mini|Königsbrück in Sachsen, Landstadt mit rund 4400 Einwohnern (2015)

Als Landstadt wird in der Statistik eine Stadt mit weniger als 5000 Einwohnern bezeichnet. Der Begriff Landstadt wurde von der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 definiert. Die nächstgrößeren Kategorien sind Kleinstadt mit 5000 bis unter 20.000 Einwohnern, Mittelstadt mit 20.000 bis unter 100.000 Einwohnern, Großstadt mit mindestens 100.000 und Metropole ab einer Million Einwohnern.

Der Begriff kann aber auch andere Bedeutungen haben: eine chinesische administrative Einheit, siehe Großgemeinde (China) in der Stadtgeographie und der SiedlungsgeographieHeinz Heineberg: Stadtgeographie. 3. Auflage, Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 978-3-8252-2166-9, S. 28 f.Jürgen Bähr, Christoph Jentsch, Wolfgang Kuls: Bevölkerungsgeographie. (= Lehrbuch der Allgemeinen Geographie. Band 9). De Gruyter, Berlin/New York 1992, ISBN 978-3-11-008862-5, S. 708. wird er manchmal noch synonym für Landgemeinden gebraucht Zuweilen werden auch solche Städte als Landstadt (häufig unrichtig Ackerbürgerstadt) bezeichnet, deren Bevölkerung noch mehr oder weniger Landwirtschaft betreibt, bei der aber bereits (regional beschränkter) Handel und Gewerbe angesiedelt ist.Gabriele Schwarz: Allgemeine Siedlungsgeographie. Teil 2: Die Städte. (= Lehrbuch der Allgemeinen Geographie. Band 6/2). 2. Auflage. De Gruyter, Berlin/New York 1988, ISBN 978-3-11-011019-7, S. 597. In Mecklenburg waren bis 1918 Landstädte jene Städte, die das Recht auf Vertretung im ständischen Landtag Mecklenburgs hatten.

Mecklenburg Im alten Mecklenburg bis 1918 bezeichnete man – unabhängig von der Einwohnerzahl – alle Städte als Landstadt, die das Recht auf Vertretung im ständischen Landtag Mecklenburgs hatten, also landtagsfähig waren. Die Vertreter der Städte bildeten die Landschaft. Ihre Entstehung geht auf den Beginn des 14. Jahrhunderts zurück, als die Ritterschaft, die Gesamtheit der Vasallen in Mecklenburg, die sich seit dem 13. Jahrhundert unregelmäßig versammelte, Vertreter der Städte hinzuzog.Vgl. „3. Mecklenburgische Landstände einschließlich ritterschaftliche Grundherrschaften und Landstädte“, auf: Landeshauptarchiv Schwerin: Onlinefindbücher, abgerufen am 1. Februar 2017. Da die effektive Erhebung von Steuern, deren Aufkommen vor allem von Handelsumsätzen städtischer Kaufleute und von Löhnen freier Städter herrührte, der Kooperation der städtischen Finanzbehörden bedurfte, stand die Einführung oder Veränderung jeder einzelnen Steuer unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den mecklenburgischen Landtag. Die dorthin entsandten Vertreter repräsentierten Landschaft, Ritterschaft und seit Beginn des 15. Jahrhunderts auch Prälaten, die alle drei die Landstände bildeten. „Ihre weitere Formierung erfolgte im ständigen Machtkampf mit der Landesherrschaft.“ Seit der Einigung Mecklenburgs unter Heinrich IV. 1471 versammelten sich die Stände der drei Teilherrschaften Mecklenburg (Mecklenburgischer Kreis), Wenden (Wendischer Kreis) und Stargard (Stargardscher Kreis) zunehmend zu gemeinsamen Landtagen, bevor sie 1523 eine Union bildeten, um der unmittelbar bevorstehenden erneuten dynastischen Zergliederung des Landes durch Albrecht VII. entgegenzuwirken. Mit Erfolg, denn die vereinten Landstände, auch Landesunion genannt, waren das Band, das die mecklenburgischen Teilherrschaften zusammenhielt. Seit Ausscheiden der PrälatenPrälaten waren Vertreter der Klöster und Kollegiatstifte im Lande, die im Zuge der Reformation ihre Bedeutung einbüßten, 1549 zuletzt hinzugezogen und 1552 nicht mehr als landtagsfähig anerkannt wurden. Drei Klöster (die fortan so genannten Landesklöster Dobbertin, Malchow und Ribnitz) gingen 1572 als lutherische Fräuleinstifte in die Regie der Ritter- und Landschaft über. Vgl. „Mecklenburg“, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon: 20 Bde., Leipzig und Wien: Bibliographisches Institut, 1902–1908, Band 13 'Lyrik – Mitterwurzer' (1906), pp. 499–508, hier S. 501. bildete die Ritter- und Landschaft die Landstände Mecklenburgs. Die Herzöge in Schwerin erkannten ab 1763 die Landjudenschaft Mecklenburg-Schwerins als Standesvertretung ohne legislative Befugnisse, aber mit Binnenautonomie an, während die Ritter- und Landschaft schon ihre Existenz ablehnte.

Die ebenfalls und mit besonderen Rechten im Landtag vertretene alte Hansestadt Rostock und die erst 1803 wieder in den mecklenburgischen Staatsverband eingegliederte, jedoch erst ab 1. Juli 1897 wieder in die Landschaft aufgenommene alte Hansestadt WismarVgl. „Mecklenburg“, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon: 20 Bde., Leipzig und Wien: Bibliographisches Institut, 1902–1908, Band 13 'Lyrik – Mitterwurzer' (1906), pp. 499–508, hier S. 503. wurden als Seestädte bezeichnet. Die im 18. Jahrhundert entstandenen Residenzen Neustrelitz und Ludwigslust (bis 1880Otto Büsing, „Das Staatsrecht der Großherzogthümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz“, in: Das Staatsrecht von Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Braunschweig, Anhalt, Waldeck, Schaumburg-Lippe, Lippe, Heinrich Marquardsen (Hrsg.), Freiburg i. B. und Tübingen: Mohr, 1884, (=Handbuch des oeffentlichen Rechts der Gegenwart in Monographien; Bd. 3 'Das Staatsrecht des Deutschen Reiches und der deutschen Staaten', II. Teil: Halbbd. 2, Abtheilung 1), pp. 3–72, hier S. 23.) zählten gar bzw. lange nicht zu den Landstädten und waren entsprechend nicht im Landtag vertreten. Ludwigslusts Antrag auf Aufnahme in die Landschaft gab diese lange nicht statt. Die Landtage tagten seit 1621 im jährlichen Wechsel in Malchin und in Sternberg in Mecklenburg.

Gliederung Die Landstädte gliederten sich in drei Gruppen, diejenigen des Mecklenburgischen, des Stargardschen und des Wendischen Kreises, jeweils angeführt von einer als „Vorderstadt“ titulierten Landstadt. Im Jahre 1906 gab es 49 landtagsfähige Städte, 47 Landstädte und die zwei Seestädte:

A. Mecklenburgischer Kreis Parchim als VorderstadtGrosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1850, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1849, S. 268. Brüel (1340 durch Reimar von Plessen gegründet, seitdem zum ritterschaftlichen Gute daselbst gehörig und mit diesem ab 1753 erbprinzlich, bis 1751 amtssässig)Grosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1850, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1849, S. 266. Bützow (vor 1302 durch den Fürstbischof von Schwerin gestiftet, dann fürstbischöfliche Residenz, 1648 an Mecklenburg; Landstandschaft 1842 beantragt und 1851 genehmigt)Grosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1852, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1851, S. 282. Crivitz (Stadtrecht vor 1312) Doberan (Stadtrecht 1879; Landstandschaft 1881) Dömitz Gadebusch (vor 1225 gestiftet durch Heinrich Borwin I. zu Mecklenburg)Grosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1850, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1849, S. 267. Grabow in Mecklenburg (vor 1255 gestiftet vom Grafen von Dannenberg) Grevesmühlen (vor 1226 gestiftet) Hagenow (vor 1200 gestiftet, bis 18. April 1754 amtssässig, seitdem kanzleisässig) Kröpelin (vor 1250 gestiftet und seit 1223 zu Mecklenburg) Lübz (vor 1370 gestiftet, bis 18. August 1760 amtssässig, seitdem kanzleisässig)Johann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 62. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. Ludwigslust (Stadtrecht 1876; Landstandschaft 1880) Malchow in Mecklenburg (1235 gestiftet durch Nikolaus III. von Werle, 1316–1376 zur Linie Parchim, ab 1436 zu Mecklenburg, ab 1621 zu Mecklenburg-Schwerin)Johann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 97. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. Neubukow (gestiftet vor 1306, bis 1775 amtssässig)Johann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 191. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. Neustadt (vor 1291 gestiftet durch den Grafen zu Schwerin)Johann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 224. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. Rehna (bis 30. Mai 1791 amtsässig, seitdem kanzleisässig)Grosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1850, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1849, S. 269. Schwerin in Mecklenburg (Altstadt und 1705 gegründete Neustadt 1832 vereinigt; Landstandschaft der Neustadt 1851 genehmigt) Sternberg in Mecklenburg (vor 1226 gestiftet; ab 1621 Tagungsort des allgemeinen Landtags im Wechsel mit Malchin)Johann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 614. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. Waren an der Müritz (vor 1283 gestiftet, 1347–1425 Residenz der jüngeren Linie Werle, ab 1436 zu Mecklenburg, ab 1621 zu Mecklenburg-Schwerin)Johann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 741. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. Warin (vor 1569 gestiftet durch den Fürstbischof zu Schwerin; bis 1781 amts-, seitdem kanzleisässig; Landstandschaft 1851 genehmigt) Wittenburg in Mecklenburg (vor 1294 gestiftet durch den Grafen zu Schwerin)Johann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 807. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6.

B. Stargardscher Kreis (ab 1701 Hauptteil von Mecklenburg-Strelitz) Vorderstadt Neubrandenburg Friedland in Mecklenburg Fürstenberg an der Havel Stargard in MecklenburgJohann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 592. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. StrelitzJohann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 626. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. Wesenberg in MecklenburgJohann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 772. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6. WoldegkJohann Friedrich Kratzsch, Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten: 2 Abt., Naumburg an der Saale: Zimmermann, 1843 und 1845, Zweite Abtheilung (1845): Bd. 2, S. 814. Als Nachdruck: ISBN 3-487-29949-6.

C. Wendischer Kreis Vorderstadt Güstrow (1220 Stadtrecht durch Heinrich Borwin II.)Grosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1850, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1849, S. 272. Boizenburg an der Elbe (vor 1250 Stadtrecht durch Gunzelin III. von Schwerin; 1353 zu Mecklenburg, ab 1621 zum Herzogtum Güstrow, späterer Wendischer Kreis)Grosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1850, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1849, S. 271.