Das Mausoleum im Schlosspark Gadow im Nordwesten der Prignitz in Brandenburg wurde 1816 für den verstorbenen königlich-preußischen Generalfeldmarschall Wichard Joachim Heinrich von Moellendorff (1724–1816) errichtet. Die architektonischen Pläne stammen vom preußischen Architekten Salomo Sachs. Das Bauwerk gehört zu den herausragenden klassizistischen Denkmalen der Prignitz und der Region Nordwestbrandenburg und steht unter Denkmalschutz.
Lage Die Grabstätte befindet sich am Rande des bewaldeten Parks von Schloss Gadow zwischen Lanz und Gadow. Von Lanz liegt das Mausoleum ca. 1,08 Kilometer nordöstlich entfernt und von Gadow sind es ca. 700 Meter in südwestlicher Richtung.Meyersgaz.org. (Hrsg.): Gadow 2) Westprignitz, Potsdam, Brandenburg, Preussen. Original: In: Meyers Orts- und Verkehrslexikon. Bibliographisches Institut-Leipzig. Stand 22. Juni 2026.
Geschichte Wichard von Möllendorff hatte den Bau des Erbbegräbnisses an seinem heutigen Standort testamentarisch verfügt. Von 1804 bis 1816 war das Schloss Gadow in seinem Besitz.
Am 28. Oktober 1817 fanden die Trauerfeierlichkeiten für Wichard von Möllendorf und dem am 27. August 1813 in der Schlacht bei Hagelberg mit ihm verwandten, dessen Großmutter war die Schwester des Feldmarschalls, und von ihm adoptierten gefallenen Hauptmann Wichart Friedrich Wilhelm Heinrich Ernst Bogislav von Bonin-Möllendorff (1782–1813), geb. von Bonin-KarzinUdo von Bonin: Geschichte des Hinterpommerschen Geschlechtes von Bonin, bis zum Jahre 1863. Mit einer Tafel Wappenbilder. Verlag R. (L). v. Decker, Berlin 1864, S. 164. statt, der zu diesem Zeitpunkt ins Erbbegräbnis umgebettet wurde. Der Prediger Neffe aus Cumlosen, hielt die Rede zur Eröffnung des Mausoleums vor Geistlichen und zahlreichen Gästen.Regierungsbezirk Potsdam (Hrsg.): Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. No. 4, Eigenverlag, Potsdam den 23. Januar 1818, S. 18.
Architektur Das Bauwerk ist auf einem annähernd quadratischem Grundriss von 12 mal 12 Metern errichtet und zeigt einen Grabbau in Anlehnung an griechische Tempelarchitektur mit vorgesetztem Säuleneingang (Portikus) und einer dreistufigen Treppe. Vier Dorische Säulen aus Sandstein tragen einen Dreiecksgiebel, auf dem Architrav über den Säulen ist die Inschrift zu lesen:
mini|hochkant=1.0|Architektonische Zeichnung des Mausoleums im Schlosspark Gadow von Architekt Salomo Sachs (1816). In der Schmuckfläche mittig im Giebeldreieck ist ein Kalksteinquader eingelassen, aus dem eine bogige Nische mit einer bildhauerisch gestalteten Öllampe herausgearbeitet wurde. Bis zur halben Höhe wird die Fassade von gemauerten und verputzten Quadern, einer sogenannten Rustizierung, umrundet. Die restlichen Fassadenflächen sind mit einem Glattputz versehen und das Satteldach ist mit Schiefer eingedeckt. Den Eingang bildet eine in Sandstein gerahmte Tür, die sich nach oben hin verjüngt. Das Mausoleum hat insgesamt sieben rahmenlose Fensteröffnungen, die als Halbkreisfenster mit einer fächerförmigen Gitterfüllung ausgestattet sind. Die Festons über den Fenstern des Eingangs, nach Entwurf von Sachs, sind nicht mehr erhalten.Gerhard Vinken, Barbara Rimpel, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler-Brandenburg. 2. Auflage, Mit: Gadow: PDF-Stand 22. Juni 2026, Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2012, S. 367.
Der Innenraum besitzt ein Mittelschiff, das als Tonnengewölbe mit 6,5 Meter Höhe und 6,5 Meter Breite erbaut wurde. Die Seitenwände besitzen jeweils zur linken und rechten Seite fünf gedrungene rundbogige Nischendurchbrüche, auch als Rundbogenarkaturen bezeichnet, durch die in sich dahinter befindliche Seitenschiffe Sarkophage eingeschoben werden können. Die beiden Seitenschiffe sind nur über die niedrigen Durchbrüche zugänglich und ermöglichten Chören eine diskrete Aufstellung bei Trauerfeierlichkeiten.
In den Jahren von 2015 bis 2016 wurde das Denkmal mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert und konnte am 22. November 2016 für die Öffentlichkeit freigegeben werden.
Nachnutzung Es soll zusammen mit der Parkanlage und dem Schloss touristisch bzw. teils als Gedenkstätte museal genutzt werden.
Literatur Paul Eichholz, Friedrich Solger, Willy Spatz: Die Kunstdenkmäler des Kreises Westprignitz. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Band I/1, Hrsg. Brandenburgischer Provinzialverband-Schriftleitung: Theodor Goecke, Vossische Buchhandlung, Berlin 1909, S. 24–25. Gerhard Vinken, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler-Brandenburg. 1. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge / Dehio-Vereinigung e.V, Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2000, S. 347.
Weblinks
Dekorative Kastenmalerei im Tonnengewölbe-Motive Udo DrottBärbel Arnold (Hrsg.): Umweltbedingte Pigmentveränderungen an mittelalterlichen Wandmalereien. In: Beiträge des 3. Konservierungswissenschaftlichen Kolloquiums in Berlin | Brandenburg am 13. und 14. November in Potsdam und Ziesar. Hrsg. BLDAM-Wünsdorf, Motive: Udo Drott, Wernersche Verlagsanstalt, Worms 2009, S. 15 f. Detailinnenansicht des Tonnengewölbes auf Flickr.com
Einzelnachweise
Kategorie:Mausoleum in Brandenburg Kategorie:Grabmal in Brandenburg Kategorie:Baudenkmal in Lanz (Prignitz) Kategorie:Möllendorff (Adelsgeschlecht, Leuchterwappen) Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Brandenburg Kategorie:Erbaut 1816 Kategorie:Grabbau in Europa