Manon Lescaut ist der deutsche Titel eines Romans des französischen Autors Antoine-François Prévost (1697–1763). Der Roman wurde unter dem Originaltitel Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut erstmals im Jahr 1731 in Amsterdam veröffentlicht.Winfried Engler: Lexikon der französischen Literatur. Alfred Kröner, Stuttgart 1974, Lemma Histoire du chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut, S. 459 f.
Werkgeschichte mini|Titelseite: Mémoires et Aventures d’un Homme de Qualité. Tome Septième (siebenter Band), Amsterdam 1731. Zum umfangreichen Gesamtwerk des Autors Prévost gehören die Mémoires et Aventures d'un homme de qualité, qui s'est retiré du monde (dt.: Erinnerungen und Abenteuer eines Edelmanns, der sich von der Welt zurückgezogen hat), die er ab 1728 in Holland herausgab.Brockhaus: Konversationslexikon. Vierzehnte vollständig neubearbeitete Auflage. Brockhaus, Leipzig 1895, Bd. 13, Lemma Prévost d’Exiles, S. 433. Der Roman Manon Lescaut ist der siebente Band dieser Memoiren, deren fiktiver Verfasser der Marquis de Renoncour sein soll.Jürgen von Stackelberg: Von Rabelais bis Voltaire. Zur Geschichte des französischen Romans. C. H. Beck, München 1970, ISBN 3-406-02685-0, S. 321. In Rouen erschien 1733 eine Einzelausgabe, die jedoch beschlagnahmt wurde.
Aus Prévosts Gesamtwerk hat lediglich der Roman Manon Lescaut den Rang eines Meisterwerks der Weltliteratur erreichen können. Dieser internationale Rang ist ein Phänomen, das in der Literaturwissenschaft fortwährend und intensiv diskutiert wird.Erich Haase: Zur Einführung. In: Manon Lescaut. (= Sammlung Dietrich, Band 121). Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1950, S. V und XVIII–XXI.
Inhalt Erster Teil
Den Roman hat Prévost als eine Rahmenerzählung aufgebaut: Zu Beginn berichtet ein Marquis de Renoncour in der Ich-Form im Zusammenhang mit seiner Rückreise aus Rouen von einem Erlebnis in der Gemeinde Pacy-sur-Eure. Dort kommt er mit einem Mann ins Gespräch, der einen Konvoi von zwölf verhafteten Dirnen begleitet, zu denen auch seine Geliebte gehört. Zwei Jahre nach dem Gespräch trifft der Marquis in Calais denselben Mann wieder und erfährt von ihm dessen mit Manon Lescaut gemeinsam erlebtes Schicksal.Jürgen von Stackelberg: Von Rabelais bis Voltaire. Zur Geschichte des französischen Romans. C. H. Beck, München 1970, S. 321 f. Dem Leser versichert der Marquis, er habe den Bericht bis ins kleinste Detail getreu und ohne Hinzufügungen niedergeschrieben. Für die Geschichte des Protagonisten Des Grieux wählt der Autor Prévost ebenfalls die Ich-Form.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 17 f.
Im Alter von siebzehn Jahren hat Des Grieux in Amiens seine philosophischen Studien vollendet. Weil er – auf Wunsch seiner Eltern – dem Malteserorden angehört, wird er bereits Ritter (frz. chevalier) genannt.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 17 f. Am Abend vor der Abreise zu den Eltern sieht Des Grieux in einem Gasthof die etwas jüngere Manon Lescaut, in die er sich augenblicklich verliebt. Er hört von ihr, dass sie gegen ihren Willen in ein Kloster kommen soll.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 19–21. Sogleich organisiert das Liebespaar die heimliche Flucht nach Paris, von der auch der Freund Tiberge nichts wissen darf. Schon am folgenden Tag trifft das Paar in Paris ein, wo es eine möblierte Wohnung mietet, die neben dem Haus des Steuerpächters B. liegt, und diese Nachbarschaft wird sich schon bald als schicksalhaft erweisen.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 28–32.
Nach etwa sechs Wochen des Pariser Aufenthalts bringen plötzlich drei Lakaien auf Geheiß des Vaters den Sohn von Paris in den Heimatort zurück. Hier lebt er ein halbes Jahr lang im Haus der Eltern in einem bewachten Arrest. Nur sein Freund Tiberge darf den Arrestanten besuchen und mit ihm intensive Gespräche führen.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 41 u. 55 ff. Gemeinsam gehen die Freunde in das Pariser Priesterseminar St. Sulpice – und Des Grieux nennt sich nicht mehr Chevalier, sondern Abbé.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 61. Nach Ablauf von zwei Jahren seiner theologischen Studien kommt es bei einer öffentlichen Disputation in der Sorbonne zum Wiedersehen mit der jetzt achtzehnjährigen Manon. Und nach der Flucht aus dem Priesterseminar beginnt das Paar im Dorf Chaillot eine weitere Fortsetzung der Schicksalsgemeinschaft.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 64 f., 70 u. 72.
Bei der königlichen Leibwache hat Manon einen Bruder, der sich allmählich dem Paar anschließt und der sogar für Des Grieux in einer schwierigen finanziellen Lebenslage als ein Berater fungiert: Der Bruder veranlasst Des Grieux, mit dem Glücksspiel zu beginnen, in dem er bald hohe Gewinne erzielen kann. Doch der Diener und die Zofe stehlen das gewonnene Geld und verschwinden mit ihrer Diebesbeute.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 75, 85 und 100 f. In dieser Notsituation vermittelt der Bruder Lescaut seiner Schwester Manon einen Kontakt zu einem reichen Lebemann, den Herrn von G. M. Er will mit stattlichen Geldzuwendungen, einem Haus zum Wohnen und kostbarem Schmuck seine tiefe Zuneigung bezeugen.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 109 u. 117. Doch nach einer betrügerischen Handlung lässt der Lebemann das Paar von der Polizei verhaften: Manon Lescaut wird in die Besserungsanstalt MagdalenenheimAndré Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 131. eingewiesen und Des Grieux kommt zwangsweise in ein Ordenshaus der Mission Saint Lazare im gleichnamigen Pariser Stadtteil.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 121 f.
Nach einem Vierteljahr gelingt es Des Grieux schließlich, seine nächtliche Flucht aus dem Ordenshaus durchführen zu können. Danach beginnt er sogleich, mit sehr viel Geschick auch die Befreiung seiner Geliebten zu organisieren und zu realisieren. Dann nimmt das Liebespaar ein Quartier in einem Wirtshaus in Chaillot.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 152–155 u. 162–168 u. 173.
Am nächsten Tag schafft es Des Grieux, sich nochmals von seinem Freund Tiberge einen Geldbetrag geben zu lassen. Danach folgt ein Einschub des Marquis de Renoncour, indem er den Erzähler zum Abendessen einlädt. Mit dieser Zeitangabe endet der erste Teil des Romans.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 184.
Zweiter Teil
Des Grieux hat den Herrn von T. als Gast zu einer Abendmahlzeit eingeladen, denn er hat bei der Befreiung von Manon Lescaut mitgewirkt. Voller Glück sagt der Geliebte, im Grunde sei die Liebe eine gnädige Lehrmeisterin und das grausame Schicksal schmelze durch die Liebe in ein Nichts. In das scheinbare Glück hinein knüpft Manon im Bois de Boulogne zu einem Verehrer heimliche Kontakte, die jedoch erfolglos enden.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 187, 190 u. 202. Erfolgreicher wird sich das Bemühen des G. M., ein Sohn des Herrn von G. M., entwickeln. Der neue Verehrer macht Manon das Angebot, für sie eine Equipage zu halten und ihr eine möblierte Villa mit Personal zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich erhält Manon einen jährlichen Geldbetrag von zwanzigtausend Franken.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 214. Nach der Annahme des Angebotes plant Des Grieux allerdings eine Entführung seiner Geliebten aus der von ihr bewohnten Villa, in der es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Protagonisten kommt. Nach ihrer Versöhnung lassen sie G. M. von einem Gardisten festsetzen, um die Villa für eine gemeinsame Nacht zu nutzen, doch stattdessen wird das Paar von zwei Polizisten in das Pariser Gefängnis Châtelet gebracht.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 233–245 u. 258. In dieser Notsituation wendet sich Des Grieux an seinen Vater, der beim Polizeipräsidenten die Befreiung des inhaftierten Sohnes bewirken kann. Doch für Manon gibt es die Verfügung, dass sie als ein gefallenes Mädchen nach Amerika an den Mississippi deportiert werden soll. Wegen dieser furchtbaren Nachricht bricht bei einem Treffen im Jardin du Luxembourg zwischen Vater und Sohn ein dramatischer Konflikt aus, der schließlich mit folgendem väterlichen Satz endet: Geh! Renn in dein Verderben! Ich will dich nie mehr sehen, undankbarer, pflichtvergeßner Sohn!André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 272 u. 285.
Auf zwei Pferdekarren werden die weiblichen Häftlinge – unter ihnen Manon Lescaut – im Schutz von sechs Gendarmen von Paris in die normannische Hafenstadt L'Havre de Grace gebracht. Durch ein Bestechungsgeld an einen Gendarmen gelingt Des Grieux ein leidvolles Gespräch mit seiner geliebten Manon –, sie sitzt angekettet auf einer Karre.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 272, 289 u. 296 ff. Durch weitere Zahlungen an die Gendarmen darf Des Grieux den Trupp begleiten. Und in der Gemeinde Pacy-sur-Eure kommt es dann zu der Begegnung mit Marquis de Renoncour, dem ersten Erzähler des Romans.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 301.
Die Schiffsreise zur französischen Kolonie Louisiana beginnt in Le Havre, und sie endet nach zwei Monaten in La Nouvelle-Orléans.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 305. Nach der Ankunft nimmt der Gouverneur das Paar freundlich auf und stellt ihm eine schlichte Unterkunft zur Verfügung. Gemeinsam schaffen es Des Grieux und Manon Lescaut, in der Stadt eine angenehme Anerkennung zu finden. Jedoch dann plant der Gouverneur für Manon eine Zwangsheirat mit seinem Neffen.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 320.
Wegen dieser Bedrohung flieht das Paar aus der Stadt in eine unbewohnte Wildnis. Dort stirbt Manon in einem Zustand totaler Erschöpfung – und wird am Ort ihres Todes von Des Grieux begraben. Allein kehrt er nach Frankreich zurück.André Prévost: Manon Lescaut. Manesse, Zürich 1954, S. 330 u. 337.
Bibliografie
Französische Ausgaben Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut. Erstausgabe. Amsterdam 1731. Mémoires et aventures d’un homme de qualité, suivis de Manon Lescaut. Amsterdam 1783.Google Books. Abgerufen am 30. September 2023. Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut. Fassung von 1753 mit Varianten der Fassung von 1731. Einführung und Anmerkungen von Maurice Allem. Éditions Garnier Fréres, Paris 1927.
Deutsche Übersetzungen Geschichte der Manon Lescaut und des Ritters Des Grieux. Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Vorwort versehen von Friedrich Gotthilf Freytag. Lankische Buchhandlung, Leipzig 1756 u. 1763².Hugo Friedrich: Abbé Prevost in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der Empfindsamkeit. (= Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Heft 12). Carl Winter, Heidelberg 1929, S. 157–158. Manon Lescaut. Aus dem Französischen übersetzt von J. S. L. Hagemeister. Friedrich Maurer, Berlin 1792. Manon Lescaut. Aus dem Französischen übersetzt und mit einer Einführung versehen von Friedrich Heinrich Feuerbach. Theodor Bläsing, Erlangen 1834, , Geschichte der Manon Lescaut und des Chevalier Des Grieux. Aus dem Französischen übersetzt von Eduard von Bülow. Brockhaus, Leipzig 1842. Geschichte der Manon Lescaut und des Chevalier des Grieux. Neu übersetzt von Wilhelm Cremer. Verlag Neufeld & Henius, Berlin 1926. Online bei zeno.org Manon Lescaut. (= Sammlung Dietrich, Band 121). Übersetzt von Elisabeth von Hase und Walter Hoyer. Mit einer Einführung von Erich Haase. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1950. Manon Lescaut. Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Josef Hofmiller. Mit Illustrationen nach Tony Johannot. Manesse Verlag Gonzett & Huber, Zürich 1954.