Themista (, auch ) war eine antike griechische Philosophin. Sie lebte zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. in Lampsakos und gehörte der epikureischen Schule an.

Laut Clemens von Alexandria war sie Tochter des Zoilos von LampsakosClemens von Alexandria, Stromata 4,19,121. und mit Leonteus verheiratet.Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 10,25. 26; Clemens von Alexandria, Stromata 4,19,121. Das Paar hatte einen Sohn namens Epikuros.Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 10,26.

Themista und Leonteus hatten regen Kontakt zu Epikur, der gegen Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. in Lampsakos weilte. Diogenes Laertios überliefert, dass Epikur mehrere Briefe an Leonteus und Themista geschrieben hat.Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 10,25. Das älteste Zeugnis für diesen Briefverkehr findet sich auf einem Papyrus aus Herkulaneum, der das Werk Pragmateiai des im 1. Jahrhundert v. Chr. lebenden Philodemos von Gadara in Fragmenten enthält.Luigi Spina: Il trattato di Filodemo su Epicuro e altri (PHerc. 1418). In: Cronache Ercolanesi. Band 7, 1977, S. 43–83; Cesira Militello: Filodemo, Memorie Epicuree (PHerc. 1418 e 310). Bibliopolis, Neapel 1997. Hier wird ein Brief an Themista erwähnt,PHerc. 1418, col. X 8–10. der während des Archontats des Philippos, das heißt im Jahr 292/291 v. Chr., geschrieben worden ist.Siehe auch Diskin Clay: Epicurus in the Archives of Athens. In: Studies in Attic Epigraphy, History and Topography. Presented to Eugene Vanderpool (= Hesperia Supplements. Band 18). American School of Classical Studies at Athens, Princeton 1982, S. 17–26, hier S. 25; Tiziano Dorandi: Gli arconti nei papiri ercolanesi. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 84, 1990, S. 121–138, hier S. 124. Diogenes Laertios zitiert aus einem der Briefe, in dem Epikur ankündigt, sie sofort zu besuchen, sollten sie einen Ort für dieses Treffen nennen.Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 10,5. Für ein weiteres Briefzitat, dessen Inhalt bis heute rätselhaft bleibt,Pamela Gordon: Epistolary Epicureans. In: Owen Hodkinson, Patricia Rosenmeyer, Evelien Bracke (Hrsg.): Epistolary Narratives in Ancient Greek Literature (= Mnemosyne, Supplements. Band 359). Brill, Leiden/Boston 2013, S. 133–151, hier S. 139 mit Anm. 23. beruft er sich auf die Schrift Gegen Epikur eines nicht näher zu bestimmenden Theodoros.Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 10,5; zu diesem Theodoros siehe In seiner Liste der wichtigsten Schriften Epikurs nennt Diogenes Laertios auch ein Werk mit dem Titel Neokles – gemeint ist wohl der gleichnamige Bruder Epikurs –,So das Themista gewidmet war.Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 10,28: .

Von Schriften Themistas selbst ist nichts bekannt,Laut Tiziano Dorandi mit Verweis auf Cicero, In L. Calpurnium Pisonem 26,63, soll sie zahlreiche Schriften (tanta volumina) verfasst haben; siehe Dem folgt Maria Nühlen: Philosophinnen der griechischen Antike. Eine Spurensuche. Springer, Wiesbaden 2021, S. 312–313. Weder gibt die entsprechende Stelle bei Cicero eine solche Aussage her, noch lässt eine andere Quelle darauf schließen; vielmehr scheint hier eine Verwechslung mit Cicero, De finibus bonorum et malorum 2,21,67–68 vorzuliegen. doch stellt Cicero ihre Weisheit rühmend heraus – oder setzt ihre Kenntnis als bekannten Topos voraus –, wenn er in seiner Invektive In L. Calpurnium Pisonem dem geschmähten Piso entgegenhält: „und wärest Du weiser als Themista“ (sis licet Themista sapientior).Cicero, In L. Calpurnium Pisonem 26,63. Doch könnte Ciceros Vergleich auch ironisch gemeint gewesen sein,So Jörg-Dieter Gauger: Antike „Philosophinnen“ – Ein historisch-kritischer Bericht. In: Philosophisches Jahrbuch. Band 105, 1998, S. 422–445, hier S. 439 Anm. 103 (Digitalisat); auf Ciceros ambivalente Haltung weist auch Maria Nühlen: Philosophinnen der griechischen Antike. Eine Spurensuche. Springer, Wiesbaden 2021, S. 312, hin. zumal er an anderer Stelle den Epikureern vorwirft, sie würden sich nie zu wichtigen Männern wie Lykurg, Solon, Miltiades etc. äußern, dafür aber ganze Bände über Themista füllen.Cicero, De finibus bonorum et malorum 2,21,67–68: nonne melius est de his aliquid quam tantis voluminibus de Themista loqui?

Literatur

Tiziano Dorandi: Thémista de Lampsaque. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 6. CNRS Éditions, Paris 2016, S. 848–849 Maria Nühlen: Philosophinnen der griechischen Antike. Eine Spurensuche. Springer, Wiesbaden 2021, S. 311–313.

Anmerkungen

Kategorie:Grieche (Antike) Kategorie:Philosoph (Antike) Kategorie:Geboren im 4. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 3. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Frau