mini|Feucht, Mesnerhaus Das Mesnerhaus im Zentrum von Feucht (Hauptstraße 58) ist ein denkmalgeschütztes Gebäude der evangelischen Kirchengemeinde St. Jakob, das bis nach dem Ersten Weltkrieg vornehmlich als Schulhaus diente. Vorgeschichte Schulische Bildung war von alters her bis ins vorige Jahrhundert eine wesentliche Obliegenheit der Kirchen. Seelsorgerische Betreuung und Glaubensbildung wurden mit der Grundbildung für das Leben stets als Einheit gesehen. So waren auch die kirchlichen Hilfsdienste wie Mesner, Kantor, Organist, Totengräber („Kirchendiener“) mit der Funktion des Lehrers lange in einer – wenig geachteten und gering dotierten – Person vereint, für Feucht galt dies offiziell ab 1636.

Als früheste sichere Erwähnung einer Schule in Feucht sind die Aufzeichnungen über die Bezahlung eines Schulmeisters aus dem Jahr 1555 zu sehen.Feucht – Ein Streifzug durch die Jahrhunderte, 2011 – Kap. Lehrer, Schüler, Schulgebäude von Konrad Barthel – S. 159

Bis 1588 stand dem Mesner in Feucht keine eigene Wohnung in einem kircheneigenen Gebäude zur Verfügung, zuvor waren Räumlichkeiten als „Mesnerherberge“ nur angemietet. In jenem Jahr erwarb die (evangelische) Kirche das Frühmeßhaus „an der Kirchenstiegen“ (Hauptstr. 50 gegenüber dem Rathaus). Der Mesner Pankraz Kunz, gleichzeitig als Büttner tätig, durfte als erster ab Allerheiligen selbigen Jahres mietfrei darin wohnen. Zum Ausgleich des dafür aufgenommenen Schuldendienstes musste er bald das Haus mit einem weiteren Mieter teilen. 1636 wurde das Haus wieder verkauft.Das Mesnerhaus – Ein Kapitel Feuchter Geschichte – Festschrift zur Wiedereinweihung 1982 – S. 11 oben

Schulhaus Wann das Schulhaus mit Lehrerwohnung (Stube und kleine Schlafkammer) bei der „daranstehenden alten Schmieden“ errichtet wurde, können die Quellen nicht klar darlegen. Möglicherweise war es das erste, entsprechend der obigen Erwähnung. Offenbar von minderer Qualität aus Quadersteinen gebaut, erforderte es mehrfach kostspielige Sanierungen. Lehrer Paul Metzler beklagte 1715 beim für die Pfarrei zuständigen Waldamt Laurenzi den elenden Zustand, die Enge und die von der Schmiede ausgehende Feuersgefahr als einer so starken Pfarrei unwürdig.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 11 untens. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 160

Neubau 1717 Offenbar fand er dabei Gehör, denn nach einer Ortsbesichtigung wurden bereits im selben Jahr Pläne für einen Neubau erstellt. Der Grundriss Erdgeschoss (ca. 40 × 30 Schuh = ca. 12 × 9 m) zeigt neben Schulstube (ca. 9 × 5 m) sowie Küche und zwei Kammern (je ca. 7 m²), die offene Dennen (Diele) mit Treppenhaus und zwei Durchgänge.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 14 Die Frontansicht von der Straße zeigt unten beidseits des Eingangs je zwei Fenster, darüber fünf Fenster und im Dach drei Erker.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 13

Das Landpflegeamt übernahm die Federführung, die Kosten wurden – wie zuvor für die Sanierung des Pfarrhauses (1698) – gedrittelt von Pflegeamt, Waldamt und dem Gotteshaus Feucht (Pfarrei) übernommen.s. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 161 Im folgenden Jahr begannen die Baumaßnahmen, die 1717 abgeschlossen werden konnten. Auf der Seite zur Schmiede schützte eine Schiedwand (Brandmauer).

Des geräumigen neuen Schulhauses mit neuen Kinderbänken und Schultafel ausgestatteter Schulstube, der Wohnung für den Lehrer und seine Familie im Obergeschoss sowie weiteren Räumen unter dem Dach und im Keller konnte sich Metzler noch 5 Jahre erfreuen. Für weitere 110 Jahre erfüllte es auch gut seinen Zweck, in der Pfarrbeschreibung 1833 stellte Pfarrer Greul fest:

„Das Schulhaus in Feucht, ganz massiv von Stein erbaut, ist geräumig und hat zu ebener Erde eine große helle Schulstube, eine Küche, eine Kammer, im zweiten Stockwerk ein heizbares Zimmer als die Wohnstube für den Schullehrer und seine Familie, Kammer, Boden und einen Keller. Dazu ein Waschhäuschen von Stein erbaut, dem Schulhaus ganz nahe ein Gärtchen und eine Holzlege.“s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 12

Während der Pausen spielten die Kinder im Pausenhof, der vom seinerzeitigen Friedhof bei der Kirche mit Ketten abgegrenzt war – die stellten natürlich kein Hindernis dar.s. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 164

Da noch kein allgemeiner Schulzwang bestand, war der Schulbesuch (mit Katechismusunterricht) sehr unterschiedlich, u. a. weil die Kinder für Arbeiten und Hilfsdienste daheim gebraucht wurden. So berichtete Lehrer Düll 1796, dass „im Sommer 15 – 20, im Winter aber 70, 80 oder auch an 90 Kinder in die Schule kommen“.s. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 161

Im Schulsprengel Feucht (einschließlich Altenfurt und Gauchsmühle) waren bereits 1809 98 Schüler zu betreuen, die von einem einzigen Lehrer in einem einzigen Raum unterrichtet wurden.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 14 Doch es dauerte noch bis 1833 ehe der damalige Lehrer Reinwald Unterstützung durch einen Schulgehilfen erhielt. Leider war das kein Schuldienstexpektant (Absolvent des Lehrerseminars), vielmehr waren es wechselnde Schulpräparanden (am Beginn der Ausbildung). Da war einerseits das Problem von deren – magerer – Besoldung und ihrer Wohnung, bedeutsamer aber war das Fehlen eines eigenen Schulraums bei insgesamt 130 Schülern. Diskrepanzen von persönlichen Eigenheiten wie Sprechweise (Lautstärke) und Vorlieben (Lüften, warm/kalt) machten den Unterricht schwierig. Die große Anzahl von Schülern machte es zudem erforderlich, für diese zwei Abteilungen im Schichtunterricht einzurichten. Dies führte zu weiteren Problemen, weil kleinere Schüler von auswärts auf dem Schulweg auf die Begleitung durch ältere angewiesen waren.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 15s. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 163

Um der Raumnot abzuhelfen, wollte die Ansbacher Regierung 1839 die Gemeinde verpflichten, „ein zweites Lehrzimmer herzustellen“. Dem widersetzten sich die Verantwortlichen vor Ort wegen der divergierenden Rechtsauffassung bezüglich der Finanzierung. Die Feuchter wollten wie für den Kirchenbau (1850) die genannte Drittel-Verteilung durchsetzen, das Königreich Bayern als Rechtsnachfolger der Reichsstadt Nürnberg wollte sich darauf nicht einlassen.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 15 Zwischendurch gab es ein Mietangebot von Schreinermeister Heinrich Gottlob Schmidt für ein geräumiges helles Zimmer im Erdgeschoss eines Neubaus an der südlichen Seite von Feucht, aber auch dies kam aus Finanzierungsgründen nicht zum Tragen, Pfarrer Hessel stellte schließlich 1845 die siebenjährigen Verhandlungen resigniert ein. Das Erfordernis erschien dann auch gar nicht mehr so dringlich, weil die Schüleranzahl entsprechend der Bevölkerungsentwicklung zwischenzeitlich (1850) auf „nur“ 98 Schüler gesunken war. Deswegen wurde auch die Gehilfenstelle von 1850 bis 1868 nicht mehr besetzt.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 16

Erweiterungsbau 1878 Umso prekärer wurde die Situation wieder, als die Schule für das Schuljahr 1872/73 bereits wieder 151 „Werktagsschüler“ registrierte: Schichtunterricht – wie auch „in gar vielen großen Schulen Mittelfrankens“ – war geboten, auch wenn dieser „zufolge höchster und allerhöchster Bestimmungen für alle Fälle auf das Strengste untersagt“ war.s. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 163 Nachdem 1850 die Rechtsstreitigkeiten mit dem Königlichen Fiskus in einem für die Kirchenstiftung günstigen – heute noch für Kirche und Pfarrhaus maßgeblichen – Vergleich geendet hatten, war wenigstens der staatliche Teil der Finanzierung gesichert. Doch der mit dem Kirchenbau verbundene Eigenanteil der Feuchter Bürger belastete diese zu stark, als dass es mit dem Schulerweiterungsbau zügig weitergehen konnte. Kirchenverwaltung und Schulsprengelvertretung hofften auf eine Realisierung durch den möglichen Erwerb des gegenüberliegenden Hauses (Hauptstr. 43), doch die Regierung ließ das Haus wegen dessen baulichen Gegebenheiten (Mauern, Dachstuhl) als ungeeignet deklarieren. Die Überprüfung und Bewertung, die unter Vermittlung des Abgeordneten Wilhelm Jegel durch den Bayerischen Minister Johann von Lutz veranlasst wurde, führte schließlich zur Entscheidung für einen Erweiterungsbau.

Der Anbau war nur in südlicher Richtung möglich. Der Nachbar, Bäckermeister Heinrich Philipp, stellte den noch nötigen Grund zur Verfügung. Planung und Ausführung wurde dem Landbauamt Nürnberg übertragen. 1877 wurde mit dem Bau begonnen, im Juli 1878 konnten die inzwischen in ein Privathaus ausquartierten Schüler wieder einziehen. Bauleitung und Handwerker waren bemüht, Alt- und Anbau zu einer geschlossenen Einheit zu verbinden, und dies erschien schließlich auch gelungen. Durch den – auch heute von außen noch erkennbaren – Anbau wurde ein zweiter Lehrsaal und Wohnraum für den Schulgehilfen geschaffen.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 17s. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 164

Schulraum im Rathaus Bald stellte sich heraus, dass bei der Planung die Progression der Schülerzahl nicht ausreichend berücksichtigt worden war. Ein weiterer Anbau war nicht möglich, also musste eine schnelle Lösung des Problems gefunden werden. Glücklicherweise waren im Rathaus noch Räume frei. Ab 1. Oktober 1890 konnte dort für die Oberstufe (6. und 7. Jahrgang) eine 3. Abteilung eingerichtet und mit einem 2. Schulgehilfen besetzt werden, der dort auch wohnen konnte. Als 1889 diese Stelle in eine reguläre Schulstelle – mit dem Anspruch auf eine Familienwohnung – umgewandelt wurde, konnte auch letztere dort noch untergebracht werden. Für diese Schul- und Wohnräume war allerdings ein jährlicher Mietzins von 350 Mark an die Marktgemeinde zu berappen.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 18 oben

Was eigentlich als Notbehelf gedacht war, dauerte noch bis zum Jahr 1926. Eine Erhöhung der Schülerzahlen resultierte zum Teil aus dem Zuzug von Katholiken, für die ja 1903 eine eigene Kirche gebaut wurde. Es war abzusehen, dass die (evangelische) Schule für deren demnächst erwartbare 50 Kinder ein zusätzliches Schulzimmer bereitzustellen hatte. Zwar wurde 1903 unter Pfarrer Seiler ein Schulhaus-Neubauprojekt ausgearbeitet, wurde aber nicht umgesetzt. Das lag zum einen an dem auf und ab wechselnden Bedarf (tatsächliche und von den verschiedenen Stellen unterschiedlich prognostizierte Schülerzahlen). Der Hauptgrund lag aber daran, dass keine Einigkeit über die Lastentragung erreichbar war. Wenngleich inzwischen die Unterbringung im Rathaus als für Schulzwecke nicht geeignet angesehen und 1913 seitens Pfarrer Girstenbreu eine durchgreifende Verbesserung der hiesigen Verhältnisse gefordert wurde,s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 19 wurden alle Initiativen durch den beginnenden Krieg hinfällig.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 20 oben

Eine grundlegende Veränderung ergab sich durch die neuen Schulgesetze von 1919, wonach ab 1. Januar 1920 für die Lehrerbesoldung der Staat und für den Sachbedarf die Gemeinden einzustehen haben. Den Volksschullehrern, nunmehr Staatsbeamte, war fortan untersagt, weiterhin den Mesnerdienst auszuüben. Damit war die Trennung von Kirche und Schule bewirkt.

Die Gemeinde musste die Räume im Mesnerhaus mieten, bis das neue Schulhaus am Eichenhain im Januar 1927 bezogen werden konnte.s. Literatur – Festschrift 1982 – S. 20 untens. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 164 Es war ein für Schulzwecke umgebautes ehemaliges Fabrikgebäude in der Länge von zwei Schulsälen mit einem aufgesetzten Stockwerk, bot also Platz für vier Klassen.s. Literatur – Feucht – Konrad Barthel 2011 – S. 165

Nach Ende der Schulzeit