mini|Blick auf den Baum im Jahr 2020

Der Sycamore Gap Tree, auch Robin Hood Tree genannt, war ein Berg-Ahorn, der neben dem Hadrianswall in der Nähe des Sees Crag Lough nordwestlich von Bardon Mill in Northumberland, England, stand. Er befand sich in der Mitte eines markanten Sattels in der Landschaft und war ein beliebtes Fotomotiv, weshalb er als einer der meistfotografierten Bäume des Landes gilt. Seinen alternativen Namen Robin Hood Tree erhielt er durch eine prominente Szene in dem Film Robin Hood – König der Diebe von 1991. Der Baum wurde 2016 in England zum Baum des Jahres gekürt.

Das Wahrzeichen wurde am frühen Morgen des 28. September 2023 in einem Akt von Vandalismus gefällt, der verbliebene Baumstumpf hat dies jedoch überlebt und trieb Stand August 2024 neu aus.

Örtlichkeit mini|Baum und Wall (2015)

Der Baumstumpf befindet sich am Hadrianswall bei der Koordinatenangabe NY 761677, zwischen Milecastle 39 und Crag Lough, etwa 3,2 km westlich des römischen Forts Housesteads in Northumberland im Norden von England. Dieser Abschnitt der Mauer folgt dem Rand einer Klippe – einem Ausläufer der Whin Sill – und mehreren scharfen Einschnitten, die durch schmelzendes Gletscherwasser entstanden sind. Der Stumpf befindet sich in einer dieser Vertiefungen, wobei die Klippe und die Mauer auf beiden Seiten drastisch ansteigen. Die Mauer und das angrenzende Land, einschließlich des Standorts des Baums, sind im Besitz des National Trust.

Der Baum war eine beliebte Touristenattraktion und wurde als einer der meistfotografierten Bäume des Landes bezeichnet, und der Standort ist möglicherweise der meistfotografierte Punkt im gesamten Northumberland-Nationalpark. Er war von der nahe gelegenen Militärstraße B6318 aus zu sehen. Der Name „Sycamore Gap“ wurde von einem Mitarbeiter des National Trust geprägt, als das Ordnance Survey das Gebiet neu kartierte und fragte, ob der zuvor unbenannte Ort eine Bezeichnung habe.

Es handelt sich um einen Berg-Ahorn (engl. sycamore). Über das Alter des Baumes und die Gründe für seine Anpflanzung gibt es keine eindeutigen Angaben. Nach Angaben des National Trust wurde der Baum im späten 19. Jahrhundert von dem Landbesitzer John Clayton als Landschaftselement gepflanzt.

Im Jahr 2016 wurde der Baum für den Wettbewerb Englands Baum des Jahres nominiert. Er wurde aus 200 Mitbewerbern für die endgültige Auswahlliste von 10 ausgewählt und gewann den Wettbewerb mit 2.542 von 11.913 Stimmen. Der Preis war ein Zuschuss in Höhe von 1.000 Pfund, der für die Untersuchung des Zustands des Baumes und die Durchführung von Arbeiten zum Schutz seiner Wurzeln verwendet wurde, die aufgrund des hohen Fußgängeraufkommens freigelegt wurden. Der Sycamore Gap Tree nahm am Wettbewerb Europäischer Baum des Jahres 2017 teil, bei dem er mit 7.123 Stimmen den 5. von 16 Plätzen belegte.

Der Baum in Film und Fernsehen Der Baum taucht in einer Schlüsselszene zu Beginn des Kevin-Costner-Films Robin Hood – König der Diebe aus dem Jahr 1991 auf und wurde seitdem auch als „Robin Hood Tree“ bezeichnet. Er erschien im Musikvideo zu Bryan Adams’ (Everything I Do) I Do It for You, einem Lied aus dem Soundtrack des Films; das Video lief häufig bei Top of the Pops. Er wurde auch in der TV-Krimiserie Vera – Ein ganz spezieller Fall und in der Dokumentarserie More Tales from Northumberland mit Robson Green gezeigt. Der Standort war bei Astrofotografen und Sternbeobachtern beliebt. Der Baum blieb am 30. Mai 2003 unversehrt, als ein Hubschrauber, der für die Dreharbeiten zu British Isles – A Natural History eingesetzt wurde, etwa 30 Meter entfernt abstürzte und den Moderator Alan Titchmarsh nur knapp verfehlte. Die vier Personen an Bord wurden leicht verletzt. Der Baum ist auch in zwei Szenen im Film 28 Years Later zu sehen, wobei nicht klar ist, ob die Dreharbeiten noch vor der Fällung stattfanden oder ob der Baum via CGI eingefügt wurde.

Fällung 2023 Vorfall und erste Ermittlungen mini|Der gefällte Sycamore Gap Tree am 30. September 2023, drei Tage nach der Fällung

Der Baum wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. September 2023 illegal mit einer Kettensäge gefällt, bei der Fällung wurde zudem der Hadrianswall beschädigt. Aufgrund der starken Winde, die der Sturm Agnes verursacht hatte, hörten die Anwohner nichts.

Ein Landwirt alarmierte am frühen Vormittag die Park-Ranger, dass der Baum umgefallen sei. Zunächst gingen die Ranger davon aus, dass der Sturm den Baum zu Fall gebracht hatte. Als die Ranger am Baum ankamen, entdecken sie am Baumstamm einen geraden Fällschnitt und informierten gegen 09:00 Uhr die Verwaltung des Northumberland-Nationalparks, dass der Baum nicht umgestürzt, sondern gefällt worden war. Kurz darauf setzte die Nationalpark-Verwaltung den National Trust in Kenntnis. Gegen 09:45 Uhr wurde die Polizei von Touristen alarmiert. Der Vorfall verbreitete sich rasch, und die Medien berichteten schon kurze Zeit später darüber. Gegen Mittag erklärte die Polizei von Northumbria, dass Ermittlungen aufgenommen wurden und der Vorfall als „vorsätzlicher Akt von Vandalismus“ behandelt werde. Die Polizei und Ranger fanden eine weiße Linie unterhalb der Schnittstelle vor, der Baum sei „geschickt mit einer scharfen Kettensäge zersägt worden“. Das Tatort wurde für zwei Tage abgesperrt, die Kriminaltechniker nahmen die Spurensicherung auf. Am Nachmittag des 28. September 2023 wurde zunächst ein 16-jähriger festgenommen und am darauffolgenden Tag auf Kaution entlassen. Kurz darauf nahm die Polizei auch einen fast 70-jährigen Rentner fest, der drei Tage später ebenfalls gegen Kaution entlassen wurde.

Beide Festnahmen weckten großes öffentliches Interesse und führten dazu, dass sie von Anwohnern aus der Region sowie von Online-Usern fälschlicherweise als Täter beschuldigt und teils schwer beleidigt wurden. Infolgedessen waren beide schließlich gezwungen, ihre Identität in der Öffentlichkeit zu verbergen. Im November 2023 teilte die Polizei mit, dass gegen den Jugendlichen keine weiteren Maßnahmen ergriffen würden. Einen Monat später wurde eine entsprechende Mitteilung auch im Fall des Rentners veröffentlicht. Beide waren somit unschuldig.

Festnahme und Verurteilung zweier Männer Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden mutmaßlichen Täter, Daniel Graham und Adam Carruthers aus der Umgebung von Carlisle in der Grafschaft Cumbria, bereits am 31. Oktober 2023 festgenommen worden. Beide wurden zunächst auf Kaution wieder entlassen. Zur Tatzeit war Graham 37 Jahre alt, leitete ein Tiefbauunternehmen und lebte auf dem Land in der Nähe von Carlisle. Carruthers wiederum war zur Tatzeit 30 Jahre alt, arbeitete als Mechaniker und lebte in der Nähe von Wigton, rund 10 Kilometer westlich von Carlisle. Die beiden Männer kannten sich seit 2021, waren befreundet und arbeiteten teilweise auch beruflich miteinander. Bei ihrer Vernehmung bestritten beide die Tat und erklärten gegenüber der Polizei, nicht zu wissen, wie man einen Baum fälle, obwohl unter anderem ein Video aus dem August 2023 existierte, das zeigte, wie sie gemeinsam einen Baum fällten. Am 30. April 2024 wurden die beiden wegen Sachbeschädigung aufgrund der Fällung des Baums von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Bei einem ersten Verhandlungstermin am 16. Mai 2024 im zuständigen Magistrates’ Court verwies die Richterin den Prozess aufgrund seiner Tragweite an den übergeordneten Crown Court. Am ersten Verhandlungstag am 12. Juni 2024 bestritten beide Angeklagte, den Baum gefällt zu haben. Die Hauptverhandlung wurde für den 3. Dezember 2024 angesetzt. Carruthers blieb gegen Kaution auf freiem Fuß, während Graham zu seiner eigenen Sicherheit ab Dezember 2024 in Untersuchungshaft blieb, da er zuvor einen Suizidversuch unternommen hatte und zwischenzeitlich in eine Klinik eingewiesen wurde. Wegen einer schweren Depression Grahams (er litt seit dem Tod seines Vaters immer wieder unter Depressionen und beging mehrere Suizidversuche) wurde der ursprünglich angesetzte Prozess auf April und Mai 2025 verschoben. Am 9. Mai 2025 wurden die beiden Angeklagten wegen Sachbeschädigung in zwei Fällen, am Baum und am Hadrianswall, schuldig gesprochen. Das Gericht gab zudem an, dass am 15. Juli 2025 das genaue Urteil und das Strafmaß verkünden werde. Der Schaden belief sich nach einer ersten Schätzung auf rund 623,000 £ (umgerechnet etwa 730.000 Euro), was später auf rund 450,000 £ (etwa 530.000 Euro) reduziert wurde. Die Kosten für die Reparatur von zwei Steinen des Hadrianswall wurden auf 1.144 £ geschätzt (umgerechnet etwa 1.315 Euro).