Hugh Whistler (* 28. September 1889 in Mablethorpe; † 7. Juli 1943 in Battle) war ein britischer Ornithologe und Polizist in Indien.
Leben und Wirken Hugh Whistler war der älteste Sohn von Major Fuller Whistler (1859–1922) und Gwenllian Annie geb. Robinson (1869–). Sein jüngerer Bruder war Ralfe Allen Fuller Whistler (1895–1917). Am 2. Oktober 1925 heiratete er in Bombay Margaret Joan Ashton (1893–1981), mit der er die Kinder Benedicta Whistler (1927–2000) und Ralfe Ashton Whistler (1930–2023) hatte. Whistler besuchte die Aldenham School, bevor er 1909 zum Indian Police Service ging. Hier begann er im Dezember in Phillaur in Punjab. Bis zu seiner Pension sammelte er ein enormes Wissen über die Avifauna der Ebenen des Punjab und des angrenzenden Himalayas.Norman Boyd Kinnear (1943), S. 524
In den Gebieten, in denen er diente, sammelte Whistler viele Vogelbälge und protokollierte sorgfältig seine Beobachtungen. In zahlreichen Reihen publizierte er diese in wissenschaftlichen Zeitschriften wie dem Journal of the Bombay Natural History Society, The Ibis, Bird Notes und Bulletin of the British Ornithologists' Club. Trotz seines großen Interesses an der Ornithologie stand seine Arbeit als Polizist immer an oberster Stelle. Es war aber dieses Hobby, welches die Behörden gerne für sich nutzen. Es motivierte ihn in wenig populäre Gebiete geschickt zu werden und mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu treten. So war beispielsweise das Distrikt Jhang nicht sehr beliebt bei den Polizisten, doch Whistler fragte, ob er eine zweite Tour dorthin machen dürfte, da er die Gegend als einen ausgezeichneten Ort zur Vogelbeobachtung betrachtete. Kurz nach seiner Ankunft in Indien erreichte ihn ein Brief von Claud Buchanan Ticehurst (1881–1941), mit dem er seit dieser Zeit regelmäßig korrespondierte und der sich zu seinem Freund entwickelte. Als er auf Heimaturlaub war, besuchte er Ticehurst in seinem Grove House in Lowestoft und bekam erste Lektionen in ornithologischer Taxonomie. Als er während des Ersten Weltkriegs im Juni 1917 von einem Genesungsurlaub nach Indien zurückkehren wollte, streifte sein Schiff vor Bombay eine Seemine, doch er hatte Glück und erreichte den Hafen sicher. Zu diesem Zeitpunkt diente Ticehurst beim Royal Army Medical Corps in Karatschi. Beide verbrachten Weihnachten im Lager und gingen anschließend bei Shimla auf Entdeckungsreise. Im Mai 1918 wurde er in den indischen Offiziersstab aufgenommen, für den er ein Jahr diente. Sein nächstes Distrikt wurde Kangra. Es war eine seiner besten Zeiten, denn die Arbeit war leicht und er verbrachte die meiste Zeit damit Polizeinierderlassungen in abgelegenen Gegenden wie Lahaul und Spiti zu besuchen. Die Vogelwelt des Himalayas unterschied sich signifikant von dem der heißen Ebenen Punjabs und so besuchte er mehr als einmal die Berge, wo er vielen neuen Arten kennen lernte. Neben der Vogelwelt interessierte er sich sehr für die Menschen und Bräuche dieser Region und liebte es durch die Berge zu wandern. Seiner Erfahrungen hierzu publizierte er 1924 in dem Buch In the High Himalayas. Noch im gleichen Jahr kehrte er nach England zurück und begab sich mit Ticehurst auf eine Reise nach Nordspanien.
Etwa in dieser Zeit wollten George Rivers Lowndes (1862–1943), Walter Samuel Millard (1864–1952) und Frank James Mitchell (1853–1933) die Kosten für die Publikation eines Buchs über die Vogelwelt Indiens übernehmen. Whistler wurde gefragt, ob er dieses schreiben möchte und er stimmte zu, erbat sich aber einige Zeit um weitere Notizen seiner Beobachtungen in freier Natur machen zu können. Im Jahr 1928 erschien schließlich Popular Handbook of Indian Birds ein Buch, das ein großer Erfolg wurde und in weiteren Ausgaben erneut publiziert wurde. Im Januar 1925 kehrte er mit seiner Frau nach Indien zurück und wurde erneut in Shimla stationiert. Acht Monate später wurde er nach Rawalpindi versetzt und kehrte schließlich im April 1926 nach Hause zurück um sich auf seine Pension vorzubereiten. Trotzdem besuchte er Indien im Jahr 1928 erneut. Dieses Mal war er Gast bei Admiral Hubert Lynes (1874–1942) und Bertram Beresford Osmaston (1868–1961). Sie planten die höheren und weniger bekannten Gegenden Kashmirs zu erkunden, doch Lynes wurde nach England zurück beordert. Dies hielt Lynes nicht davon ab, Whistler und Osmaston wie geplant auf Erkundungstour zu schicken.Norman Boyd Kinnear (1943), s. 525
In den darauf folgenden vierzehn Jahren war Whistler mit seiner Frau und/oder Ticehurst auf Sammelreise. Seine Reisen führten ihn nach Frankreich, Spanien, Portugal, Nordafrika, Algerien, Korsika, Sizilien, Albanien, Jugoslawien und Polen. Bei diesen Expeditionen erweiterte er seine Sammlung und sein Wissen über die Vogelwelt Europas. Zusammen mit Ticehurst erschienen hierzu Artikel in The Ibis. Im Jahr 1932 begannen er und Norman Boyd Kinnear eine Reihe von Artikeln, die unter dem Namen The Vernay Scientific Survey of Eastern Ghats erschienen. Auch wenn diese Reihe sich vorwiegend mit den Ostghats beschäftigen sollte, war es in Wirklichkeit eine kritische Bestandsaufnahme einer großen Anzahl indischer Vögel. Als Richard Roy Maconachie (1885–1962) in Kabul als Vertreter der britischen Regierung agierte, sammelte er dort etliche Bälge. Erneut wurde Whistler gefragt die Sammlung aufzuarbeiten. Als er erfuhr, dass ein anderer Autor an einem Buch über die Vogelwelt dieser Gegend arbeitete, wollte er diesem sein Manuskript zur Verfügung stellen. Zu seinem Leid wurde dieses abgelehnt. Es ist William Watt Addison Phillips (1892–1981) und ihm zu verdanken, dass es Bestrebungen gab für eine Erhebung der Vögel Britisch-Ceylons durch das Natural History Museum und das National Museum of Natural History, Colombo. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg verzögerte sich das Vorhaben und es war Whistler nicht vergönnt, die Veröffentlichung dieses Berichts zu erleben.
Um 1938 planten Ticehurst und er eine Publikation zur Systematik der Vögel Indiens, Burmas und Sri Lankas. Während Ticehurst für die Beschreibung zuständig sein sollte, wollte Whistler sich um deren Verbreitungsgebiete, deren Habitat und deren Abmessungen kümmern. Nach dem Tod seines Freundes wollte Whistler das Werk selbst zu Ende bringen, doch durch die Wirren des Krieges fand er wenig Zeit sich dem Projekt zu widmen. Wenn es ihm die Zeit erlaubte, besuchte er trotz allem das Natural History Museum, um an dem Werk zu arbeiten. Nach dem Kashmir Besuch wollte er zusätzlich ein Buch über diesen Bundesstaat und Punjab schreiben, doch dieses Unterfangen konnte er nie vollständig abschließen.
Hugh Whistler galt als sehr bedachtsamer und kritischer Arbeiter. Vieles was er in seinem Nachruf auf Ticehurst schrieb, traf ebenso auf ihn zu. Whistler war immer bereit seine Notizen voll von Messungen, Gefiederbeschreibungen, Verbreitungskarten usw. auch anderen zur Verfügung zu stellen. Er war ein ausgezeichneter Präparator und trug eine beachtliche Sammlung indischer und europäischer Vögel zusammen. In seiner Zeit in Indien hielt er sich auch Falken. Neben dem Interesse für Naturkunde interessierte er sich auch für Antiquitäten. Seine Frau und er tourten oft mit ihrem Carvan umher, um alte Gebäude und Schlösser zu besuchen. So war er Sekretär des lokalen Komitees von Boddam Castle. 1941 wurde er zum Vizevorsitzenden des Battle Rural District Council gewählt. Er war Mitglied des Parochial church council und aktiver Friedensrichter.Norman Boyd Kinnear (1943), s. 527
Mitgliedschaften Hugh Whistler war seit 1913 Mitglied der British Ornithologists’ Union und wurde 1940 zu deren Vizepräsident gewählt. Außerdem war er seit 1920 Mitglied des British Ornithologists’ Club.List of Member 1920 Im Jahr 1921 wurde er zum Fellow der American Ornithologists’ Union gewählt.Theodore Sherman Palmer (1947), s. 661 Außerdem war er Mitglied der Bombay Natural History SocietyMembers 1930 und Fellow der Zoological Society of London.
Erstbeschreibungen von Hugh Whistler Whistler hat einige Unterarten, die neu für die Wissenschaft waren, beschrieben. Dabei arbeitete er auch mit Claud Buchanan Ticehurst, Norman Boyd Kinnear und Salim Ali zusammen.
Unterarten Zu den Unterarten gehören chronologisch u. a.: Haubenlerche (Galerida cristata lynesi , 1928) Graukohlmeise (Parus cinereus ziaratensis , 1929) Schwanzmeise (Aegithalos caudatus aremoricus , 1929) Graubrust-Baumelster (Dendrocitta formosae sarkari & , 1930) Zimtbauchkleiber (Sitta cinnamoventris almorae & , 1930) Graublauschnäpper (Cyornis poliogenys vernayi , 1931) Grünlaubsänger (Phylloscopus trochiloides ludlowi , 1931) Indienfächerschwanz (Rhipidura albogularis vernayi (, 1931)) Rotohrbülbül (Pycnonotus jocosus abuensis (, 1931)) Goldstirn-Blattvogel (Chloropsis aurifrons insularis & , 1932) Grauhaubenmeise (Lophophanes dichrous kangrae , 1932) Indienkronenmeise (Machlolophus aplonotus travancoreensis & , 1932) Indien-Rotschnabelbülbül (Hypsipetes ganeesa humii ( & , 1932)) Kastanienkleiber (Sitta castanea prateri & , 1932) Strauchschmätzer (Copsychus fulicatus intermedius ( & , 1932)) Wanderbaumelster (Dendrocitta vagabunda parvula & , 1932) Weißbrauenbülbül (Pycnonotus luteolus insulae & , 1932) Bergbeo (Gracula religiosa peninsularis & , 1933) Bergbronzemännchen (Lonchura kelaarti vernayi ( & , 1933)) Gangesbrillenvogel (Zosterops palpebrosus salimalii , 1933) Klappergrasmücke (Sylvia curruca blythi ( & , 1933)) Rostbauchprinie (Prinia socialis inglisi , 1933) Scharlachmennigvogel (Pericrocotus speciosus semiruber & , 1933) Bengalenspecht (Dinopium benghalense tehminae ( & , 1934)) Feuerrückenspecht (Dinopium javanense malabaricum , 1934) Graufischer (Ceryle rudis travancoreensis , 1935) Graunachtschwalbe (Caprimulgus jotaka hazarae , 1935) Bayaweber (Ploceus philippinus travancoreensis & , 1936) Dschungelwachtel (Perdicula asiatica ceylonensis & , 1936) Dschungelwachtel (Perdicula asiatica vidali & , 1936) Horsfieldsäbler (Pomatorhinus horsfieldii maderaspatensis , 1936) Schopfhabicht (Accipiter trivirgatus layardi (, 1936)) Zistensänger (Cisticola juncidis salimalii , 1936) Madraswachtel (Perdicula argoondah meinertzhageni , 1937) Dschungelwachtel (Perdicula asiatica punjaubi , 1939) Elsterschnäppervanga (Hemipus picatus leggei , 1939) Nepalgimpel (Procarduelis nipalensis kangrae , 1939) Rotstirn-Schneidervogel (Orthotomus sutorius fernandonis , 1939) Elsterschmätzer (Saxicola caprata nilgiriensis , 1940) Kapuzentyrannentimalie (Rhopocichla atriceps siccata (, 1941)) Rotbauch-Tyrannentimalie (Dumentia hyperythra phillipsi , 1941) Weißbürzelschama (Copsychus malabaricus leggei (, 1941)) Schwarzschwanzsäbler (Pomatorhinus melanurus holdsworthi , 1942) Madraswachtel (Perdicula argoondah salimalii , 1943) Rotschnabel-Sonnenvogel (Leiothrix lutea kumaiensis , 1943) Bengalenspecht (Dinopium benghalense jaffnense (, 1944)) Dickschnabel-Mistelfresser (Dicaeum agile zeylonicum (, 1944)) Lotennektarvogel (Cinnyris lotenius hindustanicus , 1944) Smaragdspint (Merops orientalis ceylonicus , 1944)
Synonyme Einige der Namen, die er neu eingeführt hatte, gelten heute als Synonyme. Hierzu gehören chronologisch u. a.: Cephalopyrus flammiceps saturatus , 1924 => Flammenstirnmeise (Cephalopyrus flammiceps (, 1836)) Dryobates hyperythrus sikkimensis & , 1924 => Rostbauchspecht (Dendrocopos hyperythrus (, 1831)) Gyps indicus jonesi , 1927 => Indiengeier (Gyps indicus (, 1786)) Alauda arvensis ticehursti , 1928 => Feldlerche (Alauda arvensis guillelmi (, 1921)) Acrocephalus concinens hokrae , 1930 => Strauchrohrsänger (Acrocephalus concinens haringtoni (, 1920)) Dendrocitta vagabunda vernayi & , 1930 => Wanderbaumelster (Dendrocitta vagabunda pallida (, 1846)) Ficedula tricolor notata (, 1930) => Dreifarbenschnäpper (Ficedula tricolor (, 1845)) Otocompsa jocosa provincialis , 1931 => Rotohrbülbül (Pycnonotus jocosus pyrrhotis (, 1850)) Molpastes cafer saturatus & 1932 => Rotsteißbülbül (Pycnonotus cafer wetmorei , 1960)