Hamada Yahyōe (浜田 弥兵衛; fl. in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts) war ein japanischer Kapitän und Handelsagent im Dienst des Nagasakier Großkaufmanns Suetsugu Heizō Masanao (gest. 1630). Bedeutung erlangte er als Hauptakteur eines Zwischenfalls auf Taiwan im Jahr 1628, der eine schwere diplomatische Krise zwischen dem Tokugawa-Shōgunat und der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) auslöste. Der Konflikt konnte erst durch die Auslieferung von Gouverneur Pieter Nuyts (1598–1655) an Japan im September 1632 beigelegt werden. Seine Ursachen lagen in konkurrierenden Ansprüchen auf den Handel mit Formosa sowie in gegensätzlichen Auffassungen über den politischen Status der Insel.

Biographie Hamada trat erstmals als enger Mitarbeiter Suetsugu Heizōs hervor, eines der bedeutendsten japanischen Händler im Überseehandel zwischen Nagasaki, China und Formosa. Nach dem Tod des Kaufmanns Li Dan 1625 wurde Suetsugu zu den wichtigsten Akteuren des japanischen Handels mit Formosa; Hamada führte dessen Handelsfahrten durch. Während japanische Kaufleute Taoyuan seit Jahren als weitgehend unregulierten Umschlagplatz für chinesische Seide und formosanische Hirschhäute nutzten, beanspruchte die VOC nach dem Bau von Fort Zeelandia das Recht, den Handel zu kontrollieren und Abgaben zu erheben. 1625 kam es erstmals zu Auseinandersetzungen, als die VOC eine Ausfuhrabgabe verlangte und nach der Weigerung der Japaner Wahren beschlagnahmte. Die japanischen Händler protestierten und beriefen sich darauf, dass ihre Handelsbeziehungen älter seien als die niederländische Präsenz.mini|250x250px|Fort Zeelandia um 1635; Tinte und Aquarell auf Papier; Nationalarchiv Den Haag, VELH 619-1181626 wurde Hamada zur Hauptfigur des Konflikts: Er erreichte Taoyuan mit großen Silbermengen, doch Gouverneur Gerritt de Witt untersagte den Ankauf von Rohseide und erschwerte die Weiterfahrt nach Fujian. Hamada widersetzte sich den Auflagen und bestritt der VOC das Recht, seine Geschäfte zu reglementieren. Die Auseinandersetzung entwickelte sich zu einem Grundsatzstreit über die Frage, ob die VOC berechtigt sei, auf Formosa hoheitliche Rechte auszuüben. Während die Niederländer ihre Ansprüche aus einer angeblichen Übertragung der Herrschaftsrechte durch chinesische Behörden und indigene Gemeinden ableiteten, erkannten japanische Kaufleute und das bakufu diese Argumentation nicht an. Aus Sicht der Japaner war Tayouan ein Gebiet ohne Herrscher, auf das die Niederländer keinen ausschließlichen Anspruch erheben konnten.

1627 spielte Hamada eine Schlüsselrolle bei einem diplomatischen Vorstoß Suetsugu Heizōs: In dessen Auftrag brachte er sechzehn Bewohner des unter niederländischer Herrschaft stehenden 400-Einwohner-Dorfes Sinkan nahe Fort Zeelandia sowie zwei chinesische Dolmetscher nach Nagasaki. Dort wurden die Formosaner in chinesische Gewänder gekleidet, mit Geschenken ausgestattet und nach Edo weitergeleitet. Suetsugu wollte sie offenbar als offizielle Gesandtschaft Formosas ausgeben, um das Interesse des Tokugawa-Shōgunats an der Insel zu wecken. Das bakufu empfing die Delegation zwar mit den üblichen Ehren, verweigerte ihr aber den offiziellen diplomatischen Status – Suetsugus kostspieliger Versuch, den niederländischen Herrschaftsanspruch zugunsten eigener Handelsinteressen zu unterlaufen, war damit gescheitert. Die VOC beurteilte die Lage jedoch anders: Sie sah in der Gesandtschaft eine ernste Bedrohung ihrer Oberhoheit über Formosa und überschätzte damit die politischen Ambitionen Japans erheblich – ein Fehlurteil, das die Situation bald dramatisch verschärfen sollte.

1628 eskalierte der Konflikt endgültig. Als Hamada mit mehreren schwer bewaffneten Dschunken, 470 Japanern und der zurückkehrenden Gesandtschaft aus Sinkan wieder in Formosa eintraf, ließ der neue Gouverneur Pieter Nuyts die Schiffe durchsuchen. Ruder und Waffen wurden beschlagnahmt, die heimkehrenden Formosaner ergriffen und festgesetzt – kurz zuvor war in Fort Zeelandia eine alarmierende Nachricht aus Hirado eingetroffen, die Japaner planten, die Insel mit einem Expeditionskorps zu erobern. Als Hamada gegen dieses Vorgehen protestierte, wurde er selbst verhaftet und gemeinsam mit mehreren Begleitern inhaftiert – man ließ ihnen weder Wasser noch Nahrung. Einige Zeit später wurde er wieder freigelassen. Kaum entlassen, überwältigten Hamada und seine Gefährten Nuyts am 29. Juni in dessen eigener Residenz und nahmen ihn samt Sohn als Geisel. Hamada forderte Entschädigung – für die früheren Beschlagnahmungen ebenso wie für die Handelsverluste, die durch die niederländischen Restriktionen der Jahre 1625 und 1626 entstanden waren. Nach Hamadas Rückkehr nach Japan erfuhr das Shōgunat von den Vorfällen. Da Hamada mit einer offiziellen Shuinjō-Lizenz des Shōguns gereist war, wertete Edo sowohl seine Behandlung als auch die Beschlagnahmung der vom bakufu verliehenen Geschenke an die Gesandtschaft aus Sinkan als unmittelbaren Angriff auf die Autorität des Shōguns. Das bakufu reagierte entschlossen: Es ließ die vor Japan ankernden niederländischen Schiffe samt Besatzungen festsetzen, brach die Beziehungen zur VOC ab und verlangte den Abriss von Fort Zeelandia. Erst die bedingungslose Auslieferung Nuyts’ nach Japan 1632 vermochte die Krise schließlich beizulegen.

Später zeichneten sich Hamada Yahyōe und sein Sohn Hamada Shinzō bei der Niederschlagung des Shimabara-Aufstands (1637–1638) aus; Shinzō trat im Anschluss in die Dienste der Familie Hosokawa.

Literatur

Kōda Shigetomo: Taiwan ni okeru Nichiran shōtotsu: Suetsugu Heizō to Pieter Nuyts. In: Kōda Shigetomo chosaku shu, Bd. 4, Tokio 1971–74, S. 106–17. Minako Debergh: Hamada Yahyōe. In: Iwao Seiichi (Hrsg.): Dictionnaire Historique du Japon, Bd. 7, Tokio 1981, S. 36f. Adam Clulow: A Fake Embassy. The Lord of Taiwan and Tokugawa Japan. In: ders. (Hrsg.): Statecraft and Spectacle in East Asia. Studies in Taiwan-Japan Relations, Abingdon/New York 2011, S. 22–40. Adam Clulow: The Company and the Shogun. The Dutch Encounter with Tokugawa Japan, New York 2014, S. 210–28. Weblinks

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