Die Organisation und Struktur des Stahlbaus von 1945 bis 1990 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) galt einem bedeutenden Industriezweig.
Zwangsverwaltung in der SBZ Die Hersteller von bau- oder fördertechnischen Stahlbaukonstruktionen waren im Zweiten Weltkrieg überwiegend unter dem Einsatz von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen an der Rüstungsproduktion beteiligt. Mit Befehl Nr. 124 vom 30. Oktober 1945 verfügte die SMAD die Beschlagnahme und provisorische Übernahme aller ehemaligen Rüstungsbetriebe. Die davon betroffenen Stahlbaubetriebe unterlagen somit der Sequestrierung durch die SMAD und deren folgender Enteignung durch Volksentscheide auf Länderebene.
Mit SMAD-Befehl Nr. 138 vom 4. Mai 1947 wurde die Deutsche Wirtschaftskommission (DWK) als zentrale deutsche Verwaltungsinstanz in der SBZ am 11. Juni 1947 etabliert und existierte bis zur Gründung der DDR zum 7. Oktober 1949. Durch SMAD-Befehl Nr. 32 vom 12. Februar 1948 wurden die Kompetenzen der DWK erweitert und die ursprünglichen Industrieverwaltungen in Hauptverwaltungen (HV) der DWK umgebildet. Es folgte am 23. April 1948 der SMAD-Befehl Nr. 76 zur Schaffung der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) als Steuerungsorgan. Die in den zentralgeleiteten VVB (Z) organisierten großen Industriebetriebe unterstanden den Hauptverwaltungen der DWK, während die VVB (L) auf Landesebene den Wirtschaftsministerien der Länder unterstellt waren.
Für die wirtschaftsrelevanten Stahlbaubetriebe wurde auf der Grundlage des Befehls Nr. 76 der SMAD die VVB (Z) ABUS als Vereinigung Volkseigener Betriebe für die Ausrüstung von Bergbau und Schwerindustrie gegründet.
Der VVB (Z) ABUS mit Sitz in Halle/Saale gehörten ursprünglich die folgenden Betriebe an:
Stahlbau ABUS Berliner Stahlbau ABUS Sächsischer Brücken- und Stahlhochbau Dresden-Niedersedlitz ABUS Thüringer Stahlbau und Transportanlagen Erfurt-Gispersleben ABUS Stahl- und Weichenbau Halle/Saale ABUS Stahlbau vorm. Mannesmann Leipzig ABUS Eisenbau Leipzig ABUS Leipziger Stahlbau und Verzinkerei (LSV) ABUS Stahl- und Apparatebau Magdeburg
Förderanlagen ABUS Förderanlagenbau Leipzig ABUS Fabrik für Förderanlagen Magdeburg-Sudenburg ABUS Förderanlagenbau Köthen Krane und Hebezeuge ABUS Hebezeugwerk Sebnitz ABUS Kranbau Köthen ABUS Hebezeugwerk Suhl ABUS Saalfelder Hebezeugbau ABUS Schmalkaldener Kranbau ABUS Kranbau Eberswalde ABUS Vogtländischer Aufzugs- und Maschinenbau Mylau Schwermaschinenbau ABUS Getriebefabrik Coswig ABUS Schwermaschinenbau Wildau ABUS Maschinenfabrik und Eisengießerei Dessau ABUS Maschinenfabrik und Eisengießerei Aschersleben ABUS Maschinen- und Zahnräderfabrik Gotha ABUS Maschinenbau Nordhausen ABUS Gießerei und Maschinenfabrik Berlin-Lichtenberg ABUS Bergbaumaschinen Seehausen Kr. Wanzleben Werk Tarthun ABUS Mechanische Werke Staßfurt ABUS Vereinigte Maschinenfabrik u. Eisengießerei Altenburg (VEMAG) Verpachtet oder Rückübertragung ABUS Marienhütte Cainsdorf ABUS Auer Werkzeugbau (AWEBA) ABUS Wurzener Transportanlagen (WUTRA) ABUS Stahlfensterwerk Bautzen (Festala)
Die Anzahl der Betriebe änderte sich in der Folgezeit mehrfach. 1951 erfolgte die Verlegung des Verwaltungssitzes nach Merseburg. Die VVB unterstand bei ihrer Gründung der DWK, HV Maschinenbau und Elektrotechnik, ab 1950 dem Ministerium für Industrie, HA Maschinenbau und Elektrotechnik sowie seit 1952 dem Ministerium für Maschinenbau, HV Schwermaschinenbau. Gemäß Verordnung über Maßnahmen zur Einführung des Prinzips der wirtschaftlichen Rechnungsführung in den Betrieben der volkseigenen Wirtschaft vom 20. März 1952 wurde die VVB ABUS aufgelöst und mit Wirkung vom 10. April 1952 die Verwaltung Volkseigener Betriebe ABUS gebildet. Die Auflösung dieser VVB erfolgte im März 1953. Mit Befehl NR. 64 vom 17. April 1948 ordnete die SMAD die Beendigung der Zwangsverwaltung in der SBZ an.
Struktur und Organisation des Stahlbaus in der DDR bis zur Kombinatsbildung
Nach Gründung der DDR kam es zur Reorganisation der volkseigenen Industrie. Mit Verordnung vom 22. Dezember 1950 wurden die VVB (L) zum 1. Januar 1951 aufgelöst. An ihre Stelle traten Verwaltungen Volkseigener Betriebe, die keine juristische Selbständigkeit besaßen und lediglich anleitende und kontrollierende Funktionen im Auftrag von Hauptverwaltungen eines Fachministeriums bzw. Staatssekretariats ausübten. Damit wurden alle bedeutenden Industriebetriebe den Hauptverwaltungen der Industrieministerien unterstellt, die anderen Betriebe den nach fachlichen und regionalen Aspekten neu zu bildenden Verwaltungen Volkseigener Betriebe zugeordnet.
Für den Bereich Stahlbau kam es somit zur Bildung einer VVB Stahlbau mit Sitz in Leipzig, Kickerlingsberg 18 unter Zuordnung folgender Betriebe:
VEB Stahlbau Berlin-Lichtenberg VEB Stahlhoch- und Brückenbau Brandenburg VEB Eisenbau Leipzig VEB Stahlbau Magdeburg mit Zweigwerk Parey VEB Stahlbau Niesky (Christoph & Unmack) VEB Stahlbau Werdau (Stahl-, Hoch- und Brückenbau F. Zimmermann) VEB Stahlbau Wismar VEB Glasdachbau Zwickau
Spätere Eingliederungen betrafen:
VEB Stahlbau Chemnitz (Stahlbaubetrieb Hannemann) VEB Stahlbau Lautawerk (aufgelöst am 1. September 1952)
Zum 31. Dezember 1952 erfolgte die Auflösung der VVB Stahlbau Leipzig und deren vorübergehende Übernahme als Abteilung Stahlbau in der Hauptverwaltung Bauindustrie.
Nach Auflösung der VVB ABUS sowie der VVB Stahlbau im März 1953 und der Bildung von Hauptverwaltungen (HV) waren die genannten Betriebe strukturell und inhaltlich bis 1958 in der HV Hebezeuge, Förderanlagen und Stahlbau beim Ministerium für Schwermaschinenbau der DDR organisiert. Aus dieser Hauptverwaltung entstanden ab Oktober 1958 nach fachlichen Aspekten die organisatorisch getrennten:
VVB Bergbauausrüstungen und Förderanlagen (1958–1965) VVB Tagebauausrüstungen, Krane und Förderanlagen (1965–1978) VVB Stahlbau (1958–1964) VVB Industrieanlagenmontagen und Stahlbau (1964–1969)
Organisation und Struktur des bautechnischen Stahlbaus
Gemäß Ministerratsbeschluss vom 30. Juli 1964 sollte die VVB Stahlbau zum Hauptauftragnehmer für Industrieanlagenmontagen und Stahlbau umgebildet und ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang erfolgte die Umbenennung der VVB Stahlbau in VVB Industrieanlagenmontagen und Stahlbau (IAS) und ihre Ausgliederung aus der Abteilung Schwer- und Transportmaschinenbau des Volkswirtschaftsrates mit neuer Zuordnung zur Abteilung Chemieanlagenbau. Gleichzeitig wurde der VEB Industriemontagen Merseburg als Montagebetrieb des Chemieanlagenbaues der VVB IAS zugeordnet. Somit waren folgende Institutionen und Betriebe in der VVB IAS organisiert: Institut für Industrieanlagenmontagen und Stahlbau Leipzig Institut für Stahl- und Leichtmetallbau Leipzig. VEB Großmontagen Berlin VEB Industriemontagen Merseburg VEB Stahlbau Berlin VEB Stahlbau Brandenburg VEB Sächsischer Brücken- und Stahlbau Dresden-Niedersedlitz VEB Thüringer Stahlbau Erfurt-Gispersleben. VEB Stahlfensterbau Frankfurt/Oder VEB Stahl- und Weichenbau Halle/Saale VEB Stahlbau Kretzschau VEB Stahlbau Karl-Marx-Stadt VEB Brücken- und Stahlbau Leipzig VEB Industriestahlbau Leipzig VEB Stahl- und Apparatebau Magdeburg VEB Stahlbau Niesky VEB Stahlbau Parey VEB Stahlbau Plauen VEB Stahlbau Ruhland mit Lautawerk Hosena VEB Glasdachbau Zwickau
Zur Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Anwendung moderner Montagetechnologien wurden eine größere Anzahl mobiler Hebezeuge der Bautypen Gottwald für den Chemieanlagenbau und Coles für den Stahlbau importiert. Mit der Absicherung einer effektiven Wartung und Instandhaltung dieses Kranbestandes in der VVB IAS wurde 1965 der VEB Brücken- und Stahlbau Leipzig beauftragt und als spezialisierter Montagebetrieb VEB Industriemontagen (IMO) Leipzig gegründet. Hierfür wurden die bis dahin in den einzelnen Stahlbaubetrieben existierenden Montagekapazitäten herausgelöst und in den IMO-Niederlassungen Leipzig, Magdeburg, Niesky und Plauen organisiert. Wegen der vorwiegend anlagenspezifischen Montagen von Rohrleitungen, Behältern, Apparaten etc. gestaltete sich die Integration des VEB IMO Merseburg in den Verbund der VVB IAS als problematisch, so dass zum 1. Januar 1968 dessen Unterstellung bei der VVB Chemieanlagenbau erfolgte. Analog wurde der VEB Großmontagen Berlin bereits 1966 an die VVB Rohrleitungen und Isolierungen übergeleitet.
Die Werke der VVB IAS verfügten im Jahre 1968 über eine bilanzierte Jahreskapazität von 126.012 t Stahlhochbaukonstruktionen mit einer Beschäftigtenanzahl von 11.049 Arbeitern und Angestellten. Als Generaldirektoren der VVB IAS bzw. des folgenden VEB MLK fungierten: Otto Bormann (Juli 1964 bis März 1966) Herbert Walter (März 1966 bis August 1968) Karl Grünheid (August 1968 bis Juli 1971) Walter Mielsch (16. August 1971 bis 3. Februar 1989) Hans Johne (1. Februar 1989 bis 31. Mai 1990)
Mit Wirkung vom 31. Dezember 1968 endete die Rechtsfähigkeit der VVB IAS. Rechtsnachfolger wurde der VEB Metalleichtbaukombinat (MLK), der am 1. Januar 1969 aus der VVB Industrieanlagenmontagen und Stahlbau sowie weiteren Betrieben gebildet wurde.
Kombinatsbildung für den bautechnischen Stahlbau 1969 (MLK) Auf der Grundlage des Politbürobeschlusses vom 22. November 1966 und der Ministerratsbeschlüsse vom 9. Februar 1967 sowie 5. Oktober 1967 über die weitere Erhöhung der Anwendung von Konstruktionen des Metallleichtbaues (MLB) zur Entlastung des Bauwesens im Investitionsgeschehen der DDR erging die Verfügung des Ministers für Schwermaschinen und Anlagenbau sowie des Ministers für Bauwesen vom 16. Januar 1968 über die Gründung eines VE Metalleichtbaukombinat zum 1. Januar 1968.
Mit Wirkung vom 31. Dezember 1967 wurden zunächst: VEB Stahl- und Weichenbau Halle/Saale VEB Lausitzer Stahlbau Ruhland VEB Stahlbau Kretzschau VEB Ingenieurprojektierung Plauen als juristisch selbständige Betriebe aufgelöst und vom VE Metalleichtbaukombinat mit Sitz in Halle übernommen. Der VE Metalleichtbaukombinat unterstand bis 31. März 1968 der VVB IAS und wurde zum 1. April 1968 aus der VVB IAS mit 1685 Vollbeschäftigten ausgegliedert und dem Ministerium für Bauwesen (MfB) unterstellt. mini|Bild 1 Liefer- und Leistungsumfang des MLK (1979) mini|Bild 2 Komplettierungsgrad für ausgewählte MLB-Erzeugnisse (1979)
Für die Realisierung der staatlichen Vorgabe einer Jahresproduktion von 143.000 t Stahlhochbaukonstruktionen und 2.800 Tm² überdachter Flächen in kompletten MLB-Konstruktionen ab 1970 ergab sich für die VVB IAS die Verpflichtung zur Entwicklung entsprechender Kapazitäten sowie geeigneter Organisationsformen.
Den erweiterten Liefer- und Leistungsumfang für die im Jahr 1980 realisierten 2.633 Tm² Bruttogesamtfläche verdeutlicht Bild 1. Dazu erfolgte mit der Kombinatsbildung eine erzeugnisspezialisierte Fertigungsorganisation zur Serienproduktion standardisierter MLB-Erzeugnisse z. B. Band- und Rohrbrücken (Berlin), 3–5geschossige Mehrzweckgebäude (Berlin/Calbe), Stahlschalungen (Berlin/Kretzschau), Hochregalhäuser (Calbe), Gewächshäuser (Dresden), Raumzellen (Brandenburg), Fassadenelemente (Blankenburg), Kaufhallen (Halle), Stahlzellen für den KKW-Bau (Magdeburg/Parey), Sporthallen (Ruhland), Funk- und Freileitungsmaste (Parey), Industrie- und Lagerhallen mit Achsabständen 6 m/12 m (Plauen), Raumtragwerke (Ruhland), Obstkühllagerhäuser (Niesky), Stahlbrücken (Niesky), Stahlwasserbau (Parey), Gitterroste und Stahlrohrgerüste (Plauen), Stahlfenster (Frankfurt/Leipzig), Stahltüren und –tore (Berlin/Blankenburg), Kittlose Verglasung (Leipzig/Zwickau).