Die Beziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten zählten zu den engsten weltweit. Zwischen beiden Ländern bestehen zahlreiche politische, sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten und eine knapp 9.000 Kilometer lange Grenze. Nach dem Ende des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs waren die Beziehungen noch angespannt, da das loyalistische Kanada eine Invasion der Vereinigten Staaten fürchtete. Im 20. Jahrhundert standen beide Länder aber Seite an Seite im Ersten und Zweiten Weltkrieg und dem darauf folgenden Kalten Krieg. 1987 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern geschlossen, welches 1994 zu einer nordamerikanischen Freihandelszone umgewandelt wurde. Gemeinsam sind beide Länder Mitglieder der Organisation amerikanischer Staaten, der NATO, der OECD, der OSZE, der G7, der G20, des Arktischen Rats und vieler weiterer multilateraler Organisationen.

Geschichte mini|Situation in Nordamerika (ca. 1750) Die Gründung von Neufrankreich in Nordamerika erfolgte im 16. Jahrhundert, ebenso wie die Ankunft der ersten Engländer in Neufundland und später Neuengland, wo Siedler Kolonien etablierten. Vor der britischen Eroberung von Französisch-Kanada im Jahr 1760 gab es eine Reihe von Kriegen zwischen Briten und Franzosen und ihren jeweiligen indianischen Verbündeten, die sowohl in den Kolonien als auch in Europa und auf hoher See ausgetragen wurden (bekannt als Franzosen- und Indianerkriege). Ein Großteil der Kämpfe bestand aus Hinterhalten und Kleinkriegen in den Dörfern an der Grenze zwischen Neuengland und Quebec. Die Spannungen entlang der Grenze wurden durch die Religion noch verschärft, denn die französischen Katholiken und die englischen Protestanten hegten ein tiefes gegenseitiges Misstrauen. Zu Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs hofften die amerikanischen Revolutionäre, dass sich die Frankokanadier in Québec und die Kolonisten in Nova Scotia ihrer Rebellion anschließen würden. Als der Nordosten Quebecs eingenommen wurde, schlossen sich Tausende der amerikanischen Sache an und bildeten Regimenter, die während des Krieges kämpften; die meisten blieben jedoch neutral und einige kämpften auch für die Briten. Schließlich erlangten die USA mit der militärischen Unterstützung der Franzosen ihre Unabhängigkeit, und der Vertrag von Paris 1783 zwang Großbritannien, Teile des südwestlichen Kanadas an die USA abzutreten. Nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten wurde Kanada zu einem Zufluchtsort für zahlreiche Loyalisten. Die verbliebenen britischen Kolonien wurden als Britisch-Nordamerika bekannt und bildeten die Basis für das spätere Kanada. mini|Friede von Gent (1814) Mit dem Jay-Vertrag von 1794 wurden die britisch-amerikanischen Beziehungen für die Nachkriegszeit geregelt, die Beziehungen verschlechterten sich jedoch bald darauf wieder und 1812 brach der Britisch-Amerikanische Krieg aus. Die Amerikaner waren verärgert über die britische Belästigung von US-Schiffen auf hoher See und darüber, dass etwa 6.000 Seeleute von US-amerikanischen Schiffen zum Dienst in der Royal Navy gepresst wurden. Auch Handelsbeschränkungen gegenüber dem napoleonischen Frankreich und die britische Unterstützung für feindselige Indianerstämme in Ohio und anderen Gebieten störten die Amerikaner. Als der Krieg ausbrach, bestand die amerikanische Strategie darin, Kanada zu erobern. Die amerikanischen Invasionen wurden jedoch in erster Linie von den britischen Streitkräften mit Unterstützung der amerikanischen Ureinwohner und der Miliz von Oberkanada zurückgeschlagen. Mithilfe der Royal Navy führten die Briten eine Reihe von Überfällen auf die amerikanische Küste durch, die in einem Angriff auf Washington gipfelten, bei dem sie das Weiße Haus, das Kapitol und andere öffentliche Gebäude in Brand setzten. Auf dem Land konnten sie bis weit nach Michigan und Illinois vorstoßen. Nach der Niederlage Napoleons in Europa wurde mit dem Friede von Gent 1814 der Krieg beendet, womit Kanada unter britischer Herrschaft verblieb. Die erfolgreiche Abwehr des amerikanischen Angriffs wurde später zu einem Nationalmythos für das anglofone Kanada. mini|Abbildung des St.-Albans-Vorfall (1864) Eine Reihe von Nachkriegsabkommen stabilisierte die Beziehungen entlang der kanadisch-amerikanischen Grenze weiter. Kanada reduzierte die amerikanische Einwanderung aus Angst vor zu großem amerikanischen Einfluss und baute die Anglikanische Kirche von Kanada als Gegengewicht zu den überwiegend amerikanischen Methodisten- und Baptistenkirchen auf. Die Demokratie, wie sie in den USA praktiziert wird, wurde ins Lächerliche gezogen und die pro-demokratischen Rebellionen von 1837 in Niederkanada und Oberkanada wurden niedergeschlagen. Die amerikanische Politik ignorierte die Rebellionen weitgehend und Kanada generell zugunsten der Expansion der amerikanischen Grenze nach Westen. 1842 wurde das Webster-Ashburton-Treaty abgeschlossen, welches den Grenzverlauf von Maine festlegte und den Aroostook-Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der britischen Kolonie New Brunswick beendete. Nach dem Schweinekonflikt von 1859 trat Kanada die San Juan Islands an die USA ab. Während des Sezessionskriegs (1861–1865) in den Vereinigten Staaten blieben die Briten offiziell neutral. Etwa 40.000 Kanadier meldeten sich freiwillig für die Unionsarmee und einige wenige für die Konföderiertenarmee. Vor dem Krieg waren viele entlaufene Sklaven über die Underground Railroad nach Kanada geflüchtet. Aber Kanada wurde trotz der Neutralität auch von den Konföderierten als Basis für Angriffe auf die Nordstaaten genutzt, wie bei dem St.-Albans-Vorfall. Dort töteten Soldaten der Konföderierten einen amerikanischen Staatsbürger, raubten drei Banken aus und erbeuteten mehr als 200.000 US-Dollar. Anschließend flüchteten sie nach Kanada, wo sie verhaftet, dann aber von einem kanadischen Gericht zum Ärger der Amerikaner freigelassen wurden. mini|Kanadische Grenzwachen mit getötetem Fenian Brother (1870) Die Amerikaner waren verärgert über die vermeintliche Unterstützung Großbritanniens für die Konföderation während des Sezessionskriegs. Einige führende Politiker forderten eine hohe Zahlung mit der Begründung, dass die britische Beteiligung den Krieg um zwei Jahre verlängert habe (Alabamafrage). Als der amerikanische Außenminister William H. Seward 1867 den Alaska-Kauf mit Russland aushandelte, wollte er damit den ersten Schritt eines umfassenden Plans zur Erlangung der Kontrolle über die gesamte nordwestliche Pazifikküste tun, weshalb das amerikanische Interesse an British Columbia als britische Entschädigung stieg. Der Plan sah vor, British Columbia, die Red-River-Kolonie (Manitoba) und Nova Scotia zu annektieren und im Gegenzug die Schadensersatzforderungen fallen zu lassen. Das Geschäft kam allerdings nicht zustande und später verpflichtete ein Tribunal Großbritannien, 15,5 Millionen Dollar für Kriegsschäden zu zahlen. Großbritannien zahlte und die Episode endete in friedlichen Beziehungen. 1867 entstand die Kanadische Konföderation, womit der britischen Kolonie erweiterte Selbstverwaltung zugestanden wurde, während Großbritannien die Kontrolle über die Außen- und Verteidigungspolitik behielt. Zwischen 1866 und 1871 belasteten die Angriffe der pro-irischen Fenian Brotherhood auf das britische Kanada von den USA aus die Beziehungen. Die amerikanische Regierung, verärgert über die kanadische Duldung der konföderierten Plünderer während des Sezessionskriegs, unternahm nur sehr langsam Schritte zur Entwaffnung der Fenian Brotherhood. Deren Ziel war es, durch Grenzattacken, Druck auf die Briten auszuüben, damit diese sich aus Irland zurückziehen. Keiner dieser Angriffe erreichte sein Ziel, und alle wurden von den lokalen kanadischen Streitkräften schnell zurückgeschlagen. mini|Kanadisches Wahlplakat gegen ein Handelsabkommen mit den USA (1911) Mit dem Vertrag von Washington im Jahre 1871 wurden ungeklärte Fragen zwischen den Briten und den Amerikanern in Nordamerika geklärt und die Grundlage für die friedlichen und kooperativen amerikanisch-kanadischen Beziehungen gelegt. Mit der Anerkennung Kanadas durch die USA verringerten sich die Sorgen eines militärischen Angriffs der Amerikaner. 1903 wurde die Grenze zwischen Alaska und Kanada festgelegt. Die endgültige Resolution begünstigte die amerikanische Position. Die Enttäuschung und Wut in Kanada richtete sich weniger gegen die Vereinigten Staaten als vielmehr gegen die britische Regierung, die die kanadischen Interessen zugunsten besserer britisch-amerikanischer Beziehungen verraten hatte, was zu einer zunehmenden kanadischen Selbstbehauptung führte. Die liberale Regierung handelte 1911 einen Gegenseitigkeitsvertrag mit den USA aus, der die Handelsschranken senken sollte. Dies wurde allerdings von den Konservativen als Verrat und Ausverkauf kanadischer Interessen angesehen, welche nach ihrer Wahl den Vertrag aufkündigten. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs befand sich Kanada ab 1914 im Krieg mit den Mittelmächte, während die USA bis 1917 warteten, bis sie ebenfalls auf Seite der Alliierten in den Krieg eintraten. Beide Länder kooperierten eng im Krieg miteinander, was vertrauensvolle Beziehungen begünstigte. In den 1920er Jahren wurde Kanada dann die Verantwortung für seine eigenen außenpolitischen und militärischen Angelegenheiten von den Briten gewährt und Kanada entsendete auch eine eigene Delegation für die Verhandlungen von Versailles. 1927 wurde der erste eigene kanadische Botschafter in die USA entsendet. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten waren bis 1930 freundschaftlich, als Kanada vehement gegen den neuen Smoot-Hawley Tariff Act protestierte, mit dem die USA die Zölle auf aus Kanada eingeführte Produkte erhöhten. Kanada revanchierte sich mit eigenen höheren Zöllen auf amerikanische Produkte und ging zu einem verstärkten Handel innerhalb des britischen Empire über. Der Handel zwischen den USA und Kanada ging um 75 % zurück, als die Große Depression beide Länder in Mitleidenschaft zog. mini|Richard Nixon vor dem Parlament Kanadas (1972)