mini|Koffler-Teilchenbeschleuniger mit angebautem Kraar-Observatorium, Weizmann-Institut für Wissenschaften Rechovot (, modernhebräische Aussprache: [],Ruth A. Berman: Modern Hebrew. In: Robert Hetzron (Hrsg.): The Semitic Languages. Routledge, 2006, S. 316. , andere Schreibweisen: Rehovot, Rechowot) ist eine Stadt in Israel. Sie liegt etwa 20 Kilometer südlich von Tel Aviv und hat Einwohner (). Der Name bedeutet „Straßen“ oder „weite Räume“ und leitet sich von der Bibel abWolfgang Scheel: Lexikon biblischer Ortsbenennungen im modernen Israel. 6. Auflage. Concepcion Seidel, Hammerbrücke 2024, ISBN 978-3-86716-265-4, S. 83. ( auch im Stadtwappen zitiert), wo er den weiten Raum neben einem von Isaak gegrabenen Brunnen bezeichnet. Gegenwärtiger Bürgermeister ist Matan Dil.
Lage Die Stadt liegt am Rande des judäischen Hügellandes Schefela im Zentralbezirk Israels. Nachbarorte sind Givʿat Brenner und Kirjat Ekron im Süden, und Sitriah und Ramleh im Osten, Nes Ziona und Netzer Sereni im Norden und Ge'aliah im Westen.
Geschichte Rechovot wurde am 6. März 1890, in einem nur spärlich von Arabern besiedelten Gebiet, von polnischen und russischen Juden gegründet. 1908 siedelten sich Einwanderer aus dem Jemen an. Die ersten Siedler legten Weinberge, Obst-, Mandelbaum- und Zitrusplantagen an. Vom Leben dort im Jahr 1913 und einem öffentlichen Fest während Pessach berichtete Alfons Paquet.Alfons Paquet: In Palästina. Eugen Diederichs, Jena 1915, S. 73–80.
1913 forderten jüdische Einwanderer aus Europa gemeinsam mit Aktivisten des Schomer die Entlassung arabischer Arbeiter in Rechovot. Darauf folgten Auseinandersetzungen, bei denen ein europäischer Einwanderer und ein einheimischer Araber getötet wurden. Die Vorsteher der arabischen Dörfer in der Umgebung berichteten dem Gouverneur, dass die jüdischen Einwanderer „morden, plündern sowie muslimische Frauen und Mädchen vergewaltigen“.
Der Schomer drohte, die Siedlung zu verlassen, falls die Araber nicht entlassen würden. Die Leitung der Siedlung kündigte den Vertrag mit dem Schomer, und Schmu'el Tolkowski, ein prominenter Siedler, sagte, das Verhalten des Schomer schade dem Ansehen der Siedlung, da er „unbewaffnete und unschuldige Menschen aus reiner Laune mit Peitschen schlägt“, und dass die „Brutalität … und Unmenschlichkeit“ des Schomer nicht nötig seien.Benny Morris: Righteous Victims. New York: Vintage, S. 53, 65. Im Zuge des britischen Vordringens an der Palästinafront errichteten die Britische Militärbahnen in Palästina 1916–1918 die palästinensische Stammstrecke der Sinai-Bahn bis Lod, an der die dann zivilen Palestine Railways 1920 den Bahnhof Rechovot einrichteten.
1932 wurde eine landwirtschaftliche Forschungseinrichtung von Tel Aviv nach Rechovot verlegt, welche später Standort der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Hebräischen Universität von Jerusalem wurde.The Robert H. Smith Faculty of Agriculture, Food and Environment: Our History
1934 gründete Chaim Weizmann das Daniel-Sieff-Forschungsinstitut, dieses wurde 1949 in Weizmann-Institut für Wissenschaften (Weizmann Scientific Park, Nes Ziona, Rehovot) umbenannt.
Von 1945 bis 1948 betrieb die Haganah unter dem Namen Ayalon-Institut eine geheime Munitionsfabrik unter der Wäscherei eines auf einem Hügel gelegenen Kibbuz, die seit 1987 als Museum zugängig ist.
Am 29. Februar 1948 verübte die paramilitärische Untergrundorganisation Lechi einen Anschlag auf den von Kairo nach Haifa verkehrenden Zug der Palestine Railways, kurz nachdem dieser den Bahnhof Rechovot verlassen hatte. Dabei wurden 28 britische Soldaten getötet, weitere 35 Soldaten und 100 Zivilisten verletzt.
Das meiste Land der arabischen Ortschaft Sarnūqa () gehört heute zu Rechovot. 1948 wurden alle 2761 arabischen Bewohner vertrieben und die meisten ihrer Häuser zerstört.Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, 2004, S. 258f. et passim; Sami Hadawi: Palestinian Rights and Losses in 1948: A Comprehensive Study. Saqi Books, 1988, S. 237; Welcome To Zarnuqa Die Familie von Fathi Schakaki, eines Mitbegründers des Islamischen Dschihad, stammt aus Sarnuka.
Bevölkerungsentwicklung mini|Weizmann-Haus des Architekten Erich Mendelsohn Zwischen 1914 und 1991 wuchs die Einwohnerzahl Rechovots von 955 auf 81.000 an, und die Grundfläche der Stadt hat sich verdoppelt.
Jahr Einwohner 1914 955 1922 1242 1931 3193Volkszählung Palästinas von 1931 1948 12500 1955 26000 1961 29000 1972 39300 1983 67900 1995 85200 2008 111100 2015 132700 2019 143904 2022 152084
Kontroverse Nach einer Welle von islamistisch motivierten Messerattentaten gab im Oktober 2015 die Stadtverwaltung einen Sondererlass heraus, in dem es hieß, dass „Arbeitern, die Angehörige von Minderheiten sind“ (gemeint sind Arabische Israelis), „der Zutritt zu Bildungseinrichtungen verboten ist“. Doron Milberg, ein städtischer Beamter, verteidigte den Erlass und sagte: „Das Reinigungspersonal ... ist bei der Stadt angestellt und es ist kein einziger Araber darunter.“Yarden Skop: Israeli Towns Move to Ban Arab Workers From Schools. In: Haaretz. 18. Oktober 2015.
Bürgermeister 1950–1955: Ben-Zion Horowitz 1955–1968: Yitzhak Katz 1968–1969: Mosche Barsilai 1969–1978: Shmuel Rechtman 1978–1989: Yehezkel Harmelech 1989–1993: Michael Lapidot 1993–1998: Yaakov Sandler 1998–2009: Schuki Forer 2009–2024: Rachamim Malul seit 2024: Matan Dil
Wirtschaft Rechovot ist das israelische Zentrum des Orangenanbaus und Sitz vieler Unternehmen, die Fruchtsäfte abfüllen oder zu Konzentraten verarbeiten.
Im Norden Rechovots befindet sich mit dem Tamar Science Park ein ca. 100 Hektar großes Gewerbegebiet, auf dem sich hauptsächlich Unternehmen aus dem Hochtechnologie-Sektor angesiedelt haben.
Bildung In Rechovot befinden sich die Tiermedizinische Fakultät und die Landwirtschaftliche Fakultät der Hebräischen Universität Jerusalem.
Städtepartnerschaften Städtepartnerschaften bestehen mit Albuquerque, USA Manchester, Vereinigtes Königreich Parana, Argentinien Grenoble, Frankreich Philadelphia, USA Rochester, USA Heidelberg, Deutschland, seit 1983Der Heidelberger evangelische Pfarrer und christliche Zionist Hermann Maas wurde im Jahr 1995 mit der Benennung einer Straße () im östlichen Stadtteil HaYovel geehrt. Er berichtet von seinen Besuchen in Rechovot im Jahr 1933 und 1950. (Hermann Maas: Skizzen von einer Fahrt nach Israel, Karlsruhe 1950, S. 51.)
Persönlichkeiten Ehrenbürger Meir Wilchek (* 1935), Biochemiker
Söhne und Töchter der Stadt Yizhar Smilansky (1916–2006), Schriftsteller Adi'el Amorai (1934–2025), Politiker Jossi Sarid (1940–2015), Journalist und Politiker Nili Mirsky (1943–2018), literarische Übersetzerin Arnon Milchan (* 1944), Filmproduzent Haim Steinbach (* 1944), Objekt- und Installationskünstler Sebulon Orlew (* 1945), Politiker Ronny Reich (* 1947), Archäologe und Hochschullehrer Israel Hershkovitz (* 1950), Anthropologe David Reeb (* 1952), Maler Gali Atari (* 1953), Sängerin und Schauspielerin Omri Ziegele (* 1959), Musiker Ora Avital (* 1960), Künstlerin Roee Rosen (* 1963), Konzeptkünstler, Autor und Filmemacher Yoram Hazony (* 1964), Wissenschaftler und Publizist Nili Abramski (* 1970), Langstreckenläuferin Eyal Golan (* 1971), Sänger Eres Holz (* 1977), Komponist Ben Salomo (* 1977), Rapper und YouTuber Tzipi Hotovely (* 1978), Politikerin und Kolumnistin Uri Smilansky (* 1979), Musiker und Musikhistoriker Idit Silman (* 1980), Politikerin (Jamina) Moran Roth (* 1982), Basketballspieler Amir Weintraub (* 1986), Tennisspieler Roi Kehat (* 1992), Fußballspieler Ronen Rubinstein (* 1993), Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Umweltaktivist Shirli Levi (* 1996), Schauspielerin Oscar Gloukh (* 2004), Fußballspieler
Weitere mit Rechovot verbundene Personen Chaim Weizmann (1874–1952), Chemiker und erster Präsident des Staates Israel, lebte und starb in Rechovot Swetlana Masowezkaja (1925–2014), sowjetische, später israelische Schauspielerin, Synchronsprecherin, Schauspiellehrerin und Radiosprecherin, nahe Rechovot beigesetzt Ida Nudel (1931–2021), sowjetische, später israelische Bürgerrechtlerin
Weblinks
Offizielle Homepage der Stadt Rechovot MyRehovot.info ()
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeindegründung 1890 Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt