mini|Barack Obama und Dschalal Talabani (2009) Die Beziehungen zwischen dem Irak und den Vereinigten Staaten (USA) gehen auf das Jahr 1930 zurück, als die USA den Irak diplomatisch anerkannten. Die beiden Länder haben danach stark wechselhafte Beziehungen erlebt und befanden sich zweimal miteinander im Kriegszustand. Zuerst waren die beiden Verbündete im Rahmen des Bagdad-Pakts zu Beginn des Kalten Krieges gewesen. Nach dem Ende des Königreichs Irak und der Machtübernahme der panarabischen Baath-Partei entfremdeten sich beide Staaten voneinander und die diplomatischen Beziehungen wurden nach dem Sechstagekrieg (1967) abgebrochen. Während des Iran-Irak-Kriegs (1980–1988) kooperierten die beiden Staaten allerdings wieder eng miteinander, um die Expansion der Islamischen Republik Iran zu verhindern und die diplomatischen Kontakte wurden wieder aufgenommen. Nachdem der von den Amerikanern aufgerüstete Irak allerdings 1990 Kuwait überfallen und annektiert hatte, stellten die USA eine internationale Militärkoalition unter ihrer Führung zusammen, welche die Iraker aus Kuwait vertrieb. Danach verhängten die USA schwere Wirtschaftssanktionen gegen den Irak und isolierten das Land diplomatisch. Mit dem Iraq Liberation Act von 1998 erklärten die USA die Entfernung des irakischen Diktators Saddam Hussein und einen Regimewechsel im Irak zu einem offiziellen Ziel ihrer Außenpolitik. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 warfen die USA unter George W. Bush dem Irak vor, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und Terroristen zu unterstützen. Nach einem Ultimatum begannen die USA den Irakkrieg (2003), in dem Saddams Regime in wenigen Monaten besiegt und beseitigt werden konnte.
Die Militäroperation und die anschließende Besetzung des Iraks erwiesen sich allerdings als sehr aufwendig und teuer und der Irak versank in bürgerkriegsähnlichen Unruhen. Die USA bauten enge Beziehungen zur neuen irakischen Regierung auf und die amerikanische Besatzungszeit endete 2011 mit dem Abzug amerikanischer Truppen. Nachdem es 2013 allerdings zum Aufstand des IS im Irak gekommen war, der weite Teile des Landes erobern konnte, führten die USA erneut militärische Operationen auf irakischem Gebiet durch. 2021 zogen die letzten amerikanischen Truppen der Anti-IS-Koalition ab.
Geschichte Die USA entsendeten 1831 ihren ersten Diplomaten nach Konstantinopel in das Osmanische Reich, zu dem der Irak damals gehörte. 1888 schickten die USA auch einen eigenen Konsul nach Bagdad. Nach der Auflösung des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) unterstützten die Vereinigten Staaten die Verwaltung des Irak durch Großbritannien als Völkerbundmandat, bestanden aber darauf, dass das Land auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden sollte, anstatt eine britische Kolonie zu werden. 1928 gehörten die USA zu den Unterzeichnern des Red Line Agreement. Das Vereinigte Königreich, die USA, Frankreich und die Niederlande einigten sich darauf, die reichhaltigen irakischen Ölvorkommen quasi aufzuteilen, wobei die amerikanischen Ölgesellschaften einen Anteil von 23,75 % an der Iraq Petroleum Company erhielten. Die USA erkannten den Irak am 9. Januar 1930 als unabhängig an, als Charles G. Dawes, US-Botschafter im Vereinigten Königreich, in London das anglo-amerikanisch-irakische Abkommen unterzeichnete. 1931 wurde eine US-amerikanische Gesandtschaft in Bagdad eingerichtet, welche 1946 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) zu einer Botschaft erhoben wurde. Mit dem Beginn des Kalten Krieges bemühten sich die USA, das Königreich Irak als einen Verbündeten zu gewinnen und 1955 traten die Iraker dem Bagdad-Pakt bei, einem anti-sowjetischen und anti-kommunistischen Bündnis für den Nahen Osten (vergleichbar der NATO). Die USA erkannten die Arabische Föderation an, die einen Zusammenschluss der Staaten Irak und Jordanien darstellte, jedoch nicht von Dauer war. Die prowestliche Monarchie im Irak wurde in einem Staatsstreich 1958 gestürzt und eine Republik unter der Führung von Brigadier Abd al-Karim Qasim errichtet. Nachdem die neue Republik sich außenpolitisch der Sowjetunion zugewandt hatte, eine anti-israelische Politik verfolgte und aus dem Bagdad-Pakt austrat, wurden die Beziehungen zu den USA belastet. Im Jahre 1961 verstaatlichte die neue Regierung schließlich die Iraq Petroleum Company. 1963 wurde Abd al-Karim Qasim in einem weiteren Militärputsch am 18. November 1963 getötet, welcher die Baath-Partei an die Macht brachte. Es wurde von verschiedenen Quellen behauptet, dass die Baath-Partei bei der Planung und Durchführung des Staatsstreichs mit der CIA zusammengearbeitet haben soll, um Qasim loszuwerden. Bryan R. Gibson schrieb im Jahr 2015, auf Basis der zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Dokumente deuteten die Beweise darauf hin, dass die Vereinigten Staaten zwar den Sturz des Qasim-Regimes planten, sie jedoch nicht direkt in den Staatsstreich vom Februar 1963 verwickelt waren. Steve Coll schrieb 2024, die Unterstützung der CIA für die Verschwörer und die Beteiligung der Behörde an der anschließenden Ermordung von Hunderten mutmaßlicher irakischer Kommunisten durch die Baath-Partei sei nicht bekannt. Die CIA hielt ihre Unterlagen seit mehr als einem halben Jahrhundert geheim.
mini|Treffen von Donald Rumsfeld und Saddam Hussein (1983) Die neue Putschistenregierung brach im November 1963 wegen der Frage einer irakischen Union mit Syrien zusammen. Präsident Abd as-Salam Arif entfernte daraufhin mit Unterstützung des irakischen Militärs die Baathisten aus der Regierung. Unter Abd as-Salam und seinem Bruder Abd ar-Rahman Arif verbesserten sich die Beziehungen kurzzeitig. Der israelische Sieg im Sechstagekrieg (1967) sorgte allerdings für eine Verschlechterung der westlich-arabischen Beziehungen und die Iraker brachen die diplomatischen Beziehungen zu den USA ab. Die Baath-Partei übernahm nach einem weiteren Putsch am 17. Juli 1968 schon bald darauf wieder die Macht im Irak. Als Verbündete der USA in der Region verblieben daraufhin Saudi-Arabien und der Iran unter Schah Mohammad Reza Pahlavi, während zum Irak kaum Kontakt bestand, der sich den Sowjets zuwendete. In den 1970er Jahren unterstützten die USA den Aufstand der Kurden im Irak, stellten ihre Unterstützung für die Kurden aber ein, nachdem es zu einer Annäherung zwischen dem Irak und dem Iran gekommen war. Das Jahr 1979 stellte ein wichtiges Wendejahr dar. Im Irak wurde Saddam Hussein zum Staatspräsidenten, welcher daraufhin mit brutalen Methoden seine Macht im Land und der irakischen Baath-Partei konsolidierte. Im benachbarten Iran verloren die USA dagegen ihren Verbündeten Shah Reza Pahlavi, der durch die Islamische Revolution gestürzt wurde. Daraufhin übernahm ein antiamerikanisches Regime unter der Führung von Ayatollah Ruhollah Chomeini die Macht und rief eine Islamische Republik im Iran aus. Mit einem Angriff des Irak auf den Iran begann 1980 der Iran-Irak-Krieg, der auch als Erster Golfkrieg bekannt ist. Inwieweit die USA das „grüne Licht“ für diese Operation gegen den Iran gegeben haben, wurde in der Forschung diskutiert. Hal Brands schrieb, dass das von Seiten der Vereinigten Staaten nicht der Fall gewesen wäre und Saddam Hussein auch kein derartiges Signal wahrgenommen habe. Der Historiker Pierre Razoux schrieb im Jahr 2013, dass Analysen der Ereignisse und neue Quellen, sowie Interviews mit Zeitzeugen keine Zweifel daran ließen, dass die USA den Irak nicht dazu gedrängt hätten. Da die Amerikaner eine Expansion der iranischen Macht fürchteten, als die Iraner eine erfolgreiche Gegenoffensive starteten, begannen sie 1982 unter Ronald Reagan den Irak nach anfänglicher Neutralität zu unterstützen. Reagan entsendete Donald Rumsfeld für Verhandlungen nach Bagdad und 1984 wurden die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Die USA leisteten nachrichtendienstliche und logistische Unterstützung und bewaffneten den Irak während des Krieges. Unter den Regierungen von Reagan und später George H. W. Bush genehmigten die USA den Verkauf zahlreicher Technologien mit doppeltem Verwendungszweck (Artikel mit sowohl militärischen als auch zivilen Anwendungen) an den Irak, darunter Chemikalien, welche für die Herstellung chemischer und biologischer Waffen verwendet werden können. Während des Krieges setzten die Iraker chemische Waffen gegen die Iraner ein und schlugen einen Kurdenaufstand mit Giftgas nieder. Die Amerikaner unterstützten den Irak in seinem Konflikt hauptsächlich, um einen iranischen Sieg zu verhindern und das Mächtegleichgewicht zu erhalten. Henry Kissinger brachte dies auf den Punkt, als er bemerkte: „Es ist schade, dass sie nicht beide verlieren können.“ Passend dazu lieferten die USA heimlich auch Waffen an den Iran, was durch die Iran-Contra-Affäre ans Licht kam.
Zweiter Golfkrieg und Nachwirkungen mini|Treffen zwischen April Glaspie und Saddam Hussein (1990)