mini|St. Martin in Bermaringen Die evangelische Pfarrkirche St. Martin steht in Bermaringen, einem Stadtteil von Blaustein im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Sie ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde Bermaringen-Temmenhausen-Tomerdingen gehörte bisher zum Kirchenbezirk Blaubeuren, seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ulm/Alb-Donau der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte und Baubeschreibung Eine Kirche und Pfarrei wurde 1275 erstmals erwähnt. 1462 wird sie St. Martin genannt. Die Kirche war aber nicht für den ganzen Ort zuständig. Vielmehr gehörte ein Teil des Ortes Bermaringen mit der Kapelle St. Bernhard zur Pfarrei Lautern, die jedoch später aufgehoben wurde. Das Patronat der Dorfkirche St. Martin hatten die Herren von Stein zu Klingenstein, welche es an das Kloster Urspring und diese dann an die Reichsstadt Ulm gaben. Von dort wurde die Reformation eingeführt. Schon 1461 wurde die Kirche vergrößert und mehrmals umgebaut. Die Mauern der unteren Geschosse des mit einem Faltdach gedeckten Chorturms stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, die des Langhauses waren ebenso alt, bis das Langhaus 1944 von einer Fliegerbombe völlig zerstört wurde.Blickpunkt Kirche: Gemeindebrief-Sonderausgabe der Evangelischen Kirchengemeinde Bermaringen. Gedenkschrift zum 50. Jahrestag der Zerstörung der Martinskirche Bermaringen am 21. Juli 1944. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Bermaringen, 1994 Für den Neubau des Kirchenschiffs konnte 1948 das Richtfest und am 11. Mai 1952 die Einweihung gefeiert werden. Nach den Vorgaben von Regierungs-Oberbaurat Johannes Fulda (1892–1973) vollendete Architekt und Professor Erwin Rohrberg (1909–1989), beide aus Stuttgart, den Neubau. Durch den nordwestlichen Anbau eines Treppenturms vom Keller (sanitäre Anlagen seit 1985) bis zum Dach ist das Innere frei von Stufen. Der Innenraum des Langhauses ist mit einer großen Westempore mit großer Orgel und darunter einem durch Faltwand abtrennbaren Gemeindesaal versehen und mit einer Holz-Kassettendecke überspannt, der quadratische Turmchor mit einem Sterngewölbe. Im zerstörten Langhaus hatten sich vor allem auf der Südwand großflächige Wandmalereien aus der Mitte des 14. Jahrhunderts befunden,Historische Fotografien, drei davon vor 1945 mit Chororgel, Südwand-Kanzel und -Wandgemälde. In: Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg die seit 1944 leider ebenso zerstört sind wie die historische Kanzel auf der Mitte dieser Südwand, die den Raum zu einer Querkirche gemacht hatte.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen.- Ubstadt 2025 – ISBN 978-3-95505-592-9 Die Nordseite des Kirchenschiffs gegenüber den großen Rundbogen-Südfenstern ist unten zur Sakristei, Bücherei und Küche hin geschlossen. Darüber öffnet sich mit sechs Rundbogen-Arkaden die Seitenempore.
Ausstattung Glasgemälde: Das kleine romanische Rundbogenfenster im Chor erhielt 1952 von Adolf Valentin Saile eine Farbverglasung mit Passionsmotiven (Judaskuss, Dornenkrönung, Kreuztragung Jesu). Der Ulmer Künstler Adolf Loy (1903–1967) entwarf 1960 im Zusammenhang mit dem Einbau des zweiten, nördlichen Teils der Orgel das Westfenster „David mit der Harfe“, gefertigt in der Stuttgarter Werkstatt E. Gaiser.
Taufstein, Altar und Altarkreuz: Der Taufstein war 1907 im Rahmen einer Kirchenrenovierung gestiftet worden. Der Steinaltar ist zum Wiederaufbau der Martinskirche 1952 aus Kirchheimer Muschelkalk gehauen und auf der Vorderseite der Wangen mit den Buchstaben Alpha und Omega als Zeichen für Christus als den Anfänger und Vollender des Glaubens versehen. Den auch von einem Gemeindeglied gestifteten ausdrucksstarken Kruzifixus von 1952 aus Bermaringer Eichenholz verdankt die Gemeinde dem Stuttgarter Künstler Ulrich Henn.
Kanzel: Ebenfalls Ulrich Henn schuf 1952 die vier Kanzelreliefs (Paradiesvertreibung, Christi Geburt, verlorener Sohn, barmherziger Samariter); der Kanzelkorb ist eine Arbeit und Spende von Schreinermeister Jakob Hildenbrand aus Pflummern bei Riedlingen.
Wandgemälde und Emporenbrüstung: Das Gemälde südlich des Chorbogens zeigt das Christusmotiv der Majestas Domini, 1960 von Adolf Loy gemalt. Die zwölf Tafelbilder an der Emporenbrüstung, die klugen und törichten Jungfrauen, stammen ebenfalls von ihm.
Orgel: Die zweimanualige Orgel mit zwölf klingenden Registern wurde von Orgelbau Friedrich Weigle gebaut und der südliche Teil bereits zur Konfirmation 1950 auf der Empore aufgestellt, der nördliche 1960.Information zur Orgel
Literatur
Hans Mutschler: 50 Jahre wiedererbaute Martinskirche Bermaringen. (Hrsg.) Ev. Kirchengemeinde Bermaringen, Blaubeuren 2002
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Bermaringen-Temmenhausen-Tomerdingen Kirchbaudatenblatt
Kategorie:Bauwerk in Blaustein Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Kulturdenkmal in Blaustein Kategorie:Kirchengebäude im Alb-Donau-Kreis Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Martin-von-Tours-Kirche Kategorie:Erbaut im 14. Jahrhundert