Die Schlacht um Kohima fand zwischen dem 4. April und dem 22. Juni 1944 im Rahmen des Burmafeldzugs während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg statt.
Zusammen mit der eng damit verbundenen und gleichzeitig stattgefundenen Schlacht um Imphal war sie der Wendepunkt der japanischen Operation U-gō von Burma nach Nordostindien. Die Schlacht fand in drei Phasen statt, wobei die erste Phase der Aufmarsch und die Blockadevorbereitung der japanischen Armeen war. Die zweite Phase bestand aus der Blockade selbst und die dritte Phase stellt dann die Befreiung der eingeschlossenen alliierten Streitkräfte dar.
Planung Die japanische Operation U-gō zur Invasion Indiens sah ursprünglich einen vernichtenden Angriff auf das indisch-britische IV Korps bei Imphal im indischen Bundesstaat Manipur vor. Damit sollten die Offensivpläne der Alliierten für das Jahr 1944 durchkreuzt werden.
Generalleutnant Mutaguchi Ren’ya, Kommandeur der japanischen 15. Armee, erweiterte daraufhin den Plan, um eine Invasion Indiens selbst und möglicherweise den Sturz der britischen Vorherrschaft dort vorzusehen. Er vertrat die Meinung, wenn die Japaner in Indien stark Fuß fassen könnten, sie damit das britische Empire im Land schwächen und die indischen Nationalisten um die Legion Freies Indien in ihren Entkolonialisierungsbemühungen ermutigen würden. Auch die Nachschublinien der USA zur Nationalrevolutionären Armee von Generalissimus Chiang Kai-shek könnten dadurch stark eingeschränkt werden.
Nachdem Generalleutnant Mutaguchi die Stäbe der verschiedensten Ebenen überzeugen konnte, wurde die Offensive am 7. Januar 1944 vom kaiserlichen Hauptquartier genehmigt.
Vormarsch der japanischen Streitkräfte mini|hochkant|Generalleutnant Satō Kōtoku Um die gesetzten Ziele zu erreichen, befahl Mutaguchi der 15. und der 33. Division die britisch-indischen Streitkräfte in der Imphal-Ebene einzukreisen und zu vernichten. Weiterhin sollten unter dem Kommando von Generalleutnant Satō Kōtoku die 3. und 31. Division nach Westen vorstoßen, um die Straße zwischen dem großen Versorgungsdepot und dem Bahnhof in Dimapur, dem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt und Logistikstützpunkt im Brahmaputra-Flusstal, zu unterbrechen und so zu verhindern, dass Verstärkungen dem britisch-indischen IV Korps zu Hilfe kommen. Die Straße sollte an der kleinen Bergstation Kohima unterbrochen werden, die am Pass durch die Hügel lag.
Nach dieser erfolgreich verlaufenden Operation plante Mutaguchi weiter nach Indien vorzurücken. Er war davon überzeugt, dass die Inder dann zur Unterstützung der Japaner gegen die Briten aufstehen würden.
Reaktion der Alliierten Schon kurz nach dem Start der Operation U-gō erfolgte die erste Reaktion der alliierten Streitkräfte. Die Briten wussten natürlich, dass die Japaner auf Kohima zumarschierten, aber sie schätzten die Anzahl und die Geschwindigkeit der Annäherung nicht ganz korrekt ein. Die japanische 31. Division umfasste etwa 15.500 Soldaten, was den Briten nicht bewusst war.
Das britisch-indische XV Korps unter dem Befehl von Generalleutnant Sir Alexander Frank Philip Christison begann am 19. März eine Luftbrücke von Arakan zur Verstärkung des britisch-indischen IV Korps unter Generalleutnant Sir Geoffry Scoones in Imphal einzurichten. Diese firmierte unter dem Decknamen Operation Stamina. Bis zum 12. Mai wurden fünf weitere Brigaden eingeflogen.
Mit der Schlacht um Sangshak im März 1944 begannen die ausgedehnten Operationen um Imphal und Kohima. Durch die dadurch ausgelöste Verzögerung des japanischen Durchmarsches nach Kohima und Dimapur gelang es den Alliierten Nachschub an Waffen, Munition und Soldaten dorthin zu bringen.
Kohima In Kohima kamen und gingen ständig Soldaten. Der Ort hatte den Charakter wie ein Durchgangslager, während der Truppenaufbau in Imphal weiter voranschritt. Aufgrund der ständigen Bewegung der Männer bestand die Garnison unter dem Kommando von Oberst Hugh Richards nach optimalen Schätzungen aus etwa 1500 kämpfenden Truppen. Hierbei handelte es sich hauptsächlich um 420 Offiziere und Männer des 4. Bataillons des Queens Own Royal West Kent Regiments, die zusammen mit dem Rest ihrer Brigade, der indischen 161. und der 5. Infanteriedivision, die aus Arakan nach Kohima ausgeflogen worden waren, um der dortigen Bedrohung durch die Japaner zu entgehen. Der Rest der Einheiten wurde aus Elementen der Assam Rifles und des Assam Regiments zusammen mit den Soldaten aus dem dortigen Urlaubs- und Sanitätslager gebildet.
Weiteres Vorrücken der Japaner Ab dem 15. März überquerte die 31. Division den Fluss Chindwin in der Nähe von Homalin und zog auf Pfaden durch den Dschungel auf einer fast 100 Kilometer breiten Front nach Nordwesten. Da nicht genügend Transportmittel zur Verfügung standen blieben die Hälfte der Gebirgsgeschütze des Artillerieregiments und die schweren Waffen der Infanterieregimenter zurück. Zudem wurden nur Lebensmittel- und Munitionsvorräte mitgeführt, die für drei Wochen ausreichten. mini|Generalleutnant Masafumi Yamauchi Der linke Flügel der Division bestand aus dem Großteil des 58. Regiments und wurde vom Kommandeur der Infanteriegruppe der Division, Generalmajor Miyazaki Shigesaburō, angeführt. Die 5. Division von Generalleutnant Masafumi Yamauchi befand sich hinter ihnen. Am 20. März trafen sie auf indische Einheiten, die die nördlichen Zugänge zu Imphal abdeckten.
Die daraus resultierende Schlacht um Sangshak dauerte sechs Tage. Die Japaner waren zwar erfolgreich, hatten danach aber mehr als 400 Opfer zu beklagen. Shigesaburō Miyazaki war es gelungen auch einige der Lebensmittel und Munition zu erbeuten, die von Flugzeugen der Royal Air Force an die Verteidiger von Sangshak abgeworfen worden waren. Trotz dieses kleinen Erfolgs hatte Miyazakis Truppe, die eigentlich den kürzesten und einfachsten Weg nach Kohima hatte, eine unschätzbare Woche Verspätung.
Generalleutnant Slim erkannte unterdessen, teilweise anhand japanischer Dokumente, die in Sangshak erbeutet wurden, dass eine ganze japanische Division auf Kohima vorrückte. Er und sein Stab waren ursprünglich davon ausgegangen, dass das unwegsame Gelände der Gegend die Japaner daran hindern würde, mehr als ein Regiment gegen Kohima zu schicken. Slim war bewusst, dass es in Kohima nur wenige Kampftruppen gab und am lebenswichtigen Stützpunkt 48 Kilometer nördlich in Dimapur überhaupt keine. Da der Fall von Dimapur für die Alliierten katastrophal gewesen wäre, bat Slim seinen Vorgesetzten, General Sir George Giffard, den Kommandeur der 11. Armeegruppe, um mehr Truppen, um Dimapur zu schützen und den Abzug von Imphal vorzubereiten.
Schlacht um Kohima Garrison Hill Generalleutnant Montagu Stopford, der Befehlshaber des britischen XXXIII Korps, hatte kurz vor dem Eintreffen der Japaner dann noch Verstärkungen aus Dimapur erhalten. Zwei Bataillone mit angegliederter Artillerie waren etwa drei Kilometer westlich von Kohima auf dem höchsten Hügel des Bergrückens stationiert, der später als Garrison Hill bekannt wurde. Das Terrain dieses Bergrückens ermöglichte nur den Einsatz eines Bataillons des 4. Royal West Kent Regiments. Der Rest der indischen 161. Brigade, inklusive der Artillerie der Brigade, wurden mehr als zwei Kilometer westlich von Kohima in Jotsoma stationiert. Während des Schlachtverlaufs wurden Einheiten von Jotsoma nach vorne geschickt, um die von der 4. Royal West Kents abgedeckten Gebiete zu verstärken.mini|Blick auf das Schlachtfeld Garrison HillDie Kämpfe begannen dort am 30. März, als die japanische 31. Division die verstreuten Einheiten der Assam Rifles und anderer Regimenter, die die Zugänge nach Kohima verteidigten, zurückdrängte. Die Verteidiger der Stadt standen jetzt einer japanischen Übermacht von rund 12.000 Soldaten gegenüber. Kommandeur Richards war auf die Ankunft einer Durchbruchtruppe aus Dimapur, der britischen 2. Division, angewiesen, ohne die seine Verteidigung überfordert wäre.
Die Japaner trafen am 4. April in der Gegend um Kohima ein.
Die Belagerung von Kohima Die alliierten Truppen hatten bis zum 5. April ihre jeweiligen Stellungen in und um Kohima bezogen. Die 4. Royal West Kents und die unterstützenden Truppen der Assam Rifles, des Assam Regiments und Gurkhas des Shere Regiment des Maharadscha Juddha Shumsher von Nepal wurden in einer Reihe von Schützengräben entlang des Kohima Bergrückens positioniert. Der Bergrücken bestand aus Hügeln wie Garrison Hill, Jail Hill, dem Field Supply DepotFeldversorgungsdepot (FSD) Hill und Detail IssueDas Detail Issue Depot wurde zur Lagerung und Verteilung der Grundversorgung an die verschiedenen Lager errichtet. (DIS) Hill. Wo sich die lange Straße von Dimapur bis zum Kamm des Bergrückens hinaufschlängelt stand der Bungalow des britischen Deputy Commissioner (DC) Charles Pawsey mit seinem asphaltierten Tennisplatz und seinen in den Hang gehauenen Terrassengärten. Dicht daneben lag der Summer House Hill, der durch einen Sattel mit einem anderen Hügel namens Treasury Hill verbunden war. Das Schlachtfeld, das von einem dritten Hügel, dem von den Japanern besetzten College Hill, dominiert wurde, war sehr klein. Das von der insgesamt etwa 2.000 Mann starken Garnison als Hauptverteidigungslinie genutzte Areal war kaum größer als 370 mal 460 Meter.
Die Verteidiger verfügten zwar über Nahrung, aber es fehlte ihnen an Wasser, Munition und medizinischer Versorgung was für eine längere Verteidigung wichtig war. Diese wurden ihnen von der Royal Air Force bereitgestellt. Alles wurde auf dem Summer House Hill abgeworfen, dem einzig möglichen Ort, der sich noch in den Händen der Verteidigung befand und an dem eine Chance bestand, die Container einzusammeln. Dies geschah kriechend meist nachts auf die Gefahr hin auf Japaner zu treffen, die ebenfalls die Güter einsammeln wollten. mini|Japanische Angriffe auf Imphal and Kohima zwischen März und April 1944 Die japanische 31. Division eröffnete mit dem Angriff am Abend des 5. auf den 6. April die Belagerung von Kohima. Die Garnison wurde kontinuierlich beschossen, in vielen Fällen von Japanern, die in Sangshak und anderen Depots erbeutete Waffen und Munition verwendeten, und wurde langsam auf einen kleinen Umfang auf dem Garrison Hill zusammengedrängt.
Die 4. Royal West Kents erkannten ihre zahlenmäßige Unterlegenheit und zogen sich nach dem ersten größeren Angriff von den isolierteren Stellungen auf dem Hügel zurück. Die Japaner waren erheblich auf dem Bergrücken vorgedrungen und bereiteten ihre eigenen Verteidigungsstellungen vor. Am 7. April trafen Verstärkungen der Rajputen aus Jotsoma ein, was die Moral der Verteidiger stärkte.
Am 8. April starteten die Japaner eine Reihe von Angriffen auf den nordöstlichen Bereich der Verteidigungsanlagen. Die Briten und Inder an diesem Ort wurden am folgenden Tag gezwungen sich auf den Tennisplatz des Bungalows zurückzuziehen. Der Tennisplatz selbst wurde zum Niemandsland, da sich die Japaner und die Verteidiger von Kohima auf gegenüberliegenden Seiten eingruben. Sie lagen so nah beieinander, dass Granaten zwischen den Schützengräben hin und her geworfen werden konnten.
Auch die Gleise zwischen Jotsoma und Kohima sowie die Straße zwischen Jotsoma und Dimapur wurden unterbrochen. So zwangen die Japaner die Garnison in Kohima am 10. und 11. April mit Angriffen auf DIS und FSD, sich weiter in ihre Linien zurückzuziehen.
Am 13. April nutzten die Japaner ihren Vorteil gegenüber den britischen und indischen Stellungen auf dem Bergrücken. Die Verteidiger am Tennisplatz und in der Nähe des Bungalows gerieten immer stärker unter Artillerie- und Mörserfeuer und sahen sich häufigen Infanterieangriffen ausgesetzt, die sie abwehren mussten. Dies geschah mit Hilfe des präzisen Feuers der am Jotsoma-Kamm stationierten Artillerie, was den japanischen Kommandeuren nicht entging. Daher richteten sie ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Stellungen der Artillerie bei Jotsoma. Die britischen und indischen Truppen konnten auch diese Angriffe abwehren.