Der König von Berlin ist der erstmals 2012 im Rowohlt Verlag erschienene Debüt-Roman von Horst Evers. Kurzbeschreibung Während Berlin von einer Rattenplage heimgesucht wird, rollt der erst seit kurzem in Berlin tätige Kriminalhauptkommissar Carsten Lanner seinen ersten Fall wieder auf: den Tod des Kammerjäger-Oberhaupts und „Königs der Ratten“ Erwin Machallik. Inhalt Erster Tag Berlin ächzt unter einer Rattenplage, „die Fälle von Rattenbefall mehrten sich rasant, von Tag zu Tag“, beginnend rund einen MonatHorst Evers: Der König von Berlin. Kriminalroman. Rowohlt, Berlin 2012. ISBN 978-3-87134-743-6. S. 36. nach dem Tod des vor 51 Tagen verstorbenen Erwin Machallik,Evers, Der König von Berlin, S. 43. seines Zeichens „der Kammerjäger, der Gott der Ratten, der König der wahren Berliner Unterwelt“.Evers, Der König von Berlin, S. 37. Die anscheinend explodierende Rattenpopulation ist nicht nur Wahlkampfthema für die in fünf Tagen stattfindende Abgeordnetenhaus-Wahl, sondern auch Brotberuf für die Machallik-Angestellten Toni Karhan und Georg Wolters, zwei elegant-unauffällig gekleidete Kammerjäger auf Rattenpirsch. Karhan und Wolters werden in einem Berliner Hinterhof Zeuge, wie eine Lehrerin an einer Stelle versinkt, wo die in Müllbeuteln verpackte LeicheEvers, Der König von Berlin, S. 17. des Ghostwriters Ansgar Kaminski liegt, von dem es anfangs heißt, er wäre „durch einen harten Schlag auf den Kopf gestorben“;Evers, Der König von Berlin, S. 23. später allerdings stellt sich heraus, dass es ein ungewöhnlicher Unfall war, dessen Beiwohnende ihn vertuschen wollten.Evers, Der König von Berlin, S. 238–253. Der in Berlin erst seit ein paar WochenDer Tod Machalliks 51 Tage vor Beginn der Handlung war sein erster Fall (Evers, Der König von Berlin, S. 53). tätige und von seinen neuen Kollegen unter anderem als „Dorfsheriff“Evers, Der König von Berlin, S. 19. gehänselte niedersächsische Kriminalhauptkommissar Carsten Lanner trifft am Tatort auf Georg Wolters, mit dem er einst in Niedersachsen zur Schule gegangen ist.Evers, Der König von Berlin, S. 26. Der vereinsamte Lanner denkt über Wolters: „Wahrscheinlich immer noch ein Arsch, aber immerhin ein vertrauter Arsch, besser als nichts. Oder zumindest besser als die unberechenbaren Berliner Ärsche.“Evers, Der König von Berlin, S. 28. Am Abend besucht Lanner seinen alten Bekannten Wolters, klagt ihm ein wenig sein Leid, Wolters klagt ebenfalls: „Ich habe gut fünfzehn Jahre studiert und in dieser Zeit überlegt, was ich eigentlich werden möchte, nur um dann am Ende Kammerjäger zu werden, also etwas, was ich ganz sicher nicht wollte.“Evers, Der König von Berlin, S. 51. Lanner bietet dem Machallik-Angestellten Wolters an, „als verdeckter Ermittler sozusagen“Evers, Der König von Berlin, S. 52. für ihn zu arbeiten: Lanner glaubt nicht, dass Erwin Machallik sich im Anschluss an einen Empfang, wo er ein neu entwickeltes Rattengift präsentierte und Gratisproben davon verteilte, versehentlich damit vergiftet habe, „wenn mehr als die Hälfte der Gäste einen guten Grund gehabt haben“, Machallik zu vergiften.Evers, Der König von Berlin, S. 56. Und Lanner findet noch etwas anderes irritierend: „Nachdem ich drei Tage ermittelt hatte, […] wurde ich plötzlich zum Polizeipräsidenten bestellt“ und erhielt den Befehl, sich „endlich wieder auf die richtigen Verbrechen“ zu konzentrieren und die Machallik-Ermittlungen einzustellen.Evers, Der König von Berlin, S. 53. Am gleichen Tag schauen die beiden Söhne des Erwin Machallik, Max und Helmut, zum wiederholten Mal die Suada-DVD ihres verstorbenen Vaters an, von der ein weiteres Exemplar bei der Berliner Regierung istEvers, Der König von Berlin, S. 41. und auf der Erwin Machallik „genüsslich“ beschreibt, „wie die Ratten ihn rächen und die Stadt übernehmen [würden], falls ihm etwas zustößt. Schritt für Schritt, mit genauer Angabe der Tage“: Bislang seien „alle seine Prophezeiungen eingetroffen“ über „die Rattenbombe, die hochgeht, wenn man sie nicht alle ein, zwei Monate entschärft.“
Am Ende des Tages sitzt ein geheimnisvoller „Ratmaster Big“ in seiner Schaltzentrale, verschickt halbautomatisch via Südkorea im Namen einer vermeintlichen Senatsstelle wie üblich Aufträge an die Berliner Kammerjägerunternehmen. „Alle Einzelheiten hatte ihm [=Ratmaster Big] der alte Machallik zwar nicht verraten, aber er wusste genug, er hatte die völlige Macht. Er gab die Richtung vor und erteilte den Kammerjägerfirmen“ deren Aufträge, den „Firmen, die nichtsahnend die Handlangerdienste für ihn verrichteten. Keiner kannte die Zusammenhänge. Die kannte nur er. Jeden Tag wuchs die Zahl der Ratten, alle drängten sie in die Innenstadt, und niemand außer ihm wusste, warum. Der alte Machallik wäre zufrieden gewesen.“Evers, Der König von Berlin, S. 60. Zweiter Tag Die stets hübsch angeordnete Schnittchen servierende Machallik-Chefsekretärin Claire Matthes erklärt Max Machallik, „wie es sein Vater geschafft hatte, über Jahrzehnte ein erfolgreicher Geschäftsmann zu bleiben. Probleme, Misserfolge, Risiken – er hatte einfach immer alles delegiert. Und selbst wenn es einer seiner ’Spezialisten‘ doch mal geschafft hatte, die Dinge irgendwie in den Griff zu kriegen, wäre immer noch der große Machallik derjenige gewesen, der im richtigen Moment den richtigen Mann an die richtige Stelle gesetzt hat.“Evers, Der König von Berlin, S. 86–87. Der beste Kammerjäger, so Claire Matthes, sei seit geraumer Zeit Toni Karhan, und Max Machallik beschließt auf Claires Vorschlag hin, Karhan mit vervierfachtem Gehalt und „mit sofortiger Wirkung zum Chef der ’Taskforce zur Rattenbekämpfung‘“ zu machen.Evers, Der König von Berlin, S. 88–89.
Carola Markowitz, „Kommissarin der Abteilung für Wirtschaftskriminalität“,Evers, Der König von Berlin, S. 69. ist derweil auf Lanner zugekommen, mit einigen möglicherweise entscheidenden Informationen über den Fall des Ghostwriters Ansgar Kaminski, die Lanner allerdings im Alleingang verwerten will: Der Fall Kaminski soll sein großer Fall werden, aufgeklärt, ohne den Ruhm zu teilen.Evers, Der König von Berlin, S. 78. Dass er dabei allerdings einen Verlags-Chef bedrängt, die mit der Frau des Polizeipräsidenten befreundet ist,Evers, Der König von Berlin, S. 95. bringt ihn außer der Bekanntschaft des Anwalts Dr. Kersting, der auch die Machallik-Brüder vertritt, nur eine UnterlassungsklageEvers, Der König von Berlin, S. 107. und Ärger mit seinem direkten Vorgesetzten ein.Evers, Der König von Berlin, S. 109. Immerhin Wolters hat eine gute Nachricht für Lanner: Der Aufstieg Toni Karhans in der Firma Machallik habe zur Folge, dass auch Wolters näher an das „Zentrum der Macht“ rücke und besser als verdeckter Ermittler arbeiten könne.Evers, Der König von Berlin, S. 99. Ein erster Erfolg ist, dass Claire Matthes ihm einige Gäste genannt habe, die bei der feierlichen Gift-Präsentation dabei waren: unter anderem Lanners Amtsvorgänger Rimschow. „Machallik und dieser Rimschow haben sich wohl offen gehasst und bekämpft.“Evers, Der König von Berlin, S. 102. Am Abend hat Wolters dann mit der am Vortag in Kaminskis Leichen-Loch versunkenen Lehrerin ein Rendezvous am Hackeschen Markt. Das Treffen wird allerdings empfindlich gestört durch eine massive Invasion von Ratten, deren Folgen der erfahrene Kammerjäger Wolters, um vor der Lehrerin als Held dazustehen, auf das Mindestmaß beschränkt, weswegen er zum lokalen Medien-Star avanciert.Evers, Der König von Berlin, S. 129–132. Dritter Tag Um nach dem Hackeschen Rattenvorfall Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, ist die Medienstrategie der Berliner Regierung im Einvernehmen mit der Firma Machallik, Toni Karhan groß herauszubringen. „Niemand kennt ihn. Also kann er alles sein, was wir behaupten, was er ist. Vielleicht sollten wir ihm aber auch jemanden an die Seite stellen, der den Menschen schon ein klein wenig vertraut ist. Was ist mit dem Helden von gestern?“Evers, Der König von Berlin, S. 141. Folglich wird neben Karhan auch Wolters der Presse präsentiert. Diesen Propaganda-Erfolg feiern die Machallik-Brüder, Karhan und Wolters gehörig im bunkerartig ausgebauten Chef-Büro der Firma, bewirtet von Claire Matthes. Der in seinem Wissensdurst über die Firma Machallik von Claire Matthes unterstützte Karhan geht relativ frühzeitig heim, der zwischenzeitlich bezechte Wolters begibt sich auf Toilette und belauscht auf dem Rückweg, dass der zwischenzeitlich bezechte Helmut gesehen haben will, dass der zwischenzeitlich gleichfalls bezechte Max am letzten Abend von Erwin Machallik Erwin eine der großzügig verteilten Giftproben in den Wein geschüttet und seinen Vater somit ermordet habe. Die Machallik-Brüder merken, dass sie belauscht werden, die drei Männer werden miteinander tätlich, die Machallik-Brüder schicken Claire Matthes unter einem Vorwand fort, schließen Wolters im Bürobunker ein, mit der koreanischen Anleitung des Schließsystems und einem Koreanisch-Wörterbuch, damit er irgendwann entkommen kann; anschließend fliehen die Machallik-Brüder.Evers, Der König von Berlin, S. 197–201. Claire Matthes jedoch denkt, die Machallik-Brüder weilten noch im Bürobunker und begingen einen um Wolters erweiterten Selbstmord; sie ruft die Polizei, die die Bunkertür aufbrechen soll.
Lanner ist währenddessen zu seinem Vorgänger Rimschow nach Groß Köris gefahren. „Wahrscheinlich könnte er von Rimschow an einem Vormittag mehr erfahren, als er selbst in knapp zwei Monaten mühsam ermittelt hatte.“Evers, Der König von Berlin, S. 145. Auf dem Rückweg wird Lanner von vier maskierten Frauen entführt, so dass er für seine weiter ermittelnde Kollegin Carola Markowitz nicht zu erreichen ist. Vierter Tag Während die Obrigkeit vergeblich versucht, die Tür zum Machallik-Bunkerbüro aufzubrechen, weiht Claire Matthes Karhan weiter in die Geheimnisse der Firma und seiner Herkunft als biologischer Sohn Erwin Machalliks ein, der gewollt habe, dass Karhan die Firma übernimmt. Während des Gesprächs offenbart Karhan, er halte das im Bunkerbüro befindliche Ölgemälde eines Rattenskeletts für den von ihm gesuchten „Plan mit den Rattenwegen und seinen neuralgischen Punkten“, mit dessen Hilfe man die Ratten steuern und die Auswirkungen der Rattenplage minimieren könne.Evers, Der König von Berlin, S. 275. Der von seinen Entführerinnen nach Scheinhinrichtung und Ohnmacht letztlich freigesetzte Lanner trifft vor Ort ein just in dem Moment, als Wolters die Bunkertür von innen öffnen kann.Evers, Der König von Berlin, S. 286. Karhan macht sich daran, das Rattenskelett-Gemälde zu studieren.Evers, Der König von Berlin, S. 299.