mini|Die Silhouette Bambergs in den 1830er Jahren
Die Geschichte Bambergs umfasst die historischen Ereignisse von der Jungsteinzeit bis zur neuzeitlichen Stadt Bamberg als Teil des Bundeslandes Bayern in Deutschland.
Neben archäologischen Funden aus Stein- und Bronzezeit gehen die ersten schriftlichen Überlieferungen Bambergs auf das 8. Jahrhundert n. Chr. zurück. In dieser Zeit regierte das fränkische Adelsgeschlecht der Babenberger die Siedlungsgebiete rund um das heutige Bamberg. Nach Verlust der Gebiete und zwischenzeitlichem Status als Königsgut gründete Kaiser Heinrich II. im 11. Jahrhundert das Bistum Bamberg. Wenig später zum Hochstift erhoben, wurde Bamberg bis ins 19. Jahrhundert – geistlich wie weltlich – durch die katholischen Fürstbischöfe regiert. Nach Besetzung und anschließender Eingliederung durch das Königreich Bayern im Jahr 1802 wurde Bamberg säkularisiert und verlor damit seine Jahrhunderte währende Autonomie. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde Bamberg zu einer kreisfreien Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken und beheimatet heute u. a. die Universität Bamberg, mehrere überregionale Gerichtsbarkeiten sowie das Landratsamt Bamberg. Die mittelalterliche Altstadt, die in den Weltkriegen weitgehend verschont blieb, wurde 1993 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.
Vorgeschichte (bis ca. 500 n. Chr.) mini
Die ältesten Relikte der Bamberger Vorgeschichte sind vermutlich die im 19. Jahrhundert gefundenen Bamberger Götzen, drei Skulpturen aus Keupersandstein mit einer Größe zwischen 1 und 1,70 m, die heute im Historischen Museum Bamberg ausgestellt sind. Das genaue Alter ist umstritten und liegt wohl zwischen Jungsteinzeit und dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung. Die archäologische Sammlung des Historischen Vereins Bamberg, die über 7000 Objekte umfasst, beinhaltet auch einen 4500 Jahre alten Dolch aus der Bronzezeit, welcher „Handelsbeziehungen bis nach Kleinasien bereits in vorgeschichtlicher Zeit“ beweist.
Die Babenberger im Frühmittelalter (bis 1007 n. Chr.) Laut archäologischen Untersuchungen war der Bamberger Domberg bereits im 6. Jahrhundert besiedelt. In der Vita der heiligen Bilihild wurde Bamberg „um 718“ als Babenberg erwähnt. Diese Vita ist jedoch nur in einem Druck aus dem 18. Jahrhundert überliefert und die Überlieferungsgeschichte ist ungeklärt, sodass es fraglich ist, ob man diese Notiz als „Ersterwähnung“ werten kann.; Bernd Schneidmüller: Die einzigartig geliebte Stadt – Heinrich II. und Bamberg. In: Josef Kirmeier, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter, Evamaria Brockhoff (Hrsg.): Kaiser Heinrich II. 1002–1024. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2002 (= Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur 44/2002), Augsburg 2002, S. 30–51, hier: S. 31 (archiv.ub.uni-heidelberg.de). Im Jahre 902 wurde zum ersten Mal ein Castrum Babenberch auf dem heutigen Domberg genannt. Es gehörte dem ostfränkischen Geschlecht der älteren Babenberger, die das Lehen 903 in einer blutigen Fehde mit den rheinfränkischen Konradinern verloren. Bei der sogenannten Babenberger Fehde starben drei babenbergische Brüder. Die Besitzungen fielen an den König und blieben bis 973 Königsgut. Kaiser Otto II. schenkte das Castrum seinem Vetter, dem Herzog von Bayern, Heinrich dem Zänker.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 106–122.
Bistum Bamberg (1007–1245) mini|Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde mit dem Bamberger Dom
Im Mai 1007 erfolgte die Gründung des Bistums durch König Heinrich II., den Sohn Heinrichs des Zänkers. Hierzu übertrug Heinrich II. der ansässigen Kirche die Lehensrechte über weitreichende Güter, darunter auch Besitzungen in Bayern, Schwaben und Kärnten. Im gleichen Jahr ließ er den ersten Dom errichten, der in der Folge zweimal abbrannte und durch den heutigen, aus dem 13. Jahrhundert stammenden Bau ersetzt wurde.
Heinrich III. ernannte 1040 Suidger, Graf von Morsleben und Hornburg, zum Bischof von Bamberg. Sechs Jahre später wurde dieser als Clemens II. Papst der katholischen Kirche, blieb jedoch gleichzeitig Bischof von Bamberg, was in der damaligen Zeit als unüblich galt. Zur Verteidigung seines doppelten Amts aus Papst und Bischof von Bamberg schrieb Clemens II. in einem Diktat auf seinem Sterbebett:
Nach seinem Tod wurde Clemens II. im Bamberger Dom beerdigt. Sein Grab gilt als das einzige erhaltene Papstgrab nördlich der Alpen und kann im Dom besichtigt werden.
Mitte des 11. Jahrhunderts waren die Besitztümer des Bistums noch bruchstückhaft aus verschiedenen umliegenden Grafschaften zusammengesetzt. Eine erste Konsolidierung der Besitzung erfolgte unter der Regentschaft Heinrichs IV. (reg. 1056–1106), welcher der Bamberger Kirche neben den vollständigen Grafschaftsrechten über Radenz-, Saale-, Grabfeld- und Volkfeldgau auch Königsgüter im Nordgau übertrug.
Bischof Otto der Heilige konnte Anfang des 12. Jahrhunderts die Territorien weiter vergrößern und erwarb Pottenstein und Gößweinstein. 1208 wurde König Philipp von Schwaben in Bamberg durch Otto VIII. von Wittelsbach ermordet.
Hochstift Bamberg (1245 – 1802)
links|mini|196x196px|Wappen des Bistums und Hochstifts Bamberg
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde das Bistum Bamberg zum Hochstift erhoben, wodurch der Bischof auch die weltliche Macht über das Territorium erhielt. Bischof Heinrich I. von Bilversheim erlangte die Hoheitsrechte von Kaiser Friedrich II. und wurde zum ersten Bamberger Fürstbischof.
Die Lage Bambergs an den beiden Regnitzarmen führte im Mittelalter immer wieder zu Überschwemmungen. So riss das Magdalenenhochwasser im Juli 1342 eine Brücke mit sich.
Im Januar 1430 rückten die Hussiten auf Bamberg vor (siehe auch Hussitenkriege). Das Domkapitel floh mit dem Domschatz (heute im Diözesanmuseum Bamberg) auf die Giechburg, der Bischof zog sich nach Kärnten zurück. Die wohlhabenden Bürger flüchteten nach Forchheim und Nürnberg. Die Hussiten nahmen Bamberg jedoch nicht ein. Als sie Scheßlitz erobert hatten, plünderten die in Bamberg verbliebenen Handwerker, Tagelöhner und Bauern erst die Weinkeller und dann die Bürgerhäuser und Klöster. Kurz darauf handelte Markgraf Friedrich von Brandenburg mit Andreas Prokop, Heerführer der Hussiten, auf Burg Zwernitz einen Waffenstillstand aus und Bamberg zahlte 12.000 Gulden Lösegeld, um der Brandschatzung zu entgehen.mini|Bamberger Reiter|300x300px
Ein Aufstand der Bürger im 15. Jahrhundert gegen die fürstbischöfliche Macht, der sogenannte Immunitätenstreit, blieb erfolglos. Der Bauernkrieg 1524/1525 hinterließ auch im Hochstift Bamberg seine Spuren. Einerseits herrschte wegen der hohen Abgabenlast ein allgemeiner Unmut in der Bevölkerung gegenüber den regierenden Fürsten. Andererseits verbreiteten sich auch im katholischen Bistum Bamberg die Thesen Martin Luthers, insbesondere durch den Kustos von St. Gangolf Johannes Schwanhausen. Im Zuge der Unruhen in Südwestdeutschland und eines befürchteten Ausbreitens der Aufstände nach Bamberg wurden im April 1525 über 300 berittene Soldaten in der Stadt stationiert. Zudem wurde die Ritterschaft des Hochstifts durch Bischof Weigand von Redwitz zu den Waffen gerufen. Im weiteren Verlauf kam es zu gewaltsamen Aufständen, bei denen u. a. die Domburg angegriffen und Häuser der Domherren verwüstet und geplündert wurden. Die anschließenden Verhandlungen zwischen Bischof und Bürgerschaft resultierten in verschiedenen Gesetzesreformen, wie beispielsweise der Freigabe von Wäldern und Gewässern für die Jagd, der Abschaffung des kleinen Zehnts sowie der Bildung eines Ausschusses der städtischen Bürger zur Klärung von Beschwerden mit dem Bischof.
Zeit der Hexenverfolgung Das ehemalige Hochstift Bamberg war gemeinsam mit den Hochstiften Würzburg und Eichstätt sowie in Kurmainz, dem benachbarten protestantischen Fürstentum Bayreuth, der kleinen schwäbischen Herrschaft Wiesensteig und Ellwangen eines der Hauptzentren der frühneuzeitlichen Hexen- und Zaubererverfolgung in Süddeutschland. In Bamberg wurde 1507 die Constitutio Criminalis Bambergensis in Kraft gesetzt, die unter anderem die Strafe für Hexerei auf Tod durch Verbrennen festlegte:
mini|Stadtkarte Bamberg von 1617
Infolge lang anhaltender, teils gewalttätiger Machtauseinandersetzungen zwischen Bürgern und dem jeweiligen regierenden Fürstbischof Bambergs, einer durch Missernten in der Kleinen Eiszeit und Kriegseinwirkungen ausgelösten Hungersnot und eines starken persönlichen Hexenglaubens des regierenden Bamberger Fürstbischofs Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, genannt der Hexenbrenner (1623–1633), erreichten die Verfolgung und Hinrichtung von Personen und ganzer Familien unter dem Vorwurf der Hexerei in Bamberg in den 1620er und frühen 1630er Jahren ihren Höhepunkt. Der Weihbischof Friedrich Förner war der wichtigste Prediger und der eigentliche Scharfmacher der Hexenverfolgung. Johann Georg II. Fuchs von Dornheim ließ speziell für die Inhaftierung von der Hexerei Beschuldigter im Jahr 1627 das einst im Bereich der heutigen Franz-Ludwig-Straße gelegene sogenannte Drudenhaus, auch Malefizhaus genannt, errichten.Einen knappen Überblick zu den Hexenverfolgungen in Bamberg bietet: Wolfgang Behringer: Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung. (= C. H. Beck Wissen. Band 2082). 5. Auflage München 2009, S. 54 f. Vgl. auch Friedrich Merzbacher: Die Hexenprozesse in Franken. 1957 (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte. Band 56); 2., erweiterte Auflage: C. H. Beck, München 1970, ISBN 3-406-01982-X, passim, insbesondere S. 53–56 (Die Hexenprozesse im Hochstift Bamberg).
Neben zahlreichen anderen Bamberger Bürgern (beispielsweise Dorothea Flock und Christina Morhaubt, Georg Haan, Kanzler im Hochstift Bamberg) und Mitgliedern des Domkapitels wurde im August 1628 unter dem Vorwand der Hexerei auch der Bürgermeister der Stadt Bamberg Johannes Junius im Drudenhaus festgesetzt. Dieser schrieb dort vor seiner Hinrichtung in seinem Abschiedsbrief an seine Tochter:
mini|Hexengefängnis in Bamberg
Aus überlieferten Prozessakten geht hervor, dass von 1612 bis 1631 in drei Wellen mindestens 884 Personen im Hochstift Bamberg der Hexerei oder Zauberei angeklagt und hingerichtet wurden. Allein für die letzte und größte Welle der Hexenprozesse ab 1626 sind im Hochstift 642 Opfer dokumentiert.Britta Gehm: Hexen im Hochstift Bamberg. In: Zeitenblicke 3 (2004), Nr. 3 (https://www.zeitenblicke.de/2004/03/gehm/index.html zeitenblicke.de). Den Besitz der ermordeten Personen zog die Kirche ein. Während die Verfolgungen und Ermordungen sich zunächst auf Zeil am Main konzentrierten, begannen im Mai 1627 auch Hexenprozesse gegen Bamberger Bürger, die zunächst noch auf einem Karren nach Zeil gebracht wurden. Ab dem Jahresende 1627 wurde die Stadt Bamberg selbst Schauplatz von Hexenprozessen und Hinrichtungen. Von 1628 bis 1631 wurden zusätzlich zu den bereits 1627 verhafteten 37 Bambergern weitere 196 Bamberger Bürger wegen Hexerei gefangengesetzt, meist im Drudenhaus.Britta Gehm: Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung. Olms, Hildesheim 2000 (zugleich Dissertation an der Universität Jena 1999), S. 162. Erst der Einmarsch schwedischer Truppen im Februar 1632 setzte dem Treiben des Bischofs und seiner Häscher ein Ende. Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim floh nach Oberösterreich und starb dort 1633.