Hans-Ulrich von Luck und Witten (* 15. Juli 1911 in Flensburg; † 1. August 1997 in Hamburg), üblicherweise als Hans von Luck bekannt, war ein deutscher Offizier der Reichswehr und der Wehrmacht, der im Zweiten Weltkrieg in der 7. Panzer-Division und der 21. Panzer-Division diente. Von Luck kämpfte im Polenfeldzug, im Westfeldzug, an der Ostfront, in Nordafrika sowie in Frankreich und wurde schließlich 1945 wiederum an der Ostfront gefangen genommen.

Nach dem Krieg erlangte von Luck, besonders in den Vereinigten Staaten, Bekanntheit durch seine 1989 erstmals veröffentlichten Memoiren. Diese werden zum Kanon des Mythos der sauberen Wehrmacht gerechnet.

Biographie Hans-Ulrich von Luck und Witten wurde am 15. Juli 1911 as Angehöriger des Adelsgeschlechts Luck in Flensburg geboren.Die niederschlesische Uradelsfamilie unterteilt sich in: A) von Luck und Witten, B) Luck und Salisch, von Lucke und Kursko, vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1922. Dreiundzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1922, S. 532 f. Die Eltern waren Mathilde Diesener (1884–1971), Tochter eines Architekten, und der kaiserlich-deutsche Korvettenkapitän Otto von Luck und Witten (1879–1918), stellv. Direktor der Marineschule Mürwik. Die Familie hatte militärische Wurzeln sowie Grundbesitz in Vorpommern, bei den direkten Vorfahren wie Philipp von Luck und Witten auch Träger hoher militärischer Orden; sein entfernter Vetter Hans Philipp August von Luck (1775–1859) war 1815 für seine Leistungen in den Koalitionskriegen in den Generalsstand befördert worden. Nachdem sein Vater bereits 1918 gestorben war, wuchs er mit einem Stiefvater auf, der Erzieher an der Marineschule Mürwik war und zudem Militätpfarrer. Er machte 1929 sein Abitur am Klostergymnasium Flensburg.

Militärdienst in der Friedenszeit, 1929–1939 Hans von Luck trat im 1929 in die Reichswehr ein. Er kam zur Kraftfahrabteilung I in Ostpreußen. Während seiner Zeit als Offizieranwärter war er gemeinsam mit seinen Jahrgangsgenossen allerlei Schikanen und Aufnahmeritualen ausgesetzt und musste etwa sanitäre Einrichtungen mit Zahnbürsten reinigen oder auf Befehl schnell starken Alkohol trinken. Von Luck lernte im Winter 1931/32 seinen späteren Vorgesetzten Erwin Rommel kennen, der (damals im Dienstgrad Hauptmann) an der Infanterieschule in Dresden unterrichtete. Am 30. Juni 1934 nahm von Luck laut seinen eigenen Memoiren mit seiner Einheit an der „Nacht der langen Messer“ teil. Die 7. Panzeraufklärungsabteilung war mit Geheimbefehl beordert worden, nach Stettin zu fahren, „um die dortige SA-Führung - notfalls mit Gewalt - festzunehmen.“Hans von Luck: Mit Rommel an der Front. 3. Auflage. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Hamburg / Berlin / Bonn 2006, S. 30.

1939 wurde Hans von Luck in den letzten Friedensmonaten zur 2. Leichten Division (ab Oktober 1939: „7. Panzer-Division“) versetzt.

Feldzüge in Polen und Frankreich, 1939–1940 Als Teil der 2. Leichten Division kämpfte Hans von Luck im September 1939 im Polenfeldzug und im Mai und Juni 1940 im Westfeldzug. Während des Vorstoßes der 7. Panzer-Division durch Belgien, von Erwin Rommel kommandiert, kämpfte sich von Lucks Aufklärungsabteilung an vorderster Front am dritten Tag des Feldzugs über den Fluss Maas, eines der wichtigsten frühen operativen Ziele für das Gelingen des deutschen „Sichelschnittplans“.

Ostfront, 1941–1942 Nachdem Erwin Rommel im Februar 1941 als Kommandeur der 7. Panzer-Division durch Hans von Funck ersetzt worden war, nahm Hans von Luck, mittlerweile im Dienstgrad Hauptmann, unter dessen Führung am Unternehmen Barbarossa (dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion ab dem 22. Juni 1941) teil, in welchem die 7. Panzer-Division als Teil der Panzergruppe 3 kämpfte. Im November 1941 bat jedoch Erwin Rommel, mittlerweile Befehlshaber des Deutschen Afrikakorps (DAK) von Luck abzuberufen und an den nordafrikanischen Kriegsschauplatz zu versetzen, um dort in den Aufklärungseinheiten des DAK eine Führungsfunktion zu übernehmen. Dem Transfer wurde im Januar 1942 stattgegeben.

Nordafrika, 1942–1943 Im Frühjahr 1942 wurde von Luck zum Major befördert und kam in diesem Dienstgrad am 8. April 1942 in Nordafrika an, wo er den Befehl über die Aufklärungs-Abteilung 3 der 21. Panzer-Division übernahm. In seinen Memoiren beschreibt von Luck einen Aufenthalt in Deutschland von Juni bis Mitte September 1942, um sich von einer Verwundung zu erholen, bevor er anschließend zur Aufklärungs-Abteilung 3 zurückkehrte. Im Anschluss an die deutsche Niederlage in der Zweiten Schlacht von El Alamein (Oktober/November 1942) war es der Auftrag der Aufklärungs-Abteilung 3, den Rückzug der Achsenmächte zu decken. 1943 nahm Luck an der Schlacht am Kasserinpass teil. Zum Zeitpunkt der finalen deutsch-italienischen Kapitulation in Nordafrika (in Tunesien im Mai 1943) war von Luck bereits wieder in Deutschland.

Westfront, 1944–1945 Nach einer Zeit als Ausbilder an der Panzeraufklärungsschule Paris übernahm Hans von Luck im März 1944 ein Regiment der Panzer-Lehr-Division unter Fritz Bayerlein, wurde aber bereits im April wieder zur 21. Panzer-Division (Edgar Feuchtinger) in der Bretagne versetzt, wo er Anfang Mai das Panzergrenadierregiment 125 (stationiert bei Vimont) übernahm.

Die ursprüngliche 21. Panzer-Division war im Mai 1943 bei der Kapitulation der Achsenmächte in Tunesien vernichtet worden, wurde aber mit etwa 2.000 Überlebenden der ursprünglichen Division sowie französischen Beutepanzern (die erst ab Mitte 1944 teilweise durch deutsche Panzer IV ersetzt wurden) ab Juli 1943 in der Normandie im deutsch besetzten Frankreich neu aufgestellt.

Am Morgen des 6. Juni 1944 begann die alliierte Invasion („Operation Overlord“) in der Normandie; das Panzergrenadierregiment 125 kam gegen die angloamerikanischen Fallschirmjäger sowie Landungstruppen nur verspätet zum Einsatz, da die Panzerdivisionen der Wehrmacht im besetzten Frankreich unter direktem Oberbefehl Adolf Hitlers standen und nur auf dessen direktem Befehl eingesetzt werden durften. Erst gegen 10:30 Uhr wurde durch das Kommando des LXXXIV. Armeekorps (Erich Marcks) nach kurzen Kampfhandlungen gegen die britische 6. Luftlandedivision ein Gegenangriff der 21. Panzer-Division in Richtung der britischen Landungstruppen im Großraum Caen befohlen, wobei jedoch das Panzergrenadierregiment 125 zunächst in der Defensive blieb, bis es um 17:00 Uhr nach gegenläufigen Anweisungen des Oberkommandos der 7. Armee östlich Orne zum Gegenangriff antrat.

Am Morgen des 9. Juni 1944 wurde unter Führung von Hans von Luck die „Kampfgruppe von Luck“ gebildet, die aus dem Panzergrenadierregiment 125, drei Sturmgeschütz-Batterien, einer Panzerjäger-Kompanie mit 88 mm-Kanonen und einem Bataillon bestand. Mit seiner Kampfgruppe trat von Luck gegen die Orne-Brücken zum Angriff an mit dem Ziel, sie von den britischen Fallschirmjägern zurückzugewinnen. Die Kampfgruppe konnte die britischen Linien nicht durchbrechen, die durch die Ankunft der britischen 51. „Highland“-Division verstärkt worden waren, hinderten die britischen Verbände östlich der Orne aber bis zum 16. Juni am weiteren Vorankommen.

Die Briten traten am 18. Juli zur Operation „Goodwood“ an, um unter Nutzung alliierter Panzerverbände den Durchbruch im Raum Caen zu erzwingen. Von Lucks Darstellung in seinen Memoiren, er habe persönlich unter Drohung seiner Pistole die deutschen Artilleristen zum Abwehrfeuer gegen britische Panzer gezwungen, läuft der Darstellung in den Kriegstagebüchern des britischen 8. Korps entgegen und wird vom britischen Militärhistoriker Ian Daglish abgelehnt. Am 21. Juli trat die Kampfgruppe von Luck gemeinsam mit Verstärkungen der Leibstandarte SS Adolf Hitler zum Gegenangriff gegen den britischen Flankenschutz an. Von Luck erhielt für die Kampfhandlungen im Juli 1944 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und wurde am 8. August zum Oberstleutnant befördert.

Nachdem die 3. US-Armee bei Avranches am 31. Juli durchgebrochen war, sollten die bedrängten Truppen der Panzer-Lehr-Division und der 21. Panzer-Division ihrerseits einen Gegenangriff gegen die Nachschublinien der rapide vorstoßenden US-Amerikaner führen, wurden aber von überlegener alliierter Feindaufklärung und Luftunterstützung ausgehorcht, aufgeklärt und schließlich im alliierten Artilleriefeuer aufgehalten. Am 17. August wurde die 21. Panzer-Division durch einen britischen Angriff gespalten; die Kampfgruppe von Luck war außerhalb des Kessels von Falaise gefangen, zu dem sie nun einen Korridor offenhalten sollte. Nach den schweren Verlusten, den die Deutschen im Kessel von Falaise erlitten, kam Hans von Luck am 9. September nach Straßburg, wo seine Truppen der 5. Panzerarmee (Hasso von Manteuffel) unterstellt wurden.

Am Morgen des 11. Januar führte die Kampfgruppe von Luck gemeinsam mit der „Kampfgruppe Huss“ im Elsass einen Gegenangriff von Hatten in Richtung Rittershoffen.

Ostfront, 1945 Im Januar 1945 kam Hans von Luck mit seinem Verband an die Oderfront. Das Chaos des sich rapide abzeichnenden Zusammenbruches Deutschlands an allen Fronten führte auch zu einem Verlust der militärischen Ordnung; die irrtümliche Erschießung selbst dekorierter Soldaten durch andere deutsche Einheiten wegen vermeintlicher Desertion betraf auch die Kampfgruppe von Luck. Am 25. April unternahm die Kampfgruppe von Luck, zeitgleich mit einer Kampfgruppe unter SS-Standartenführer Rüdiger Pipkorn, einen Ausbruch, um die Garnison von Frankfurt an der Oder mit der 9. Armee wiederzuvereinen.

Von Luck wurde am 27. April 1945 während eines Ausbruchsversuchs aus dem Halbe-Kessel von sowjetischen Truppen gefangen genommen.

Nachkriegszeit Er wurde mit einem Viehwaggon nach Tkibuli im Kaukasus transportiert und im Oktober 1945 im Lager 518 (später umbenannt in Lager 7518) mit 3500 deutschen Gefangenen untergebracht. Der Leiter der dortigen Kohlegruben hatte als Oberst persönlich vor Moskau gegen Luck gekämpft. Zunächst deutscher Lagerkommandant, arbeitete Luck nach Ablösung der sowjetischen Offiziere im Kohlebergbau unter Tage und später als Brigadier eines Arbeitstrupps außerhalb der Bergwerke. Anfang 1949 war er zeitweise in einem Lager in Tiflis und später in Kiew unterbracht. Am 5. Januar 1950 erfolgte seine offizielle Entlassung aus der Gefangenschaft. Seine Frau Dagmar arbeitete damals als Reporterin beim Fernsehen in Berlin. Es erfolgte kurz nach ihrem Wiedersehen seine erste Scheidung. Er arbeitete zuerst in einem großen Hotel in Hamburg als Nachtempfangschef. Danach arbeitete er in leitender Funktion bei einer Exportfima. Das Amt Blank bot ihm an, in die Bundeswehr einzutreten und stellte einen Einsatz bei der Panzerwaffe oder als Militärattaché in Aussicht. Luck lehnt dieses Angebot ab. Er lebte und arbeitete für die Exportfima zeitweise in Angola. 1985 besuchte er mit anderen Mitgefangenen im Kaukasus die Orte seiner Gefangenschaft.Hans von Luck: Mit Rommel an der Front. 3. Auflage Verlag E. S. Mittler & Sohn 2003, Hamburg, Berlin, Bonn, S. 279ff.

Er heiratete zweimal, zuerst 1952 Margot Rindfleisch, sie hatten zwei Söhne, Cai und Clemens. Nach der Scheidung 1970 heiratete er nochmals, mit seiner Frau Regina Zollenkopf hatte er einen Sohn, Alexander.