Das Kraftfahrzeug 305 (kurz: Kfz. 305) war ein Fahrzeug mit Kofferaufbau, das für verschiedenste Aufgaben entwickelt und von der Luftwaffe während des Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurde.

Namensgebung Das Kfz. 305Die von der allgemeinen Regelung abweichende Schreibweise der Typbezeichnung bzw. der Abkürzung Kfz. mit Punkt entspricht den Angaben in den Originalunterlagen. wurde in der zweiten Jahreshälfte 1940 eingeführt, als die in den 1930er Jahren gebauten Typen allmählich ausliefen und die Lkw-Produktion sich auf die im Schell-Plan festgelegten Standardtypen beschränkte. Die neuen Typen bauten alle auf den mittleren Lastkraftwagen 3 t (Dreitonner) mit geschlossenem Kofferaufbau auf. Als Fahrwerk wurde das Standardfahrwerk („S“, 4×2), seltener das Allradfahrwerk („A“, 4×4) verwendet.

Die Bezeichnung LC-Koffer ist in der Literatur weit verbreitet, wobei die Abkürzung selten erläutert wird. Festgestellt werden kann dazu, dass die Bezeichnung LC im Oktober 1933 frühestens in Dokumenten auftritt. Als Hintergrund zu den Entwicklungsabteilungen ist bekannt, dass vor Oktober 1933 die Technische Abteilung (B II) dem Allgemeinen Amt (LB) unterstellt war. Ab Oktober kam es zu einer Umgliederung des Reichsluftfahrtministeriums (kurz: RLM). Im Zuge dessen wurde die Technische Abteilung zum Technischen Amt (LC: Luftfahrtamt, Abteilung C) reorganisiert und dem damaligen Staatssekretär der Luftfahrt (Generaloberst Erhard Milch) unmittelbar unterstellt. Dazu gehörten die drei Abteilungen Forschung (LC I), Prüfwesen (LC II) und Beschaffung (LC III). Da alle drei Abteilungen an der Entwicklung des neuen und einheitlichen Kofferaufbaus beteiligt waren, wurde der Aufbau nachfolgend LC-Koffer genannt.

Entwicklung Um den Transport wirtschaftlicher und leichter gestalten, einen einheitlichen Nachschub sicherstellen und die Instandsetzung, Bedienung und Wartung einfacher gestalten zu können, wurde bei der Luftwaffe der LC-Koffer entwickelt. Die genaue Bezeichnung des Aufbaus lautete geschlossener Einheits-Aufbau der Luftwaffe, zerlegbar auf mittleren Lastkraftwagen (handelsüblich), LC-Koffer (motorisiert) Kraftfahrzeug 305/.... Dieser LC-Koffer war ein geschlossener und als Ganzes absetzbarer Fahrzeugaufbau auf den 3-t-Fahrzeugen der Luftwaffe. In ihm wurden motorisierte Geräteeinheiten wie zum Beispiel Nachrichtenstationen für Funk und Draht, Laboratorien, Werkstätten, Gerätelager und dergleichen untergebracht. Weiterhin konnte er als Mannschaftstransport-, Aufenthalts- oder Küchenfahrzeug genutzt werden. Außerdem ließ sich der Aufbau auf den Boden setzen und für andere Zwecke verwenden. Außerdem konnte er auf Pritschen-Lkw oder Pritschen-Anhänger aufgesetzt werden. Das Hauptaugenmerk lag bei der Entwicklung auf einer vollständigen Trennung von Fahrgestell und Aufbau. Da der Koffer aus sechs einzelnen Teilen bestand, musste im Schadensfall mitunter nur ein Teil neu beschafft werden, was leichter war, als einen kompletten Koffer anfordern zu müssen.

Der LC-Koffer wurde auf die meisten handelsüblichen Fahrgestelle aufgesetzt und um 1940 eingeführt. Dazu zählten der Opel-Blitz 3 t, 3,6 m Radstand, handelsüblich, der Opel 3 t S, der Opel 3 t A, der Daimler-Benz Lgf 3000, der Daimler-Benz L 3000 S, der Daimler-Benz L 3000 A, der Chevrolet 3 t, der Ford 3 t und der Oldsmobile 3 t. Die genauen Gewichtsdaten sind in der oberen Tabelle zu finden. In den Tropen war laut Dienstvorschrift nur eine 75-prozentige Zuladung vorgesehen. Weitere Fahrzeuge mit LC-Koffer waren der Borgward B 3000 S, der Borgward B 3000 A, der Klöckner-Deutz S 3000, der Klöckner-Deutz A 3000. Darüber hinaus fand sich der Aufbau mit veränderten Hecktüren auf dem Gleisketten-Lastkraftwagen-2-t (Sd. Kfz. 3/4). Auch ein Transport über Schnee war mit speziellen Kufen möglich. Diese Schlittenkufen für geschlossenen Aufbau bestanden aus Holz mit Eisenbeschlägen und wurden an den Querträgern des LC-Koffers angebaut.

Produktion Durch die ab 1939 entstandene staatliche Bewirtschaftung konnten Hersteller nicht selbstständig entscheiden, was in ihren Werken gebaut werden sollte. Durch Fotos und auch Fahrzeugschilder konnten einige Hersteller der Kofferaufauten jedoch identifiziert werden. Dazu zählten unter anderem die Gaubschat Fahrzeugwerke, Karosseriefabrik Voll und die C. Miesen GmbH & Co. KG.

Technische Beschreibung Der geschlossene Einheits-Aufbau wurde für alle Stationen der Luftwaffe, wie zum Beispiel Fernschreibanschluss-Kraftwagen, Funk-Kraftwagen oder Sauerstoffumfüll-Kraftwagen genutzt. Der Koffer bestand aus den folgenden Baugruppen: 1 Boden, vollständig 1 Seitenwand, rechte, vollständig 1 Seitenwand, linke, vollständig 1 Rückwand, vollständig 1 Vorderwand, vollständig 1 Dach, vollständig 2 Kotflügel, klappbar Verbindungsteile 1 Vorschrift D. (Luft) T. 8203.

Der Kofferaufbau bestand aus Leichtplatten mit einer Wandstärke von 30 mm. Füllhölzer waren für die Befestigung von Geräten einheitlich vorgesehen. Ein eigenständiges Anschrauben von Geräten an Wänden oder dem Dach war nur mit Genehmigung des Stammwerkes zulässig. Wände, Türen, Klappen und Fenster waren in Form und Abmessungen gleich. Sämtliche Bauteile des Kofferaufbaus waren austauschbar. Zerlegbar war der Aufbau in Boden, Vorder-, Rück-, Seitenwände und Dach. Das Kurzzeichen für den Kofferaufbau war LC-Koffer (mot.) Kfz. 305/…, Kfz. 305 K, Ausführung B. Der LC-Koffer wurde auch als geschlossener Einheitsaufbau (Kfz. 305) bezeichnet. Es gab eine Dachgalerie mit Plane und Spriegeln oder auch ein Laufgangdach, zusätzlich noch mehrere Klapptritte, Türen, Klappen und Auftrittsleitern an beiden vorderen Ecken. An der Vorderwand gab es ein Schiebefenster, an der Rückwand in der Mitte eine 1545 × 700 mm große Tür mit festen Fenstern. Die rechte Seitenwand hatte vorn eine 1545 × 700 mm große Tür, ebenfalls mit festen Fenstern. Weiterhin gab es an der rechten Seite noch eine 1270 × 500 mm große Klappe und ein Übersetzfenster. An der linken Seite befanden sich zwei 1270 × 520 mm große Klappen, jeweils vorn und hinten, ein Übersetzfenster und ein festes Fenster. Der Koffer war 3,50 m lang, 2,01 m hoch und 1,75 m breit.

Der Zusammenbau war einfach. Lediglich vier Hilfskräfte und etwas Werkzeug wurden benötigt. Beim Zusammenbau war es untersagt, einen Hammer ohne Brettstücke als Unterlage zu nutzen. Ein Zerlegen war ebenso einfach wie der Zusammenbau. Wartung brauchte der leere LC-Koffer nicht. Lediglich bei Bedarf mussten die Gelenkbänder an den Klappen und Türen sowie die Schlösser an den Klappen und Türen geschmiert werden.

Unabhängig von Inhalt und Einbauten konnten in den LC-Koffern Hängematten aufgehängt werden. Sie hatten die Bezeichnung Hängematten im geschlossenen Aufbau und bestanden aus Segeltuch, das doppelt zusammengenäht war. Eine eingenähte Hanfleine war an den Ecken durch Rohrbögen geschützt, da dort die Befestigungsmittel (eine Kette) angebracht wurden. Die Matten wogen einzeln 2,3 kg und wurden im Fahrzeug mitgeführt. Mindestens zwei Personen (je nach Innenausrüstung) konnten dadurch im Kofferaufbau schlafen.

Um das Kfz. 305 auch in den Tropen nutzen zu können, gab es den Satz Ergänzungsgerät für Herrichtung eines Kfz. 305 für Tropen vom 3. Juli 1942. Dieser Satz bestand aus einem Sonnensegel, fünf Blendschutzgardinen, zwei Moskitofenstern und vier Radschürzen. Der Satz diente als Sonnenschutz und als Schutz gegen Fliegersicht und Moskitos. Das Gewicht der Tropenausrüstung betrug etwa 50 kg. Dieser Satz wurde nachträglich an die Fahrzeuge angebaut und war nicht vom Werk aus vorhanden. Über das Dach wurde mit Abstützstangen ein imprägniertes Segeltuch gespannt, welches das Fahrzeug besser gegen die unmittelbare Sonneneinstrahlung schützte. Auf der Oberseite hatte das Segeltuch eine Tarnfärbung. Auf der Unterseite war das Tuch rot gefärbt, um die Wärmestrahlung besser abhalten zu können. Die Moskitofenster bestanden aus einem mit Gaze bespannten Rahmen, der auf die Innenrahmen der Übersetzfenster gesteckt wurde. Die Blendschutzgardinen waren Vorsteckgardinen und wurden mit Tenax-KnöpfenTenax ist ein Markenname der Happich GmbH für Hochleistungsdruckknöpfe. Der Druckknopf kann nur durch Betätigen der Verschlusssperre geöffnet werden. am Außenrahmen der Fenster befestigt. Sie sollten das Blinken der blanken Fensterscheiben verhindern, aber dennoch genügend Licht in das Innere des Fahrzeugs lassen. Deshalb gab es in den aus Kunstleder bestehenden Blendschutzgardinen mehrere Löcher. An den Kotflügeln befestigte man Radschürzen aus Segeltuch, die durch Stützrohre versteift wurden. Diese Radschürzen sollten die unmittelbare Bestrahlung der Reifen durch die Sonne verhindern. Auch die Radschürzen hatten eine Tarnfärbung.

Da der LC-Koffer eine eigenständige Stromversorgung hatte, konnte er auch im abgesetzten Zustand als Bodenstation eingesetzt werden.

Einsatz Die ersten Kfz. 305 kamen ab der zweiten Jahreshälfte 1940 mit den ersten Untervarianten an allen Kriegsschauplätzen der Wehrmacht zum Einsatz. Für die Tropen gab es den Tropensatz und auch für den Winter gab es besondere Bestimmungen. Bis zum Ende des Krieges diente das Fahrzeug bei den Einheiten der Luftwaffe.

Varianten Das Kfz. 305 gab es in sehr vielen unterschiedlichen Varianten. Im Nachfolgenden werden sie aufgezählt und (wo möglich) erklärt, was sich jeweils an Besonderem im LC-Koffer der Fahrzeuge befand.

Kfz. 305 Kfz.-Nr.BezeichnungBemerkungBild 305 Lager­kraftwagen (Bus) Die Ursprungsausführung 305 war der Lagerkraftwagen (Bus) im Kraftwagen-Transportzug einer Feldwerft-Abteilung (mot.). Hauptzweck des Fahrzeugs war der Transport von Mannschaften. Im LC-Koffer waren dafür zwei gegenüberliegende Sitzbänke, eine Schreibbank und ein Schreibtisch eingebaut. Das Dach in dieser Ausführung war ein Laufgangdach mit erhöhtem Mittelteil und kleinen seitlichen Fenstern. Für einen möglichen Tropeneinsatz erhielt der Wagen ein Sonnensegel mit Halterungen und einen Tropentarnanstrich. Die Ausrüstung im Fahrzeug wog 133 kg und das Gesamtgewicht betrug 3793 kg.

Kfz. 305/1 bis 305/39 Die Fahrzeugnummern 305/1 bis 305/39 waren für die Luftnachrichtentruppe als Fahrzeuge für Funk und Draht vorgesehen. Viele der unten aufgezählten Fahrzeuge wurden in der Vorschrift L. Dv. 702/2 (Gerätnachweis und Beladeplan) und deren verschiedenen Heften erwähnt (z. B. L. Dv. 702/2 Heft 323: Kfz. 305/19). Fast alle Fahrzeuge hatten die gleiche Grundausstattung an Material wie einen Amtsanschließer 33 mit Zubehör oder auch das Kochgerät 15 mit einer Schutzhülle. Da die Ausrüstung nicht mit dem Fahrzeugstrom betrieben werden durfte, hatte jedes Fahrzeug einen eigenen Elektromaschinensatz IV für die Beleuchtung und Geräte. Um einen reibungslosen und fehlerfreien Betrieb zu ermöglichen, wurden verschiedene Vorschriften mitgeführt. Zum einen die Vorschrift zum Fahrzeug und Fahrgestell, eine Vorschrift zum LC-Koffer und einzelne Vorschriften zu den eingebauten Geräten. Außerdem hatte jedes Fahrzeug der Luftnachrichtentruppe eine Betriebsuhr. Für den Aufbau von Verbindungen gab es eine Rückentrage mit einer Trommel zum Kabellegen. Um einen Betrieb während der Dunkelheit sicherzustellen, gab es den Beleuchtungskasten Fu. 51 mit zwei Laternen. Für die Reparatur des Fahrzeugs gab es eine Werkzeugtasche mit verschiedensten Werkzeugen. Eine zweite Tasche enthielt Werkzeug für die Reparatur der technischen Geräte an Bord und für Nachrichtengerät. Um sich im Gelände orientieren zu können, hatten die Fahrzeuge einen Marschkompass. Ein Verbandkasten war ebenfalls in jedem LC-Koffer. Um anderen Truppenteilen den Weg zum Kfz. oder zur Meldestelle zeigen zu können, hatten alle Fahrzeuge Stationspfeile (Wegweiser) und Stationstafeln dabei. Zum Betrieb außerhalb des Kfz. wurden Zelte und Zeltzubehör mitgeführt. Das Dach in allen Ausführungen der Luftnachrichtentruppe hatte eine Dachgalerie mit Plane und Spriegeln, bei einigen Ausführungen war die Dachgalerie verkürzt, um Platz für eine große Rahmenantenne zu bieten.