mini|Emblem des Antarktis-Vertrags|alternativtext=Der weiße Kontinent Antarktika auf einem blauen Grund. Von der Bildmitte gehen in gleichem Abstand zueinander 12 Linien ab. Außerdem sind von der Mitte ausgesehen drei größer werdende Kreise auf dem Bild.CRAMRA (kurz für ) ist die Kurzbezeichnung für ein am 2. Juni 1988 im neuseeländischen Wellington verabschiedetes internationales Abkommen, das nie in Kraft getreten ist. Es hatte die völkerrechtliche Regelung staatlicher Erschließungs- und Bergbauunternehmungen in der Antarktis zum Ziel und hätte die Erkundung und den Abbau von Ressourcen unter Einhaltung strenger Umweltvorschriften erlaubt.

Den Verhandlungsrunden gingen einige Jahrzehnte kleiner Funde antarktischer Ressourcen sowie Spekulationen über große Vorkommen voraus. Die Vertragsstaaten des 1959 verhandelten Antarktis-Vertrags hielten eine Regelung für notwendig, um eine mögliche Gefahr für die Koexistenz der Staaten in der Antarktis abzuwenden. Die Anzahl der beteiligten Staaten wuchs im Laufe der sechs Jahre andauernden Verhandlungen auf 32 Nationen an.

Nach seinem Verabschiedungsort wird CRAMRA auch oder Wellingtoner Übereinkommen genannt. Das Übereinkommen war nicht unumstritten. Bereits während der Tagungen wurde Kritik, unter anderem im Rahmen der Generalversammlung der Vereinten Nationen und von Umweltorganisationen, geäußert. Trotzdem kam es zunächst zu einer Einigung. Nach der Verabschiedung nahm die Kritik weiter zu, auch verursacht durch Umweltkatastrophen. Australien und Frankreich stellten den Plan vor, die Antarktis zu einem Wildnispark umzugestalten. Diesem Ziel schlossen sich weitere Staaten an, sodass CRAMRA von keinem Staat ratifiziert wurde und in der Folge nicht in Kraft trat. Einige der Vorschriften wurden jedoch in das Umweltschutzprotokoll zum Antarktis-Vertrag aufgenommen, das 1991 aufgrund der australisch-französischen Initiative verabschiedet wurde. Dazu gehören die Prinzipien der Umweltschutzregelungen und die Grundsätze der Umweltverträglichkeitsprüfung. Seit Inkrafttreten des Umweltschutzprotokolls gilt CRAMRA als aufgegeben.

In der Umweltrechtsliteratur wird CRAMRA teilweise das Potential zugesprochen, ein mögliches Regime für die Zukunft zu sein, wenn die Vertragsstaaten entscheiden würden, das 1991 verabschiedete Bergbauverbot nicht zu verlängern.

Vorgeschichte Entdeckung von Ressourcen in der Antarktis mini|Basislager der Australasiatischen Antarktisexpedition, die Mawson’s Huts (um 1912)|alternativtext=Bild in Schwarz weiß, man sieht in etwa im mittleren Drittel des Bildes zwei Hütten gebaut aus Holz, im Bild schwärzlich, bräunlich zu sehen. Bei der rechten Hütte sieht man links einen Schornstein. Vor den Gebäuden stehen zahlreiche Kisten. Vor diesen Kisten bis zum unteren Bildrand ist Schnee zu sehen. In der unteren linken Bildhälfte sieht man sechs Pinguine, die vom Bildbetrachter aus nach links gehen. Die Erkundung der Antarktis begann Ende des 19. Jahrhunderts. Durch verschiedene Expeditionen, unter anderem des Vereinigten Königreiches, der Vereinigten Staaten, des Russischen Kaiserreiches und Frankreichs, wurde der Kontinent erforscht und kartiert. Insbesondere der Fisch- und Walfang war ein ausschlaggebendes Motiv, in diesen Teil der Welt vorzudringen. Schon bei den ersten Expeditionen in die Antarktis wurden mineralische Ressourcen gefunden. Carsten Egeberg Borchgrevink entdeckte 1899 Quarzvorkommen, 1907 stieß Douglas Mawson bei seiner ersten Expedition in die Antarktis auf Kohle. 1940 fand Trevett Dalwood von der South Australian School of Mines in Proben von Mawsons Australasiatischer Antarktisexpedition von 1911 bis 1914 kleine Vorkommen von Gold sowie Spuren von Kupfer, Arsen und Silber.Andrew Jackson: Who Saved Antarctica? The Heroic Era of Antarctic Diplomacy. Palgrave Macmillan, Cham 2021, ISBN 978-3-030-78405-8, S. 17–18.

Nach diesen ersten Funden wuchs das Interesse an einer Ressourcenerschließung der Antarktis. Zeitgleich wurden jedoch auch Forderungen laut, die Antarktis künftig als Naturpark zu schützen. Der Schweizer Naturforscher Paul Sarasin forderte bereits 1913 in seiner Denkschrift „Über die Aufgaben des Weltnaturschutzes“, die Antarktis wie die Arktis zu Schutzgebieten zu erklären. Dessen ungeachtet erhoben verschiedene Staaten Territorialansprüche in der Antarktis. So verteidigte der chilenische Außenminister Raúl Gomez 1947 staatliche Ansprüche mit den Vorkommen von Ressourcen, und auch Neuseeland verband die Erschließung von Ressourcen mit der Frage nach politischer Souveränität über den Kontinent.Andrew Jackson: Who Saved Antarctica? The Heroic Era of Antarctic Diplomacy. Palgrave Macmillan, Cham 2021, ISBN 978-3-030-78405-8, S. 19–20. Während des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/1958 begannen mehrere Staaten, dauerhafte Forschungsstationen in der Antarktis zu errichten.

Debatten über die Wirtschaftlichkeit einer Erschließung Zunächst galt eine Förderung der antarktischen Mineralien noch als zu kostspielig. So veröffentlichte beispielsweise im Jahr 1939 das Außenministerium der Vereinigten Staaten eine Studie zu Ressourcenvorkommen unter dem Eis. Damals wurde es als unwirtschaftlich eingeschätzt, die wenigen gefundenen Rohstoffe zu erschließen. Das Interesse der Vereinigten Staaten verlagerte sich daher zunächst auf die im Antarktischen Ozean vorkommenden Erdöl- und Erdgasressourcen unter dem Meeresboden. Neben den Vereinigten Staaten von Amerika führten auch andere Länder Expeditionen nach Antarktika durch. Vor allem das ressourcenarme Japan zeigte Interesse an der Erschließung von Rohstoffvorkommen. Andere Staaten wie Australien und die Sowjetunion führten ab den 1960ern weitere Rechnungen durch. Die Australier versuchten, die bei den Expeditionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefundenen Kohlevorkommen genauer einzuschätzen. Dies ging mit einigen Unternehmen einher, die um Bergbaugenehmigungen der australischen Regierung ersuchten. Experten der Sowjetunion vermuteten Vorkommen unter anderem von Diamanten, Kupfer, Gold, Eisen und Kohle. Kritiker meinten allerdings, dass die Untersuchungen in die Irre führten, denn die gefundenen Mineralien seien nur Teil von Moränen. Solche Funde könnten nicht die Annahme rechtfertigen, dass große und auch wirtschaftlich erschließbare Vorkommen vorhanden seien.Andrew Jackson: Who Saved Antarctica? The Heroic Era of Antarctic Diplomacy. Palgrave Macmillan, Cham 2021, ISBN 978-3-030-78405-8, S. 27.

In den 1960ern machten sich in Neuseeland, Australien, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten Bergbauunternehmen für eine Erschließung der Antarktis stark. Im Jahr 1973 führten die Vereinigten Staaten eine geologische Untersuchung durch und fanden große Vorkommen von Öl und Erdgas in der Bellingshausensee, dem Rossmeer und dem Weddellmeer. Diese Vorkommen ließen die Hoffnung aufkommen, dass es möglicherweise doch wirtschaftlich rentabel sein könne, eventuelle Ressourcen in der Antarktis zu erschließen. Obwohl solche in der Antarktis selbst noch immer nicht gefunden worden waren, schätzte der United States Geological Survey in den 1970er Jahren, dass in der Antarktis mindestens 45 Milliarden Barrel Öl und 115 Trillionen Kubikfuß Erdgas zu finden seien, eine Schätzung, die als zu hoch kritisiert wurde. Im Jahr 1975 beantragte das Unternehmen Texas Geophysical die Erschließung von Vorkommen in der Ross- und Weddell-See, was die Regierung der Vereinigten Staaten ablehnte. Trotz dieser Zurückweisung setzten sich die Diskussionen um eine wirtschaftliche Erschließung der Antarktis fort.

Rechtliche Grundlagen einer Erschließung mini|Erstunterzeichnerstaaten des Antarktis-Vertrags (1959)|alternativtext= Karte der Welt mit den Grenzen von 1959. in einem dunklen Blau sind Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland und Norwegen gekennzeichnet. In einem hellen Blau sind Belgien, Japan, die Sowjetunion, Südafrika und die Vereinigten Staaten gekennzeichnet. Alle anderen Staaten sind grau gefärbt. Der 1959 beschlossene Antarktis-Vertrag regelte ihren politischen Status. Der Vertrag zielt auf die friedliche Nutzung und internationale wissenschaftliche Forschung in der Antarktis, traf allerdings bezüglich der Vorkommenserschließung keine Entscheidungen. Für diesen Umstand werden zwei sich widersprechende Thesen angeführt. Einer Erklärung zufolge standen in den 1950ern die Ressourcenvorkommen der Antarktis noch gar nicht im Fokus der Verhandlungsstaaten.Fabio Tronchetti: The Exploitation of Natural Resources of the Moon and Other Celestial Bodies. A Proposal for a Legal Regime (= Studies in Space Law. Band 4). Martinus Nijhoff Publishers, Leiden/Boston 2009, ISBN 978-90-04-17535-8, S. 141–143, 146–147, 154. Einer anderen These zufolge seien die Vertragsparteien davon ausgegangen, dass die Vertragsverhandlungen scheitern würden, sollte die Ressourcenfrage auf der Agenda stehen. Aus diesem Grund seien Gespräche über die Erschließung von Rohstoffen vermieden worden.Andrew Jackson: Who Saved Antarctica? The Heroic Era of Antarctic Diplomacy. Palgrave Macmillan, Cham 2021, ISBN 978-3-030-78405-8, S. 21–22. In den 1960er und 1970er Jahren bildete sich ein internationaler Konsens dazu heraus, dass die Ausarbeitung eines Regelungssystems für mögliche Erschließungen eher vor dem Beginn eines Bergbaus in der Antarktis gelingen könne als danach. Zunächst war jedoch noch immer die Frage, wie politisch und rechtlich mit der Antarktis umgegangen werden sollte. Einige Staaten waren zu diesem Zeitpunkt noch bereit, ihre Ansprüche aufzugeben und die Antarktis zu internationalisieren. Dazu gehörten bei dem Treffen der Staaten 1968 die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, das Vereinigte Königreich und Neuseeland. Zusätzlich wird vermutet, dass auch Norwegen zur Aufgabe seiner Ansprüche bereit gewesen sei. Die Ansprüche wurden nicht als wichtig angesehen; der Antarktis sprachen die Staaten keinen Wert außerhalb von wissenschaftlicher Nutzung zu.Andrew Jackson: Who Saved Antarctica? The Heroic Era of Antarctic Diplomacy. Palgrave Macmillan, Cham 2021, ISBN 978-3-030-78405-8, S. 26. Für Gespräche über eine Lösung kamen im Oktober 1970 einige Staaten in Tokio zusammen. Zu dieser Zeit hatte das Vereinigte Königreich immer noch die Absicht, Antarktika zu internationalisieren; die Vereinigten Staaten wollten eine Art Kondominium errichten und auch Neuseeland war bereit, seinen Anspruch aufgeben.Andrew Jackson: Who Saved Antarctica? The Heroic Era of Antarctic Diplomacy. Palgrave Macmillan, Cham 2021, ISBN 978-3-030-78405-8, S. 28–29. Australien, Chile, Argentinien und Frankreich wollten ihre territorialen Interessen dagegen verteidigen und keine Änderungen zulassen, die ihre Souveränität über und nationale Interessen an den von ihnen beanspruchten Gebieten beeinträchtigen würden.Andrew Jackson: Who Saved Antarctica? The Heroic Era of Antarctic Diplomacy. Palgrave Macmillan, Cham 2021, ISBN 978-3-030-78405-8, S. 26, 29.