Das Freilicht-Dampflokomotiven-Museum Reșița (rumänisch: MLA – Muzeul locomotivelor cu abur din Reșița) ist ein Verkehrsmuseum im Stadtteil Triaj von Reșița in Rumänien.
In einem Park sind 16 Dampflokomotiven ausgestellt, sowohl in Reșița konstruierte als auch die wichtigsten in Lizenz produzierten deutschen und österreichischen Modelle. Damit gibt das Museum nicht nur einen Überblick über die rumänische, sondern ansatzweise auch über die deutsche und österreichische Dampflokomotiven-Geschichte.
Ältestes Exponat im Zentrum des Museums ist die „RESICZA“ aus dem Jahr 1872 als erste auf dem Gebiet des heutigen Rumänien gebaute Lokomotive.
Nach eigenen Angaben des Museums ist die ganzjährig frei zugängliche Ausstellung das größte derartige Freilichtmuseum Europas. Es wurde 1972 eröffnet und wird von der Stiftung Fundația Uzinele de Fier și Domeniile Reșița – UDR (deutsch: Stiftung der Eisenwerke und Domänen Reșița) betrieben.
13 der 16 ausgestellten Lokomotiven stammen aus Reșița, dem ehemaligen Zentrum des zunächst ungarischen und späteren rumänischen Lokomotivbaus. Zwei Loks wurden in Wien und eine in Budapest gebaut.
Gründung und Entwicklung Das Museum wurde von Ingenieur Mircea Popa, dem damaligen Direktor der Lokomotivfabrik in Reșița, 1970 initiiert und gegründet. Die Einweihung erfolgte am 29. April 1972 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Lokomotivbaus in Reșița, wo von 1872 bis 1964 insgesamt 1491 Dampflokomotiven produziert wurden, bevor die Produktion auf Diesel- und Elektrolokomotiven umgestellt wurde. Im Jahr 2004 wurde das Museum in die rumänische Liste historischer Denkmäler (LMI) aufgenommen (Code: CS-II-a-A-10905).
Träger Das Museum wurde nach seiner Gründung 1972 zunächst vom Lokomotivhersteller UDR und nach der Wende ab 1991 von der UCMR (Uzina Constructoare de Mașini Reșița), einem seiner beiden Nachfolgeunternehmen, geführt. Die UCMR vernachlässigte jedoch die Pflege des Museums, so dass es Anfang der 2000er Jahre in einem schlechten, sehr sanierungsbedürftigen Zustand war.
In dieser Situation legte 2009 der Präsident-Generaldirektor der UCMR, Adrian Chebuţiu, zusammen mit dem Chefökonomen, Adrian Coriolan Preda, dem Verwaltungsrat und der Aktionärsversammlung ein Sanierungskonzept vor. Das Konzept versprach, entsprechende EU-Fördermittel einzuwerben. Die Umsetzung sollte durch den von Chebuţiu gegründeten und geleiteten UDR-Verein (Asociației Uzinele de Fier și Domeniile Reșița) erfolgen.
Am 27. April 2010 schloss das Unternehmen UCMR, vertreten durch Adrian Coriolan Preda, einen Schenkungsvertrag mit dem UDR-Verein, vertreten durch Adrian Chebuţiu. Durch diesen Schenkungsvertrag gingen alle Dampflokomotiven, die zum Zeitpunkt der Museumsgründung 1971 rumänienweit aufzufinden waren, in den Besitz des Vereins über. Grundlage der Schenkung ist ein auf den 4. August 2009 datierter gefälschter Verwaltungsratsbeschluss der UCMR vom 4. August 2009 (Nr. 96/04.08.2009).
2011 löste der inzwischen ehemalige Chef des Unternehmens UCMR den UDR-Verein mittels gefälschter Dokumente auf. Nachfolger des UDR-Vereins wurde die von seiner Ehefrau Lăcrămioara Chebuţiu geleitete UDR-Stiftung (Fundația Uzinele de Fier și Domeniile Reșița – UDR), der damit alle Lokomotiven gehören. Nachdem Chebuţiu die Mitgründer aus dem Stiftungsrat entfernt hatte, wurde die Stiftung vollständig von ihm beherrscht. Im Ergebnis hatte der Werksdirektor sich damit selbst Werksvermögen geschenkt.
Ab 2013 ermittelte die rumänische Antikorruptionsbehörde DNA (Direcția Națională Anticorupție) aufgrund einer Anzeige der Steuerprüfbehörde ANAF gegen die Chebuţius und Adrian Preda wegen der schon rechtswidrigen Übertragung der Exponate des Dampflokmuseums an den UDR-Verein und der gefälschten Dokumente zur Übertragung der Lokomotiven vom Verein an die Stiftung. Das Ehepaar Chebuţiu, ehemaliger Chef und ehemalige Werkssprecherin, wurde zusammen mit dem ehemaligen Chefökonomen Preda zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Deren Vollzug wurde für Frau Chebuţiu ausgesetzt, weil sie inzwischen Zwillinge geboren hatte.
Aufgrund der Insolvenz einer Chebuţiu-Firma (SC Hydroengeneering SA) kam die für seine Schulden haftende UDR-Stiftung in finanzielle Schwierigkeiten. 2016 wurde eine der Lokomotiven (CFR 150.038) von einem Gerichtsvollzieher gepfändet. In der Folge stand der Verkauf der Lokomotive mehrfach kurz bevor und es wurde befürchtet, dass die Chebuţius weitere der historischen Loks zu Geld machen würden.
Der 2016 neu gewählte Bürgermeister von Reșița, Ioan Popa, erklärte die Übernahme des Dampflokmuseums zu einer seinen Prioritäten. 2019 gelang es der Stadtverwaltung, den Besitz am Grundstück des Freilichtmuseums zu erlangen und damit die Voraussetzungen für dessen vollständige Übernahme zu schaffen.
Herkunft der Lokomotiven Die Lokomotiven stammen sowohl von privaten (Industrie-)Bahnen als auch von der ungarischen Bahn in Rumänien (CFU = Căile Ferate Ungare în România) sowie den ehemals drei rumänischen Staatsbahnen CFR, CFF und CFI/CFU. Die heute einzige staatliche rumänische Bahngesellschaft CFR (Căile Ferate Române) hatte lange Zeit auch zwei Schwestergesellschaften: die der Forstverwaltung unterstehenden Waldbahnen CFR (Căile Ferate Forestiere) sowie die CFI (Căile Ferate Industriale) bzw. CFU (Căile Ferate Uzinale) als Betreiberin der verstaatlichten Industriebahnen.Verwirrenderweise steht die Abkürzung CFU sowohl für „Căile Ferate Ungare în România“ ( = Ungarische Eisenbahngesellschaft in Rumänien) als auch für „Căile Ferate Uzinale“ (= Industrie-Eisenbahn-Gesellschaft).
Exponate Liste der ausgestellte Dampflokomotiven:
Seit 2022 gibt es Pläne, zwei weitere Dampflokomotiven ins Museum zu holen, die CFR 150.282 als letzte 1960 in Reșița gebaute Dampflokomotive dieser Serie und die 1933 produzierte CFR 230.132, einen Lizenz-Nachbau einer preußischen P8.
RESICZA – Rumäniens erste Lokomotive mini|alt=Lokomotive RESICZA perspektivisch von unten links aufgenommen|RESICZA – Erste hier gebaute Lok
Das wichtigste und entsprechend prominent präsentierte Exponat ist die RESICZA. Sie wurde 1872 als erste südosteuropäische Lokomotive in Reșița produziert. Die Beschriftung im Museum weist sie als erste in Rumänien gebaute Dampflokomotive aus.Die Prägung der Platte auf dem steinernen Sockel im Museum lautet: „Prima locomotivă cu abur fabricată în România, la Reșița, în anul 1872“ (deutsch: „Die erste in Rumänien, in Reșița, im Jahr 1872 hergestellte Dampflokomotive“) Allerdings gehörten Reșița und die Region Banat 1872 noch nicht zu Rumänien, sondern erst ab 1920. Insofern muss von der ersten auf dem Gebiet des heutigen Rumänien gebauten Dampflokomotive gesprochen werden, die allerdings eindeutig den Beginn des Reșițaner und damit des späteren rumänischen Lokomotivenbaus markiert.
Wiener Haswell-Lokomotive SZEKUL als Vorlage
Der damalige Leiter der Wiener StEG-Lokomotivenfabrik, John Haswell, hatte eine spezielle Lokomotive für den Betrieb in Tälern mit engen Kurvenradien konstruiert. Diese so genannte Haswell-Lokomotive mit dem Namen SZEKUL wurde in einer aufwändigen Aktion von Wien nach Reșița verbracht: zunächst per Schiff über die Donau von Wien bis zum Donauhafen Baziaș, dann über die 1854 fertiggestellte Schienenstrecke von Baziaș nach Oravița und schließlich auf einem von 36 Ochsen gezogenem Wagen von Oravița nach Reșița.
Mit der SZEKUL wurde 1871 erstmalig der Dampflokomotivbetrieb im Banat aufgenommen. Gleichzeitig diente sie als Muster des Typs Bt-n2, nach dessen Vorlage 1872 die RESICZA sowie 1873 die Schwestermodelle BOCSAN und HUNGARIA produziert wurden. Die HUNGARIA wurde 1873 nach Wien gebracht und auf der dortigen Weltausstellung 1873 präsentiert. Sie wurde später auf der Budapester Millenniumsausstellung 1896 als die erste jemals „in Ungarn mit ungarischen Rohstoffen gebaute Dampflokomotive“ präsentiert.
Die weiteren sechs bis 1918 in Reșița hergestellten Lokomotiven trugen keinen Namen mehr und waren andere Typen: vier vom Typ D-n2 (Modell StEG 54 Orient) in den Jahren 1884, 1894 und 1898 sowie zwei vom Typ Ct-n2 (Typ StEG 123) in den Jahren 1894 und 1898.
Betrieb der RESICZA mini|alt=Historisches Foto der RESICZA, der ersten im Gebiet des heutigen Rumäniens gebauten Dampflokomotive|RESICZA im Betrieb
Die RESICZA als sogenannte Haswell-Lok ist die zweite von insgesamt vier Dampflokomotiven der Baureihe StEG 52 mit der Achsfolge Bt-n2. Sie hat eine Spurweite von 948 mm, zwei Achsen und vier angetriebene Räder mit einem Raddurchmesser von 711 mm. Sie ist 4470 mm lang. Der Wassertank hat ein Volumen von etwa 2 m³. Sie hat ein Leergewicht von 9,5 Tonnen und wiegt betriebsbereit 11,5 Tonnen. Zwei Zylinder mit einem Durchmesser von 237 mm verleihen ihr eine Zugkraft von 1125 kgf (historische Angabe „Kraftkilogramm“ für Kilopond, entsprechen 11032 Newton). Ihre zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug 11 km/h.
Nach der 1871 aus Wien importierten SZEKUL nahm die RESICZA 1872 als zweite Lokomotive den Betrieb auf der Strecke Reșița–Secu sowie ab dem 3. September 1873 auf der neu fertiggestellten Strecke Resita-Bocsa auf. Sie trug daher ein Schild mit der Aufschrift „2“, das auf alten Fotos zu sehen ist und 1948 verloren ging.
Als erste in Reșița selbst produzierte Dampflokomotive markiert sie den Beginn der rumänischen Dampflokomotiven-Produktion, in deren Verlauf bis 1964 insgesamt 1461 Maschinen in Reșița hergestellt wurden. Die RESICZA war von 1872 bis zum Jahr 1937 in Betrieb. Nach der Außerdienststellung war sie in Câmpia Turzii für eine unbekannte Zeit als Dampfgenerator in Gebrauch.
Die RESICZA im Museum Nach der Nutzung in Câmpia Turzii galt die RESICZA als verschollen, bis sie 1957 zufällig von Schülern auf einem stillgelegten Gleis nahe der Stadt wiederentdeckt wurde. Sie wurde 1961 zurück nach Reșița gebracht und dort zunächst auf einem Abstellgleis neben der noch in Betrieb befindlichen Lokomotiven-Fabrik präsentiert. Schließlich wurde sie 1972 in den Stadtteil Triaj gebracht, um dort als Hauptattraktion des im gleichen Jahr eröffneten Freilichtmuseums zu dienen.
mini|alt=Das Foto zeigt die im Museum ausgestellte Lokomotive RESICA mit der irrtümlich zunächst angebrachten Nummernplatte, die die Ziffer „1“ zeigt|RESICZA mit falscher Ziffer „1“ Zwischenzeitlich wurde das verloren gegangene originale Schild mit der Ziffer 2 irrtümlich und fälschlich durch ein Schild mit der Ziffer 1 ersetzt, wie es die SZEKUL als erste in Rumänien eingesetzte Lokomotive getragen hatte. Daher existieren frühe Fotos der im Museum ausgestellten „RESICZA“ mit dem historisch nicht korrekten Schild „1“. Dieses falsche Schild wurde wieder entfernt und im Jahr 2012 durch eine historisch korrekte Nachbildung des Originals mit der Ziffer 2 ersetzt, so dass die Lokomotive wieder ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild entspricht.
Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1972 steht die RESICZA im Zentrum des Freilichtmuseums auf einem Steinsockel. Dieser trug ursprünglich eine Platte mit der Aufschrift „ACESTA LOCOMOTIVA S-A FABRIVAT LA RESITA IN ANUAL 1872“ (deutsch: „Die Lokomotive hier wurde im Jahr 1872 in Resita hergestellt“) und ergänzte die Tafel mit der falschen Ziffer 1 an der Lok. Die Platte am Sockel wurde ausgetauscht. Nun lautet die Inschrift: „Prima locomotiva cu abur fabricata in Romania, la Resita, in anul 1872“ (deutsch: „Die erste in Rumänien im Jahr 1872 hergestellte Dampflokomotive, aus Resita“).
PRINCIPESA ELENA – Erste in Rumänien konstruierte Lok mini|alt=Dampflokomotive „PRINCIPESA ELENA“, die erste von / in Rumänien selbst konstruierte Lokomotive|PRINCIPESA ELENA – Erste rumänische Eigenkonstruktion mini|hochkant|Namensgeberin Prinzessin Elena