mini|Rechte Seite: Hopfenpflanze mitklaren Symptomen eines CBCVd-Befalls
Das (Abk.: CBCVd, auch , CVd IV; deutsch Zitrusrindenriss-Viroid bzw. Zitrusviroid IV; Spezies Cocadviroid rimocitri) ist ein Viroid, das unter anderem Zitruspflanzen (Citrus sp.) und Hopfen (Humulus lupulus) infizieren kann.
Die Art (Spezies) Cocadviroid rimocitri ist vom (ICTV) offiziell bestätigt.ICTV: Taxonomy Browser.ICTV: Virus Metadata Resource (VMR).
Genom und Struktur Viroide bestehen nur aus der Erbsubstanz Ribonukleinsäure (RNA). Sie besitzen im Gegensatz zu Viren weder eine Hülle noch ein Kapsid aus Proteinen oder Lipiden. CBCVd besteht aus einer einzelsträngigen RNA mit einer Länge von 284 Nukleotiden. Die RNA faltet sich zu einer ringförmig geschlossenen, stäbchenförmigen Sekundärstruktur.
Entdeckung und Namensherkunft CBCVd wurde erstmalig 1988 in einem Feldisolat aus Zitruspflanzen kalifornischen Ursprungs nachgewiesen. Aufgrund der Sequenzlänge und des davon abhängigen Laufverhaltens in der Polyacrylamid-Gelelektrophorese wurde CBCVd zunächst als (CVd-IV) bezeichnet. Da in infizierten Bitterorangen (Citrus trifoliata) häufig ein Aufreißen der Rinde beobachtet wird, wurde CVd-IV später in (; ) umbenannt.
Krankheitsbild Im Gegensatz zu anderen Viroiden, die Zitruspflanzen befallen wie z. B. das Citrus-Exocortis-Viroid (CEVd; Spezies Pospiviroid exocortiscitri) oder das (CDVd; Spezies Apscaviroid nanocitri), löst CBCVd in Zitrusgewächsen häufig keine oder nur milde Symptome aus. Häufig bleiben die befallenen Zitrusbäume nur etwas kleiner, was aber keine Ertragsminderung bedeutet. In Bitterorangen (Citrus trifoliata) ist das namensgebende Aufreißen der Rinde zu beobachten. In Zitronatzitronen (Citrus medica) sind moderate Symptome wie leichte Stauchungen, Epinastie der Blätter und Nekrosen der Mittelrippe beschrieben. In Hopfen verursacht CBCVd stark gestauchtes Wachstum, kleinere Blätter, Chlorosen und kleinere, missgebildete Dolden. Die Ausprägung von Symptomen ist sorten- und witterungsabhängig.
Verbreitung CBCVd ist weltweit in allen Zitrusanbauregionen verbreitet. In Hopfen wurde CBCVd zuerst in Slowenien, 2019 in Deutschland und 2022 in Brasilien nachgewiesen. Im Rahmen einer 2023 veröffentlichten Studie zur Verbreitung von Viroiden in Früchten aus dem internationalen Handel wurde CBCVd in 6 % der untersuchten Zitrusfrüchte aus deutschen Supermärkten und in 10 % der untersuchten Früchte aus slowenischen Supermärkten nachgewiesen.
Übertragung CBCVd wird durch Pflanzensaft übertragen und kann daher leicht durch Berührung oder mechanische Bearbeitung von Pflanze zu Pflanze wandern. Eine Übertragung kann außerdem durch vegetative Vermehrung (z. B. Stecklinge oder Hopfenfechser) oder in Zitruspflanzen durch Propfen stattfinden. Eine Übertragung durch Pollen, Samen und Insekten konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
CBCVd kann von im Boden befindlichen Zitrusschalen auf Hopfenpflanzen überspringen. Als Vorsichtsmaßnahme wird daher empfohlen, keine Reste von Zitrusfrüchten in Hopfenanbaugebieten wegzuwerfen oder Komposte, die Zitrusreste enthalten, auf Flächen auszubringen. Das gilt auch für Reste anderer Früchte, wie Traubenreste, da die Rispen von Weintrauben ebenfalls mit dem Hopfenstauche-Viroid (HSVd) ein hopfenschädliches Viroid enthalten können.
Maßnahmen bei Befall Gegen CBCVd gibt es keine wirksamen Pflanzenschutzmittel. Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen befallene Pflanzen sowie Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung gründlich entfernt werden.
Nachweis CBCVd kann durch Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) nachgewiesen werden.
Weblinks
Einzelnachweise ResearchGate. ResearchGate. ResearchGate. Michael Helmut Hagemann, Charlotte Treiber, Ute Born, Gritta Schrader, Johannes Stampfl, Jernej Jakše, Sebastjan Radišek: Risk potential of international fruit trade for viroid spreading - case study on hop viroids in Europe. In: Journal of Plant Pathology, 1 August 2023, doi:10.1007/s42161-023-01449-3 (). Dazu:
Nadja Podbregar: Gefahr fürs Bier: Zitrus-Viroid befällt Hopfen – Virusähnlicher Erreger aus Zitrusfrüchten breitet sich im europäischen Hopfenanbau aus. Auf: scinexx.de vom 17. Oktober 2023. Lars Fischer: Bier in Gefahr: Aggressive RNA bedroht Hopfenanbau in Deutschland. Auf: spektrum.de vom 18. Oktober 2023. – auch Hopfenstaucheviroid (HSVd).
Kategorie:Viren, Viroide und Prionen