Die Kirche der Mutter Gottes vom Skapulier in Rodnowo stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das gotische Bauwerk war bis 1945 evangelische Pfarrkirche für das Kirchspiel Reddenau in Ostpreußen und ist heute römisch-katholisches Gotteshaus in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Rodnowo liegt in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, etwa zehn Kilometer südwestlich der Stadt Bartoszyce (), an einer Nebenstraße, die bei Tolko (Tolks) von der Woiwodschaftsstraße 512 abzweigt und bis nach Pieszkowo (Petershagen) an der Woiwodschaftsstraße 511 (frühere Reichsstraße 134) führt. mini|Der Altar aus der Zeit um 1730 Kirchengebäude Das Gründungsdatum einer Kirche in Reddenau/Rodnowo ist nicht erwiesen.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 69, Abb. 242, 243 Es mag hier ein Kirchenbau vermutlich aus Holz gestanden haben, und der Baus aus Stein erfolgte später – aber doch noch vor der urkundlichen Ersterwähnung der Kirche im Jahre 1377.Informationszentrum Ostpreußen: Rodnowo - Reddenau Der chorlose Feldsteinbau wurde mehrfach verändert. 1619 fand eine Erweiterung nach Osten statt, und 1676 ein größerer Umbau. Als nach einem heftigen Sturm am 17. Januar 1818 der Turm umgestürzt war, errichtete man ihn 1819 erneut.

Eine Stuckdecke überspannt den Innenraum. Sie wurde 1750 eingezogen. Aus der Zeit um 1730 stammen der Altar, ein Beichtstuhl sowie der Gutsstand. Die Kanzel von 1680 zeigt Arbeiten aus der Werkstatt von Johann Pfeffer. Sie wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit dem Altar vereinigt.

Zur Ausstattung gehören Altargeräte aus dem 18. Jahrhundert sowie eine Taufschale, die der Organist Eduard Guske 1898 gestiftet hat. Aus dem 18. Jahrhundert stammen ferner Epitaphien, die Georg Dietrich von von Tettau († 1733) und seiner Gemahlin Barbara geborene von Wallenrodt († 1710) gewidmet sind, außerdem eine Grabplatte von Lesgewang und von Tettau vor dem Altar. Allerdings wurden die Porträts nach 1945 entfernt. mini|Die Orgel auf der Westempore

Das Geläut der Kirche bestand ursprünglich aus zwei Glocken. Die Bronzeglocke wurde im Zweiten Weltkrieg abgeliefert, die Gusseisenglocke blieb erhalten. Am Turm der Kirche befindet sich ein altes Uhrwerk von origineller Bauart: Es hat keine Zeiger und schlug lediglich alle Viertelstunden und Stunden. Es ist nicht mehr in Betrieb.

Das Kirchengebäude ist samt Ausstattung im Krieg und bis heute erstaunlich gut erhalten geblieben. Es wird jetzt von der Römisch-katholischen Kirche im Erzbistum Ermland genutzt.

Kirchengemeinde Als mögliches Datum für die Gründung einer Gemeinde in Reddenau wird das Jahr 1326 angesetzt.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 469 Mit der Reformation zog hier die evangelische Konfession ein.

Evangelisch Kirchengeschichte Als erster lutherischer Pfarrer nahm Michael Lucas hier 1568 seinen Dienst auf.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 119 Ihm sollten bis 1945 noch weitere 27 Geistliche folgen. Lange Zeit gehörte die Reddenauer Kirche zur Inspektion Bartenstein (polnisch Bartoszyce), bis sie am Ende in den Superintendenturbezirk Landsberg (Ostpreußen) (polnisch Górowo Iłławeckie) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert war. Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel Reddenau insgesamt 1.455 Gemeindeglieder, die in 16 Ortschaften der Umgebung lebten.

Das Patronat der Kirche oblag den Rittergutsbesitzern von Tettau auf Tolks (polnisch Tolko). Der Hof Tolks war auch in die Kirche Reddenau eingepfarrt, während das Dorf zur Kirche in Borken (polnisch Borki) gehörte. Unter dem Altar der Reddenauer Kirche befindet sich die Gruft der Familie von Tettau. mini|Alte Grabmäler aus der Zeit vor 1945 auf dem Friedhof Rodnowo

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung im und nach dem Zweiten Weltkrieg setzten dem Leben der evangelischen Gemeinde in Reddenau ein Ende. Heute hier lebende evangelische Einwohner gehören zur Kirchengemeinde in Bartoszyce (Bartenstein), einer Filialgemeinde der Johanneskirche in Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Reddenau 16 Orte, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Namen Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name * Borchertsdorf Burkarty Powarschen Powiersze Grauschienen Gruszynki * Reddenau Rodnowo Gunten Guntkajmy Rösken Różki Kirschitten Kiersity * Sortlack Sortławki Kraphausen Wyręba Sperlack Spurławki Liebhausen Kicina Tolks (Gut) Tolko Markhausen Wojtkowo * Weischnuren Wajsnory Mühlfeld Młynisko Wienen (A und B) Kurek

Pfarrer Als evangelische Geistliche waren an der Kirche in Reddenau bis 1945 tätig: Michael Lucas, ab 1568 Johann Deslerus, ab 1583 Martin Weinbach, bis 1616 Jacob Zornicht, 1616–1644 Peter Werner, ab 1645 Christoph Henselius, bis 1653 Johann Möstelius, 1654–1689 Christian Dietrich Rohde, 1689–1700 Johann Kenckel, 1700–1708 Johann Daniel Valentini, 1708–1731 David Woldenscheer, 1732–1735 Christian R. Petrecius, 1735–1747 Carl Daniel Jordan, 1747–1775 Johann Heinrich Engtelland, 1775–1785 Gottlieb Daniel Böhmer, 1785–1821 Johann Friedrich Gustav Böhmer, 1821–1853 Carl Friedrich G. Böhmer, 1842–1866 Gustav Ludwig Rehbein, 1866–1874 Konstantin Bernhard Th. Meyer, 1874 Ernst Theodor Heinrich von Behr, 1875–1889 Otto Emil Richard Ziegler, 1889–1899 Johann Otto G. Rosenfeld, 1900–1903 Hans Grämer, 1903 Karl Heinrich Will, 1903–1909 Paul Theodor B. Maßler, 1909–1915 Fritz Pachnio, 1916–1927 Johann Ankermann, 1927–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des Pfarramts in Reddenau haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig aufbewahrt:Arbeitsgemeinschaft Ostdeutscher Familienforscher (AGOFF): Dokumente evangelische Kirchengemeinde Reddenau, erstellt von Dirk Vollmer (Stand: 14. Oktober 2019) Taufen: 1654 bis 1823 Trauungen: 1654 bis 1823 Begräbnisse: 1689 bis 1823.

Römisch-katholisch Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das bisher evangelische Gotteshaus der römisch-katholischen Kirche übertragen.Erzbistum Ermland: Parafia Matka Boża Szkaplerzna w Rodnowie (polnisch) Bis 1945 waren die katholischen Einwohner Reddenaus und Umgebung in die Pfarrei Bartenstein (polnisch Bartoszyce) im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt. Am 13. Dezember 1983 wurde in Rodnowo eine eigene Pfarrei errichtet, der die Kirche in Tolko (Tolks) als Filialkirche zugeteilt wurde.

Die Pfarrei Rodnowo gehört zum Dekanat Górowo Iławeckie (Landsberg (Ostpreußen)) im jetzigen Erzbistum Ermland. Die Kirche ist der Mutter Gottes vom Skapulier gewidmet. Dieses Patrozinium bezieht sich auf eine Vision von Simon Stock († 1625).

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