mini|Klosterkirche in Bebenhausen Die ehemalige Klosterkirche des Klosters Bebenhausen und heutige evangelische Ortskirche steht in Bebenhausen, einem Gemeindeteil von Tübingen im Landkreis Tübingen in Baden-Württemberg. Sie dient die meiste Zeit des Jahres als Gemeindekirche, gehört zur Kirchengemeinde Tübingen-Bebenhausen und zum Kirchenbezirk Tübingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Ursprünglich war sie die Kirche der Zisterzienserabtei Bebenhausen.

Geschichte und Baubeschreibung mini|Die Glocken werden von Hand geläutet. mini|Altarraum Mit dem Bau der spätromanisch-gotischen, ehemals dreischiffigen Kreuzbasilika aus Quadermauerwerk wurde 1183 begonnen, abschließend wurde die Klosterkirche 1228 geweiht. Zunächst wurden das Querschiff und der Chor in seinem Osten bis etwa zur halben Höhe errichtet. Anschließend wurde das Langhaus mit neun Jochen aus einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen gebaut und die östlichen Teile vollendet. Der mit einem durchbrochenen Helm bedeckte oktogonale Dachreiter, in dessen Glockenstuhl vier Kirchenglocken hängen, wurde der Vierung 1407–09 aufgesetzt. Das nördliche Querhaus und die Vierung wurden 1466/67 mit Sterngewölben überspannt, das südliche Querhaus und der Chor erst 1522. Im Jahre 1535 wurde das Kloster wegen der Reformation aufgegeben und dort von 1556 bis 1806 eine evangelische Klosterschule geführt. Direkt nach der Klosterschließung 1535 wurde die Kirche als Steinbruch für die rasche Vollendung von Schloss Hohentübingen genutzt und dafür die sechs westlichen Joche des Langhauses abgebrochen.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 100 – ISBN 978-3-95505-592-9. Von dem alten Bau steht deshalb nur noch der östliche Teil des Langhauses mit Querhaus, der Vierungsturm von 1409 und das Presbyterium (Chor). Im späteren 16. Jahrhundert fügte man dem Langhaus im Westen noch ein Stück an, um dem Kirchenraum einen Abschluss zu geben. Dies erfolgte bewusst noch im gotischen Stil, obwohl die Gotik längst vorbei war. Es besteht nur noch ein Drittel des ursprünglichen Kirchenschiffs von 60 m Länge. Auf der Fläche des abgebrochenen Baus steht heute ein großer Baum, der ein Naturdenkmal ist. Das Mittelschiff des Langhauses wurde nach seiner Verkürzung innen mit einem Stichkappengewölbe bedeckt. Der Ulmer Münsterbaumeister August Beyer restaurierte 1885 die Klosterkirche, auch mit neugotischen Elementen. Von der Kirchenausstattung des Mittelalters haben sich nur Reste erhalten, z. B. die um 1580 gebaute Kanzel. Die Orgel befindet sich auf der Empore im südlichen Querhaus.

Ausstattung Wandmalerei: Im Chor gibt es zwei Wandgemälde: zu Ehren der Gottesmutter auf dem nördlichen Vierungspfeiler ein Votivbild zum Bau des Vierungsturms und an der Nordwand des Chores das stark beschädigte Bild des thronenden Salvator mundi sowie eine Schutzmantelmadonna.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder

Glasmalerei: Im geraden Chorschluss wurde um 1320/1335 gotische Glasmalerei ins vierbahnige Fenster und in das Maßwerk in Form eines stehenden Vierpasses mit eingefügter Rosette eingebaut. Von diesem ungewöhnlichen Prachtfenster sind im Maßwerk noch ornamentale Reste sowie Wappenscheiben (Pfalzgrafen von Tübingen, Zisterzienserorden, Württemberg und Mömpelgard) erhalten,siehe unten den Weblink zu Mittelalterliche Glasgemälde im Corpus Vitrearum-Bildarchiv: Bebenhausen, Ehem. Zisterzienserkloster. der Hauptteil mit den Szenen aus dem Marien- und Christusleben, den Propheten und Evangelisten wurden 1781 ausgebaut. Achtzehn dieser Scheiben in bester künstlerischer Qualität aus Esslinger Werkstätten gingen in den Privatbesitz des Hauses Württemberg über und befinden sich jetzt im Schloss Altshausen.Jürgen Michler: Bebenhausen, 1335: Das monumentale Prachtfenster im Chor der Klosterkirche. Zeugnis eines kulturgeschichtlichen Umbruchs. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt des Landesdenkmalamtes, Nr. 1/1997. Stuttgart 1997, S. 11 ff.

Kanzel: Die Stein- und Stuckkanzel mit gewundener Treppe, Treppenportal und Stützfigur wurde nachträglich 1575 eingebaut. Die Treppenbnrüstung und der Treppenportal-Aufsatz enthält figürliche Reliefs, die Brüstung des Kanzelkorbs zeigt die Verklärung Christi und die vier Evangelisten. Die Treppenstütze ist vermutlich als Samson gestaltet. Die Gestaltung der Bebenhäuser Kanzel wird dem Meister der Heilbronner Kilianskanzel, Conrad Wagner, zugeschrieben.Reinhard Lieske: Protestantische Frömmigkeit im Spiegel der kirchlichen Kunst des Herzogtums Württemberg. Forschungen und Berichte der Bau- u. Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg, Bd. 2. München 1973, S. 106 f, Abb. 32.Karl Halbauer: Predigstül - Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation. In der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132. Stuttgart 1997, S. 438.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 242, 270 – ISBN 978-3-95505-592-9.

Glocken: Die vier Glocken werden nach wie vor von Hand geläutet.

Literatur

Ev. Kirchenbezirk Tübingen (Hrsg.): Kirchen im Dekanat Tübingen – Stille Schätze, Kunst und Kultur. Tübingen 2000, S. 2 f. Mathias Köhler: Zwischen Ordensgeist und Kunstlandschaft. Die Baugeschichte von Kirche und Klausur in Bebenhausen. In: Von Cîteaux nach Bebenhausen. Welt und Wirken der Zisterzienser (Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts). Tübingen 2000, 175–200, ISBN 3-89308-305-7. Mathias Köhler, Rainer Y, Carla Fandrey: Kloster und Schloss Bebenhausen. 3., überarbeitete Aufl., München 2014. Petra Pechaček: Authentische Orte der Reformation. Auf Spurensuche in den Klöstern Maulbronn, Bebenhausen und Alpirsbach. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Nr. 3/2017, Stuttgart 2017, S. 170–176. Evangelische Klosterorte in Württemberg. Magazin in der Reihe „Spuren“. (Hrsg.) Ev Landeskirche in Württemberg, Ev. Oberkirchenrat. Stuttgart 2018, S. 38.

Einzelnachweise

Weblinks

Die Klosterkirche auf der Website der Kirchengemeinde Website des Klosters Informationen zur Klosterkirche Mittelalterliche Glasgemälde im Corpus Vitrearum-Bildarchiv: Bebenhausen, Ehem. Zisterzienserkloster

Klosterkirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Klosterkirche in Deutschland Kategorie:Basilika (Bautyp) Kategorie:Kulturdenkmal in Tübingen Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Ehemalige Zisterzienserkirche Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert