Amerikanische Fiktion (Originaltitel: American Fiction) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Cord Jefferson aus dem Jahr 2023. Die Hauptrolle übernahm Jeffrey Wright. Basierend auf dem Roman Erasure von Percival Everett (dt. Titel: Ausradiert) stellt der Satirefilm einen angesehenen afroamerikanischen Hochschullehrer in den Mittelpunkt. Dieser veröffentlicht mit Absicht unter Pseudonym eine Erzählung, die alle stereotypen Schwarzen-Klischees vereint und ihn zum erfolgreichen Romanautor werden lässt, allerdings auch einen Gewissenskonflikt mit sich bringt. Das Werk wurde im September 2023 im Rahmen des Filmfestivals von Toronto uraufgeführt und gewann dort den Publikumspreis für den besten Spielfilm. Bei der Oscarverleihung 2024 erhielt Amerikanische Fiktion fünf Nominierungen und wurde mit dem Preis für das Beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet.
Handlung Der aus Boston stammende Thelonious Ellison, genannt „Monk“, ist Hochschulprofessor für englische Literatur in Los Angeles. Auch gilt er als angesehener Autor. Zusehends zeigt sich Monk aber gereizt gegenüber den kulturellen Sensibilitäten, die seine Studenten an den Tag legen. Dies droht sein akademisches Ansehen zu gefährden. Gleichzeitig wird sein neuester Roman von vielen Verlagen abgelehnt. Monk erhält die pauschale Antwort, dass seine Erzählung „nicht schwarz genug“ sei.
Monk nimmt nach den Misserfolgen an einem Literaturfestival in seiner Heimatstadt teil. Dort erzielt das Romandebüt We’s Lives In Da Ghetto große Beachtung und avanciert zum Bestseller. Monk selbst tut sich schwer mit dem Buch. Er stempelt es als Erzählung für Leser ab, die sich an stereotypen Geschichten über das Elend der Afroamerikaner ergötzen wollen. Zur gleichen Zeit erkrankt Monks Mutter an Alzheimer und benötigt intensive Pflege. Weder sein gescheiterter Bruder Clifford noch er können die Rechnungen für ihre Versorgung bezahlen. Bald danach stirbt seine Schwester.
In einem Anfall von Gehässigkeit verfasst Monk eines Nachts unter dem Pseudonym „Stagg R. Leigh“ einen Roman, der alle Schwarzen-Klischees vereint, die er sich nur vorstellen kann. Sein Agent weigert sich zunächst, den Roman anzubieten. Die Veröffentlichungsrechte an dem Manuskript werden aber auf der Stelle von einem angesehenen Verlag gekauft. Monk erhält daraufhin den größten finanziellen Vorschuss, den er jemals gesehen hat. Während bald danach auch die Filmrechte in Hollywood für viel umworben werden, gerät Monk in einen Gewissenskonflikt. Sein Agent erfindet die Geschichte, dass der Autor unter Pseudonym arbeite, weil er ein gesuchter Verbrecher sei. Selbst als Monk den Titel in ein provokantes „Fuck“ ändert, nehmen die Produzenten das hin. Es frustriert ihn zunehmend, dass er nun ausgerechnet mit diesem Mist, mit diesem Witz überaus erfolgreich ist und selbst seine Freundin das Buch mag, ohne zu ahnen, dass er der Autor ist. Andererseits kann er nun seine Mutter bestens unterbringen.
Hintergrund Amerikanische Fiktion ist das Spielfilmdebüt des ursprünglich für das US-amerikanische Fernsehen tätigen Drehbuchautors und Produzenten Cord Jefferson. Für sein Drehbuch zur Serie Watchmen wurde er im Jahr 2020 mit einem Emmy ausgezeichnet.Cord Jefferson. In: imdb.com (abgerufen am 18. September 2023).
Synchronisation Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Angela Ringer und der Dialogregie von Heiko Akrap im Auftrag der TV+Synchron Berlin GmbH in Berlin.
Rolle Darsteller Synchronsprecher Thelonious „Monk“ Ellison Jeffrey Wright Bernd Egger Lisa Ellison Tracee Ellis Ross Meike Finck Sintara Golden Issa Rae Elisa Bannat Clifford Ellison Sterling K. Brown Peter Sura Arthur John Ortiz Hanns-Jörg Krumpholz Coraline Erika Alexander Agnes Hilpert Agnes Ellison Leslie Uggams Judith Steinhäuser Wiley Adam Brody Benedikt Gutjan Willy „The Wonker“ Keith David Marko Bräutigam
Rezeption Veröffentlichung Die Premiere des Films erfolgte am 8. September 2023 beim Toronto International Film Festival. Dort wurde Amerikanische Fiktion in die Sektion Special Presentations eingeladen.American Fiction. In: tiff.net (abgerufen am 18. September 2023). Weiterhin wurde das Werk in die Programme der US-amerikanischen Festivals von Hamptons und Mill Valley aufgenommen, die im Oktober stattfinden.Amerikanische Fiktion – Informationen zur Veröffentlichung. In: imdb.com (abgerufen am 18. September 2023).
Ein limitierter Kinostart in den USA erfolgte ab dem 15. Dezember 2023 im Verleih von Orion Pictures. In Deutschland wurde der Film am 27. Februar 2024 ins Programm von Prime Video aufgenommen.Stefan Geisler: Oscar-Hoffnung direkt im Streaming statt im Kino: Ab heute neu im Abo von Amazon Prime Video In: Filmstarts am 27. Februar 2024, abgerufen am 3. März 2024.
Kritik Von den durch Rotten Tomatoes ausgewerteten 282 Kritiken sind 93 Prozent positiv („fresh“) und führen zu einer Durchschnittswertung von 8,2 von 10 möglichen Punkten. Das Fazit der Seite lautet, dass Jeffrey Wright und der Film „dank der engagierten Herangehensweise des Schauspielers an den betont humorvollen und aufschlussreichen Stoff für immer untrennbar miteinander verbunden sein“ würden. Auf der Website Metacritic erhielt Amerikanische Fiktion eine Bewertung von 82 von 100 möglichen Punkten, basierend auf mehr als einem Dutzend ausgewerteten englischsprachigen Kritiken. Dies entspricht einhelligem Beifall („universal acclaim“).
Bert Rebhandl (Frankfurter Allgemeine Zeitung) sah im Namen der Hauptfigur Bezüge zu Ralph Ellisons Roman Der unsichtbare Mann (1952) und zum Musiker Thelonious Monk (1917–1982). Er meinte, dass der Stoff über 20 Jahre nach der Veröffentlichung des Romans Ausradiert von Percival Everett, auf dem der Film basiert, „gerade wieder einmal sehr gut in die Zeit“ passe. „Denn alles das, was Everett damals schon kritisch aufgriff“, habe „sich seither verstärkt, vor allem das standpunkt- oder gruppenbezogene Sprechen und Schreiben“, so Rebhandl. Die „satirische Zuspitzung“ beginne mit Monk Ellisons verratener Identität, da er alten weißen Männern wie James Joyce nacheifere. Amerikanische Fiktion baue „lustvoll seine Übertreibungen“ auf Jeffrey Wrights zurückhaltendes Spiel auf, reichere „dann aber mit vielen Zwischentönen seine deutliche Botschaft“ an. Cord Jeffersons Regiedebüt müsse es „mit dem Mythos vom ‚großen amerikanischen Roman‘ gar nicht aufnehmen, um eine sehr präzise Bestandsaufnahme der Reste der bürgerlichen Öffentlichkeit in Amerika vorzunehmen“.Bert Rebhandl: An Anna Kendrick wird man nicht mehr vorbeikönnen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. September 2023, Nr. 218, S. 13.
Der Filmdienst urteilt: „Eine warmherzige, kluge Komödie, die sich auf elegant-unaufdringliche Weise mit dem Markt des Geschichtenerzählens und der Ausbeutung von Stereotypen über Minderheiten auseinandersetzt“.
Auszeichnungen Im Rahmen des Filmfestivals von Toronto 2023 wurde Amerikanische Fiktion als bester Spielfilm mit dem Publikumspreis (People’s Choice Award) geehrt, noch vor Alexander Paynes The Holdovers und Hayao Miyazakis Animationsfilm Der Junge und der Reiher.Toronto International Film Festival announces 2023 award winners. In: tiff.net, 17. September 2023 (abgerufen am 18. September 2023). Weitere Festivaleinladungen und Nominierungen für Filmpreise folgten.Auszeichnungen. In: imdb.com (abgerufen am 8. November 2023). Bei der Oscarverleihung 2024 erhielt das Werk fünf Nominierungen, unter anderem als Bester Film.