Friedrich Wilhelm Lüdersdorff (auch Lüdersdorf; * 29. April 1801 in Bärwalde;So z. B. angegeben in: Wilhelm David Koner: Gelehrtes Berlin im Jahre 1845. S. 223; . Andere Quellen geben als Geburtsjahr auch 1799, 1800 oder (offensichtlich irrtümlich) 1807 an. † 26. August 1886 in Baden-BadenBernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5181-5 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5).) war ein deutscher Chemiker, Politiker und Gutsbesitzer. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“

Leben Friedrich Lüdersdorff studierte Philosophie und promovierte zum Dr. phil. Von 1827 bis 1835 war er Mitarbeiter am wissenschaftlichen Teil der Haude- und Spenerschen Zeitung. Er veröffentlichte verschiedene Arbeiten auf den Gebieten der Biologie und technischen Chemie. Unter anderem erfand er die Lüdersdorffsche Dampflampe.Die modernen Beleuchtungsmethoden – Auszug aus Hans Kraemer: Die Urkraft der Erde. Band 2: Die Entstehung und Verwertung des Feuers im Dienste der Menschheit. 1911.

Um 1832 erforschte er in Berlin Kautschuk (auch Federharz). Etwa zeitgleich wie der Amerikaner Hayward beobachtete er zuerst, dass Schwefel dem im Terpentin gelösten Kautschuk die Klebrigkeit nimmt, und legte damit den Grund für Goodyears spätere Erfindung der Vulkanisation (1839).Ludwig Darmstaedter: Handbuch zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik. (PDF; 2,3 MB) S. 1832 Lüdersdorf war mit dem Regierungsbauinspektor Salomo Sachs freundschaftlich verbunden und setzte sich durch wissenschaftliche Abhandlungen für dessen Methode des Stampflehmbaus (auch Pisé-Bau genannt) ein.

Lüdersdorff war Landes-Ökonomie-Rat in Berlin und Generalsekretär des Landes-Ökonomie-Kollegiums, später Geheimer Regierungsrat. In den Jahren 1859 und 1860 war er für den Wahlkreis Potsdam 7 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.

1858 übernahm Lüdersdorff von seinem Onkel Johann Heinrich Leberecht Pistorius das Rittergut Weißensee. Er ließ 1859 das als Schloss Weißensee bekannt gewordene Gutshaus errichten und den dazugehörigen Park am Weißen See anlegen. Im Januar 1872 kaufte ihm der Hamburger Großkaufmann und Bodenspekulant Gustav Adolf Schön das Rittergut für 700.000 Taler ab.

Im Jahr 1882 wurde Lüdersdorff in den preußischen Adelsstand erhoben.A. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873–1918. Görlitz 1939, S. 28.

Ein Stück der in Berlin-Weißensee gelegenen Parkstraße trug in der Zeit vor 1890 als Lüdersdorffstraße seinen Namen.

Schriften Das Auftrocknen der Pflanzen für’s Herbarium, und die Aufbewahrung der Pilze, nach einer Methode wodurch jenen ihre Farbe, diesen ausserdem auch ihre Gestalt erhalten wird. Haude & Spener, Berlin 1827. Das Wesen der Destillirkunst. Berlin 1827.

Beschreibung des Pistoriusschen Dampfbrennapparates, nebst erläuternden Bemerkungen. 2. Auflage. Veit & Comp., Berlin 1836. Luedersdorff: Beschreibung des Pistoriuschen Dampfbrennapparates. Berlin 1833. Reprint: Verlag Becker, Potsdam, ISBN 978-3-941919-17-4. Die Fabrikation des Runkelrübenzuckers erläutert durch eine allgemeine Darstellung der Operationen. Bade, Berlin 1836. J. H. L. Pistorius: Praktische Anleitung zum Branntweinbrennen (Zweite Auflage, nach den neuesten Erfahrungen bearbeitet und herausgegeben vom Dr. F. Lüdersdorff). Förstner, Berlin 1841. Ueber die Natur der Hefe. In: Ann. Phys. Chem. (Poggendorff), 76, 1846, S. 408–411. Der Maisbau mit Rücksicht auf die klimatischen und Boden-Verhältnisse der Mark. Förstner, Berlin 1849 (mit P. H. J. Wellenbergh) Erfahrungen und Untersuchungen in Betreff des Einimpfens der Lungenseuche des Rindviehes. Weigandt u. Grieben, Berlin 1853.

Literatur Peter Zech: Friedrich Wilhelm von Luedersdorff. 3 Bände. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2016.

Einzelnachweise

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