Erzherzogin Maria Karolina von Österreich (* 13. August 1752 in Wien; † 8. September 1814 auf Schloss Hetzendorf bei Wien) war als Gattin des bourbonischen Ferdinands I. Königin von Neapel und Sizilien und bekannte Gegnerin von Napoleon.
mini|Erzherzogin Maria Karolina von Österreich, spätere Königin von Neapel-Sizilien
Kindheit als Tochter Maria Theresias mini |Stammbaum von Maria Karolina von Österreich mini|Maria Karolina als Kind. Neueste Forschungsergebnisse bestätigen jedoch, dass es sich um ein Porträt ihrer jüngeren Schwester, Maria Antonia, handelt. mini|Maria Karolina von Österreich als Kind mini|Maria Karolina (links) mit ihren Geschwistern Maria Josepha (hinten), früh verstorbene Verlobte von Ferdinand I., Marie Antoinette, der zukünftigen französischen Königin, und Maximilian Franz, Hochmeister des Deutschen Ordens mini|Maria Karolina von Anton Raphael Mengs 1772/1773 mini|Königreiche Neapel und Sizilien am Ende des 18. Jahrhunderts Maria Karolina (Caroline) Luise Josepha Johanna Antonia, Erzherzogin von Österreich und Prinzessin von Böhmen, Ungarn und der Toskana, wurde am 13. August 1752 als dreizehntes Kind und zehnte Tochter von Maria Theresia von Österreich und ihres Ehemanns Kaiser Franz I. Stephan in Wien geboren.
Maria Karolina von Österreich wuchs am Kaiserhof in Wien auf. Die Erziehung basierte, wie bei ihren Geschwistern, den Erzherzoginnen und Erzherzogen, von Jugend an auf einem strengen Schulungsprogramm, das Kaiserin Maria Theresia von Österreich speziell für ihre Kinder ausgearbeitet hatte. Der Stundenplan beinhaltete Tanzstunden, Theateraufführungen, Geschichte, Malen, Rechtschreibung, Staatslehre, ein wenig Mathematik und das Erlernen von Fremdsprachen. Die Mädchen wurden zudem in Handarbeiten und in der Konversationslehre unterwiesen.
Maria Karolina, die ihrer Mutter in vieler Hinsicht sehr ähnlich war, lehnte sich gegen ihre Erzieherin, Gräfin Judith von Brandis, auf und setzte bei ihrer Mutter durch, dass diese durch Gräfin Maria Walburga von Lerchenfeld ersetzt wurde, die bedeutend besser auf das temperamentvolle Mädchen einzugehen verstand und diese in jeder Hinsicht förderte. Ihre Mutter, die für jedes ihrer Kinder zahlreiche Verhaltensvorschriften verfasste, mahnte Maria Karolina:Thea Leitner: Habsburgs verkaufte Töchter. Ueberreuter, Wien 1987, ISBN 3-8000-3248-1, S. 192.
Maria Theresia und ihr Minister Kaunitz verfolgten das Ziel, die politischen Beziehungen Österreichs zu anderen Staaten und die Stellung Österreichs in Europa auch durch verwandtschaftliche Bindungen zu verbessern. Deshalb entwickelte Maria Theresia schon früh Heiratspläne für ihre 13 überlebenden Kinder. Maria Karolina und ihre Geschwister mussten ihren eigenen Willen dem Staatswohl unterordnen und Personen heiraten, die ihre Mutter für sie ausgesucht hatte. Die männlichen Abkömmlinge fanden sich in den ihnen zugedachten Rollen erstaunlich gut zurecht. Die Töchter Marie Antoinette, Königin von Frankreich, Maria Amalia, Herzogin von Parma, und Maria Karolina verhielten sich jedoch an den fremden Fürstenhöfen oftmals nicht so, wie es von ihnen erwartet wurde.Eberhard Weis: Der Durchbruch des Bürgertums, 1776–1847 (= Propyläen Geschichte Europas, Band 4). Propyläen-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-549-05484-X. S. 33.
Für eine Ehe mit König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien und damit eine weitere familiäre Verbindung zu den damals in Frankreich, Spanien, Neapel-Sizilien und Parma regierenden Bourbonen, waren zunächst die Erzherzoginnen Johanna Gabriela von Österreich und ihre Schwester Erzherzogin Maria Josepha vorgesehen. Beide starben 1762 bzw. 1767 an den Pocken, sodass Erzherzogin Maria Karolina ihren Platz als Braut von Ferdinand einnahm.Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-06746-0, S. 37.
In Neapel-Sizilien setzte man große Erwartungen in die neue Königin. So schrieb ein österreichischer Diplomat vor der geplanten Hochzeit Folgendes:
Leben am Neapolitanischen Hof Das Herrschaftsgebiet Neapel-Sizilien setzte sich aus dem Königreich Neapel und dem Königreich Sizilien zusammen. Die beiden Königreiche wurden in Personalunion regiert. Ferdinand I. von Neapel-Sizilien war folglich König Ferdinand IV. von Bourbon-Neapel und zugleich Ferdinand III. von Bourbon-Sizilien. Erst am 8. Dezember 1816 vereinigte er die getrennten Königreiche zum Königreich beider Sizilien und nannte sich ab der Verschmelzung der Monarchien Ferdinand I., König beider Sizilien.
Die Trauung per procurationem zwischen Erzherzogin Maria Karolina von Österreich und König Ferdinand von Neapel-Sizilien fand am 7. April 1768 in der Augustinerkirche in Wien statt, wobei ihr Bruder Ferdinand die Stelle des Bräutigams einnahm. Kurz vor der Abreise nach Italien gab Maria Theresia ihrer Tochter folgenden Rat:Otto Frass (Hrsg.): Quellenbuch zur österreichischen Geschichte. Vom Beginn der Neuzeit bis Maria Theresias Tod. Band 2, Birken-Verlag, 1959, S. 326.
Nach Aufenthalten in Trient, Rovereto, Venedig, Modena, Bologna, Florenz und Rom erreichte die junge Königin am 11. Mai 1768 das Herrschaftsgebiet ihres Mannes und musste sich von ihrem österreichischen Hofstaat trennen. Am 12. Mai 1768 fand schließlich die Hochzeit des Paares im Palast von Caserta statt.
Während der Flitterwochen traten erste ernsthafte Differenzen zwischen den Eheleuten auf, die sich im Laufe der Jahre noch vertiefen sollten. Im Gegensatz zu seiner Frau, die gewissenhaft auf ihre Rolle als zukünftige Königin und Mutter zahlreicher Kinder vorbereitet worden war, war Ferdinand nie in den Genuss einer umfassenden Bildung gekommen und fand Gefallen an der Jagd, Streichen und maßlosem Essen. Die zunächst unglückliche Verbindung hatte zur Folge, dass die Ehe vier Jahre lang kinderlos blieb und erst im Jahre 1772 das erste Kind geboren wurde. Maria Karolina und Ferdinand verband zwar niemals ein Liebesverhältnis, doch lernten sie mit der Zeit ihr gemeinsames Schicksal zu akzeptieren und eine Vertrauensbeziehung zueinander aufzubauen, die für beide Partner vorteilhaft war. Maria Karolina brachte schließlich zwischen 1772 und 1793 18 Kinder zur Welt.
Maria Karolina als Politikerin Einfluss auf die Regierung von Neapel-Sizilien Obwohl Maria Karolina sich nur schwer an das Eheleben und die Situation am neapolitanischen Hof gewöhnte, begann sie schon bald zu fragen, weshalb das Land so zurückgeblieben war. Das Volk von Neapel-Sizilien litt unter Armut und der Dominanz von Adel und Klerus. König Ferdinand von Neapel-Sizilien war zu schwach, um sich vom politischen Einfluss seines Vaters, König Karl III. von Spanien, zu befreien und eigenständig die Regentschaft über Neapel-Sizilien zu übernehmen. So wurde das Land mehr und mehr zugunsten Spaniens ausgebeutet.
Maria Karolina versuchte die Eigenständigkeit von Neapel-Sizilien zu fördern und seine Abhängigkeit von Spanien zu mindern, indem sie immer mehr Einfluss auf Ferdinand und seine Regierung nahm. Nach der Geburt ihres Sohnes Francesco I. Gennaro, des zukünftigen Königs, wurde der Einfluss von Maria Karolina auf ihren Gemahl so stark, dass sie 1776 den Ersten Minister Bernardo Tanucci aus dem Amt zu drängen vermochte.Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, S. 51. Seinen Platz im Kronrat nahm die Königin ein. In ihrer politischen Tätigkeit zeigte Maria Karolina zwei Eigenschaften, die sie von ihrer Mutter Maria Theresia geerbt hatte: hohe Intelligenz und Ehrgeiz. Sie förderte den Marineminister John Acton, der dank ihrer Fürsprache 1784 zum Ersten Minister bestellt wurde.Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, S. 64. Maria Karolina führte die von Tanucci begonnene Reformpolitik fort, schränkte die Vorrechte von Adel und Klerus ein (ohne diese ganz abzuschaffen), bemühte sich um eine gerechtere Verteilung der Steuerlasten und versuchte, die Armut auf dem Lande zu lindern.Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, S. 52. Mit diesen Maßnahmen – und allein durch die bloße „Unerhörtheit“ ihrer Einflussnahme in die Politik – machte sie sich nicht nur Freunde, sondern erweckte das Misstrauen von Spanien, Frankreich und später auch von England. Napoleon nannte sie einmal „die gefährlichste Frau Europas“.
Kampf gegen die Französische Revolution und Napoleon Auswirkungen der Französischen Revolution Als die Französische Revolution ausbrach, befürchtete Maria Karolina aufgrund der großen Armut des Volkes eine Revolution im eigenen Land. Die Sympathien, die sie zu Beginn der Revolution für die Jakobiner gehegt hatte, verwandelten sich nach der Ermordung ihrer Schwester Marie Antoinette und ihres Schwagers Ludwig XVI. von Frankreich im Jahre 1793 in Hass und Abneigung gegen das neue Regime in Frankreich.Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, S. 67. Aus diesem Grund trat sie im Jahre 1793 der ersten Koalition gegen Frankreich bei, der auch England, Österreich, Preußen, die Niederlande, das Königreich Sardinien und Portugal angehörten. In einem Brief an ihren Neffen (und damals auch Schwiegersohn), Kaiser Franz I. von Österreich schrieb sie, sie werde niemals das Schicksal Marie Antoinettes erleiden:Thea Leitner: Habsburgs verkaufte Töchter. Ueberreuter, Wien 1987, ISBN 3-8000-3248-1, S. 211.
Die französische Revolution löste im Königreich Neapel-Sizilien zwar keinen Volksaufstand aus, doch förderte sie die Bildung von republikanischen Gemeinschaften und heizte die antiroyalistische Stimmung im Bürgertum an, während die konservative bäuerliche Bevölkerung zumeist königstreu blieb. Die Lage in Europa schien sich zu entspannen, als die treibende Kraft der Revolution, Robespierre, im Juli 1794 gestürzt und hingerichtet wurde. Nach den ersten Schrecken der Französischen Revolution wurde Maria Karolina mit einer neuen Gefahr konfrontiert, die von General Napoleon ausging. Bonaparte hatte im Jahre 1795 als Belohnung für die Niederschlagung eines royalistischen Aufstandes in Paris den Oberbefehl über die französischen Truppen in Italien erhalten. Nach der Annexion von Nizza und Savoyen und der Vertreibung der Königsfamilien aus der Lombardei und der Toskana, näherten sich seine Truppen der Südspitze Italiens. Maria Karolina war sich der Folgen bewusst, die ein Krieg zwischen der schlecht organisierten neapolitanischen Armee und der gut ausgerüsteten französischen Streitmacht nach sich ziehen würde und willigte schließlich in einen Sonderfrieden mit Frankreich am 10. Oktober 1797 ein.
Erste Flucht und Bildung der Parthenopäischen Republik