Die Liste der Lokomotiven der London, Midland and Scottish Railway bietet einen Überblick über alle Lokomotivklassen, die für die London, Midland and Scottish Railway (LMS) gebaut wurden, einschließlich der für die British Railways (BR) nachgebauten Maschinen. Die Lokomotiven der Vorgängergesellschaften, aus denen sich die LMS 1923 bildete, sowie die Lokomotiven der von ihr übernommenen Bahngesellschaften sind nur summarisch in einer Tabelle zusammengefasst.

Allgemeines

Die LMS entstand am 1. Januar 1923 im Rahmen des sogenannten „Grouping“, das auf den vom britischen Parlament beschlossenen Railways Act 1921 zurückgeht. Dabei wurden die meisten der damaligen privaten und zum Teil erbittert konkurrierenden Eisenbahngesellschaften zu vier großen Bahnen, den „Big Four“ zusammengefasst, deren größte die LMS war. Das Verkehrsgebiet der LMS erstreckte sich, wie aus dem Gesellschaftsnamen ersichtlich, im Wesentlichen von London ausgehend über die westlichen Midlands entlang der Westküste Nordenglands bis in die schottischen Highlands, wobei einzelne Strecken auch nach Wales hineinreichten bzw. die britische Ostküste erreichten. Die konstituierenden Gesellschaften der LMS waren die Caledonian Railway (CR), mit 1114½ miles (1794 km) Streckenlänge Furness Railway (Furness), mit 158 miles (254 km) Streckenlänge Glasgow and South Western Railway (G&SWR), mit 493½ miles (794 km) Streckenlänge Highland Railway (HR), mit 506 miles (814 km) Streckenlänge Lancashire and Yorkshire Railway (L&YR), und London and North Western Railway (LNWR), mit zusammen 2667½ miles (4293 km) Streckenlänge Midland Railway (MR), mit 2170¾ miles (3473 km) Streckenlänge North Staffordshire Railway (NSR), mit 220¾ miles (355 km) Streckenlänge Die LNWR und die L&YR hatten sich bereits am 1. Januar 1922 unter dem Namen ersterer zusammengeschlossen. Hinzu kam eine Vielzahl kleinerer, teils in Eigenregie, teils von einer der größeren Bahnen betriebener Bahnen, die aber hinsichtlich Streckenlänge und Lokomotivzahl nicht ins Gewicht fielen.

Wie alle größeren britischen Bahngesellschaften baute die LMS den größten Teil ihrer Lokomotiven in eigenen Werkstätten selbst. Der Neubau von Lokomotiven fand in den Derby Works, Crewe Works, Horwich Works und St Rollox Works statt, die zuvor die Hauptwerkstätten der MR, LNWR, L&YR und CR gewesen waren. Daneben wurden aber auch Lokomotiven bei allen bedeutenden englischen und schottischen Lokomotivherstellern beschafft.

Mit dem von der Labour-Regierung Clement Attlees initiierten Transport Act 1947 wurde die LMS ebenso wie die drei anderen großen britischen Eisenbahnunternehmen (GWR, SR und LNER) verstaatlicht und ging zum 1. Januar 1948 in den British Railways auf. Lokomotiven nach LMS-Entwürfen wurden noch bis 1953 nachgebaut.

Anmerkungen zu den Tabellen

Wie für britische Bahnen üblich, sind die Lokomotivbauarten der LMS nach den zum Zeitpunkt der Einführung verantwortlichen leitenden Maschineningenieuren – Chief Mechanical Engineer (CME) genannt – geordnet, denen gemeinhin der jeweilige Lokomotiventwurf zugeschrieben wird, auch wenn externe Lokomotivfabriken und vor allem Untergebene oft wesentlich mitwirkten. Daneben wurden aber auch in geringem Umfang Standardbauarten der Lokomotivindustrie (ausschließlich leichte Rangierlokomotiven) beschafft, die in einem eigenen Abschnitt zusammengefasst sind.

Es sind die Betriebsnummern bei der LMS einschließlich eventuell vorgenommener Umzeichnungen angegeben. Erst an die nachfolgende BR gelieferte Lokomotiven sind mit der BR-Nummer aufgeführt. Generell ergab sich die Betriebsnummer einer ehemaligen LMS-Lokomotive bei der BR durch Addition von 40000 zur LMS-Nummer bei Übernahme.

Die Klassenbezeichnungen der LMS waren eine Leistungsklassifikation (engl.: power class), d. h. Lokomotiven gleicher Leistungsfähigkeit wurden einer Klasse zugeordnet, so dass innerhalb einer Klasse durchaus mehrere verschiedene Lokomotivtypen zusammengefasst sein konnten. Zur exakten Bezeichnung eines Lokomotivtyps ist es daher notwendig, noch weitere beschreibende Merkmale hinzuzufügen. Es kann dies der Name des Konstrukteurs, die Achsfolge, ein offizieller Klassen- oder ein allgemein üblicher Spitzname sein. Offizielle Klassen- und informelle Spitznamen sind im Folgenden in spitze Anführungszeichen, Namen einzelner Lokomotiven hingegen kursiv gesetzt.

Die Bauart einer Lokomotive wird im englischen Sprachraum üblicherweise mit der Whyte-Notation angegeben. Da diese aber nur Aussagen über die Achsfolge und ggf. über die Ausführung als Tenderlokomotive macht, wurde die UIC-Bauartbezeichnung aufgeführt, die weitere Informationen zur Ausführung von Kessel (mit oder ohne Überhitzer) und Triebwerk (Anzahl der Zylinder, Verbundwirkung) beinhaltet.

Ist eine Lokomotivklasse durch Umbau eines älteren Typs entstanden, so sind im Folgenden die (um)gebaute Anzahl und der Zeitraum des Umbaus in Klammern gesetzt. Ebenso ist, wenn eine Lokomotivklasse nicht durch Ausmusterung, sondern durch Umbau erloschen ist, das letzte Umbaujahr in Klammern gesetzt.

Lokomotivbauarten der Vorgängerbahnen

Übernommene Lokomotiven der Vorgängerbahnen

Die LMS übernahm von ihren Vorgängern mehr als 10.300 Lokomotiven in nahezu 300 verschiedenen Bauarten. Die folgende Tabelle fasst die von den einzelnen Bahnen übergegangenen Stückzahlen zusammen, untergliedert nach Radsatzanordnungen. Die Tabelle beinhaltet nicht nur den Running Stock – die für den allgemeinen Verkehr vorgesehenen Lokomotiven – sondern auch die zumeist älteren Maschinen des Departmental Stock, die keine LMS-Betriebsnummer erhielten und für Bauzüge, zum Ziehen von Inspektions- oder Direktions-Salonwagen und ähnliche Aufgaben verwendet wurden. Diese sind in Klammern mit vorgesetztem Pluszeichen gelistet. Nicht aufgeführt sind die z. T. schmalspurigen Lokomotiven der Werkbahnen der Hauptwerkstätten.

LMS-Division: Midland Division Western Division Central Division Northern Division LMS gesamt LMS-Nummern: 1–4026 5000–9645 10000–12994 14000–17997 Herkunftsbahn: MR SMJR NSR LNWRLNWR und LY&R hatten sich bereits am 1. Januar 1922 unter dem Namen ersterer zusammengeschlossen. Die Lokomotivparks beider Gesellschaften verblieben aber in separaten Unternehmenseinheiten, die LNWR Division „A“ (ex LNWR) und „B“ (ex L&YR) genannt wurden. Wirral L&YR KER Furness C&WJR M&CR CR G&SWR G&PJR HR Radsatzanordnungen und Stückzahlen der Schlepptenderlokomotiven2-2-2(+1)(+1) 4-2-2 43(+1) 43 (+1) 0-4-2 6 20 (+1) 55 81 (+1) 2-4-0 245 1 112 (+11) 1 1 3 3 3 369 (+11) 4-4-0 386 5 299 71 20 171 181 80 1213 4-4-2 40 40 0-6-0 1600 12 47 624 540 62 (+1) 19 386 (+3) 177 12 3479 (+4) 2-6-0 5 11 16 4-6-0 650 34 65 19 50 818 0-8-0 553 295 8 856 2-8-0 48 48 0-10-0 1 1 SummeSchlepptenderlok 2275 13 52 2286(+12) 0 981 0 83(+1) 0 28 655(+5) 446 0 145 6964(+18) Radsatzanordnungen und Stückzahlen der Tenderlokomotiven 0-4-0T 33 17 (+10) 58 1 2 39 (+1) 9 (+1) 2 161 (+12) 0-4-2T 21 (+8) 1 2 24 (+8) 0-4-4T 226 9 7 1 141 20 5 409 2-4-0T 12 15 1 28 2-4-2T 6 243 5 329 2 585 4-4-0T 78 12 8 98 4-4-2T 70 7 50 1 6 134 4-4-4T 2 2 0-6-0T 353 54 313 (+7) 239 (+5) 3 16 6 1 202 (+2) 18 6 1211 (+14) 0-6-2T 14 36 369 21 (+1) 23 28 491 (+1) 0-6-4T 40 16 2 8 66 2-6-0T 1 1 2-6-2T 18 18 2-6-4T 2Schmalspurlokomotiven der von der L&YR betriebenen Leek & Manifold Valley Light Railway für 2 ft 6 in (762 mm) Spurweite. 2 4-6-2T 47 12 59 4-6-4T 8 5 6 19 0-8-0T 6 6 0-8-2T 30 5 35 SummeTenderlok 744 0 142 1183 17 670 4 53 6 5 414(+3) 81(+1) 2 28 3352(+35) Sonstige 30-4-0-Rangierlokomotiven mit Benzinmotor. (+1)1-AA-1 Elektrolokomotive. 3 Gesamtsumme 3019Die Gesamtsumme der Midland beinhaltet 2 Lokomotiven der 1895 übernommenen Severn & Wye & Severn Bridge Railway, 82 Lokomotiven der 1912 übernommenen London, Tilbury & South End Railway (LT&SR), sowie 12 an die Midland gelieferte Lok nach LT&SR-Entwurf. 13 194 3469Die Gesamtsumme der LNWR beinhaltet 109 Lokomotiven der 1922 übernommenen North London Railway (12 davon waren bereits 1909 angekauft worden), und 30 aus den Beständen der Railway Operating Division (ROD) der britischen Royal Engineers erworbene 2-8-0. (+37) 17 1654(+7) 4 136Einschließlich zweier Lokomotiven der der Furness und der LNWR zu gleichen Teilen gehörenden Whitehaven, Cleator & Egremont Railway.(+1) 6 33 1069(+8) 527Einschließlich zweier Lokomotiven der 1895 übernommenen Solway Junction Railway.(+1) 2Die Glasgow & Paisley Joint Railway war eine joint railway – gemeinsames Eigentum – der Caledonian und der Glasgow & South Western. Offiziell wurden die beiden Lokomotiven eins zu eins der CR und der G&SWR zugerechnet. 173 10316(+54) Anmerkungen

In den folgenden Bildergalerien sind einige typische Lokomotivbauarten der wichtigsten LMS-Vorgängerbahnen zusammengestellt.

Midland Division

Western Division

Central Division

Northern Division

Nachlieferungen an die LMS

Der Bau von Lokomotivtypen der Vorgängerbahnen endete nicht sofort nach Gründung der LMS. Zwischen 1923 und 1930 wurden noch 151 Lokomotiven alter Bauart in Dienst gestellt; teils als Nachlieferung von vor dem Grouping bestellter Maschinen, teils aufgrund von Nachbestellungen der LMS selbst. Eine weitere neue Lokomotive entstand durch Umbau eines vorhandenen Einzelstücks.

LMS-Klasse Herkunft (Konstrukteur) Betriebsnummer(n) Whyte-Notation Bauart Anzahl Hersteller Baujahr(e) Ausm. bis Anmerkungen Bild Midland Division 3P LT&SR-Klasse 79 »Tilbury Tanks« (Thomas Whitelegg) 2110–2134, 2151–2160 4-4-2T 2’B1 n2t 35 LMS Derby (30) Nasmyth, Wilson & Co. (5) 1923–30 1960 16 Lok bereits 1898–1909 gebaut 120px 3F NSR-Klasse L (John Adams) 2270–2273 0-6-2T C1’ n2t 4 LMS Stoke 1923 1937 Nachlieferung zu 30 1903–1922 gebauten Lok 120px 3F 2367 0-6-0 C h4 (1) (1924) 1928 Western Division 3P LNWR »Prince of Wales«-Klasse(Charles Bowen-Cooke) 5845 4-6-0 2’C h2 1 Wm. Beardmore & Co. 1924 1949 Nachzügler zu 245 1911–23 gebauten Lok; auf der British Empire Exhibition ausgestellt 120px 5F LNWR-Klasse 380(H. P. M. Beames) 7930–7959 0-8-4T D2’ h2t 30 LMS Crewe 1923–24 1951 120px Central Division 5P L&YR-Klasse 8 »Dreadnoughts« (George Hughes) 10434–10474 4-6-0 2’C h4 41 LMS Horwich 1923–25 1951 14 Lok bereits 1921–22 in Dienst gestellt, weitere 15 1920–21 aus baugleichen Nassdampfloks umgebaut 120px 5P L&YR Hughes 4-6-4T »Dreadnought Tanks« (George Hughes) 11110–11119 4-6-4T 2’C2’ h4t 10 LMS Horwich 1924 1942 120px Northern Division 2P CR-Klasse 439 (John F. McIntosh) 15260–15269 0-4-4T B2’ n2t 10 Nasmyth, Wilson & Co. 1925 1962 Nachbauserie zu 78 1900–22 gelieferten Lok 6P CR-Klasse 60 (William Pickersgill) 14630–14649 4-6-0 2’C h2 20 LMS St. Rollox 1925–26 1953 6 Lok bereits 1916–17 gebaut 120px

Lokomotivbauarten der LMS

Dampflokomotiven

George Hughes (1923–1925)

LMS-Klasse Bezeichnung Betriebsnummer(n) Whyte-Notation Bauart Anzahl Hersteller Baujahr(e) Ausm. bis Anmerkungen Bild 5P5F »Crab« od. »Horwich Mogul« 13000–13244, ab ’34: 2700–2944 2-6-0 1’C h2 245 LMS Horwich (70) LMS Crewe (175) 1926–32 1967 Erst unter Fowler gebaut 120px

Henry Fowler (1925–1931)