mini|Südliches Querhaus der Peterskirche in Erfurt mit Südportal mini|Ansicht vom Turm der Andreaskirche Die Peterskirche ist eine ursprünglich dreischiffige romanische Pfeilerbasilika und war die Abteikirche einer Benediktinerabtei. Sie liegt auf dem Petersberg im Zentrum der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt.

Anfang des 12. Jahrhunderts wurde die Peterskirche im Sinne der Hirsauer Reform als Klosterkirche des damaligen Benediktinerklosters St. Peter und Paul (Peterskloster) errichtet. Dieses Kloster hatte aufgrund enger Beziehungen zu der nebenan gelegenen Pfalz auf dem Petersberg verschiedene Male die Ehre, deutsche Kaiser und Könige zu beherbergen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die katholische Peterskirche vorübergehend auch als evangelische Kirche genutzt. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte die Kirche noch zwei auffällige Osttürme, dann wandelten zunächst die Franzosen und danach die Preußen die Kirche in ein Magazin und Lagergebäude um. Bei dieser Nutzung blieb es bis in die Gegenwart.

Von 1993 bis 2016Zur Zukunft des Forums Konkrete Kunst. Pressemitteilung der Stadt Erfurt, 24. Mai 2018. diente sie als Ausstellungsraum für das Erfurter Forum Konkrete Kunst und ist seit 1995 im Besitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Für die Bundesgartenschau 2021 wurde das Gebäude teilsaniert, seitdem ist es für Veranstaltungen nutzbar.

Geschichte Nutzung als Klosterkirche mini|Benediktinerkloster St. Peter und Paul (Peterskloster) auf dem Petersberg (grün = Peterskirche, blau = Fronleichnamskapelle, rot = Kapelle St. Anna)

Im Jahr 1060 wurde das zu der Zeit auf dem Petersberg bestehende Kollegiatstift durch den Mainzer Erzbischof Siegfried I. in das Benediktinerkloster St. Peter und Paul (Peterskloster) umgewandelt. Eine Urkunde über dieses Ereignis lieferte die erste Erwähnung eines Klosters auf dem Petersberg. Doch schon 1080 vernichtete ein Stadtbrand, ausgelöst durch Truppen Heinrichs IV., die aus Holz bestehende Klosteranlage. Fünf Jahre später wurde das Kloster unter dem Abt Giselbert im Sinne der Hirsauer Reform neu strukturiert. Sein Nachfolger Abt Burchard aus dem schwäbischen Kloster Hirsau begann 1103 mit einem völligen Neubau aus Stein. Dabei entstand auch die Peterskirche, deren Bauzeit sich in die Länge zog. Als Burchard 1116 vom Mainzer Erzbischof abgesetzt wurde, stand nur der Westbau als Unterbau der geplanten Westturmfront sowie die Fundamente des Lang- und Querhauses. Daran änderte sich auch unter Burchards Nachfolger Ripertus nichts.

Erst der 1127 eingesetzte, wiederum aus dem Kloster Hirsau stammende Abt Werner I. trieb den Neubau der Kirche energisch voran und ließ vermutlich die beherrschende Doppelturmfront am östlichen Ende errichten. 1143 weihte man die Nebenaltäre in Chor und Querhaus ein und am 16. Juni 1147 fand die von Erzbischof Heinrich I. durchgeführte Gesamtweihe für die Peterskirche statt.

1134 belehnten die Mainzer Erzbischöfe die Grafen von Gleichen, die seit 1120 die Vogtei über die Stadt Erfurt innehatten, auch mit der Vogtei über das Kloster. In den folgenden Jahren stieg die Bedeutung des Petersklosters durch besondere Privilegien und zahlreiche Stiftungen. Außerdem hatte das Kloster aufgrund seiner engen Beziehungen zu der nebenan gelegenen Pfalz auf dem Petersberg die Ehre und die Pflicht, deutsche Kaiser und Könige aufzunehmen, wie zum Beispiel Kaiser Friedrich I. Barbarossa während seiner Reichstage in Erfurt. Dabei geschah eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte des Petersklosters, in deren Mittelpunkt Heinrich der Löwe stand. Er war als Herzog von Bayern und Sachsen einer der mächtigsten Reichsfürsten und stand der Italienpolitik Kaiser Friedrichs I. Barbarossa ablehnend gegenüber. Dadurch entflammten zwischen ihm und dem Kaiser Konflikte, so dass er 1179 geächtet und gewaltsam zum Gehorsam gezwungen wurde. Gedemütigt unterwarf er sich und flehte am 11. November 1181 auf dem Hoftag in der Peterskirche vor dem Kaiser um Gnade. Als Strafe musste er für drei Jahre in die Verbannung nach England gehen.

Am 14. Dezember 1289 kehrte König Rudolf I. im Peterskloster ein, um dort einen fast einjährigen Reichstag abzuhalten. Dabei bekämpfte er Raubritter und Plünderer, die zu dieser Zeit bei den Bürgern und Kaufleuten in der Region um Erfurt für Angst und Schrecken sorgten. Des Weiteren ließ man auf Befehl des Königs in Erfurt ein Landfriedensgericht einrichten. Im Jahr 1382 wütet in Erfurt eine Pestepidemie, der 16 Mönche und der Abt des Petersklosters zum Opfer fielen. Aus dem 13./14. Jahrhundert ist die Cronica S. Petri Erfordensis moderna erhalten.

Um 1475 erhielt die Kirche ihre charakteristischen hölzernen Turmhelme, die das Bild des gesamten Petersbergs bis 1813 bestimmten. 1450 erfand Johannes Gutenberg die erste Buchdruckmaschine, die vermutlich im Peterskloster als eine der ersten in ganz Thüringen eingesetzt wurde. Chor und Querhaus wurden zwischen 1499 und 1505 und das ursprünglich flach gedeckte Langhaus im 17. oder 18. Jahrhundert eingewölbt. 1517 wurde durch Martin Luther die Reformation eingeleitet, der 1525 der Bauernkrieg folgte. Aufständische Bürger und Bauern aus der Region Erfurt besetzten daraufhin unter anderem das Peterskloster, das als Zentrum der Gegenreformation fungierte. Dabei ging viel Klosterbesitz verloren und die Zahl der Konventsmitglieder, die schon durch die Pestepidemien gelitten hatte, ging stark zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Erfurt mit dem Petersberg 1631 von Unionstruppen von Gustav II. Adolf von Schweden besetzt. Die Schweden lösten 1632 kurzzeitig das Peterskloster auf und wandelten es 1633 vorübergehend in ein protestantisches Kloster um. Nach der Besatzungszeit waren noch drei Klosterbrüder übrig geblieben und zahlreiche Kostbarkeiten und Vorräte geplündert. Zwischen 1665 und 1702 wurde die Zitadelle Petersberg errichtet, die seither das Peterskloster mit der Peterskirche ringsherum einschloss. Bei dem Bau ging einerseits der Haupteingang, die breiten Graden (ehem. Treppenaufgang an der Bastion Leonhard) und der an der Hauptzufahrt gelegene Weinberg des Klosters verloren. 1672 und 1727 wurden die durch den Dreißigjährigen Krieg verursachten Schäden an der Kirche wieder repariert und 1765 ihr Innenraum von italienischen Stuckateuren barockisiert. Im Juli 1735 stürzte die Bastion Philipp nach lang anhaltenden Regen ein, wodurch die nebenangelegene Fronleichnamskapelle (Corpus-Christi-Kapelle) bis auf den romanischen Turm zerstört wurde. Kurze Zeit später ließ man die Kapelle wiederaufbauen.

Nutzung als Magazin, Lagerraum und Kunstmuseum Im Jahr 1802 erhielt Preußen als Entschädigung für die abgetretenen Gebiete östlich des Rheinufers die Stadt Erfurt. Daraufhin besetzten preußische Truppen den Petersberg und lösten noch im selben Jahr am 23. März das Peterskloster auf, um Platz für eine wesentlich stärkere Besatzung zu schaffen. Die Peterskirche wurde zu einer Gemeindekirche umfunktioniert. Am 18. Oktober 1806, nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt, kapitulierte die Zitadelle Petersberg auf Befehl des Prinzen Wilhelm von Oranien vor den napoleonischen Truppen, die daraufhin den Berg widerstandslos einnahmen. Unter den Franzosen wurde das Kircheninventar des Klosters an Kirchen der Umgebung versteigert. Dabei gelangte beispielsweise 1810 ein Teil der Orgel mit 2333 Pfeifen in die Peterskirche der Gemeinde Büßleben und der Turm der Fronleichnamskapelle (Corpus-Christi-Kapelle) an die Kirche St. Martin der Gemeinde Dittelstedt. Nach Verhängung des Belagerungszustandes für den Petersberg 1813, wandelte man die Peterskirche in ein Magazin für Vorräte um und verlegte die Begräbnisstätte der Grafen von Gleichen in den Erfurter Dom. Seit Anfang des 12. Jahrhunderts hatten die Grafen von Tonna-Gleichen die Vogteirechte über Erfurt und das Peterskloster und ließen sich in der Peterskirche begraben. Zwischen dem 28. Oktober 1813 und dem 5. Mai 1814 wurde die Stadt durch preußische, österreichische und russische Truppen eingekesselt. Als am 6. November 1813 die Franzosen der Aufforderung, die Festung aufzugeben nicht nachkamen, wurde auf diese das Feuer eröffnet. Dabei wurden große Teile der Klostergebäude zerstört und die Peterskirche brannte aus. Am 5. Mai 1814 kapitulierten die Franzosen.

Nach dem Wiener Kongress (1814–1815) kam es zu einer Neuordnung Europas. Als Ergebnis erhielt das Königreich Preußen unter anderem die Provinz Sachsen und die Stadt Erfurt. Die Festung Erfurt gehörte nun zu den am südlichsten gelegenen Befestigungsanlagen Preußens. Deshalb sollte sie als Festung ersten Ranges zusammen mit den beiden Zitadellen Petersberg und Cyriaksburg ausgebaut werden. Dabei wurden ab 1814 die für die Zitadelle Petersberg zu auffälligen Osttürme der Peterskirche sowie ihr Mittelschiff auf die Höhe der beiden Seitenschiffe herabgesetzt. Weiterhin errichtete man Satteldächer und zog in der Kirche eine Holzdecke für ein zweites Geschoss ein.

Ab 1819/20 diente das Kirchengebäude den Preußen als Korn- und Mehlspeicher. Zwischen 1828 und 1830 wurden die Reste des ausgebrannten Klostergebäudes abgetragen und die Steine zur Errichtung der Defensionskaserne verwendet. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Pläne einer Vereinigung für den Wiederaufbau der Peterskirche zu ihrer Wiedererrichtung bzw. umfangreichen Sanierung.Eine Kirche als Militärmagazin. Berliner Tageblatt, 27. August 1905. Der Erste Weltkrieg vereitelte die Umsetzung.

In DDR-Zeiten diente die Peterskirche unter anderem als Sporthalle und als Lagerraum einer Großhandelsfirma.

Nach der deutschen Wiedervereinigung, Anfang der 1990er Jahre, wurden die früheren Türme der Peterskirche zeitweise durch Metallgerüste nachgebildet, um einen Eindruck ihrer imposanten Größe zu vermitteln. 1998 wurde das Gebäude in die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufgenommen, die seither das Obergeschoss als Veranstaltungsraum vermietet. Das Erdgeschoss diente von 1993 bis 2016 als Ausstellungsraum für das Forum Konkrete Kunst der Erfurter Kunstmuseen. Für die Bundesgartenschau 2021, die auch den Petersberg einbezog, wurde die Peterskirche renoviert und zunächst als Ausstellungsraum weitergenutzt. Die hölzerne Zwischendecke aus der Zeit als Lagerhaus wurde entfernt.

Mittelalterliche Baugeschichte und Architektur der Kirche mini|hochkant=1.5|Grundriss