mini|hochkant=1.2|Ruinen eines während der Highland Clearances entvölkerten Dorfes bei Lonbain Highland Clearances (etwa „Räumung des Hochlandes“, gälisch: Fuadach nan Gàidheal, „Vertreibung der Gälischsprachigen“) bezeichnet die Vertreibung der ansässigen Bevölkerung im schottischen Hochland zugunsten der flächendeckenden Einführung der Schafzucht, beginnend im späten 18. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Sie geschah zeitlich parallel zu der in ganz Europa die Industrialisierung begleitenden Landflucht. Im Unterschied zur Landflucht initiierten die Gutsherren die Clearance wie beim feudalen Bauernlegen. Die Landflucht wurde teils mit Gewalt und in relativ kurzer Zeit durchgeführt. Die Gutsherren waren in einer vergleichsweise bequemen rechtlichen Situation, und die Räumungen trafen eine sehr traditionelle Gesellschaft. Zunächst sprach man zumeist von removals, der Begriff clearances setzte sich erst im 19. Jahrhundert durch.
Die Beteiligten mini|Das Monument Emigrants des Künstlers Gerald Laing in Helmsdale erinnert an das Schicksal der Emigranten und Vertriebenen aus den Highlands Zugezogene englische, aber auch alteingesessene schottische Gutsherren aus den Lowlands beauftragten die Räumung durch ihre Verwalter (englisch bailiff). Vertrieben wurden einheimische, landlose Kleinbauern und Pächter (crofter), die häufig seit Generationen dort gelebt hatten. Oft wurden ganze Dorfgemeinschaften aufgelöst und ihre Hütten zerstört. Teilweise wurden die Vertriebenen mit Gewalt auf Auswandererschiffe gebracht und nach Nordamerika oder Australien verschifft. Das Land fiel anschließend an wenige Schafzüchter aus dem schottischen Flachland oder aus England. Die Schafzucht wird noch heute teilweise als die „Geißel Schottlands“ bezeichnet.
Die Highland Clearances endeten mit dem Crofters’ Holdings (Scotland) Act 1886.Derick S. Thomson (Hrsg.): The Companion to Gaelic Scotland. Blackwater, Oxford 1983, ISBN 0-631-12502-7, S. 237.
Das Jahr der Schafe (Bliadhna nan Caorach) Eine Welle der Massenauswanderung gab es im Jahr 1792, den gälischsprachigen Hochländern auch bekannt als Bliadhna nan Caorach (Das Jahr der Schafe). Gutsherren (englisch landlords) hatten Ländereien räumen lassen, um dort Schafzucht zu ermöglichen. 1792 trieben landlose Kleinpächter aus Strathrusdale rund 6000 Schafe aus Protest von diesen Ländereien um Ardross. Diese Aktion wird gewöhnlich als der „Ross-shire Schaf-Aufstand“ (Ross-shire Sheep Riot) bezeichnet, mit dem sich auch die höheren Regierungsstellen beschäftigten. Staatssekretär Henry Dundas ließ darauf Militär wie die Black Watch einsetzen. Es verhinderte weitere Aktionen und sorgte dafür, dass die Rädelsführer verurteilt wurden. Allerdings gelang diesen später die Flucht aus der Haft und sie verschwanden spurlos.John Prebble: The Highland Clearances. Penguin Books, London u. a. 1969, ISBN 0-14-002837-4, S. 60–61.
Die vertriebenen Kleinbauern wurden entweder auf minderwertiges Land umgesiedelt oder ihnen wurden kleinere Bauernhöfe an der Küste zugewiesen, wo der Landbau die wachsende Bevölkerung allerdings nicht ernähren konnte. Von den Menschen wurde erwartet, dass sie sich dem Fischfang als neuer Erwerbsquelle zuwenden sollten. Im Dorf Badbea in Caithness waren die Wetterbedingungen dafür aber so erbärmlich, dass die Frauen während der Arbeit gezwungen waren, ihre Kinder und das Vieh an Felsen oder Pflöcke zu binden, damit sie nicht über die Klippen geweht wurden.James Campbell: Invisible Country. A Journey through Scotland. Weidenfeld and Nicolson, London 1984, ISBN 0-297-78371-8, S. 81. Andere Kleinbauern wurden direkt auf Auswandererschiffe verladen, die nach Amerika oder Australien segelten.
Geschichte der Räumungen Ein Überblick über das Schicksal der Hochlandbevölkerung seit 1745, entnommen aus „Highland Resistance“ von Iain Fraser Grigor: 18. Jahrhundert Im Jahr 1739 verkauften MacDonald of Sleat und Macleod of Dunvegan ausgewählte Clanmitglieder als Vertragsknechte an Landbesitzer in den nordamerikanischen Carolinas. Im April 1746 wurden nach der Schlacht von Culloden überlebende Highlander als Sklaven in die Karibik geschickt.
Das Gesetz zur Ächtung verbot 1747 das Tragen von Tartan, den Unterricht in Gälisch, das Recht der Highlander, sich zu versammeln und das Spielen von Dudelsäcken in Schottland. Ebenfalls 1747 wurden die Ländereien der Häuptlinge, die sich für die Jakobiten eingesetzt hatten, eingezogen und in die Hände von Lowland-Faktoren gelegt, die damit beauftragt wurden, sie „profitabel“ zu machen. Das Gesetz zur Abschaffung erblicher Gerichtsbarkeiten beendete die richterliche Gewalt der verbleibenden Highland-Häuptlinge und verstärkte damit den Trend, dass die Häuptlinge zu bloßen Landbesitzern wurden. Viele Highland-Landbesitzer und Clan-Häuptlinge ließen sich dauerhaft in Edinburgh oder London nieder. Die Häuptlinge wurden immer abwesender und interessierten sich mehr für die Einkünfte ihrer Ländereien als für die Interessen der Menschen, die auf ihnen lebten.
Im Jahr 1762 kaufte Sir John Lockhart-Ross das Anwesen Balnagowan mit der konkreten Absicht, im großen Stil Cheviot-Schafe zu züchten. Er erhöhte die Mieten der Pächter, die nicht vertrieben worden waren, errichtete Zäune und brachte Tiefland-Schafhirten. Anschließend gab es in Strathoykel Berichte über eine Gruppe kürzlich vertriebener Leute, die „Schafe und Lämmer“ des neuen Pächters „stahlen und töteten“. Dessen Schafhirten „sich in einer sehr unangenehmen Lage inmitten einer Rasse von Menschen wiederfanden, die sie als Eindringlinge betrachteten, deren Sprache sie nicht verstanden und die jeden Versuch nutzten, sie abzuschrecken und ihnen das Leben schwer zu machen“.
Zwei angehende Schafzüchter kamen 1782 in Letterfinlay an, um die Ländereien von George Cameron zu pachten. Am 28. Mai überfielen die Einheimischen unter Führung von „Dark John“ MacInnes die beiden, schlugen sie brutal und zwangen sie, in den Schutz der Garnison in Fort William zu fliehen. Im selben Jahr pachteten Thomas Gillespie und Henry Gibson eine Schafweide am Loch Quoich und vertrieben über 500 Pächter, von denen die meisten nach Kanada auswanderten. Die Proskriptionsgesetze wurden 1782 aufgehoben, aber viele Landbesitzer aus den Highlands, einer Generation, die in London oder Edinburgh geboren und aufgewachsen war, blieben abwesend. Sie hatten sich von ihren früheren Clansleuten distanziert und diese waren nun bloße Pächter auf deren Ländereien. Ende er 1780er Jahre begann Donald Cameron von Lochiel mit der Rodung der Ländereien seiner Familie, die sich von Loch Leven bis Loch Arkaig erstreckten.
1791 berichtete die Society of the Propagation of Christian Knowledge über die Auswanderung von über 6.400 Menschen aus den Gebieten um Inverness innerhalb der vergangenen 19 Jahren. Reverend Kemp bemerkte nach einem Besuch in den Highlands: „Große Landstriche werden derzeit entvölkert, um Platz für Schafe zu schaffen“.
Sir John Sinclair von Ulbster brachte 1792 die ersten Cheviot-Schafe auf seine Ländereien in Caithness, die später als vierfüßige Clansmänner bezeichnet wurden, was die Wut der Pächter darüber zum Ausdruck brachte, dass sie zugunsten von Tieren vertrieben wurden. Von Ende Juli bis Anfang August desselben Jahres trieben wütende Pächter alle Cheviots in Ross-shire nach Boath. Das 42. Regiment intervenierte und die Schafe wurden nach Ross-shire zurückgebracht.
Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts Während der Zeit von 1800 bis 1813 kam es zu umfangreichen Räumungen in Strathglass, Farr, Lairg, Dornoch, Rogart, Loth, Clyne, Gospie, Assynt und Lower Kildonan. Bei den ersten Räumungen des Strathglass-Gebiets durch William, den 24. Chisholm im Jahr 1801 wurden fast 50 % des dort lebenden Clans vertrieben. 1809 beschloss Chisholm eine weitere große Rodungsaktion auf seinen Ländereien in Strathglass und bot interessierten Schafzüchtern Parzellen mit 1.000 bis 6.000 Schafen an.
1801 fuhr das Auswandererschiff Sarah von Fort William nach Pictou. Nach den damaligen Gesetzen durften nur 489 Sklaven in den Laderäumen des Schiffes befördert werden. Da diese Gesetze jedoch für Auswanderer nicht galten, wurden fast 700 Menschen in das Schiff gepfercht, wobei fast 50 Menschen auf der Reise sterben und zahllose andere erkranken.
Im Jahr 1803 stieg aufgrund der Französischen Revolutions- und Napoleonischen Kriege der Wert von Seetang sprunghaft an. Jedes Jahr kamen 30 oder 40 Schiffe mit dem verarbeiteten Seetang in London an. Dieser äußerst lukrative Handel führte zu großflächigen Vertreibungen aus den Tälern im Landesinneren und zur Ernte von Seetang an der Küste unter sklaverei-ähnlichen Umständen. Da die Landbesitzer auf den Hebriden und an den Küsten des West Highland ihre Quelle billiger Arbeitskräfte durch die Auswanderung versiegen sahen, setzten sie sich für den Passenger Act ein, der angeblich die maximale Zahl der Passagiere auf die Bruttotonnage des Schiffes beschränken sollte, in der Praxis jedoch die Zahl der Menschen begrenzte, die sich eine Auswanderung leisten konnten, was viele Pächter in anhaltender Armut gefangen hielt. Nach 1815 brach der Handel zusammen und die Menschen konnten kaum überleben.
Pfingsten 1807 erfolgten Zwangsräumungen bei Farr & Lairg als die ersten großen Räumungen in Sutherlandshire. Im Oktober desselben Jahres sank die Rambler mit 133 Auswanderern aus Thurso an Bord im Atlantik. Nur drei Passagiere überlebten. Im November beschloss eine Versammlung der Northern Association of Gentlemen Farmers and Breeders of Sheep, in den Grafschaften Ross-shire, Sutherlandshire und Caithness nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Dieser Beschluss führte zu massiven Räumungen in diesen Gebieten. 1808 stach ein Auswandererschiff mit Auswanderern aus Farr, Lairg, Creich und Rogart von Leith aus in See. Es sank und alle an Bord kamen ums Leben.
Mehr als 50 Schafhirten wurden 1811 nach Sutherlandshire gebracht und zu Friedensrichtern ernannt, wodurch sie die rechtliche Kontrolle über die einheimischen Pächter erhielten. 1813 stellten Lord und Lady Stafford, die Landbesitzer von Sutherlandshire, James Loch ein, um die Verwaltung ihrer Ländereien zu überwachen.
1813 wanderten fast 100 Pächter von Strath Kildonan an Bord der Prince of Wales nach Kanada aus, wo sie sich in der Nähe des Winnipegsees niederließen. Sir George MacKenzie of Coul schrieb 1813 ein Buch, in dem er die Räumungen rechtfertigte. Er führte an: „Die Notwendigkeit, die Bevölkerung zu reduzieren, um wertvolle Verbesserungen einzuführen, und die Vorteile, die es hat, die Bewirtschaftung des Bodens in die Hände einiger weniger zu legen“.