+British Army zentriert|200px Geschichte der British Army British Army British Army im Ausland Ausrüstung der British Army Die Geschichte der British Army umfasst die Entwicklung der britischen Landstreitkräfte, British Army, von der erstmaligen Aufstellung eines stehenden Heeres im 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Sie spannt sich über drei Jahrhunderte und zahlreiche europäische, koloniale und globale Kriege. Von den frühen 1800ern bis 1914 war das Vereinigte Königreich die größte wirtschaftliche und imperiale Macht der Welt. Obwohl sich diese Dominanz vor allem auf die Stärke der britischen Seestreitkräfte, der Royal Navy, begründete, spielte die British Army doch eine wichtige Rolle dabei. In Friedenszeiten unterhielt Großbritannien generell nur eine kleine Landstreitkraft, die sich aus Freiwilligen zusammensetzte; nur in Kriegszeiten wurde sie um die benötigte Menge erweitert. Dies erklärt sich vor allem durch Großbritanniens traditionelle Rolle als Seemacht. Seit 1745 hatte die British Army nur eine kleine oder gar keine Rolle in der britischen Innenpolitik gespielt und wurde selten für interne Konflikte eingesetzt.

Die British Army war in den folgenden Jahrhunderten in viele internationale Konflikte involviert, darunter der Siebenjährige Krieg, die Napoleonischen Kriege, den Krimkrieg und die zwei Weltkriege. Sie leisteten einen großen Beitrag zur Expansion und Aufrechterhaltung des Britischen Weltreichs. Während der späteren Hälfte des 20. Jahrhunderts überwachte sie die größtenteils geordnete Auflösung dieses riesigen Reiches. Seit den 1990ern ist die British Army zunehmend in multinationalen, friedenssichernden Operationen betätigt. Sie wurde im Falklandkrieg und den beiden Irakkriegen eingesetzt.

Entstehung (1661–1774) mini|Der Tod des Generals Wolfe, Gemälde von Benjamin West, 1770 Vor dem Englischen Bürgerkrieg 1642 gab es weder in England noch in Schottland ein stehendes Heer. Als Leibwache des Monarchen fungierten die Yeomen of the Guard und die Gentlemen at Arms. Im Kriegsfall stellte der Adel dem Monarchen eine bestimmte Anzahl an Soldaten bereit. Im Frühmittelalter konnte der König auf den Fyrd oder Landwehr zurückgreifen. Dieses Heer setzte sich aus der Masse der freien Landbesitzer zusammen, die verpflichtet waren dem König zwei Monate im Jahr zur Verfügung zu stehen. Der Fyrd wurde allmählich durch die Versammlung der Thanes (Feudalherren) und ihrer Gefolgsleute abgelöst, und nach der normannischen Eroberung (1066) nur noch selten zu Verteidigungszwecken eingesetzt. Später zogen es die englischen Könige vor, neben Rittern Söldner für ihre Kriege einzusetzen.

Von 1642 bis 1649 wurde zwischen den Anhängern König Karls I. von England („Cavaliers“) und jenen des englischen Parlaments („Roundheads“) der Englische Bürgerkrieg ausgetragen. Nachdem der Kriegsverlauf im zunächst die für König Karl I. kämpfenden Truppen begünstigt hatte, beschloss das Parlament auf Betreiben Oliver Cromwells die Aufstellung eines neu organisierten Heeres. Dabei wurde nicht nur Wert auf eine zeitgemäße Ausrüstung und Taktik gelegt, sondern auch darauf, dass Offiziersstellen nicht nach sozialer Herkunft, sondern nach Befähigung vergeben wurden. Deshalb wurde das neue Heer als New Model Army, Armee nach neuem Muster, bezeichnet. Die Aufstellung begann im Winter 1644 und war im Februar 1645 größtenteils abgeschlossen. Nach dem Bürgerkrieg und der Einführung der Republik übernahm das Parlament die Kontrolle über das Militär.Fortescue: A History Of The British Army, Macmillan, London, 1899 S. 5., S. 13.

Nach der Rückkehr der Monarchie unter König Karl II. begann die eigentliche Geschichte der British Army. Da Karl II. nicht genug Geld hatte, um eine große Armee aufzubauen, stellte er sich einen militärischen Hofstaat aus Wachen und Garnisonen zum Schutz der königlichen Familie und der wichtigsten Punkte des Königreichs vor. Als die New Model Army aufgelöst wurde, konnte Karl II. das Parlament davon überzeugen, dass zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung eine größere Anzahl von Soldaten benötigt wurde. Eine ständige Einrichtung von vier Regimentern wurde genehmigt und am 26. Januar 1661 offiziell ins Leben gerufen. Diese erste Armee bestand aus dem King’s Regiment of Horse Guards (den späteren Life Guards), dem King’s Regiment of Horse (den Royal Horse Guards oder Blues), dem ersten Regiment der Food Guards (den Grenadier Guards) und dem zweiten Regiment der Foot Guards (den Coldstream Guards).Childs: The Restoration Army 1660-1702 in The Oxford history of the British Army, Oxford University Press, Oxford, 1996 S. 46f.

Bis zum Ende von Karls II. Regentschaft im Februar 1685 war die Armee auf fast 9.000 Mann angewachsen. Als Wilhelm III. 1689 den Thron bestieg, hatte das Parlament mit der Bill of Rights sowohl de facto als auch de jure die Kontrolle über die Armee übernommen. Es lehnte ein stehendes Heer in Friedenszeiten ab, da es dem Monarchen auch als innenpolitisches Machtinstrument dienen könnte. Bis heute muss das Parlament daher jährlich das Bestehen des Heeres genehmigen, wobei es sich inzwischen aber um einen rein formalen Akt handelt. Forderungen, dem Monarchen die Kontrolle über die Armee komplett zu entziehen, konnten nicht durchgesetzt werden, so dass er bis heute der alleinige Oberbefehlshaber der British Army ist. Alle Beförderungen, Befehle, Organisation, Ausbildung und die Aufrechterhaltung der Disziplin waren Sache des Monarchen.Mallinson: The making of the British Army, Bantam, London, 2010 S. 40.

Die Einheiten wurden ursprünglich nach ihren Colonels benannt, so zum Beispiel Sir John Mordaunt's Regiment of Foot, aber 1751 wurde ein Nummernsystem eingeführt, bei der jedes Regiment eine Nummer erhielt, die dem Rang des Kommandanten in der britischen Gesellschaft entsprach. So wurde aus John Mordaunts Regiment das 47th Regiment of Foot. Zwischen 1661 und 1774 wurde die British Army stetig vergrößert. Während des Siebenjährigen Krieges operierte die British Army bereits weltweit. Sie war beteiligt am siebenjährigen Krieg in Nordamerika (1754–62), dem dritten Karnatischen Krieg in Indien (1756–62), der Operation in Westafrika im Jahr 1758 und der Invasion der Philippinen 1762. Eine der wichtigsten Eroberungen der British Army war die Einnahme von Québec.

Amerikanische Revolution, Koalitionskriege und langer Frieden (1774–1854) Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg begann 1775, als die 13 nordamerikanischen Kolonien gegen die wirtschaftliche Fremdbestimmung durch das britische Mutterland aufbegehrten. In den 13 Kolonien gab es damals aber auch viele Amerikaner, die für einen Verbleib im Vereinigten Königreich, teilweise auch bewaffnet, eintraten. Sie wurden als Loyalisten bezeichnet. Zwischen 1776 und 1778 wurden fünf amerikanische Regimenter zur British Army hinzugefügt, bekannt als das sogenannte American Establishment. Neben den Anglo-Amerikanern dienten auch viele Indianerstämme unter britischen Kommando, wenngleich diese nicht regulär in die Armee eingebunden wurden. Ebenso zahlreich waren auch deutsche Söldner aus Braunschweig und Hessen in der British Army vertreten.

Nachdem den amerikanischen Truppen und ihren französischen Verbündeten im Oktober 1781 mit der erfolgreichen Belagerung von Yorktown der entscheidende Schlag gelingt, endet der Krieg. Viele Loyalisten waren gezwungen, nach Kanada zu fliehen, wo etliche danach in der British Army Dienst leisteten. Dennoch, von den vielen Einheiten, die von der Army während des Krieges aufgestellt wurden, um den schnellen Ersatz von Garnisonen sichern zu können, wurden alle bis auf drei Regimenter unmittelbar nach dem Krieg aus dem Dienst entlassen.

Am 1. August 1808 landeten die Briten mit etwa 12.000 Mann in Portugal und traten damit in die Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel ein. Kommandiert wurden sie in der meisten Zeit von Arthur Wellesley, dem späteren Duke of Wellington. In dieser Phase begann die British Army neue Technologien und Taktiken in ihre Reihen aufzunehmen. Die wohl wichtigste Erneuerung war die Einführung von Gewehren mit gezogenem Lauf, die gegenüber der Muskete mit ihrem glatten Lauf eine höhere Treffsicherheit und stärkere Durchschlagskraft aufwiesen, sowie die Bildung ganzer Regimenter aus Leichter Infanterie und Scharfschützen, die sogenannten Riflemen. Diese Erneuerung gab der British Army die Möglichkeit, beweglicher und schneller zu agieren, als dies im damals üblichen Formationskrieg der Fall war. Die ersten Leichtinfanterie-Regimente waren das 43rd und das 53rd Foot im Jahre 1803, die aber noch mit Musketen bewaffnet waren. Bereits drei Jahre zuvor stellte man das erste Scharfschützenregiment zur Probe auf, das sogenannte Experimental Corps of Riflemen, das im Jahre 1802 als 95th Regiment of Foot in die Armee eingeführt wurde. Es war komplett mit dem Baker Rifle bewaffnet und hob sich von anderen Regimenten durch die grüne Farbe seiner Uniformen ab, dem sogenannten rifle green. Dieses Regiment wurde sehr oft eingesetzt; vor allem während des Krieges auf der Iberischen Halbinsel in gebirgigen Regionen.

Die Niederlage der von Napoleon Bonaparte geführten Franzosen gegen die alliierten Truppen unter Wellington beendete Napoleons Herrschaft führte mit dessen endgültiger Abdankung am 22. Juni 1815 zum Ende des Französischen Kaiserreichs. Im Wiener Kongress, der nach der Niederlage Napoleons Europa neu ordnete, wurde die Grundlage für die Heilige Allianz geschaffen. Bis zum Krimkrieg in den frühen 1850er Jahren blieb Europa von Kriegen zwischen den Großmächten dadurch verschont.

Viktorianisches Zeitalter Gliederung und Einsatz

mini|200px|Schlacht von Tel-el-Kebir bei der Niederschlagung des Urabi-Aufstandes Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war das Britische Weltreich die dominierende Weltmacht mit uneingeschränkter Vormachtstellung. Obwohl stets die Royal Navy als maßgebliches Instrument der Expansion des British Empire angeführt wird, spielte auch die British Army eine entscheidende Rolle. Für die Verteidigung der Kolonien gegen andere Nationen und Aufständische war die Armee unerlässlich. Jedoch auch bei der Eroberung neuer Kolonien spielten die Bodentruppen eine wesentliche Rolle, da Großbritannien die Territorien bis weit ins Landesinnere kontrollieren wollte und damit außerhalb des Wirkungsbereiches der Royal Navy agiert werden musste.

Im Gegensatz zu den Heeren in Frankreich und Deutschland war die britische Armee im Viktorianischen Zeitalter keine Massenarmee und es existierte auch keine Wehrpflicht. Die britischen Regimenter wurden in einem Rotationssystem in der Heimat oder in den Kolonien eingesetzt. Der Aufenthalt der Infanterieregimenter in den Kolonien betrug meistens 20 Jahre. Dabei verblieben Depotkompanien in der Heimat, in denen die Grundausbildung der Rekruten erfolgte. In Friedenszeiten war die britische Armee eine Kaderarmee, die im Kriegsfall durch Freiwilligenwerbung verstärkt wurde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurden erneut Reformen in der British Army durchgeführt. Die Garnisonen in den sogenannten weißen Kolonien (Kanada, Australien, Neuseeland) wurden aufgelöst, und diese Länder wurden selbst für ihre Verteidigung verantwortlich gemacht. Dadurch wurden zum einen Truppen und Ressourcen freigesetzt, zum anderen wurde der Dienst in der Armee attraktiver, weil Überseeeinsätze reduziert werden konnten.