach Cottbus die zweitgrößte Stadt in der Niederlausitz und gilt gemeinhin als Zentrum ihres polnischen Teils.
Geographie Ortslage Żary liegt in der Niederlausitz im Westen Polens. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Zielona Góra (Grünberg) (42 Kilometer nordöstlich), Legnica (Liegnitz) (85 Kilometer südöstlich) sowie die deutschen Städte Görlitz (55 Kilometer südlich) und Cottbus (57 Kilometer nordwestlich).
Die Grenze zu Deutschland ist rund 25 Kilometer entfernt, der nächstgelegene Grenzübergang nach Sachsen befindet sich in Przewóz, der nach Brandenburg in Olszyna. Knapp 70 Kilometer südlich der Stadt verläuft die Grenze zu Tschechien.
Mit dem 227 Meter hohen Berg Góra Żarska (Rückenberg) befindet sich in unmittelbarer Nähe der südlichen Stadtgrenze die höchste Erhebung des Lebuser Landes. Der Gipfel ist Teil des Sorauer Hügellandes (), welches wiederum einen Ausläufer des Lausitzer Grenzwalls und zugleich des sich anschließenden Trebnitzer Walls (Wał Trzebnicki) darstellt. Südlich der Stadt beginnt das große Waldgebiet Niederschlesische Heide.
Stadtgliederung Es besteht keine offizielle Gliederung des Stadtgebietes in Stadtteile. Die nachfolgenden Bezeichnungen sind am geläufigsten bei den heutigen Bewohnern: Śródmieście (Innenstadt), mit der Wohnsiedlung Osiedle Moniuszki Zatorze (Seifersdorf bzw. wörtlich: Hinter den Gleisen), mit der Wohnsiedlung Osiedle Na Zatorzu Kunice (Kunzendorf) Lotnisko (Flugplatz) Koszary (Kaserne), mit der Wohnsiedlung Osiedle Zawiszy Czarnego
Der südöstlich der Stadt gelegene, ursprünglich eigenständige Ort Kunice (Kunzendorf) wurde 1973 eingemeindet. Gleichzeitig wurde die umliegende Landgemeinde Żary aus verschiedenen Gromadas gebildet.
Geschichte mini|Herz-Jesu-Kirche (Stadtpfarrkirche) mini|Notgeld von 1921, Drei Getreuen mini|Schloss der Herren von Bieberstein (links) und das Palais der Grafen von Promnitz (rechts) mini|Georg-Philipp-Telemann-Denkmal
Für das Jahr 1007 wurde erstmals ein „Gau Zara“ in der Chronik von Thietmar von Merseburg erwähnt, der unter der Herrschaft des Herzogs Bolesław Chrobry stand. 1260 erhielt Sorau Stadtrecht nach Magdeburger Recht unter den Wettinern. Albrecht von Dewin war Herr von Sorau. 1274 gründete er wahrscheinlich das Franziskanerkloster Sorau. 1280 übernahm der Adlige Ulrich von Pack die Regentschaft in der Stadt und in der Herrschaft Sorau. In den folgenden Jahren wurde die Burg erweitert, eine Stadtmauer errichtet, die Kirche ausgebaut und ein Heilig-Geist-Hospital gebaut. Ein Pfennig mit einem Hirschkopf als Wappen zeugt von einem eigenen Münzrecht in dieser Zeit. 1355 ging die Herrschaft Sorau an die Herren von Bieberstein über. Seit 1364 gehörte das Gebiet zum Königreich Böhmen. 1424 zerstörte ein Stadtbrand Teile der Stadt.
Zwischen 1525 und 1540 wurde in Sorau schrittweise die Reformation eingeführt. Seitdem wurden in der St.-Anna-Kapelle Gottesdienste in niedersorbischer Sprache abgehalten,Peter Kunze: Sorbische Reminiszenzen aus Forst und Umgebung. In: Lětopis. 53, 1, 2006, , S. 35–51. das Franziskanerkloster wurde aufgelöst. 1549 brannten die Klostergebäude ab. 1558 erwarben die Grafen von Promnitz Stadt und Herrschaft Sorau. Ende des 16. Jahrhunderts wurde ein eigenes evangelisches Konsistorium geschaffen. 1619 wütete ein weiterer Stadtbrand.
Im Dreißigjährigen Krieg hatte Sorau unter den Durchzügen der Kaiserlichen und der Schweden zu leiden. Mit der Niederlausitz gelangte Sorau 1635 an das Kurfürstentum Sachsen. In den Jahren von 1705 bis 1708 war Georg Philipp Telemann Kapellmeister am Hof des Grafen Erdmann II. von Promnitz. 1755 wurden Stadt und Herrschaft Sorau an die Könige von Sachsen verkauft und dem Gubenschen Kreis eingegliedert.
1815 kam Sorau mit der Niederlausitz an Preußen, 1816 wurde es Sitz des Landkreises Sorau der Provinz Brandenburg. Ab 1849 war das königliche Kreisgericht Sorau das zuständige Gericht. Von 1879 bis 1852 diente das Amtsgericht Sorau als Eingangsgericht.
Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt ein bedeutender Standort der Textilindustrie. Fast 50 % aller Industriearbeiter waren in diesem Gewerbe tätig. Aufgrund des Leinenanbaus in der nahen Lausitzer und schlesischen Region wurde 1886 eine Textilfachschule gegründet, in der die Beschäftigung mit der Bastfaser im Zentrum stand.
1846 erhielt die Stadt erstmals eine Anbindung an das Schienennetz. Ab 1858 sorgte das Gaswerk für Beleuchtung und Energie. Um 1870 wurde die erste Hochdrucktrinkwasserleitung verlegt.Johannes Schwela: Sorau N.-L. und Umgebung in Wort und Bild. Verlag A. Jülich, Chemnitz 1908. 1896 wurde die Eisenbahnstrecke Sorau–Christianstadt–Grünberg in Betrieb genommen.
mini|Schlossplatz um 1900 Am 15. September 1923 wurden zwölf Bürger während einer „Teuerungsunruhe“ von der preußischen Schutzpolizei erschossen.
1938 wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut für Bastfaserforschung angesiedelt, was im Zusammenhang mit den Autarkiebestrebungen des Dritten Reichs zu sehen ist. Dieses Institut wurde später nach Mährisch-Schönberg im Sudetenland verlagert.
1939 wurde die südwestlich an Sorau grenzende Gemeinde Seifersdorf eingemeindet. Laut letzter deutscher Volkszählung im Jahr 1939 lebten in Sorau 19.226 Einwohner. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Flugzeugwerke Focke-Wulf nach Sorau ausgelagert.
Am 11. April 1944, dem „Schwarzen Dienstag“, bombardierte um 11.30 Uhr die 303rd Bombardment Group (Heavy) der US-amerikanischen 8th Air Force mit 33 Bombern B17 die Stadt. Dem Bombenangriff, der der Jagdflugzeugfabrik Focke-Wulf in Sorau gelten sollte, fiel ein großer Teil der Stadt zum Opfer. An Bomben wurden 239 Stück 500 Pfund M17-Streumunition zu je 38 Brandbomben 2Kg sowie 478 Stück 100 Pfund M30-Sprengbomben abgeworfen. Insgesamt flog die 8. US-Luftflotte an diesem Tag mit 880 Bombern zahlreiche Angriffe gegen Junkers- und Focke-Wulf-Flugzeugfabriken in Sorau, Cottbus, Stettin, Arnimswalde, Oschersleben, Bernberg, Politz und Rostock.
Am 13. Februar 1945 drang die Rote Armee in die Stadt ein. Einer kurz zuvor begonnenen ungeordneten Flucht hatten sich nicht alle Einwohner angeschlossen. Eine große Zahl der Zurückgebliebenen kam nach dem 30. März 1945 in Güterwagen auf dem wochenlangen Transport in das sibirische Arbeitslager Kopeisk ums Leben. Im März/April 1945 unterstellte die Rote Armee die östliche Niederlausitz und damit auch Sorau der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Sie benannte es in Żarów und im Mai 1946 in Żary um. Am 20. Juli 1945 erfassten die „wilden Vertreibungen“ durch die Polnische Volksarmee Żary. Die Bewohner, deren Zahl auf über 20.000 angewachsen war, mussten ohne Vorwarnung mit nur wenig Gepäck einen Fußmarsch in die Sowjetische Besatzungszone antreten. Während die gewünschte Neuansiedlung von Armeeangehörigen weitgehend scheiterte, kehrten viele der Ausgetriebenen wieder zurück. Das systematische Ersetzen der Einwohner durch Polen endete 1946.Zu den wilden Vertreibungen siehe Włodzimierz Borodziej, Hans Lemberg (Hrsg.): „Unsere Heimat ist uns ein fremdes Land geworden“. Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945–1950. Dokumente aus polnischen Archiven. Bd. 4., Wojewodschaften Pommerellen und Danzig (Westpreußen). Wojewodschaft Breslau (Niederschlesien). Verlag Herder-Institut, Marburg 2004, ISBN 978-3-87969-315-3, S. 380–385, zu Sorau (fälschlich „Sohrau“) S. 380, siehe auch: Ausweisung von Deutschen aus Sorau/Niederlausitz 1945. Arbeitsmodul Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung (1939–1947). Arbeitsmaterial im Projekt „Polen in der Schule“, Deutschen Polen-Instituts. Ab 1950 gehörte Żary zur neugegründeten Woiwodschaft Zielona Góra, die mit Änderungen bis Ende 1998 bestand. Seit dem 1. Januar 1999 ist Żary Sitz des Powiat Żarski in der Woiwodschaft Lebus.
Schützengilde in Sorau Von alters her gab es eine privilegierte Schützengilde der Bürger mit einem Schützenhaus. 1402 beteiligten sich diese Schützen unter Johann von Biberstein an einem Überfall auf Beeskow. 1415 gab es das erste Privilegium, 1478 ein zweites. Seit 1797 teilten sich zwei Kompanien („Jäger“) ab, deren Uniform grün war. Sogar der preußische König Friedrich Wilhelm der IV. nahm 1844 die Gilde mit ihren altertümlichen Armbrüsten mit Stahlbogen und Bolzen persönlich in Augenschein. Schließlich schossen die Bolzen auf ein ca. 29 m hohes Ziel, einem Holzadler auf einer Stange. Dieses Schießen wird im Volksmund Vogelschießen genannt. Die nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Schützen Soraus gründete 1959 die Armbrustschützengilde neu. Der ehemalige Sorauer Förster Hermann Gerner, ihr Ehrenpräsident, war Bundeskampfrichter bei den in der BRD ausgetragenen Wettkämpfen im Armbrustschießen.Günther Krause (Hrsg.): Sorauer Heimatblatt. Nr. 3 (1983). Sorauer Heimatverlag, Dortmund.
Sorauer Mundart Gedicht Sag‘ an, mein Kind, so rau der Wind, Berlin, Stettin, wie viel Städte sind? So fragte man den Sorauer und Saganer Nachwuchs, um dessen Geographie-Kenntnisse zu testen. Die richtige Antwort lautete: Vier, denn Sagan und Sorau sind Städte in der Niederlausitz.
Jüdisches Leben Erste Juden sind in Sorau im 14. Jahrhundert nachgewiesen. Zeitweise Vertreibungen gab es danach. Ab 1820 war die Jüdische Gemeinde der Kultusgemeinde Guben angeschlossen. 1880 hatte die Stadt Sorau 150 Angehörige in einer eigenen jüdischen Gemeinde. Eine Synagoge, die im Dritten Reich nicht gebrandschatzt wurde, ist neben einem Begräbnisgelände errichtet worden. Heute gehört das Gebäude in der ehemaligen Wilhelmstraße einer polnisch-christlichen Freikirche. 1930 gab es in Sorau noch 30 Juden, sie blieben bis 1939. Das Schicksal ihres Lebens danach ist schlecht erforscht. 3500 Juden kamen 1945 aus der Sowjetunion, viele emigrierten dann aus Polen nach Palästina/Israel. Der Friedhof wurde in den 1970er Jahren völlig dem Erdboden gleichgemacht, einzig das Eingangstor ist noch erhalten. Heute bilden ehemalige russische Juden eine kleine Gemeinde.
Sehenswürdigkeiten mini|Rathaus am Ring mini|Kirche St. Peter und Paul mini|Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung mini|Städtische Bibliothek Trotz der massiven Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges sind in Żary viele historische Bauten und die mittelalterliche Stadtanlage erhalten geblieben:Ursula Flecken: Rewitalizacja Zary, Studienprojekt SRP, Endbericht, Bibliothek des Instituts für Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin, 2005. Schloss Sorau, ursprünglich gotische Burg, umgebaut von 1540 bis 1549 im Stil der Renaissance Palais der Grafen von Promnitz, Barockbau des schweizerischen Architekten Giovanni Simonetti, von 1710 bis 1728 als monumentale Vierflügel-Anlage errichtet, 1945 zerstört, seitdem gesicherte Ruine. Park mit dem Blauen Tor am Promnitz-Palais (Barockgarten von 1708) Glockenturm (14. Jahrhundert, ursprünglich als Verteidigungsanlage in der Stadtmauer) Rathaus (15. Jahrhundert) mit Renaissance-Portal Bürgerhäuser am Ring aus dem 17. Jahrhundert Reste der mittelalterlichen Stadtmauer (mit zwei Türmen aus dem 15. Jahrhundert) Herz-Jesu-Kirche, Stadtpfarrkirche, gotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert mit Resten der alten romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert, von 1524 bis 1945 evangelische Marienkirche, jetzt römisch-katholisch mit Promnitz-Kapelle (Barockkapelle mit Gruft, von 1670 bis 1672 an der nordöstlichen Wand der Kirche errichtet) und altem Pfarrhaus (jetzt Stadtarchiv) Kirche St. Peter und Paul, gotischer Bau des 13. Jahrhunderts mit schmalem und niedrigem Chorraum Kirche der Erhebung des hl. Kreuzes (Garnisonkirche), 1728 neu errichtet. Kirche der Engel Gottes, Evangelisch-augsburgisch Ehemals Synagoge, jetzt Kirche der Pfingstgemeinde in Sorau Gebäude der städtischen Bibliothek