mini|Titelseite von Enumeratio diagnostica Cactearum hucusque cognitarum mini|Titelseite von Beschreibung und Synonymik der in deutschen Garten lebend vorkommenden Cacteen Enumeratio diagnostica Cactearum hucusque cognitarum (etwa: „Diagnostische Aufzählung der bisher bekannten Kakteen“, kurz: Enum. Diagn. Cact.) ist ein 1837 auf Latein veröffentlichtes Werk von Ludwig Pfeiffer zur Kakteensystematik. Auf 192 Seiten werden zehn Gattungen mit 422 Arten aus der Pflanzenfamilie der Kakteengewächse beschrieben. Darunter befinden sich zahlreiche Erstbeschreibungen und einige Umkombination.

Zeitgleich und im selben Verlag erschien unter dem Titel Beschreibung und Synonymik der in deutschen Garten lebend vorkommenden Cacteen eine deutsche Ausgabe, die sich an der lateinischen orientiert, aber keine Übersetzung darstellt. Pfeiffer berücksichtigte darin nur die in deutschen Sammlungen tatsächlich kultivierten Arten. Diese Ausgabe orientiert sich nicht streng an wissenschaftlichen Erfordernissen, sondern richtet sich an die Kakteenliebhaber. So fehlen bei den Beschreibungen die genauen Publikationsangaben. Dafür wurde das Werk um eine Anleitung zur Kakteenkultur ergänzt. Die deutsche Ausgabe enthält 345 Arten.

Pfeiffers Enumeratio diagnostica Cactearum war bis zum Erscheinen von Karl Schumanns Gesamtbeschreibung der Kakteen (1897–1899) das wichtigste Werk zur Systematik der Kakteengewächse.

Werk Der Oktavband Enumeratio diagnostica Cactearum hucusque cognitarum erschien zwischen dem 19. und 25. Februar 1837 in Berlin im Verlag von Ludwig Oehmigke (1796–1870). Das Werk enthält keine Illustrationen.

Karl Schumann bezeichnete im März 1897 die Enumeratio diagnostica Cactearum als das „hervorragendste Werk, welches wir überhaupt in der Litteratur der Kakteenkunde besitzen“.K. Schumann: Über die natürlichen Systeme der Kakteen, insonderheit über das des Fürsten Salm-Dyck. In: Monatsschrift für Kakteenkunde. Band 7, Nr. 3, 1897, S. 33 (online).

Inhalt Pfeiffer akzeptierte folgende zehn Gattungen:

Mammillaria (1812) mit 92 Arten Melocactus (1827) mit 14 Arten Echinocactus (1827) mit 55 Arten Cereus (1754) mit 144 Arten Epiphyllum (1812) mit 2 Arten Rhipsalis (1788) mit 16 Arten Lepismium (1835) mit 4 Arten Hariota (1763) mit 1 Art Opuntia (1754) mit 83 Arten Pereskia (1754) mit 13 Arten

133 der 422 Arten wurden durch Pfeiffer erstmals beschrieben und 15 in eine andere Gattung gestellt.

Die neu beschriebenen Arten gingen auf Pfeiffers direkte Beobachtungen in verschiedenen Kakteensammlungen zurück, darunter die des Botanischen Gartens in Berlin, des Botanischen Gartens in München, der Sammlung auf Schloss Dyck, des Botanischen Gartens in Göttingen, Friedrich Adolph Haages Gärtnerei und des Breiterschen Gartens Leipzig.Ludwig Pfeiffer: Beschreibung und Synonymik der in deutschen Gärten lebend vorkommenden Cacteen. Nebst einer Uebersicht der grösseren Sammlungen und einem Anhange über die Kultur der Cactuspflanzen. Berlin 1837, S. 206 (online).

Pfeiffers eigene Sammlung umfasste 340 Arten und Varietäten.Ludwig Pfeiffer: Beschreibung und Synonymik der in deutschen Gärten lebend vorkommenden Cacteen. Nebst einer Uebersicht der grösseren Sammlungen und einem Anhange über die Kultur der Cactuspflanzen. Berlin 1837, S. 209 (online).

Gliederung Lateinische Ausgabe [Widmung] Praefatio Cacteae Character ordinis Conspectus Cactearum synopticus Mammillaria Melocactus Echinocactus Cereus Epiphyllum Rhipsalis Lepismium Hariota Opuntia Pereskia Addenda Index

Deutsche Ausgabe Vorrede Ueber die Cacteen im Allgemeinen Mammillaria: 72 Arten Melocactus: 13 Arten Echinocactus: 42 Arten Cereus: 113 Arten Epiphyllum: 2 Arten Rhipsalis: 14 Arten Lepismium: 4 Arten Hariota: 1 Art Opuntia: 79 Arten Pereskia: 5 Arten Bemerkungen Anhang Uebersicht der vorzüglichsten deutschen Sammlungen Ueber die Kultur der Cacteen Register Druckfehler

Systematik Bestimmungsschlüssel Pfeiffers Werk enthält drei Bestimmungsschlüssel, für die Familie der Kakteengewächse (Cactaceae) sowie für die artenreichen Gattung Cereus und Opuntia.

Kakteengewächse (Cactaceae) mini|Cactaceae Pfeiffers Bestimmungsschlüssel für die zehn Kakteengattungen orientierte sich an der Form der Blüten und unterschied zwischen röhrigen und radförmigen Blüten. Außerdem berücksichtige den Ort der Blütenbildung.Ludwig Pfeiffer: Beschreibung und Synonymik der in deutschen Gärten lebend vorkommenden Cacteen. Nebst einer Uebersicht der grösseren Sammlungen und einem Anhange über die Kultur der Cactuspflanzen. Berlin 1837, S. 3 (online). Blume röhrenförmig Stamm blattlos Blumen außerhalb der Knoten aus den Achseln der Höcker → Mammillaria aus dem Schopf → Melocactus Blumen aus den Knoten entstehend kurzröhrig → Echinocactus langröhrig mit schuppigen Fruchtknoten → Cereus mit glattem Fruchtknoten → Epiphyllum Blume radförmig Stamm mit schuppenartigen Blättern Blumen seitlich, Stamm lang gestreckt Stamm rund, gefurcht oder geflügelt → Rhipsalis Stamm 3- bis 5-kantig, deutlich schuppig → Lepismium Blumen an der Spitze, Stamm gegliedert → Hariota Stamm mit wahren Blättern Blumen einzeln, Blätter zylindrisch → Opuntia Blumen in Büscheln, Blätter flach → Pereskia

Bei der Würdigung des Salm-Dyckschen Systems interpretierte Karl Schumann 1897 Pfeiffers Schlüssel wie folgt:K. Schumann: Über die natürlichen Systeme der Kakteen, insonderheit über das des Fürsten Salm-Dyck. In: Monatsschrift für Kakteenkunde. Band 7, Nr. 3, 1897, S. 34 (online). A. Blumenkrone röhrenförmig a) Blattlose Pflanzen α Die Blüten sitzen den Stachelbündeln nicht auf I. Blüten zwischen den Warzen, mehr oder weniger axillär → Mammillaria II. Blüten aus dem endständigen Schöpfe → Melocactus β. Die Blüten aus den Stachelbündeln I. Röhre kurz → Echinocactus II. Röhre verlängert 1. Blütenboden (Fruchtknoten und Blütenhüllröhre) beschuppt → Cereus 2. Blütenboden nackt → Epiphyllum B. Blumenkrone radförmig b) Axen (Stengel) fast blattlos (caule subaphyllo). α. Blüten seitenständig, Axen ungegliedert (wörtlich extensus, ausgestreckt). I. Axen stielrund, gefurcht oder geflügelt → Rhipsalis II. Axen kantig, beschuppt → Lepismium β. Blüten endständig, Axen gegliedert → Hariota c) Axen beblättert α. Blüten einzeln, Blätter pfriemlich → Opuntia β. Blüten fast rispig, Blätter flach → Pereskia

Cereus Bestimmungsschlüssel für die Hauptgruppen der Gattung Cereus:Ludwig Pfeiffer: Enumeratio Diagnostica Cactearum hucusque Cognitarum. Berlin 1837, S. 69 (online).Ludwig Pfeiffer: Beschreibung und Synonymik der in deutschen Gärten lebend vorkommenden Cacteen. Nebst einer Uebersicht der grösseren Sammlungen und einem Anhange über die Kultur der Cactuspflanzen. Berlin 1837, S. 135 (online). Stamm ungegliedert gefurcht niedrig, fast kugelig → Globosi aufgerichtet → Cereastri höckerig → Polylophi Stamm gegliedert höckerig oder gefurcht Glieder fast kugelig → Opuntiacei Glieder länglich ohne Luftwurzeln → Protracti mit Luftwurzeln → Repentes blattartig zusammengedrückt → Alati

Opuntia Bestimmungsschlüssel für die Hauptgruppen der Gattung Opuntia:Ludwig Pfeiffer: Enumeratio Diagnostica Cactearum hucusque Cognitarum. Berlin 1837, S. 143 (online).Ludwig Pfeiffer: Beschreibung und Synonymik der in deutschen Gärten lebend vorkommenden Cacteen. Nebst einer Uebersicht der grösseren Sammlungen und einem Anhange über die Kultur der Cactuspflanzen. Berlin 1837, S. 159 (online). Stamm gegliedert Glieder zylindrisch gedrängt → Glomeratae ausgebreitet → Divaricatae Glieder platt → Compresso-articulatae Stamm ungegliedert platt → Cruciatae rundlich Äste platt → Paradoxae Äste zylindrisch → Cylindrica

Infragenerische Gliederung einiger Gattungen Mit Ausnahme der Gattungen Epiphyllum, Hariota, Lepismium und Pereskia enthielt das Werk ranglose infragenerische Gliederungen für die übrigen sechs Gattungen. Das System hat seinen Ursprung in einem 1836 in der Allgemeinen Gartenzeitung veröffentlichten Artikel von Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck.Salm-Dyck: Beschreibung eines neuen Melocacti, nebst einigen Bemerkungen über die Familie der Cactéen. In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 4, Nummer 19, 7. Mai 1836, S. 145–148 (online).K. Schumann: Über die natürlichen Systeme der Kakteen, insonderheit über das des Fürsten Salm-Dyck. In: Monatsschrift für Kakteenkunde. Band 7, Nr. 3, 1897, S. 33 (online).

Nicht bei allen von Pfeiffer verwendeten Namen handelt es sich um gültig veröffentlichte Namen gemäß den Regeln des Internationalen Codes der Botanischen Nomenklatur (ICN): nom. inval. ist ein ungültiger Name, er erfüllt die Anforderungen des Regelwerks nicht nom. illeg. ist ungesetzlicher Name, er verstößt gegen das Regelwerk nom. nud. ist ein nackter Name, es fehlt eine Beschreibung

Mammillaria Die infragenerische Gliederung der Gattung Mammillaria war die erste ihrer Art und orientierte sich im Wesentlichen an Merkmalen von Dornen und Warzen.D. R. Hunt: The Classification of Mammillaria. In: The National Cactus and Succulent Journal. Band 32, Nr. 4, 1977, S. 75–81 ().

Homoeacanthae , nom. inval. Tenues , nom inval. Conothelae , nom inval. Brachythelae Polyedrae Longimammae Heteracanthae Microthelae Conothelae Brachythelae Stylothelae Gibbosae Species non satis notae

Melocactus Die Arten der Gattung Melocactus werden anhand der Form des Cephaliums gegliedert. Cephalio plano Spadice cylindraceo ? Spadice laterali

Echinocactus Die Arten der Gattung Melocactus werden anhand der Form des Rippen gegliedert. Costati , nom. inval. Costis rotundis (abgerundete Rippen) Costis obtuse angulatis (stumpfwinklige Rippen) Costis acuatis (geschärfte Rippen) Costis compressissimis, crispatis (ganz dünne, scharfe, gekräuselte Rippen) Tuberculati Species parum notae

Cereus Globosi Cereastri [non DC.], nom. inval. Multangulares Robusti Tenues , nom. nud. 5–12–angulares Lanuginosi Glabri , nom. inval. Robusti , nom. nud. Attenuati , nom. nud. Gemmati 4–5–angulares Polylophi Opuntiacei Protracti Multangulares , nom. nud. Pitahaya (als „Pitahayae“) Extensi [non Salm-Dyck], nom. illeg. Repentes Multangulares , nom. nud. 4–7-angulares 3–4-angulares Tripteres Speciosi Alati

Rhipsalis Die Arten der Gattung Rhipsalis werden anhand der Form (geflügelt, mehrkantig, walzenförmig, mit Seitengliedern) gegliedert. Alatae , nom. illeg. Angulosae Teretes Articuliferae

Opuntia Glomeratae Divaricatae Compresso-articulatae , nom. inval. Glabratae , nom. inval. Pulvinatae Inermes , nom. nud. Aculeatae , nom. nud. Criniferae Aculeatae Albispinae Flavispinae , nom. nud. Fulvispinae Cruciatae , nom. inval. Paradoxae Cylindrica (als ‚Cylindraceae‘)

Von Pfeiffer verwendete Literatur Allg. Gartenzeitung (Otto & Dietrich): 22 Arten Friedrich Otto: Ueber die Cactus-Pflanzen des hiesigen botanischen Gartens. In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 1, Nr. 46, 1833, S. 361–368 (online). L. Seitz: Anzeige einiger neuen Gewächse, welche im Frühjahre 1834 botanischen Garten zu München geblüht haben. In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 2, Nr. 31, 1834, S. 242–245 (online). L. Pfeiffer: Beschreibung einiger neuen Cacteen. In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 3, Nr. 40, 1835, S. 313–314 (online). L. Pfeiffer: Beschreibung neuer Cacteen (Fortsetzung von Nr. 40). In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 3, Nr. 48, 1835, S. 379–380 (online). L. Pfeiffer: Vorschlag zu einer neuen natürlichen Anordnung der Cacteen. In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 3, Nr. 40, 1835, S. 314–315 (online). F. Otto, A. Dietrich: Beschreibung und Cultur des Echinocactus acutissimus Nob. In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 3, Nr. 45, 1835, S. 353–354 (online). A. Dietrich, F. Otto: Beschreibung und Cultur der Rhipsalis pentaptera Pfeiffer. In: Allgemeine Gartenzeitung. Band 4, Nr. 14, 1836, S. 105 (online).