Herbert Gatschke (* 14. Oktober 1906 in Berlin; † 30. August 1932 ebenda) war ein deutscher Angehöriger der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) und sogenannter Blutzeuge.

Leben Herkunft und Ausbildung Gatschke soll als Sohn eines Konzertmeisters in Berlin geboren worden sein. Im Alter von drei Jahren starb sein Vater und fünf Jahre später auch seine Mutter. Im Alter von 14 Jahren soll sich der Waise seinen Lebensunterhalt als Kutscher auf dem Land verdient haben. Mit 18 Jahren kam Gatschke nach Berlin zurück und wurde Brunnenbauer. Aufgrund schlechter Wirtschaftslage arbeitslos geworden, fand er später Arbeit als Metallarbeiter bei Siemens, bis er nach zwei Jahren erneut arbeitslos wurde. Gatschke lebte im Arbeiterviertel von Berlin-Charlottenburg.

Politische Tätigkeit und Tod Gatschke war seit 1931 SA-Mann in der Sanitätergruppe des berüchtigten Charlottenburger SA-Sturms 33 („Mördersturm 33“).

Am Abend des 29. August 1932 nahm Gatschke mit dem SA-Sturm 33 an einem Sturmappell in den Hohenzollern-Festsälen in der Berliner Straße 105 teil. Danach kam es vor dem Sturmlokal eines Trupps des SA-Sturms 33 in der Röntgenstraße 12, zu einer kurzen verbalen Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe von Angehörigen einer kommunistischen Häuserschutzstaffel und einigen SA-Angehörigen dem ein Schusswechsel folgte. Dabei wurden Gatschke und zwei weitere SA-Männer durch die Schüsse verletzt und am darauffolgenden Tag starb Gatschke an einem Lungenschuss.

Propaganda Der berüchtigte Führer des Sturms 33 Hans Maikowski nahm den Tod Gatschkes zum Anlass, um aus dem Untergrund zurückzukehren, in dem er sich seit einigen Monaten verborgen hielt, und seine SA-Leute in einem kaum verhohlenen Mordaufruf öffentlich zu Gewalttaten gegen ihre politischen Gegner aufzufordern. An der Beerdigung Gatschkes auf dem Luisenstädtischen Friedhof nahmen Joseph Goebbels, der Berliner SA-Chef Wolf-Heinrich von Helldorff sowie Adolf Hitler teil. Hitler ließ sich mit Gatschkes Mutter fotografieren und hielt eine Grabrede, in der er den Wert der Nation über den des Todes hob.

Nach 1933 wurde eine Bronzetafel im Rathaus Charlottenburg angebracht, die an Gatschke und zwei weitere getötete SA-Leute erinnerte. Eine weitere Tafel wurde an der Todesstelle Gatschkes installiert. Außerdem erhielt der SA-Sturm 42, welcher Teil der SA-Standarte I bzw. 1 (Charlottenburg) der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg war, die Bezeichnung „Sturm 42 – Herbert Gatschke“. 1938 wurde die Rosinenstraße in Gatschkestraße umbenannt.Benjamin Carter Hett: Crossing Hitler. The Man who put the Nazis on the Witness Stand, 2008, S. 130. Bernhard Sauer: Goebbels »Rabauken«. Zur Geschichte der SA in Berlin-Brandenburg. (PDF; 1,6 MB) In: Landesarchiv Berlin: Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 2006. Berlin 2006, S. 133 f. (dort auch Foto von Hitler am Grab Gatschkes). Jay W. Baird: To Die for Germany: Heroes in the Nazi Pantheon, 1992, S. 92; Marie-Luise Kreuter: Der rote Kietz. „Kleiner Wedding und Zillestraße“, in: Helmut Engel, Stefi Jersch-Wenzel/, Wilhelm Treue (Hrsg.): Geschichtslandschaft Berlin: Orte und Ereignisse, Bd. 1, Teil 1 (Charlottenburg), Berlin 1986, S. 167 f. Arndt Beck, Markus Euskirchen: Die beerdigte Nation: „Gefallenen“-Gedenken von 1813 bis heute, 2009, S. 80; Klaus A. Lankheit (Bearb.): Hitler. Reden, Schriften, Anordnungen, Bd. V/1, 1996 S. 329f.; Sven Reichardt: Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA, 2009, S. 554.

Täterschaft In einem nachfolgenden Gerichtsprozess wurden neun Kommunisten wegen vollendeten gemeinsamen Totschlags, Beihilfe zum Totschlag und schweren Landfriedensbruchs angeklagt. Im Rahmen des Prozesses stellte sich zur Verlegenheit der Nationalsozialisten heraus, dass die Kugel, die Gatschke getötet hatte, von einem anderen SA-Mann abgefeuert worden war. Daher wurden die Angeklagten freigesprochen.

Familie Bei seinem Tod hinterließ Gatschke eine Frau und drei Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren.

Quelle

Einzelnachweise

Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:Kriminalfall in der Weimarer Republik Kategorie:Kriminalfall 1932 Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1906 Kategorie:Gestorben 1932 Kategorie:Mann