Von Liebe und Schatten (Originaltitel: De amor y de sombra) ist ein 1984 erschienener Roman der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende. Die deutschsprachige Übersetzung von Dagmar Ploetz erschien 1986 im Suhrkamp Verlag.
Kurzbeschreibung Auf der Suche nach einer weiblichen Desaparecida, deren Auftauchen als Leiche inmitten weiterer Diktatur-Opfer „eine Ereigniskette in Gang setzt, die die Heuchelei und Hinterhältigkeit der Regierung bloßstellt“,„a chain of events which expose the hypocrisy and deviousness of the government“ – Marita Wenzel: The „other“ side of history as depicted in Isabel Allende's „Of Love and Shadows“. In: Literator. Tydskrif vir besondere en vergelykende taal- en literatuurstudie. Jg. 17, Nr. 3, 1996, , S. 1–13. Hier S. 10. (pdf). werden eine als Journalistin arbeitende Großbürgers-Tochter und ihr heimlich für die linke Opposition wirkender Mitarbeiter zu einem Liebespaar, das aufgrund der durch ihre Amateur-Ermittlungen ausgelösten „Schockwellen“„shock waves“ – Mary Ellen Snodgrass: Of Love and Shadows. In: Mary Ellen Snodgrass: Isabel Allende. A literary companion. (=McFarland literary companions, Volume 13.) McFarland, Jefferson NC 2013. ISBN 978-0-7864-7127-0. S. 211–212. Hier S. 211. vor dem Militärregime ins Ausland flieht, während der Mörder der Desaparecida letztlich ungeschoren davon kommt.
Inhalt Erster Teil „Ein anderer Frühling“ In der lateinamerikanischen Ortschaft Los Riscos macht die junge Evangelina Ranquileo durch eine „Verstörung“ umstrittener Ursache von sich reden:Isabel Allende: Von Liebe und Schatten. Roman. Lizenzausgabe. Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin 1986. S. 56. „das Kreuz gespannt wie einen Bogen, Schaumflocken vor dem Mund, stützte sie sich auf Fersen und Hinterkopf […], ihre Augen entgleisten und verloren sich im Unendlichen, sie schüttelte sich in Krämpfen […]. Die Krise dauerte wenige Minuten und hinterließ eine zutiefst erschöpfte Evangelina“Allende, Von Liebe und Schatten, S. 59. sowie in zahlreichen Zeitgenossen das Gefühl, es mit einer Art Mysterium zu tun zu haben. „Seit dem ersten Anfall waren nun fünf Wochen vergangen, und sie hatten in der Zwischenzeit nichts ausfindig gemacht, was ihr Erleichterung verschafft hätte“;Allende, Von Liebe und Schatten, S. 60. stattdessen „verursachen die widerstreitenden Versuche, Evangelina zu heilen, einen Konflikt zwischen einer Vielzahl von Autoritäten, darunter örtlich-traditioneller Weisheit und institutionalisierter Religion“ von Katholizismus und Evangelikalismus.„The conflicting attempts to cure Evangelina constitute a clash between a variety of authorities, including local, traditional wisdom and institutionalized religion“ – Mel Boland: Appearance, disappearance and displacement. A carnivalesque reading of „De amor y de sombra“. In: Mel Boland: Displacement in Isabel Allende's fiction, 1982–2000. Lang, Oxford 2013. ISBN 978-3-0343-0932-5. S. 71–102. Hier S. 83. Eine rational-medizinische Erklärung als „Hysterie“ allerdings scheitert an der Frage, „ob Hysterie die Tassen in den Regalen tanzen lasse, das schwermütige Geheul der Hunde auslöse und das Regnen unsichtbarer Steine aufs Dach sowie das Beben der Möbel in Gang setze.“Allende, Von Liebe und Schatten, S. 93. Als einer derjenigen, die der „Verstörung“ Evangelinas beiwohnen, von seinen Handwarzen geheilt wird, geht das Gerücht von einem Wunder um, „was auf beunruhigende Weise die Anzahl der Besucher steigerte, die auf Heilung während der Trance hofften.“Allende, Von Liebe und Schatten, S. 98. Auf einen guten Bericht dagegen hoffen zwei Mitarbeitende einer Hochglanz-Frauenzeitschrift:Allende, Von Liebe und Schatten, S. 77–78. Die noch bei ihrer Mutter lebende Reporterin Irene Beltrán und ihr noch bei seinen Eltern lebender Fotograf Francisco Leal fahren nach Los Ricos, werden erst Zeuge einer weiteren „Verstörung“ Evangelinas, dann davon, dass bewaffnete Staatsdiener auf den Plan treten, den Hof besetzen, mit der Waffe ins Haus eindringen. „Sie stießen die Menschen beiseite, verscheuchten mit Gebrüll die Kinder und schlugen mit den Gewehrkolben auf diejenigen ein, die sich ihnen in den Weg stellten.“Allende, Von Liebe und Schatten, S. 115. Dass in diesem Moment „mit verstärkter Gewalt ein Regen von unsichtbaren Steinen auf das bebende Dach“ prasselt, hat allerdings zur Folge, dass die nervösen Staatsdiener im Hof zu feuern beginnen, „und binnen Sekunden war der Himmel erfüllt von Schreien, Klagen, Bellen, Gackern und Pulverschwaden“, so dass es an ein weiteres Wunder grenzt, dass nur eine Henne ums Leben kommt.Allende, Von Liebe und Schatten, S. 117–118. Angeführt wird der Sturmtrupp von Leutnant Juan de Dios Ramírez, der seinen Untergebenen Pradelio Ranquileo mitgebracht hat, Evangelinas Ziehbruder: „Ranquileo hat mir das mit seiner Schwester erzählt, und da habe ich ihm gesagt: Wo Pfaffen und Ärzte versagen, da siegt die Armee. […] Wir werden gleich sehen, ob diese Kleine weiter zappelt, wenn ich sie festnehme.“Allende, Von Liebe und Schatten, S. 118–119. Abermals kommt es zu einer Art Wunder: Evangelina Ranquileo schmettert Ramírez die Faust gegen die Nase, so dass er zu Boden geht, packt ihn am Uniformrock, hebt ihn mühelos vom Boden und befördert ihn „wie ein Staubtuch schwenkend“ aus dem Haus in den Hof, wo sie ihn zu Boden schleudert, auf den Hinterkopf schlägt und mit Fußtritten traktiert, „ohne sich um die Wachsoldaten zu scheren, die sie mit gezogener Waffe umringten, doch so baff vor Staunen waren, daß sie nicht ans Schießen dachten.“Allende, Von Liebe und Schatten, S. 119–120. Der verdatterte Ramírez „zitterte vor Wut, drückte sich den Helm auf den Kopf und ergriff seine Waffe, ohne daß ihm aus seinem breiten Repertoire an Gewalttaten eine der Gelegenheit angemessene Vergeltungsmaßnahme einfiel.“ Durch Evangelina Ranquileo „vor seinen Männern und der Menge der Zuschauer“ gedemütigt,„humiliating him before his men and the crowd off onlookers“ – Aníbal González: Patriotic passion. Isabel Allende's „Of Love and Shadows“. In: Aníbal González: Love and politics in the contemporary Spanish American novel. University of Texas Press, Austin TX 2010. ISBN 978-0-292-72131-9. S. 40–61. Hier S. 44. befiehlt der in seinem Machismo gekränkte„insulted machismo“ – Julie Hector: Removing the Silencer from the Gun. Women Creating a Collective Voice against the Pinochet Dictatorship. In: Florida Atlantic Comparative Studies Journal, Jg. 12, 2010/11, , S. 63–80. Hier S. 72. (pdf). Ramírez den Abzug, nicht ohne dass Ramírez‘ Rangnächster, Sergeant Faustino Rivera, dem Journalisten-Gespann den Film aus der Kamera reißt und ihn ins Licht hält.Allende, Von Liebe und Schatten, S. 122. Es „tröstete sich damit, daß sie am nächsten Sonntag wieder hinfahren könnten, um neue Aufnahmen von Evangelina im Trancezustand zu machen. Die Familie hatte sie eingeladen, da ein Schwein geschlachtet werden sollte.“Allende, Von Liebe und Schatten, S. 123.
Zweiter Teil „Schatten“