mini|257x257px|Eine Treppe im Andy Warhol Museum Medzilaborce ist im Stil des Flowers-Motivs gestaltet.Flowers ist der Titel mehrerer Gemälde- und Druckserien des amerikanischen Künstlers Andy Warhol, welche in den Jahren zwischen 1964 und 1980 entstanden. Die Siebdrucke zeigen ein charakteristisches quadratisches Motiv mit vier Blüten in verschiedenen Farben und Größen. Die Flowers sind dem Genre der Pop Art zuzuordnen.
Hintergrund
Ihren Anfang nahmen die Flowers an einem Tag im Frühsommer 1964, als Warhol und der befreundete Kunsthändler Henry Geldzahler die Weltausstellung in New York besuchten, um sich Warhols dort ausgestelltes Werk 13 Most Wanted Men anzusehen. Angesichts der überwiegend düsteren Themen, wie den Death and Desasters Series, welche Warhols Kunst in dieser Zeit zum Inhalt hatte, versuchte Geldzahler seinen Freund zu neuen, etwas fröhlicheren Motiven zu bewegen. Henry Geldzahler: „Ich sagte: ‚Genug von Tod und Katastrophen; es ist Zeit, sich wieder dem Leben zuzuwenden.‘ und er [Warhol] meinte: ‚Was willst du damit sagen?‘ Ich war gerade bei ihm im Studio... Ich hob eine Zeitschrift auf, schlug sie irgendwo auf, da war ein Bild mit Blumen, und ich sag: ‚So was hier zum Beispiel:‘“
Bei der Zeitschrift handelte es sich um die Juniausgabe von Modern Photography, einem Magazin für Fotografen. Geldzahlers Rat folgend verwendete Warhol tatsächlich eines der dort abgebildeten Blumenfotos – eine Aufnahme der Fotografin Patricia Caulfield – als Vorlage für seine neuen Serien. Er schnitt einen Teil des Bildes aus und montierte daraus ein quadratisches Motiv mit vier Blüten.
1964: Castelli-Ausstellung Über den Sommer und Herbst 1964 hinweg entstanden die ersten Varianten dieses Motivs. Warhol ließ Siebdruckschablonen in unterschiedlichen Größen anfertigen und experimentierte mit verschiedenen Blütenfarben, behielt jedoch stets einen grünen Hintergrund bei. So formierte sich in fünf Formaten (24, 48, 60, 82 und 82x160 Zoll) die erste Generation der Flowers.
Warhol präsentierte die Flowers erstmals im Rahmen der Ausstellung „Flower Paintings“, welche vom 21. November bis 17. Dezember 1964 in der Castelli Gallery in New York zu sehen war. Beim Betreten des Ausstellungsraumes stießen die Besucher unter anderem auf ein Wandpaneel, welches mit achtundzwanzig 24-Inch Flowers bedeckt war. Die Show war sehr erfolgreich. Bereits in den ersten zwei Monaten wurden mehr als dreißig Flowers für Preise zwischen 150 und 1200 Dollar verkauft. Insgesamt kamen bis Jahresende rund 50.000 Dollar zusammen, ein Vielfaches von dem, was Warhols frühere Ausstellungen eingebracht hatten.
Neben seinen Paintings, welche in der Factory auf Leinwände gedruckt wurden, gab Warhol auch Prints, günstigere Druckgrafik-Editionen auf Papier heraus. Hiefür wurden Warhols Vorlagen von professionellen Druckerfirmen in hoher Stückzahl produziert. Die Print-Edition Flowers IV wurde zeitgleich mit der Flowers-Ausstellung bei Castelli herausgegeben.
1965: Flowers on White – Sonnabend-Ausstellung Unmittelbar nach der ersten Ausstellung begann Warhol, mit neuen Farbvarianten des Motivs zu experimentieren. Dabei entstanden von Dezember 1964 bis Januar 1965 die sogenannten Flowers on White, eine Neuauflage der bestehenden Formate mit weißem Hintergrund, welcher charakteristisch für das Aussehen einer zweiten Flowers-Ausstellung in der Galerie Ileana Sonnabend in Paris im Mai 1965 wurde. Anfang 1965 erreichte die Flowers Produktion in der Factory ihren Höhepunkt: Die Vorbereitung der Sonnabend-Ausstellung brachte neue Formate hervor, darunter eine Masse sehr kleiner Flowers in 14, 8 und 5 Zoll. Die 22-Inch Flowers waren ursprünglich als Auftragsarbeit für das Sammlerehepaar Robert und Ethel Scull geplant, welche eine Wand in ihrem Apartment nach dem Vorbild der Castelli-Hängung gestalten wollten.
Die aufwendige Präsentation der kleineren Gemälde bei Sonnabend in Paris war ebenfalls stark an das Wandpaneel bei Castelli angelehnt. So war eine Wand mit neunundneunzig 8-Inch Flowers bestückt, eine mit fünfzig 14-Inch-Flowers, und eine mit neunzig 5-Inch-Flowers. Während dieser Ausstellung verkündete Warhol seinen (vorübergehenden) Abschied von der Malerei. Auch Warhols große Flowers-Phase war damit abgeschlossen.
1967: Rechtstreit mit Caulfield 1967 kam es zu einem Rechtsstreit mit Patricia Caulfield, der Fotografin der ursprünglichen Blumenaufnahme aus Modern Photography. Da Warhol es unterlassen hatte, einen Betrag von 25 $ für die Reproduktionsrechte zu zahlen, forderte sie nun die Vernichtung aller Flowers-Paintings. Warhols Reaktion: „Wäre das nicht wundervoll?“ Um keine Geldstrafe leisten zu müssen druckte er kurzerhand ein paar neue 48-Inch-Flowers, später Late-Four-Foot-Flowers genannt, von welchen zwei Exemplare an Caulfield als Entschädigung übergeben wurden.
1968–70: Stockholm-Flowers, Wandteppiche, Portfolio Im Jahr 1968, anlässlich seiner ersten großen Retrospektive im Moderna Museet in Stockholm, vergrößerte Warhol das Motiv auf monumentale Dimensionen: Die Ten-Foot Flowers bilden mit etwa drei Metern Seitenlänge Warhols größteFlowers-Gemälde.
Im selben Jahr wurde eine Auflage von Flowers-Wandteppichen angefertigt – ein Beitrag für die Gruppenausstellung American Tapestries, kuratiert von Mildred Constantine und Irma B. Jaffe.
Zwei Jahre später, 1970, brachte Warhol in limitierter Auflage ein Flowers-Portfolio heraus, eine Mappe von zehn neu gestalteten Flowers-Druckgrafiken. Sie war ein Auftrag des Kunsthändlers David Whitney und wurde von Warhols neuer Firma Factory Additions herausgegeben.
1978–80: Späte Flowers – Retrospective Series Im Mai 1978 konfrontierte der Kunsthändler Thomas Ammann Warhol mit fünf unsignierten 22-Inch-Flowers. Warhol identifizierte diese als Fälschungen, beschloss aber, sie durch fünf neue, authentische 22-Inch Flowers zu ersetzen, welche er eigens zu diesem Zweck produzierte.
Sechzehn Jahre nach seiner ersten Flowers Serie griff Warhol noch ein letztes Mal zum Blumenmotiv: Für Leonard Stern, den Vorstandsvorsitzenden von Hartz Mountain, schuf er 1980 zwei große Flowers-Gemälde im Format von 72 Zoll. Warhol berichtet in seinem Tagebuch von einer nostalgischen Stimmung während der Arbeit an den 72-Inch Flowers: “It was the same Flowers, the same heat, and the same mood as when I first created them that summer.”
Das Flowers-Motiv taucht auch in Warhols 1978–80 entstandenen Retrospective-Gemälden auf. Diese bestehen in großformatigen Siebdruck-Collagen, welche seine bekannten Motive der 1960er-Jahre in sich vereinen.
Motiv & Herstellung Das Grundmotiv der Flowers ist ein quadratisches Bildformat, welches vier unterschiedlich geformte und gedrehte, fünfblättrige Blütenformen zeigt. Die Blütensilhouetten zeigen keinerlei Struktur, mit Ausnahme eines mittig angedeuteten Blütenstempels. Den unruhigen, dunklen Hintergrund des Bildes bilden grob erkennbare Strukturen von Grashalmen.
Durch Warhols Bemühungen, den Bildern jegliche Struktur und Räumlichkeit zu entziehen, lässt sich keine „korrekte“ Hängung der Bilder ausmachen. Für die Erfassung im AWCR wurde daher ein standardisiertes Notationsschema der Blütenformen festgelegt: Hier wird die kleinste und unregelmäßigste Blütenform (eine rote Blüte in der Originalquelle) unabhängig von ihrer Position als „A“-Blüte – die Übrigen im Uhrzeigersinn als „B-D“ definiert.
Motiventstehung
Als Ausgangsmaterial für sein Flowers-Motiv bediente sich Warhol mehrerer Farbfotografien, welche in der Zeitschrift Modern Photography abgedruckt waren. Diese zeigen die Blüten eines Hibiskus-Strauches. Warhol unterzog die Fotos einigen chirurgischen Eingriffen, ehe das Motiv für seine Bilder feststand.Zu Beginn hatte Warhol die Seiten des rechteckigen Blumenfotos so begrenzt, dass ein quadratisches Format mit vier Blüten entstand. Um diese jedoch ganz miteinbeziehen zu können, musste Warhol eine Blume, welche oben rechts über das Quadrat hinausragte, aus der Originalseite herausschneiden und nach links verschieben. Zusätzlich wurde sie um 180° gedreht. Anschließend wurde das Bild farbentsättigt und der Kontrast soweit erhöht, bis der Hintergrund nur noch aus schwarzen und weißen Flächen bestand und die Blüten keine Struktur mehr, als ihren Stempel hatten. Die Stempel zweier Blüten waren durch die Kontrastierung verloren gegangen und mussten, ebenso wie eine gänzlich verblasste Ecke unten links, aus anderen Teilen des Bildes ergänz werden.
Produktion Der Großteil der Flowers-Gemälde wurde von Warhol und seinen Helfern in der sogenannten Silver Factory hergestellt. Verwendet wurden neben Liquetex Acrylfarben auch spezielle Leuchtfarben der Firma Day Glo. Während die farbigen Hintergrundflächen (Gras und Blüten) in der Regel manuell mit Pinsel aufgetragen wurden, wurde die oberste Ebene mit Warhols Blumen-Motiv stets im Siebdruckverfahren auf die Leinwand gebracht. Einzig die 1965 entstandenen kleineren Flowers wurden ihrer hohen Stückzahl wegen größtenteils komplett im Siebdruckverfahren produziert.
Liste der Flowers-Serien JahrWerkKatalog196448-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr. 1298-132182-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr. 1322-133060-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr. 1413-1416Large FlowersAWCR Kat.-Nr. 141224-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr. 1331-1411Flowers VIF&S Kat.-Nr. II.6Flowers PrintsF&S Kat.-Nr. I.61965Flowers on WhiteAWCR Kat.-Nr. 1465-148622-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr.1487-151214-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr. 1513-15728-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr. 1573-17195-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr.1720-1815Large FlowersAWCR Kat.-Nr. 1816-18221967Late-Four-Foot FlowersAWCR Kat.-Nr. 1981-19851968Ten-Foot FlowersAWCR Kat.-Nr. 2045–2055Flowers TapisserienAmerican Tapestries S.451970Flowers PortfolioF&S Kat.-Nr. II.64-73Flowers ProofF&S Anhang197822-Inch Flowers (spät)AWCR Kat.-Nr. 4554-4558Flowers PrintsF&S Kat.-Nr. IIIA.14198072-Inch FlowersAWCR Kat.-Nr. 4559, 4560
Sonstiges Im Jahr 1972 kam es zu einer Kollaraboration zwischen Warhol und dem befreundeten Modeschöpfer Halston. Hierbei fungierten Warhols Flowers als Stoffmuster für ein Abendkleid.
Ausstellungen (Auswahl) New York City: Leo Castelli Gallery Andy Warhol [Flowers] November 21 - Dezember 17, 1964 Paris: Galerie Ileana Sonnabend Andy Warhol [Flowers] Mai, 1965 Stockholm: Moderna Museet Andy Warhol [Retrospektive] Februar 10 - März 17, 1968
Siehe auch Silver Factory
Literatur Blake Gopnick, Andy Warhol: Warhol: ein Leben als Kunst: die Biografie. 1. Auflage. C. Bertelsmann, München 2020, ISBN 978-3-570-10207-7. Andy Warhol - Flower Paintings - Exhibitions - Castelli Gallery. Abgerufen am 27. März 2026 (englisch). Patrick S. Smith, Andy Warhol: Andy Warhol's art and films (= Studies in the Fine Arts The Avant-garde. Nr. 54). UMI Research Press, Ann Arbor, Mich 1986, ISBN 978-0-8357-1894-3. Andy Warhol, Georg Frei, Neil Printz, Sally King-Nero: Paintings and sculptures, 1964-1969: Warhol 02A[-B]: the Andy Warhol catalogue raisonne. Phaidon Press, New York, NY 2004, ISBN 978-0-7148-4087-1. Andy Warhol, Georg Frei, Neil Printz, Sally King-Nero: The Andy Warhol catalogue raisonne. 06B. Phaidon Press Limited; Phaidon Press Inc, London : New York, NY 2002, ISBN 978-0-7148-4086-4. Frayda Feldman, Jörg Schellmann, Andy Warhol, Claudia Defendi: Andy Warhol prints: a catalogue raisonné 1962 - 1987. 4. ed., rev. and expanded. D. A. P. [u. a.], New York 2003, ISBN 978-1-891024-63-4. Mildred Constatine, Irma b. Jaffe: American Tapestries. Charles E. Slatkin, Inc. Galleries, New York 1968 Victor Bockris, Victor Bockris, Victor Bockris: Andy Warhol. Claassen, Düsseldorf 1989, ISBN 978-3-546-41393-0. Lobel, Michael. “In Transition: Warhol's Flowers.” Andy Warhol Flowers, Eykyn Maclean, 2012.
Einzelnachweise
Kategorie:Andy Warhol