mini|Quartier Turenne in Achern mit Wappen der 1re Armée, 42e RT, Stadt Achern

Französische Traditionsnamen für militärische Einrichtungen in Deutschland beschreibt die in der Zeit der Besatzung Deutschlands sowie während des Kalten Krieges von den Streitkräften Frankreichs vergebenen Namen für die von ihnen beschlagnahmten militärischen Liegenschaften, die in aller Regel zuvor von der deutschen Wehrmacht genutzt und zumeist auch erbaut worden waren.Quelle sind die gesammelten Ausgaben der drei regionalen Truppenzeitschriften: Carnets du Rhin, Freiburg im Breisgau (Zone de Stationnement Sud), Carnets de la Moselle et du Palatinat, Trier (Zone de Stationnement Nord), Mercure du Pays de Bade, Baden-Baden (Zone de Stationnement Centre)

Von den insgesamt 135 militärischen Liegenschaften mit einem Traditionsnamen trugen 57 einen historischen Namen (Französische Geschichte 39, Napoleonische Kriege 5, Koloniales Erbe 13), 18 entfielen auf Namensgeber aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, 25 auf Namensgeber aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. 118 Liegenschaften waren nach Personen benannt, ganz überwiegend Soldaten. Im Unterschied zur Praxis der Vereinigten Staaten von Amerika mit einem hohen Anteil von Namensgebern aus der Gruppe der Unteroffiziere und Mannschaften, dominieren bei den französischen Namen die Marschälle (26) und Generale (44). Kein einziger französischer Unteroffizier oder Mannschaftsdienstgrad erhielt diese Ehre. Einige Namensgeber sind mehrfach vertreten: 20 der 26 berücksichtigten Marschälle entfielen auf nur vier Personen: die Sieger des Ersten Weltkriegs Ferdinand Foch (6) und Joseph Joffre (4) sowie aus der Zeit des Sonnenkönigs die Marschälle Turenne (5) und Vauban (5). Nach dem Begründer der französischen Herrschaft in Marokko, Général Hubert Lyautey, wurden vier Kasernen benannt, nach dem Gründer der Armée d’Afrique und späteren Oberbefehlshaber im besetzten Rheinland, Général Charles Mangin, drei. Auch die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc wurde drei Mal in Kasernennamen geehrt.

Französische Literatur (1) 1. Base Saint-Exupéry, Achern Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944), Schriftsteller, Autor des „Petit Prince“, Kriegsfreiwilliger im Zweiten Weltkrieg als Pilot, verschollen vor Marseille am 31. Juli 1944.

Französische Musik (1) 2. Quartier Chopin, Landau Frédéric Chopin (1810–1849), polnischer Komponist, der nach der Julirevolution von 1830 nach Paris emigriert war.

Französische Geschichte (39) 3. Quartier Barbier, Friedrichshafen Général de brigade Jean François Barbier (1754–1828), Soldat des Premier Empire, beteiligt an allen Kampagnen in Deutschland 1792–1800, 1802 unter General Bernadotte in der Armée de Hanovre, 1805 Krieg gegen Preußen, 1814 in den Ruhestand versetzt, den er in seiner „chère ville de Strasbourg“ verbrachte.

4. Quartier Jean Bart, Freiburg

Jean Bart (1650–1702), der „corsaire dunkerquois“, berühmt für seine Einsätze im Dienste des Königs Louis XIV, insbesondere im Holländischen Krieg 1672 bis 1678.

5. Quartier Berthezène, Kehl 6. Quartier Berthezène, Koblenz

Général de division Pierre Berthezène (1775–1847), Soldat des Premier Empire, sein Name ist am Arc de Triomphe de l’Etoile eingraviert.

7. Quartier Bertin, Kehl

Général de brigade Nicolas Bertin (1752–1816), Soldat des Premier Empire.

8. Quartier Canrobert, Rastatt

Maréchal François Certain de Canrobert (1809–1895), Soldat des Second Empire, beteiligt an den Schlachten an der Alma, von Magenta, Solferino und St. Privat.

9. Quartier Carnot, Rastatt

Général de division Lazare Nicolas Marguerite Carnot (1753–1823), Soldat der Revolutionskriege, erhielt nach der Convention nationale den Ehrennamen „L’organisateur de la victoire“ und „Le grand Carnot“. Er war der Großvater des Präsidenten der Republik Sadi Carnot.

10. Quartier Cartier, Renchen

Jacques Cartier (1491–1557), Seefahrer und Begründer von Neufrankreich in Nordamerika.

11. Quartier Dejean, Koblenz

Général de division Jean-François-Aimé Dejean (1749–1824), Militär-Ingenieur, Soldat der Revolutionszeit, Minister von Kaiser Napoléon Ier.

12. Quartier Durand de Villers, Friedrichshafen Général de division Jean Durand de Villers (1814–1886), Soldat des Second Empire, besonders im Krimkrieg bei der Schlacht an der Alma und der Belagerung von Sewastopol beteiligt, bei der Belagerung von Metz 1870 in Gefangenschaft geraten, Kommandant der École polytechnique 1873–1876. 13. Quartier Ferrié, Koblenz

Général Gustave-Auguste Ferrié (1868–1932), Pionier des Fernmeldewesens, Chef der Inspection des télégraphies militaires 1918.

14. Quartier Galliffet, Weingarten

Général Gaston de Galliffet, prince de Martignes (1830–1909), Kriegsminister in der Regierung Pierre Waldeck-Rousseau 1899–1900 während der Dreyfus-Affäre.

15. Quartier Hoche, Kaiserslautern 16. Quartier Général Hoche, Koblenz Général Lazare Hoche (1768–1797), Soldat der Revolutionszeit, Kriegsschauplatz Elsass und Pfalz 1793 mit einer Niederlage bei Kaiserslautern und einem anschließenden Sieg bei Landau, Befehlshaber der Armée de Sambre-et-Meuse 1797. 17. Quartier Jeanne d’Arc, Idar-Oberstein 18. Quartier Jeanne d’Arc, Koblenz 19. Quartier Jeanne d’Arc, Landau

Jeanne d’Arc (1412–1431), französische Nationalheldin, Heerführerin und Heilige der katholischen Kirche, die den Dauphin Charles während der Belagerung von Orléans 1428 bewog, den Kampf gegen die Engländer wieder aufzunehmen und zum siegreichen Ende zu führen, schließlich verraten und in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

20. Quartier Kléber, Landau

Général Jean-Baptiste Kléber (9. März 1753 bis 14. Juni 1800), Soldat der Revolutionskriege aus Straßburg, ausgezeichnet bei der Belagerung von Mainz (1793) und der Schlacht bei Fleurus (1794), während der Kampagne in Ägypten ermordet.

21. Quartier Lahorie, Offenburg Général Victor-Claude-Alexandre Fanneau de Lahorie (1766–1812), Soldat des Premier Empire, Generalstabschef in der Armée du Rhin 1799 unter Général Jean-Victor Moreau, 1800 Stadtkommandant von Straßburg. 22. Quartier Général Lasalle, Fritzlar

Général Antoine Charles Louis Lasalle (1775–1809), Soldat der Revolutionskriege, in der Schlacht bei Wagram am 6. Juli 1809 gefallen.

23. Quartier Mansard, Offenburg

Jules Hardouin-Mansart oder Mansard (1646–1708), „Premier architecte du Roi“ unter König Louis XIV., Architekt von Teilen des Palastes in Versailles und des Invalidendoms in Paris.

24. Quartier Marceau, Koblenz 25. Quartier Marceau, Landstuhl

Général François Séverin Marceau (1769–1796), Soldat der Revolutionskriege, gefallen am 21. September 1796 während des Feldzugs im Rheinland bei Altenkirchen.

26. Quartier Mellinet, Wittlich

Général Émile Mellinet (1798–1894), Offizier in Algerien, im Krimkrieg und 1870 im Krieg gegen Preußen-Deutschland.

27. Quartier Ménard, Lahr

Général Jean François Xavier de Ménard (1765–1831), Soldat des Premier Empire.

28. Quartier Moncey, Horb

Maréchal Bon-Adrien-Jeannot de Moncey (1754–1842), Soldat des Premier Empire, in der Grande Armée unter dem Namen „Fabius“ bekannt, Inspecteur de la Gendarmerie 1801, Gouverneur des Invalides 1833–1836.

29. Quartier Pennanec'h, Offenburg

Mazurié de Pennanec'h (1732–1811), Vertreter der Stadt Morlaix in den Ständen der Bretagne, Vertreter in den Generalständen von 1789, der den Schwur im Saal des Jeu de Paume leistete.

30. Quartier Turenne, Achern 31. Quartier Turenne, Müllheim 32. Quartier Turenne, Neustadt an der Weinstraße 33. Quartier Turenne, Renchen 34. Caserne Turenne, Zweibrücken

Maréchal Henri de la Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne (1611–1675), Maréchal général des camps et armées du Roi unter Könige Louis XIII und Louis XIV, gefallen am 27. Juli 1675 bei Sasbach in der Ortenau.

35. Quartier Vaquette de Gribeauval, Freiburg

Maréchal de camp Jean-Baptiste Vaquette de Gribeauval (1715–1789), Reformer der französischen Artillerie, um die Erfolge der Armeen der Revolution und Napoleons zu ermöglichen.

36. Quartier Vauban, Breisach 37. Quartier Vauban, Freiburg 38. Quartier Vauban, Fritzlar 39. Quartier Vauban, Konstanz 40. Quartier Vauban, Radolfzell

Maréchal de France Sébastien Le Prestre, marquis de Vauban (1633–1707), Festungsbaumeister des Königs Louis XIV, Erbauer der Festung Breisach.

41. Quartier Zimmer, Tübingen

Général de division Émile Zimmer (1851–1925), Laufbahn im militärischen Nachrichtendienst, insbesondere während der Affairen Schnaebele und Dreyfus.

Napoleonische Kriege (5) 42. Quartier Moscou, Saarburg

Moskau, russische Stadt, am 14. September 1812 von Napoleons Grande Armée besetzt, nach dem Brand der Stadt im November 1812 fluchtartig geräumt.

43. Quartier Napoléon, Berlin 44. Quartier Bonaparte, Konstanz

Général Napoléon Bonaparte, Premier Consul, Empereur Napoléon Ier (1769–1821), Soldat der Revolutionskriege, Schöpfer des Premier Empire, Beherrscher Europas.

45. Quartier Maréchal Ney, Saarlouis

Maréchal Michel Ney, duc d’Elchingen, prince de la Moskowa (1769 in Saarlouis bis 1815), Soldat der Revolutionskriege und des Premier Empire, gehörte zur „Première promotion des maréchaux“ Napoleons 1804, von Napoleon „Brave des braves“ genannt.

46. Quartier Wagram, Offenburg

Schlacht von Wagram am 5. und 6. Juli 1809, bei der Napoleon die Armee der fünften Koalition unter Erzherzog Karl entscheidend geschlagen hatte.

Koloniales Erbe (13) 47. Quartier Aumale, Reutlingen

Lieutenant-général Henri d’Orléans, duc d’Aumale (1822–1897), fünfter Sohn von König Louis-Philippe I., als Offizier an der Eroberung Algeriens 1840–1844 beteiligt.

48. Quartier Faidherbe, Bergzabern

Général Louis Faidherbe (1818–1889), Gouverneur im Senegal und Gründer des Hafens Dakar. Sein Widerstand an der Spitze der Armée du Nord ersparte den beiden Départements Nord und Pas-de-Calais die deutsche Besatzung 1870.

49. Quartier d’Isly, Pirmasens

Schlacht von Isly in Algerien am 14. August 1844, für die Maréchal Thomas Robert Bugeaud de la Piconnerie der Titel eines duc d’Isly verliehen worden war.

50. Quartier Lyautey, Donaueschingen 51. Quartier Lyautey, Speyer 52. Quartier Lyautey, Tübingen 53. Quartier Lyautey, Villingen

Général de division Hubert Lyautey (1854–1934), Offizier der Kolonialkriege, Général résident im Protektorat Marokko 1912–1914, Kriegsminister während des Ersten Weltkrieges.

54. Quartier Mangin, Landau 55. Quartier Mangin, Mainz 56. Quartier Mangin, Villingen

Général de division Charles Mangin (1866–1925), Offizier der Kolonialkriege, Teilnehmer der Mission Congo-Nil unter Capitaine Jean-Baptiste Marchand 1898–1900, Gründer der Armée d’Afrique, Oberbefehlshaber während der Rheinlandbesetzung 1918.

57. Quartier La Manouba, Reutlingen

La Manouba, Stadt und Palast in Tunesien.

58. Quartier Négrier, Bühl

Général François de Négrier (1788–1848), Soldat des Premier Empire, beteiligt an der Eroberung Algeriens.

59. Quartier Normand, Speyer

Général de brigade Frédéric Henri Le Normand de Lourmel (1811–1854), an der Eroberung Algeriens beteiligt, Einsätze in der Kabylei, im Krimkrieg in der Schlacht bei Inkerman am 5. November 1854 tödlich verwundet.

Erster Weltkrieg (18) 60. Quartier Castelnau, Trier

Général Noël Édouard, vicomte de Curières de Castelnau (1851–1944), Befehlshaber der IIe Armée und Generalstabschef von Maréchal Joffre im Ersten Weltkrieg.

61. Quartier Driant, Konstanz

Colonel Émile Driant (1855–1916), Schriftsteller unter dem Pseudonym Danrit, Abgeordneter von Nancy, Kriegsfreiwilliger des Ersten Weltkrieges, bei Verdun gefallen am 22. Dezember 1916. In Paris erinnert die rue du Colonel-Driant im 1er Arrondissement an ihn.

62. Quartier Estienne, Baden-Baden

Sous-Lieutenant Eugène Estienne (1889–1914), 153e RI (régiment d’infanterie), am 20. August 1914 bei Morhange gefallen.

63. Quartier Maréchal Foch, Bad Kreuznach 64. Cité Foch, Berlin 65. Quartier Foch, Donaueschingen 66. Quartier Foch, Landau 67. Quartier Foch, Wittlich 68. Quartier Foch, Worms