mini|lang=de|Ausmaß der Hamas-Angriffe: In rot/blau der Gazastreifen. Im Gebiet bis zur rot gestrichelten Linie waren Hamas-Terroristen in Israel aktiv. Die gelbe Fläche markiert die am 8. Oktober evakuierten israelischen Gebiete. Blau markiert das Vordringen der israelischen Armee (Stand: 11. Oktober 2025).

Der Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 (auch vereinfacht 7. Oktober) war mit 1195 überwiegend jüdischen Todesopfern das größte Massaker und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Juden seit dem Holocaust.

Der Überfall wurde am 7. Oktober 2023 unter Führung der palästinensischen, radikal-islamistischen Terrororganisation Hamas gemeinsam mit dem Palästinensischen Islamischen Jihad vom Gazastreifen aus begangen. Nach Raketenbeschuss von Zielen in Israel überwanden die Qassam-Brigaden der Hamas und mit ihnen verbündete palästinensische Milizen die Sperranlage um den Gazastreifen und drangen, gefolgt von mehreren hundert Zivilisten, auf israelisches Staatsgebiet vor. Sie überwältigten zahlreiche grenznahe Militärposten und begingen in 21 Kibbuzim, darunter Reʿim, Be’eri, Kfar Aza und Nir Oz, brutale Massaker an der Zivilbevölkerung. Allein bei einem Angriff auf das Psytrance-Festival „Supernova Sukkot Gathering“ in der Nähe des Kibbuz Reʿim ermordeten sie 364 Personen. Zudem verübten sie an vielen Orten massiv geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen.

Israelischen Angaben zufolge wurden auf israelischer Seite 1195 Menschen ermordet oder im Kampf beziehungsweise später als Geiseln getötet. Zu den Toten in Israel gehörten 815 Zivilisten – darunter 79 Ausländer sowie 36 Minderjährige und mindestens 282 Frauen. 5400 Menschen wurden verletzt, 250 als Geiseln in den Gazastreifen entführt.

Als Reaktion auf den Angriff rief der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Kriegszustand im Land aus. 300.000 Reservisten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) wurden zum Kriegsdienst einberufen. Nachdem die IDF die aus dem Gazastreifen eingedrungenen Terroristen bekämpft und vom Staatsgebiet Israels vertrieben hatte, eröffneten sie in der Nacht auf den 28. Oktober 2023 mit der Bodenoffensive die zweite Phase der Militäroperation „Eiserne Schwerter“. Nach dem 7. Oktober kam es weltweit zu einem Anstieg an antisemitischen Vorfällen. Der durch den 7. Oktober ausgelöste Krieg in Israel und Gaza dauert bis heute an.

Bezeichnungen Die Hamas bezeichnete den Terrorangriff als „Operation al-Aqsa-Flut“ (). Der israelische Gegenangriff fand unter dem Namen Operation „Eiserne Schwerter“ (; ) statt. Der durch den Terrorangriff ausgelöste Krieg startete am jüdischen Feiertag Simchat Tora und wird deshalb in israelischen Medien auch als Simchat-Tora-Krieg bezeichnet.

Hintergrund Vorausgehende Ereignisse und Prozesse Die Hamas hat sich seit ihrer Gründung 1987 dem Ziel der Bekämpfung Israels verschrieben, laut der Gründungscharta der Hamas ist es eine religiöse Pflicht eines jeden Muslims, Israel zu zerstören.[…]„in der Charta der Hamas ist die Vernichtung Israels ein ausgewiesenes Ziel“ […], Quelle: Samuel Salzborn: Antisemitismus. Geschichte, Theorie, Empirie, Nomos Verlag, Baden-Baden, ISBN 978-3-8487-1113-0, 2014, S. 178Der Hamas […] können genozidale Absichten unterstellt werden, wie ihre Charta und zahlreiche aktuelle Verlautbarungen von Hamas-Repräsentanten verdeutlichen. In Artikel 7 der Hamas-Charta heißt es: „[Hamas strebt] danach, Gottes Versprechen wahrzumachen, ganz gleich, wie lange dies dauern mag. Der Prophet – Gott segne ihn und schenke ihm Heil –, sprach: Die Stunde wird kommen, da die Muslime gegen die Juden solange kämpfen und sie töten, bis sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken. Doch die Bäume und Steine werden sprechen: ‚Oh Muslim, oh Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt. Komm und töte ihn!‘“ Quelle: Günther Jikeli: Antisemitismus unter Muslimen – Debatten, Umfragen, Einflussfaktoren, in: Monika Schwarz-Friesel (Hrsg.): Gebildeter Antisemitismus (= Interdisziplinäre Antisemitismusforschung. Band 6). Nomos Verlag, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-1679-1, S. 188 Fn2.

Ein früherer Plan, mithilfe eines Tunnelnetzwerks auf israelischem Staatsgebiet massenhaft Menschen zu töten und in den Gazastreifen zu verschleppen, wurde im Jahr 2014 bekannt. Während der Operation Protective Edge machte der Minister für Nachrichtendienste Yuval Steinitz Informationen aus Verhören gefangener Hamas-Kämpfer öffentlich, wonach die Hamas zum Neujahrsfest Rosch ha-Schana im September gleichen Jahres einen großangelegten Angriff mit hunderten Kämpfern auf israelische Ortschaften geplant hätte. Ziel dieses Unternehmens sei die Ermordung und Verschleppung der Bewohner gewesen. Der Angriff hätte aus dem Tunnelsystem des Gazastreifens heraus erfolgen sollen.

Mohammed Deif, der Kommandeur der Qassam-Brigaden, stellte den Angriff am 7. Oktober 2023 in einer Audiobotschaft als Reaktion auf die seit 2007 andauernde Blockade des Gazastreifens, die israelischen Razzien in den Städten des Westjordanlands im Jahr 2022, die Gewalt an der Al-Aqsa-Moschee, die zunehmenden Angriffe von Siedlern auf Palästinenser und das Wachstum der Siedlungen dar. Er rief die Palästinenser von Ostjerusalem bis Nordisrael auf, sich dem Kampf anzuschließen. Hamas-Vizechef Saleh al-Arouri erklärte, die Operation „al-Aqsa-Flut“ sei eine Antwort „auf die Verbrechen der Besatzung“ durch Israel – wobei die Hamas unter „Besatzung“ die Existenz des Staates Israel selbst versteht –, und fügte hinzu, dass „Kämpfer“ die Moschee und tausende palästinensische Gefangene verteidigten. Nach dem Terrorangriff äußerte sich die Hamas nochmals durch ihre Sprecher zu den Tatmotiven. Sie stellten die politische Perspektivlosigkeit und angebliche Unterdrückung des palästinensischen Volkes in den Mittelpunkt ihrer Erklärungen. Der Angriff vom 7. Oktober erinnere an frühere Terroraktionen, deren Ziel es war, diplomatische Bemühungen um eine friedliche Beilegung des alten Konflikts zu sabotieren, schrieb der amerikanische Historiker Jeffrey Herf, und erkläre sich aus dem „genozidalen Judenhass“ der Hamas.Jeffrey Herf: Sie machen den Hass zum Weltbild, FAZ, 20. Oktober 2023

Außenpolitische Lage im Vorfeld der Anschläge Mit dem Friedensvertrag zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Abraham-Abkommen mit Bahrain, Marokko und dem Sudan kam es zu einer Normalisierung der Beziehungen dieser Staaten zu Israel. Es zeichnete sich eine Abkehr mehrerer arabischer und nordafrikanischer Staaten von der Politik der Khartum-Resolution ab. Zum Zeitpunkt des Anschlags führten Israel und Saudi-Arabien Verhandlungen zur Normalisierung ihrer Beziehungen. Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman bezeichnete die Normalisierung der Beziehungen beider Staaten als realistisches Szenario. Das saudi-arabische Außenministerium erklärte jedoch, es habe wiederholt davor gewarnt, dass Israels anhaltende Besetzung des Gazastreifens zu weiterer Gewalt führen würde und den Prozess unterlaufen könnte. Die Hamas wurde zum einen – mit israelischer Billigung – von Katar unterstützt und zum anderen von der Türkei. Beide Länder waren als engste Verbündete der Hamas zu betrachten, ihre Beziehungen zu Saudi-Arabien und den Emiraten galten jedoch längere Zeit als angespannt und antagonistisch, was auch in der Katar-Krise 2017 bis 2021 und der Ermordung des saudischen Journalisten und Dissidenten Jamal Khashoggi im Generalkonsulat des Königreichs Saudi-Arabien in Istanbul seinen Ausdruck fand. Die Anschläge der Hamas konnten vor diesem Hintergrund auch in der Absicht geschehen sein, die Normalisierung der Beziehungen Israels zu den Golfstaaten zu verhindern. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu warf den Unterstützern des Annäherungsprozesses vor, sie hätten ihren „moralischen Kompass verloren“. Neben dem türkischen und iranischen Misstrauen gegen die Annäherung sowie resultierenden innerarabischen Zerwürfnissen wurde der Abraham-Prozess von den Palästinensern selbst abgelehnt. Die Palästinenser wurden im Text des Abkommens kaum erwähnt. Als die arabischen Staaten begannen, ihre Beziehungen zu Israel allmählich zu vertiefen, rückten sie zunehmend von ihren historischen Positionen ab. Bin Salman erklärte, dass Israelis „das Recht auf ihr eigenes Land haben“ (was er jedoch später wieder revidierte). Das palästinensische Problem sollte dem Willen aller beteiligten Akteure folgend aus den Abkommen ausgeklammert werden. Als im April 2021 in der Al-Aqsa-Moschee Gewalt ausbrach und israelische Streitkräfte eine der heiligsten Stätten des Islam stürmten, wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten nur verhalten Kritik geäußert. Die anhaltende Fortsetzung des Normalisierungsprozesses trotz der eskalierenden Spannungen zwischen Israel und Palästina wurde in westlichen Ländern mit wohlwollender Erleichterung aufgefasst, von palästinensischer Seite jedoch als Verrat an ihren Interessen betrachtet. Die Palästinenser und deren Anliegen drohten dieser Sicht entsprechend über die Annäherung Israels an die wirtschaftsstarken Golfstaaten hinaus in Vergessen zu geraten. Der jordanische König Abdullah erklärte, dass „keine Architektur für regionale Sicherheit und Entwicklung auf der brennenden Asche dieses Konflikts stehen“ könne. Vonseiten der Hamas wurde schon 2021 die Absicht bekundet, den Abraham-Prozess zu unterminieren.

Die Hinwendung der westlichen Öffentlichkeit zu dem zeitgleich stattfindenden Krieg in der Ukraine führte zu einer Fokussierung der medialen Berichterstattung und der politischen Debatte auf diesen Konflikt, wobei andere Konfliktregionen wie der Nahe Osten in den Hintergrund gerieten. Dies, sowie die Bindung westlicher Militärressourcen für die Unterstützung der Ukraine, ließ den Westen in den Augen der Hamas möglicherweise als unfähig oder unwillig erscheinen, sich mit der Unterstützung Israels in einer weiteren Region militärisch zu engagieren.

Ereignisse im unmittelbaren Vorfeld der Anschläge Im unmittelbaren Vorfeld der Anschläge fanden die Al-Aqsa-Konfrontationen 2023 statt. Der rechtsextreme Politiker Itamar Ben-Gvir, zum damaligen Zeitpunkt Minister für öffentliche Sicherheit, besuchte im Mai 2023 den Tempelberg und erklärte, Israel sei dort „der Hausherr“. Das Hochplateau in der Altstadt von Jerusalem, das von Juden als Tempelberg verehrt wird, gilt Muslimen als heiliger Ort mit der von ihnen auf den Trümmern der zwei jüdischen Tempel errichteten Al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom; beiden Religionen ist dieses Areal heilig, jedoch wird vonseiten der muslimisch-jordanischen Waqf-Behörde Jerusalem im Rahmen des geltenden Status quo für Muslime das alleinige Recht in Anspruch genommen, dort beten zu dürfen. Dies und dass Juden den Ort besuchen dürfen, hatten die im Sechstagekrieg siegreichen Israelis so eingeführt, um die Religionsfreiheit beider Seiten ausgewogen zu halten.Joseph Croitoru: Al-Aqsa oder Tempelberg: Der ewige Kampf um Jerusalems heilige Stätten. Beck, München 2021, S. 292–299. Missachtungen des Status quo sind wegen der Symbolik oft mit den jüdischen Wallfahrtsfesten verbunden, zu denen Sukkot zählt, das 2023 vom 29. September bis zum 6. Oktober dauerte. Die Hamas sagte, der Überfall sei eine Reaktion auf eine Bedrohung der Moscheen in Jerusalem gewesen; Jeremy Bowen von der BBC erklärte, der Angriff müsse Monate der Vorbereitung benötigt haben und könne keine kurzfristige Reaktion auf jüngste Ereignisse gewesen sein.

Israelische und internationale Experten hatten bereits im Jahresverlauf 2023 vor einer erneuten Eskalation des Nahostkonflikts gewarnt. Radikalisierte Palästinenser hatten immer häufiger israelische Bürger bei Anschlägen und Überfällen ermordet. Von Beginn des Jahres 2023 bis zum Angriff der Hamas starben durch Israels Antiterroreinsätze etwa 200 Palästinenser, so viele wie nie zuvor innerhalb eines solchen Zeitraums.