mini|Peter Ellis auf der Titelseite des North & South Magazins von November 2015.
Peter Hugh McGregor Ellis (* 30. März 1958; † 4. September 2019, Christchurchhttps://www.newsroom.co.nz/melanie-reid-we-all-failed-peter-ellis) war ein neuseeländischer Kinderpfleger, der zu Unrecht wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde. Er stand im Mittelpunkt einer der längsten juristischen Auseinandersetzungen des Landes, nachdem er im Juni 1993 vom Obersten Gerichtshof in 16 Fällen von Sexualdelikten an Kindern, die er in der Christchurch Civic Creche betreute, für schuldig befunden und zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Er beteuerte bis zu seinem Tod 26 Jahre später seine Unschuld und wurde von vielen Neuseeländern bei seinen Versuchen unterstützt, seine Verurteilung aufzuheben, während andere von seiner Schuld überzeugt waren und sind. Die Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Verurteilungen konzentrierten sich auf die weit hergeholten Geschichten, die viele der Kinder erzählten (sie behaupteten, sie seien rituell satanisch missbraucht worden), und auf die Befragungstechniken, die angewandt wurden, um ihre Zeugenaussagen zu erhalten.
Im Jahr 1994 brachte Ellis seinen Fall vor das Berufungsgericht, das die Verurteilung in drei Anklagepunkten aufhob, die Strafe jedoch aufrechterhielt. Bei seinem zweiten Verfahren vor dem Berufungsgericht im Oktober 1999 wurden die Verurteilung und die Haftstrafe bestätigt. Im März 2000 wurde der ehemalige Oberste Richter Sir Thomas Eichelbaum mit der Durchführung einer ministeriellen Untersuchung zur Überprüfung der Aussagen der Kinder beauftragt. In seinem Bericht bestätigte er die Schuldsprüche. Im selben Monat lehnte Generalgouverneur Sir Michael Hardie Boys Ellis drittes Gnadengesuch auf Anraten von Justizminister Phil Goff ab, der sich mit Eichelbaums Feststellung zufriedengab, dass Ellis nicht bewiesen hatte, dass seine Verurteilungen anzweifelbar waren. Ellis weigerte sich, während seiner Haftzeit an den Anhörungen des Bewährungsausschusses teilzunehmen, weil er die Straftaten hätte gestehen müssen, um eine vorzeitige Entlassung zu erreichen.
Ellis wurde schließlich im Februar 2000 nach sieben Jahren Haft entlassen. Nach seiner Entlassung setzte er seine Kampagne fort, um seinen Namen reinzuwaschen. Im Jahr 2019, neunzehn Jahre nach seiner Entlassung, legte er beim Obersten Gerichtshof Berufung ein, um seine Verurteilung aufheben zu lassen. Obwohl er an Krebs starb, bevor verhandelt werden konnte, ließ der Oberste Gerichtshof die Berufung im Interesse der Gerechtigkeit zu und fällte im Oktober 2022 ein Urteil. Der Oberste Gerichtshof hob Ellis Verurteilung auf, weil er feststellte, dass es Probleme mit den Aussagen der Hauptbelastungszeugin, einer Psychiaterin, gab und die Geschworenen nicht angemessen über das Risiko einer Kontamination der Aussagen der Kinder informiert worden waren. Dies war das erste Mal, dass in Neuseeland eine Verurteilung posthum aufgehoben wurde.
Der Fall Ellis war einer von mehreren ähnlich gelagerten Fällen von Kindesmissbrauchsvorwürfen in der ganzen Welt in den 1980er und frühen 1990er Jahren im Rahmen der Satanismuspanik und wurde als eine der Ursache für den Rückgang der Zahl der männlichen Lehrer an neuseeländischen Schulen vermutet. Über den Fall wurden zwei Bücher und zahlreiche Artikel geschrieben.
Leben Ellis war das älteste von vier Kindern. Seine Eltern waren Lehrer und trennten sich, als er neun Jahre alt war. Er verließ die Schule 1975, um als Tabakpflücker in Motueka zu arbeiten. Nach zwei Jahren in Übersee kehrte er nach Neuseeland zurück. In den 1980er Jahren hatte er einen Teilzeitjob in einer Bäckerei, aus dem schließlich ein Vollzeitjob wurde. Als er diesen Job aufgab und Arbeitslosengeld beantragte, entdeckten die Behörden, dass er Arbeitslosenunterstützung erhalten hatte, auf die er keinen Anspruch hatte. Er wurde 1986 wegen „Irreführung eines Sozialbeamten“ angeklagt und zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.
Ellis leistete diese in der Christchurch Civic Creche Kita ab. Seine Vorgesetzte, Dora Reinfeld, berichtete später, dass „Peter ... einige lustige Puppenspiele aufführte – von denen wir eines abbrechen mussten, weil Personal und Kinder außer Kontrolle gerieten'“. Ellis wurde zum Aushilfsarbeiter, und in Reinfelds nächstem Monatsbericht hieß es: „Peter Ellis hat sich sehr gut eingearbeitet und bringt viel Energie in die Programmplanung ein. Fantastischer Teamgeist.“ In Ellis Bericht vor der Verurteilung hieß es: „Das Gesamtbild, das wir von Peter Ellis gewonnen haben, ist das eines aufgeschlossenen, ungehemmten, unkonventionellen Menschen, der viel Enthusiasmus und Energie in seine Arbeit und seine sozialen Aktivitäten steckt, manchmal bis zu dem Punkt, dass er gewagt und unverschämt ist.“
Vor seiner Inhaftierung hatte Ellis sexuelle Beziehungen, die zwischen zwei und fünf Jahren dauerten, sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Gegenüber Lynley Hood sagte er: „In einer Beziehung mit einer Frau war ich, in Ermangelung eines besseren Wortes, bisexuell, und mit einem Mann war ich monogam.“ Hood beschrieb Ellis als „offenkundig homosexuell“, was auf seine helle Kleidung, sein langes Haar, sein Make-up und sein Auftreten zurückzuführen war. Nach seiner Entlassung lebte er ein isoliertes Leben und ließ sich in der kleinen Gemeinde Leithfield Beach im Norden Canterburys nieder.
Im Juli 2019 wurde bei Ellis Krebs im Endstadium diagnostiziert. Er starb am 4. September 2019 im Alter von 61 Jahren, während die Berufung gegen seine Verurteilung lief.
Untersuchungen Die Tür zur Toilettenhalle des Krippengebäudes wurde seit 1991 nicht mehr verändert. Sie verfügt über ein großes Glasfenster und wurde während des täglichen Betriebs der Kinderkrippe offen gelassen. Die Räumlichkeiten wurden bis Februar 2011 als Kindertagesstätte genutzt.
Erste Anschuldigungen und polizeiliche Untersuchung Ellis liebte Tiere und hielt sich Kaninchen, Katzen und Hunde als Haustiere. Ende September 1991 kaufte die Mutter eines vierjährigen Jungen in der Kinderkrippe, eine Sozialarbeiterin, die selbst Erinnerungen an sexuellen Missbrauch wiedererlangt hatte, einen schwarzen Welpen von ihm. Ellis zeigte ihrem Sohn, wie er das Geschlecht des Welpen bestimmen konnte.
Einige Monate später, im November 1991, behauptete die Mutter, ihr Sohn habe gesagt, dass er „den schwarzen Penis von Peter nicht mag“. Die Mutter, die ein Handbuch über sexuellen Missbrauch geschrieben hatte, kam zu dem Schluss, dass ihr Sohn sexuell missbraucht worden war. Sie erstattete im November 1991 offiziell Anzeige bei der Kinderkrippe. Nach einer kurzen Untersuchung kam die Polizei zu dem Schluss, dass kein Anfangsverdacht gegeben war, aber Ellis war bereits vom Dienst suspendiert worden. Daraufhin nahm die Mutter ihren Sohn aus der Kinderkrippe und meldete ihn in einer anderen Kindertagesstätte in Christchurch an. Kurz darauf behauptete sie, ein männlicher Mitarbeiter dieser zweiten Krippe habe ihren Sohn ebenfalls missbraucht. Die Polizei untersuchte die Vorwürfe und fand auch hier keine Beweise für die Anschuldigungen.
Ellis war bei den Kindern und Eltern der Kinderkrippe sehr beliebt. In der Woche nach seiner Suspendierung im November 1991 verbrachten Inspektoren des neuseeländischen Bildungsprüfungsamtes eine Woche in der städtischen Kinderkrippe und beobachteten den täglichen Betrieb. Das Amt stellte anschließend einen positiven Bericht aus, in dem es hieß, dass das Personal „die persönlichen Bedürfnisse mit Wärme, Sorgfalt und Rücksichtnahme erfüllt“ und dass die Kinder „glücklich, wissbegierig und gesellig“ erscheinen und „ein hohes Selbstwertgefühl haben“.
Zweite polizeiliche Untersuchung Obwohl die Polizei zu dem Schluss kam, dass kein Missbrauch stattgefunden hatte, begannen einige Eltern, ihre Kinder über die Vorgänge in der Krippe zu befragen und erzählten diese Geschichten dann anderen Eltern. Das Sozialamt wurde eingeschaltet, um mit vielen dieser Kinder offizielle Gespräche zu führen. Die Sozialpsychologin Sue Sidey stellte zunächst fest, dass es sechs Kinder gab, bei denen sie Grund zur Besorgnis hatte, obwohl die Kinder nichts von unsittlichen Berührungen durch einen Krippenmitarbeiter erzählten. Weitere Eltern machten sich Sorgen, dass etwas passiert sein musste. Als die Befragungen durch das Sozialamt fortgesetzt wurden, tauchten Behauptungen über bizarre Fälle von sexuellem Missbrauch auf. In der Kinderkrippe fand eine Sitzung statt, an der Mitarbeiter, eine Gruppe besorgter Eltern und Vertreter des Sozialamts teilnahmen. Daraufhin nahm die Polizei ihre Ermittlungen wieder auf.
Insgesamt wurden mindestens 127 Kinder befragt. Einige Ermittler glaubten, dass bis zu 80 missbraucht worden waren. Ellis wurde unter anderem beschuldigt, „Kinder zu sodomisieren, sie zu zwingen, seine Fäkalien zu essen, auf sie zu urinieren, sie in Käfigen aufzuhängen und sie auf schreckliche Reisen des Missbrauchs durch Tunnel, Decken und Falltüren mitzunehmen“. Andere Vorwürfe bezogen sich auf Kinder, die in einen dampfend heißen Ofen gezwungen oder in Särgen begraben wurden; ein Junge behauptete, ihm sei mit einer Zange der Bauchnabel entfernt worden. Zu den Vorwürfen, die später im Laufe der Befragung auftauchten, gehörten „als Cowboys verkleidete asiatische Männer, Freimaurerlogen, Friedhöfe, das Park Royal Hotel und Privathäuser, die weit von der Kinderkrippe entfernt waren“, und „der berüchtigte 'Zirkelvorfall', bei dem Ellis und seine Mitarbeiter angeblich eine Gruppe von Kindern in die Hereford Street 404 am anderen Ende der Stadt brachten und sie zwangen, sich nackt hinzustellen und sich gegenseitig zu treten, während die Erwachsenen um sie herum tanzten ... Ein Elternteil behauptet, ein Junge namens Andrew sei geopfert worden.“ Keines der Kinder wurde von den Beteiligten als vermisst gemeldet. Die Anschuldigungen ähnelten denen, die in anderen Fällen von satanischem rituellem Missbrauch erhoben wurden.
Verhaftungen Verhaftung von Ellis Die Polizei verhaftete Ellis am 30. März 1992 und klagte ihn im ersten von schließlich insgesamt 45 Anklagepunkten wegen sexuellen Missbrauchs von 20 verschiedenen Kindern in der Kinderkrippe an. Als der Fall vor Gericht kam, hatte die Krone die Zahl der Anklagepunkte auf 28 reduziert, die 13 Kläger betrafen. Einige Anklagen wurden fallen gelassen, weil der Staatsanwalt Brent Stanaway die bizarreren Behauptungen einiger Kinder nicht vor die konservativen Geschworenen in Christchurch bringen wollte.
Verhaftung der Kolleginnen und Schließung der Kita Zusätzlich zu den Befragungen durch Sue Sidey, verlangte der Eigentümer der Kita, das Christchurch City Council, dass die Psychologin und Sexualtherapeutin Rosemary Smart überprüfen sollte, wie die Kita geführt wurde. Obwohl Smarts Bericht im Juli 1992, fast 12 Monate vor Ellis Prozess, fertiggestellt wurde und obwohl sie gelegentlich das Wort „angeblich“ verwendet, erweckte er den Anschein, sie sei davon ausgegangen, dass er schuldig war;David McLoughlin: , 1996, auf peterellis.org.nz sagte die Journalistin Cate Brett, „der Bericht liest sich, als ob der Missbrauch stattgefunden hätte und Ellis verurteilt worden wäre“.Cate Brett: Smart vermutete, dass weibliche Angestellte in den Missbrauch in der städtischen Kinderkrippe verwickelt gewesen sein könnten. Sie zitierte Untersuchungen des Professors für Soziologen David Finkelhor von der Universität von New Hampshire, dessen Buch aus dem Jahr 1987, Nursery CrimesDavid Finkelor, Linda Meyer Williams mit Nanci Burns: Nursery Crimes, Sage Publications, 1988 (Kitaverbrechen). Auf dieses beziehen sich US-Amerikaner, die an rituellen Kindesmissbrauch in Kitas glauben.